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Dienstag, 22. April 2014

Diese Woche fragt das Wollschaf:
Jede Münze hat zwei Seiten. Was ist also das Schlimmste am Faserarbeiten?
Vielen Dank an Daniela für die heutige Frage!


Hm, schwierig. Ich stricke gern Maschenproben, ich plane und rechne gern, ich nähe gern zusammen. Und das eigentliche Stricken gefällt mir natürlich auch. Nicht mal Fädenvernähen kann mich schrecken.
Ribbeln mag ich nicht, aber das ist bei mir auch nur sehr selten nötig, da ich, wie erwähnt, gern alles im voraus berechne, und das passt dann auch fast immer. Was ich am wenigstens toll finde, ist wohl Knöpfe annähen.

Samstag, 19. April 2014

Ende März beschloss ich, etwas aus der Frühjahrs-Verena zu stricken, damit das Geld für die Zeitschrift nicht umsonst ausgegeben ist. Und damit es nicht zu langweilig wird, sollte es ein etwas ausgefallenes Modell sein. So kam ich auf Marilu.

Die erste Herausforderung bestand darin, in meinem Vorrat ein Garn zu finden, mit dem ich die angegebene Maschenprobe einigermaßen erreichen konnte. Neues Garn kaufen kam aus finanziellen Gründen nicht in Frage. Ich entschied mich für Schewe “Damasco”, eine reine Baumwolle mit einer Lauflänge von 140 m auf 50 g. Durch ein früheres Projekt wusste ich, dass sich das Garn recht gut auf dem Grobstricker verarbeiten lässt, obwohl es von der Lauflänge her eher für die Standard-Maschine geeignet scheint. Es war nur ein wenig zu dünn für Marilu. Aber das lässt sich ja ändern, indem man ein zweites, dünneres Garn mitlaufen lässt. Das einzige aus meinem Vorrat, was farblich einigermaßen zum Kakaobraun der Baumwolle passte, war eine dünne (800 m/100 g) reine Seide von Posh Yarns. Mit diesem Garn war ich ohnehin nicht besonders glücklich, deshalb war ich froh, einen brauchbaren Verwendungszweck zu finden. Die Maschenprobe mit MW 3 und je einem Faden Baumwolle und Seide passte auch von der Maschenzahl her.

Nun ging es ans Analysieren des Modells. Um zu verstehen, wie die verkürzten Reihen gearbeitet werden, machte ich mir (nicht lachen!) eine Zeichnung auf Millimeterpapier. Das half mir, den Aufbau des Schnitts und den Wechsel zwischen Lochmuster und glatt rechts zu visualisieren. Einen einzelnen Rapport zeichnete ich dann in DesignaKnit als farbiges Muster:

Muster Marilu in DesignaKnit

Hellbraun sind die Reihen in glatt rechts, rot ist das Lochmuster, die hellgrünen Kästchen symbolisieren die Löcher, und der blaue Bereich kennzeichnet die Nadeln, die stillgelegt werden müssen. Damit die umwickelten Nadeln nicht immer an derselben Stelle sind, verschob ich sie beim Lochmuster um drei Maschen. Das Lochmuster muss beim Grobstricker natürlich von Hand umgehängt werden, und bei den vielen Löchern ist das recht zeitraubend.

Da am Ende eine Reihe im Maschenstich geschlossen werden muss, legte ich das Muster so an, dass man in der Mitte des glatt-rechts-Bereichs beginnt und endet. Nun musste nur noch berechnet werden, wie oft dieser Rapport gestrickt werden muss, um auf den benötigten Umfang zu kommen. Laut Anleitung soll man ihn 13mal ausführen, aber das erschien mir zu knapp; ich strickte ihn 14mal. Im Nachhinein denke ich, 16mal wäre auch nicht verkehrt gewesen. Dafür braucht man aber natürlich auch mehr Material. Ich fand es übrigens nicht sinnvoll, das als Schnitt anzulegen, denn diverse Wiederholungen von verkürzten Reihen hintereinander kann DesignaKnit nicht darstellen. Ein Muster hingegen lässt sich in beliebiger Breite und Höhe hintereinander weg stricken.

