Gratis oder umsonst?

In den letzten Monaten ging ich anspruchsvollen Strickereien mehr oder weniger aus dem Weg. Aber neulich beschloss ich, mal wieder ein etwas herausforderndes Mystery-Projekt zu starten, nämlich die Lochmuster-Jacke „Zoraya“ nach einer Anleitung von Birgit Freyer. Die gibt es (derzeit) als kostenlose Anleitung bei Ravelry. Wie sie genau aussehen wird, weiß man natürlich noch nicht.

Birgits Anleitungen mag ich aber. Bei ihnen kämpft man sich nicht durch endlose Textwüsten, sondern arbeitet nach Diagrammen. Zwar muss man sich erst an einige ungewohnte Maschen-Manipulationen gewöhnen, und die Zahl der Zeichen in einer Reihe korrespondiert aus diesem Grund nur näherungsweise mit der Zahl der Maschen auf der Nadel, aber ihre Strickschriften sind klar und übersichtlich.

Das Modell stand also fest, es fehlte noch die Entscheidung fürs Material. Vorgesehen war Baumwolle mit einer Lauflänge von 640 m auf 100 g aus Birgits Shop, aber angesichts meiner üppigen Vorräte wollte ich möglichst nichts Neues kaufen. Was vorhanden ist, wird sorgfältig in einer Excel-Tabelle geführt, mit Angabe von Material, Farbe und Menge in Gramm und Metern (soweit ermittelbar). Darin fand ich eine Kone Baumwoll-Maschinengarn in sommerlichem Türkis, Gewicht gut 350 g, Lauflänge etwa 2.000 m auf 100 g. Das ist natürlich viel zu dünn, um es so zu verstricken, aber wenn man drei Fäden zusammen nimmt, kommt man auf 666 m auf 100 g, und das entspricht in etwa den Anforderungen in der Anleitung. Die Menge passt auch, ich muss nicht befürchten, dass es nicht reicht.

Jacke "Zoraya", Start
Inzwischen habe ich angefangen, siehe Bild. Es geht zwar nur langsam voran, weil ich ziemlich an der Strickschrift „klebe“, um keine Fehler zu machen. Zudem muss ich aufpassen, dass ich immer alle drei Fäden erwische. Die farbigen Ringe, die ich zum Markieren der Raglan-Maschen verwende, gehören eigentlich auf elektrische Zahnbürsten. Sie sind klein, sie sind leicht, man spürt sie deutlich zwischen den Fingern, wenn man beim Stricken an ihnen vorbei kommt, und sie sind glatt, so dass auch das dünnste Garn sich nicht darin verhaken kann. Da ich aus dem Norden komme, wo man maritime Traditionen in Ehren hält, habe ich in den Hinreihen grundsätzlich grüne Markierer rechts bzw. am Reihenanfang, entsprechend den Positionslichtern an Steuerbord, und rote immer links, am Reihenende, quasi als Kennzeichnung für Backbord. Andere Farben kommen bei Bedarf dazwischen. Auf diese Weise erkenne ich auch bei Projekten, die von beiden Seiten gleich aussehen, welches die Vorderseite ist. Bei dieser Jacke hat man das Problem zwar nicht, aber Tradition ist nun mal Tradition.

Da die Anleitung kostenlos war und geeignetes Garn sich in meinem Vorrat fand, wird dies also, wenn alles verläuft wie geplant, eine Gratis-Jacke. Hoffentlich hält der Spaß am Stricken lange genug an, damit das gute Stück auch fertig wird und die bisherigen Mühen nicht umsonst waren.

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