Nachdem das große Teil fertig war, strickte ich zunächst die Halsblende an, dann den vordere Taillenbund. Dafür ermittelte ich die Mitte und hing von da ausgehend Maschen auf die Maschine. Das Bündchen ist im Rippenmuster 1re-1li über 38 Reihen gestrickt. Es folgten die Ärmelbündchen, die in den Mittelbereich zwischen vorderem und (bisher nur gedachtem) hinterem Taillenbund kamen. Danach schloss ich die hintere Naht im Maschenstich und strickte den hinteren Taillenbund wie den vorderen an. Nun mussten nur noch die Bundnähte und die “Seitennähte”, d.h. die noch offenen unteren Kanten geschlossen werden. Das ging am schnellsten.

So sieht der Pulli aus:

Pulli getragen

Wenn man die Arme locker herunterhängen lässt, ist die Passform akzeptabel. Muss man sie heben, dann spannt es im unteren Bereich. Mit zwei zusätzlichen Rapporten könnte man den Sitz sicherlich etwas verbessern. Und generell kann man in dieser Form auch allerlei Varianten stricken, beispielsweise zwei Farben statt zwei Muster oder schmale, durchgehende Lochmusterstreifen nur im unverkürzten Bereich. Auch der Einsatz von Farbverlaufsgarn mit nicht zu kurzem Rapport ist denkbar. Vielleicht stricke ich irgendwann noch einmal so etwas, dann aber weiter und hoffentlich bequemer.

Dienstag, 15. April 2014

Diese Woche fragt das Wollschaf:
Seid Ihr schon mal so richtig ausgeflippt, weil es mit einer Anleitung/einem Muster/einer Technik nicht geklappt hat?
Habt ihr schon mal in die Stricknadel gebissen oder seid in Tränen ausgebrochen?
Was ist Eure Taktik bei “Handarbeitssackgassen”?
Vielen Dank an Daniela für die heutige Frage!


Mir helfen üblicherweise ein ruhiges Gemüt und logisches Denken über die meisten Strick-Klippen hinweg. Tränen und Wutausbrüche spare ich mir für andere Gelegenheiten auf. Meine langjährige Erfahrung im Interpretieren von Anleitungen kommt mir zugute, wenn ein Text mal kryptisch aussieht. Vor 40 Jahren fragte niemand, wie man z.B. “beidseitig in jeder 6. Reihe 3x 1 M, in jeder 4. Reihe 4x 1 Masche und in jeder 2. Reihe 5x 1 Masche zunehmen” sollte. Damals war völlig klar, dass man das sequenziell abarbeitet, erst die Zunahmen, die alle 6 R ausgeführt werden, dann die, die alle 4 R dran sind und dann die für jede 2. Reihe. Moderne Strickerinnen versuchen stattdessen, alle Anweisungen gleichzeitig auszuführen, weil Gleichzeitigkeit in den letzten Jahren zu einer alles bestimmenden Lebenseinstellung geworden ist. Amerikanische Anleitungen tragen dem Rechnung, indem sie jede Reihe, wenn nicht sogar jede Masche gesondert beschreiben.
Natürlich hatte ich auch schon Momente und Anleitungen, bei denen ich allein nicht weiterkam. Beim letzten derartigen Fall kontaktierte ich die Designerin selbst via Ravelry und bekam auf diesem Weg Hilfe. In anderen Fällen würde ich zuerst in den einschlägigen Foren (Strickforum, Stricknetz) anfragen, weil dort erfahrungsgemäß schnelle und kompetente Hilfe zu finden ist.
Manchmal stößt man auf Anleitungen, in denen wirklich der Wurm steckt, beispielsweise das Modell #29 Lamiah aus dem Verena-Frühjahrsheft. Wenn ich gerade in analytischer Stimmung bin, dann beflügelt mich so eine Anleitung, auf Lösungssuche zu gehen, auch wenn ich (noch) gar nicht beabsichtige, das Modell nachzuarbeiten. Manche Leute lösen gern Kreuzworträtsel, andere mögen Sudokus, und wieder andere spielen “Quizduell”. Mich entspannt es, komplizierte oder verkorkste Strickanleitungen aufzudröseln.

Samstag, 12. April 2014

Es geht auf den Sommer zu, und höchst unpassend zur Jahreszeit sind drei der vier Projekte, an denen ich gerade werkele, aus dicken Garnen. Als Entschuldigung führe ich an, dass das eine ein Modell aus dem Verena-Frühjahrsheft ist, nämlich das Modell #4 Marilu. Es fällt, wie schon andere meiner Projekte in diesem Jahr, in die Kategorie “Tragbare Seltsamkeiten”, wobei die Tragbarkeit sich freilich erst noch erweisen muss. Hier eine Maschenprobe:

Maschenprobe

Fürs Originalmodell soll man eine Baumwollmischung mit einer Lauflänge von 90 m auf 50 g nehmen. Ich verstricke stattdessen eine gut abgelagerte reine Baumwolle (Schewe “Damasco”, 140 m/50 g) zusammen mit einem Strang Posh “Olivia Lace” (100 % Seide, 800 m/100 g), der von einem anderen Projekt übrig war. Mit dem Grobstricker und MW 3 komme ich auf die angegebenen 16 M auf 10 cm, allerdings habe ich 28 statt 27 Reihen. Das gleiche ich hoffentlich aus, indem ich die Musterfolge 14 mal stricke.

Dieses Modell beabsichtige ich übrigens nicht als Sommerpullover und ohne etwas darunter zu tragen. Dazu wäre es mir zu schwer und zu dick, trotz der Löcher. Bei mir wird es ein Pulli, unter dem ich langärmelige Shirts tragen werde.

In diesem Zusammenhang ist für mich auch die Modellpolitik des OZ-Verlags nicht nachvollziehbar. Wer bitteschön trägt denn bei sommerlichen Temperaturen freiwillig ein knappes Kilo Baumwolle oder Viskose spazieren, gestrickt mit Nadelstärke 5 oder noch höher? Für meinen Bedarf kommt da eher eine feine, angenehme Seiden- oder Leinenmischung in Frage, gern auch mit Wolle, weil die nun mal Temperaturen am besten ausgleicht; und gestrickt wird maximal mit Nadelstärke 3 mm. Das ergibt ein leichtes, dünnes Gestrick, das trotzdem wärmt, wenn's mal nötig ist, das beim Stricken keine Sehnenscheidenentzündung verursacht und sich außerdem wesentlich schneller und einfacher produzieren lässt als das dicke Zeug, bei dem zumindest ich pro Masche viel mehr Kraft aufwenden muss. Deshalb werden die anderen beiden “dicken” Projekte, die ich noch in Arbeit habe, auf ihre Fertigstellung sicherlich noch ein Weilchen warten müssen.

Sonntag, 06. April 2014

Mit dem Strickprogramm DesignaKnit arbeite ich seit mittlerweile zwanzig Jahren. Das Lace-Modul dazu, das es erlaubt, Handstrick-Lochmuster automatisch für die Strickmaschine umzuwandeln, ist allerdings noch nicht so lange erhältlich. Es kam vor einigen Jahren heraus, und ich musste es natürlich sofort haben.

Dummerweise funktioniert es ein wenig anders als das “normale” Stricken von Lochmustern mit meiner Strickmaschine. Da die Anleitung im Hinblick auf das Stricken nicht besonders präzise ist und ich auch nie richtig versucht hatte, Lochmuster interaktiv zu stricken, kam ich mit dem Modul zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis.

Erst als eine Strickerin im Strickforum von ihren Problemen berichtete, wurde mein Ehrgeiz geweckt, die Rätsel des Lochmuster-Moduls zu lösen. Als Beispiel verwendeten wir das Muster des Pullovers “Serenade” aus dem Verena-Sommerheft 2012. So sieht es aus, wenn man es ins Programm eingegeben hat:

Muster

Um alles richtig zu machen, versuchte ich das Muster auch interaktiv zu stricken, mit dem Strickschlitten auf KC bei abgeschalteter Randnadel-Vorwahl. Nach dem Übertragen in die Maschine kam aber etwas anderes heraus als gewünscht, und ab der fünften Sequenz waren mehrere leere Nadeln nebeneinander, ein sicheres Zeichen dafür, dass die Maschen in die falsche Richtung umgehängt wurden. Ich probierte alle nur denkbaren Methoden innerhalb des Programms aus, um die Umhängerichtung zu ändern, vergeblich. Das Muster im Speicher der Maschine (und nur dort) zu spiegeln, erwies sich als brauchbarer Workaround, aber das konnte ja nicht Sinn der Sache sein. Ich kontaktierte Matthew Bragg von Softbyte.

Er ging mit mir geduldig alle Einstellungen durch und zeigte mir vor allem einen Weg, wie man sich das Muster so anzeigen lassen kann, wie es letztlich in der Strickmaschine landet, nämlich über die Druckvorschau des Maschinentyps KH 950i. Das half mir zu erkennen, dass das Muster mit einer Leerreihe des Strickschlittens beginnt und nicht mit einer Reihe des Lochschlittens, siehe Markierung im Diagramm:

Diagramm-Teil
Da verstand ich endlich: Wir alle hatten überhaupt nicht darauf geachtet, dass unser Lochmuster, wie alle “normalen” Brother Strickmuster, mit einer Vorwahl-Reihe des Strickschlittens startet, bevor der Lochschlitten zum Einsatz kommt. Vom Ablauf her ist das nur logisch; alle Muster, die man mit dem Strickschlitten strickt und die man mit einem DesignaKnit-Schnitt integrieren kann, benötigen diese Reihe zwingend. Somit ist es sinnvoll, das auch bei den Lochmustern vorzusehen, denn auch die will man ja wahrscheinlich mal mit einem Schnitt integriert stricken. Als Entschuldigung für meine Blindheit kann ich nur anführen, dass der Text-Hinweis beim Start des Interaktiven Strickens unklar ist. Dem konnte ich nicht entnehmen, was eigentlich getan werden soll:

Text zum Start des interaktiven Strickens

Nun jedoch ist mir klar, wie ich vorgehen muss, und es ist auch logisch. Außerdem hat Matthew Bragg sofort ein Programm-Update zur Verfügung gestellt, das zum Beginn des Interaktiven Strickens den vollständigen Text in einem größeren Fenster anzeigt:

aktualisierte Anzeige im Programm-Update

Am besten ladet Ihr es Euch gleich herunter (Hilfe -> Web Updates -> Programm Update).

Donnerstag, 03. April 2014

Zufällig blätterte ich gestern das Heft durch, auf der Suche nach etwas Einfachem, das ich stricken könnte. Durch einen weiteren Zufall stieß ich bei Ravelry auf einen ziemlich frustrierten Eintrag zum oben genannten Modell, dessen Anleitung im Heft vor Denk- und Rechenfehlern nur so strotzt.

Derlei Fehler beflügeln mich geradezu, mich in die Hirnwindungen desjenigen (oder derjenigen) zu versetzen, der/die so einen Schrott verfasst hat. Und ich glaube, es ist mir gelungen, eine nachstrickbare Lösung zu finden.

Meine Interpretation: Die angegebene Länge von 68 cm zusammengefaltet (40 + je 28 cm Bund) ist für die kleinste Größe. Die Bund-Länge ist für alle Größen gleich. Bei der 1. Größe soll nach 108 cm (nicht 105, das ist ein Tippfehler) wieder mit der dünneren Nadel weitergestrickt werden. Das entspricht den Maßangaben auf der rechten Seite von Teil A (28 + 40 + 40 cm).

Die 2. und 3. Größe haben jeweils 2 cm (zusammengefaltet) bzw. 4 cm (hoch gestrickt) mehr Teillänge. Das vermute ich aus der Reihen-Differenz. Angegeben sind 264 - 276 - 288 R, Unterschied jeweils 12 R, entsprechend der MaPro wären das 4 cm.

Und jetzt noch einmal Achtung: Die angegebenen 264-276-288 Reihen sind rechnerisch Quatsch, weil die Tech-Editesse der Abwechslung halber mit Maßen auf der linken Seite des Schemas herumgerechnet hat. Damit kam sie immerhin auf die für die 3. Größe angegebenen 40 + 28 + 28 = 96 cm, von denen sie dann noch 4 bzw. 8 cm für die kleineren Größen abgezogen hat. Tatsächlich sollten es meinem rechnerischen Empfinden nach für die 1. Größe besagte 108 cm (= 324 R), für die 2. Größe 112 cm (= 336 R) und für die 3. Größe (348 R) sein, und dann wechselt man wieder zur dünneren Nadel und strickt noch mal 28 cm.

Weshalb man mit der dünneren Nadel auf dieselbe Reihen-MaPro kommt wie mit der dickeren, ist ein Wunder, das ich allerdings nicht ergründen kann.

Ich ziehe mich dann mal aus den fiebrigen Hirnwindungen der Tech-Editeuse wieder zurück und wünsche allen, die dieses lustige Teilchen stricken wollen, gutes Gelingen. Vielleicht probiere ich es auch irgendwann noch einmal; nach dem gut gelungenen 1sleeved und dem untragbaren Paris Sweater wäre es mal wieder an der Zeit für eine gestrickte Seltsamkeit.

Mittwoch, 02. April 2014

Für viele Menschen mag der Begriff “Routine” negativ assoziiert sein, und oft wird Routine als langweilig und unkreativ angesehen. Aber erst wenn man nicht mehr bei jedem Schritt nachdenken muss und vieles gewissermaßen über Autopilot erledigen kann, bekommt man den Kopf frei für neue Ideen. Hätten wir beispielsweise beim Spazierengehen Zeit, über etwas nachzudenken, wenn wir jeden Schritt bewusst und mit vollem geistigem Einsatz machen müssten?

Ich mag Routine, und ich habe mir fürs Stricken, besonders mit der Maschine, meine eigenen, fast immer gleichen Vorgehensweisen erarbeitet, mit denen mir vieles leichter fällt, weil ich nicht erst lange überlegen muss, was wie als nächstes an die Reihe kommt.

Ein Beispiel:
Bei konventionell von unten nach oben gestrickten Sachen kette ich die Schultern nicht ab, sondern stricke sie zusammen, weil das eine ebenso saubere wie stabile Naht ergibt. Um weniger Fäden vernähen zu müssen, lasse ich dafür den Faden an den Schultermaschen des Rückenteils gleich ausreichend lang hängen; etwa viermal die Schulterbreite auf dem Nadelbett ist gerade richtig.

An der Maschine hänge ich stets die rechte Schulter des Rückenteils zuerst auf, mit der Außenseite zu mir. Die rechte Schulter des Vorderteils kommt dazu, die Außenseite zum Rückenteil gewandt. Diese Schultermaschen werden durch die des Rückenteils gezogen. Dann wird mit dem langen Faden der rückwärtigen Schulter eine lose Reihe gestrickt und abgehäkelt. So muss ich nie überlegen, wie ich am besten vorgehe, und beide Nähte sind immer symmetrisch. Daraus ergibt sich für mich außerdem, dass die Naht, die man im allgemeinen beim Stricken der Halsblende an der Strickmaschine hat, immer an der linken Schulter ist.

Solche eingespielten Routinen helfen mir, dumme Fehler zu vermeiden. Es kommt damit wesentlich seltener vor, dass ich beispielsweise eine linke mit einer rechten Schulter verbinde oder die Teile nicht rechts auf rechts zusammenfüge.

Vor ganz blöden Fehlern, wie ich hier einen fabriziert habe, schützt meine Methode mich natürlich auch nicht.

Habt Ihr auch nützliche und eingespielte Routinen, die Euch das Stricken oder Ausarbeiten erleichtern?

Freitag, 28. März 2014

Aus der schönen frühlingsgrünen Yak-Seiden-Mischung von der Wollerey habe ich mir ein ebenso frühlingshaftes Drüberzieherchen gestrickt. Das Garn ist per se eher unelastisch und lässt damit natürlich Lochmuster hervorragend zur Geltung kommen. Somit war für mich klar, welche Technik in Frage kommt. Es blieb noch zu entscheiden, welches Lochmuster genau und welche Ausschnittform es werden sollte. Mir schwebte etwas mit mehreren verschiedenen Mustern übereinander vor, aber waagerechte Streifen sind ja nicht immer figurfreundlich. Diese Kombination von senkrechten Lochstreifen und einem flächigen Lochmuster ist aber, finde ich, ein guter Kompromiss. Die Vertikale wird betont, der V-Ausschnitt streckt die Linie zusätzlich ein wenig, und das Ganze hat ein freundliches Empire-Flair.

Yaksilk-Pulli im Lochmuster

Beide Lochmuster stammen aus dem Brother Musterbuch “Punchcard Pattern Vol. 5” und finden sich dort auf Seite 57 unter Nr. 185 (das Kreis-Muster) und Nr. 186 (das Streifenmuster). Das Streifenmuster hat eigentlich eine Rapportbreite von 8 Maschen, d.h. es erscheint auf der Lochkarte dreimal nebeneinander. Ich wollte aber gern, dass es in der Breite mit dem Kreis-Muster übereinstimmt, um einen einheitlichen Gesamteindruck zu erzielen. Deshalb setzte ich zwischen die Streifen zusätzliche leere Kästchen und kam so auf eine Rapportbreite von 12 Maschen.

Das Streifenmuster endet unterhalb des Ausschnitts. Die Trennlinie zwischen den Mustern besteht aus vier Kraus-Reihen (mit dem KG gestrickt), und danach wird sofort für den Ausschnitt geteilt. Das muss man sich natürlich vorher ausrechnen, damit man (vor allem beim Rückenteil) weiß, wann man mit dem Streifenmuster aufhören und die Kraus-Reihen stricken muss.

Yaksilk-Pulli, Musterdetail

Beim Weiterstricken habe ich die Lochmuster-Kreise so angeordnet, dass sie im ersten Höhen-Rapport genau in die Zwischenräume der Streifen fallen und sich danach versetzen. Das ist aber Geschmackssache.

Der V-Ausschnitt hat eine 1re-1li-Blende, es ist Ausschnitt Nr. 53 aus dem Kragen-Buch. Mit dieser Methode kann man auch mit einer Lochkarten-Maschine und dem KG eine schöne Rippenblende mit durchlaufender Mittelmasche erzielen. Es ist zwar etwas aufwendig, in jeder Reihe alle Maschen zur Mitte nachzuhängen, aber das Ergebnis finde ich überzeugend.

Donnerstag, 27. März 2014

Auf der Hinfahrt mit der Bahn habe ich einen kompletten Ärmel geschafft, was bei Nadelstärke 10 mm und der dicken Wolle (Posh Vivienne Chunky) auch kein Wunder ist. Auf der Rückfahrt war dann der zweite Ärmel dran. Ich war zuversichtlich, ihn bis zum Aussteigen fertigzustellen. Aber das Schicksal wollte es anders.

Nach anderthalb Stunden, als ich gerade mit der Armkugel begonnen hatte, brach das Seil der Nadel. Sie war ja nicht mehr die jüngste, vermutlich war das Material einfach brüchig geworden. Zunächst merkte ich es gar nicht, dann fiel mir plötzlich auf, dass die gerade gestrickten Maschen recht unglücklich in der Luft hingen. Ich schaute genauer hin, und da sah ich, was passiert war.

Gestrick mit abgebrochener Nadel

Es gelang mir immerhin, die heruntergefallenen Maschen wieder aufzusammeln. Aber an Weiterstricken war natürlich nicht zu denken. Ich habe leider auch keinen wirklich brauchbaren Ersatz in meiner umfangreichen Nadelsammlung. Da ist noch eine ältere Lana-Grossa-Nadel, die hat aber ein dickes, schlauchartiges Seil, und schon bei einem früheren Projekt stellte ich fest, wie schlecht es sich damit strickt. Die Maschen rutschen nicht gut, und man ist nur am Schieben und Zerren. Eine ähnliche Nadel habe ich durch das fortwährende Zerren schon einmal kaputt gemacht.
Dann wäre da noch ein altes “Denise”-Set. Mit dem habe ich aber ebenfalls schlechte Erfahrungen gemacht. Das Dreh-Klick-System neigt dazu, sich im falschesten Moment zu lösen, so dass man wiederum die Maschen aus der leeren Luft sammeln muss. Zudem sind auch hier die Seile sperrig und bremsen die Maschen.

Nadeln von Lana Grossa und Denise

Ich werde nicht umhin kommen, heute im Laufe des Tages noch das örtliche Wollgeschäft aufzusuchen. Hoffentlich ist dort eine passende Nadel vorrätig.

Dienstag, 18. März 2014

Diese Woche hat das Wollschaf eine Frage aus dem Archiv vom 6.3.07:
Wieviel % Eurer Modelle fallen unter:
- Stricken um des Strickens Willen
- Stricken, weil Du’s selbst brauchst
- Stricken, weil dir jemand einen Auftrag gibt
- Stricken, weil ein Geschenk benötigt wird
- Stricken für einen guten Zweck?
Das Wollschaf bedankt sich bei Ute!


Das ist schwierig zu beantworten, weil sich bei mir die Anteile je nach Jahreszeit, aber auch im Laufe der Jahre bzw. Jahrzehnte ändern.
Allein um des Strickens willen stricke ich nie. Meine Zeit ist zu knapp für ziellose Beschäftigungen. Ich beneide allerdings alle, die so viel freie Zeit haben, dass sie ohne besonderes Ziel irgendetwas vor sich hin stricken können. Unabhängig davon ist Stricken für mich ein beruhigender Ausklang des Tages. Ein paar Maschen vor dem Zubettgehen an einem beliebigen Projekt geben mir auch an den schlimmsten Tagen das Gefühl, wenigstens ein klein wenig konstruktiv gewesen zu sein.
Dass ich oder jemand, der mir nahe steht, etwas braucht, ist für mich der häufigste Grund, zu den Nadeln zu greifen. Gleich danach kommen Geschenke, was häufig auch Hand in Hand geht, denn wenn jemand etwas Gestricktes braucht, kann man ihm das ja auch schenken, wenn sich gerade ein guter Anlass bietet. Und ja, wenn Weihnachten naht, erhöht sich bei mir die Geschenke-Quote.
Aufträge habe ich früher (vor 20 Jahren) oft gestrickt. Eine Zeitlang machten sie sogar etwa 50 % meines Outputs aus. Das änderte sich, als ein neuer Job mehr von meiner Zeit in Anspruch nahm; seit her stricke ich praktisch überhaupt keine Aufträge mehr. Manchmal hätte ich Lust, Testprojekte zu stricken, weil ich das interessant finde und weil man bestimmt viel dabei lernen kann. Aber dafür reicht meine Zeit leider nicht.
Für gute Zwecke habe ich bisher noch nicht explizit gestrickt. Es kommt aber gelegentlich vor, dass Strickstücke, die noch gut erhalten sind, aber nicht mehr getragen werden, bei Institutionen landen, die sie dann an Bedürftige verteilen.
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