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Samstag, 15. Juni 2013

Heute beschäftigen wir uns mit der Entstehung und dem Lebensraum des gemeinen Klappbündchens. Es ist ein naher Verwandter des Klappsaums und bei Strickerinnen fast ebenso unbeliebt wie letzterer.

Wie entsteht ein Klappbündchen? Sehr einfach: Wir stricken unser Bündchen nach Vorschrift über x Reihen, wechseln dann die Nadelstärke und arbeiten glatt rechts weiter. Nach wenigen Reihen schon können wir sehen, wie das Bündchen verheißungsvoll hochklappt und dort für den Rest der Strickzeit (und mitunter der Lebenszeit eines Strickstücks) bleibt. Im allgemeinen wird erwartet, dass es sich nach der ersten Wäsche wieder zurückklappt. Tut es das nicht, ist es wirklich gemein. Manche Strickerin rückt dem Klappbündchen mit Dampf zu Leibe, sofern die Faser das erlaubt. Mitunter hilft es, aber nicht alle Klappbündchen lassen sich davon auf Dauer beeindrucken; sie klappen trotzdem eifrig weiter. Ebenfalls als “Lösung” wird oft empfohlen, das Bündchen höher zu stricken. Auch das ändert nicht viel an der Klappfreudigkeit. Dreißig-Reihen-Bündchen klappen fast ebenso gern wie zehn-Reihen-Bündchen.

Die elegantere Lösung: Statt ein Klappbündchen nachträglich zu bekämpfen, sollte man ihm schon im Vorwege den Lebensraum nehmen, damit es gar nicht erst entsteht. Denn der Lebensraum eines Klappbündchens ist letztlich der selbe wie der eines Klappsaums: Eine zu enge Rechtsreihe.
“Woher soll denn eine zu enge Rechtsreihe kommen?” fragt sich die geneigte Strickerin. “Ich stricke exakt nach Anleitung mein Bündchen mit kleinerer Nadelstärke, und dann geht's glatt rechts mit größerer Nadelstärke weiter.” Genau da liegt das Problem, liebe Strickerin. Um zu verstehen, was da passiert, müssen wir uns erst einmal klar machen, wie eine Masche entsteht.

Um eine vollständige Masche zu erzeugen, benötigt man zwei Reihen. In der ersten Reihe werden erst einmal nur Schlaufen herausgestrickt, und zwar in der Größe, die die Nadel hergibt (gleichzeitig werden die Schlaufen der Vorreihe zu Maschen geformt). Erst in der folgenden Reihe werden aus den Schlaufen je nach Strickweise rechte oder linke Maschen (und gleichzeitig werden die Schlaufen für die nächste Reihe erzeugt).

Nun können wir auch nachvollziehen, was am Ende des Bündchens geschieht: In der letzten Bündchenreihe werden aus der vorletzten Bündchenreihe Bündchenmaschen gebildet, während wir, noch mit unserer dünneren Nadelstärke, Schlaufen für die folgende Reihe bilden. Diese kleineren Schlaufen werden in der nächsten Reihe zur ersten Reihe von rechten Maschen verarbeitet. Die darüber liegenden Schlaufen sind mit größerer Nadel geformt und werden deshalb, wie alle nachfolgenden Reihen, etwas größere Rechtsmaschen ergeben. Nur die erste Reihe, die ihre Größe noch von der Bündchennadel bekommen hat, ist enger. Und deshalb klappt das Gestrick dort hoch und erzeugt das gemeine Klappbündchen.

Um das zu verhindern, gibt es eine sehr einfache Lösung: Die letzte Bündchenreihe, in der ja noch im Rippenmuster gestrickt wird, muss bereits mit der dickeren Nadel gestrickt werden. Dann sind die Schlaufen, die danach die erste Rechtsreihe bilden, genau so groß wie später die Maschen weiter oben, bilden keine engere Rechtsreihe mehr und haben auch keine Veranlassung, hochzuklappen.

Klappbündchen sind übrigens auch beim Maschinestricken ebenso häufig wie unbeliebt. Hierbei wird das Bündchen meist mit sehr fester Maschenweite gebildet, dadurch wird die erste Rechts-Reihe sehr eng und klappt dann besonders gut hoch. Abhilfe: Für die letzte Bündchenreihe die Maschenweite auf beiden Betten drei volle Nummern höher einstellen. Dann werden die Schlaufen normalerweise groß genug, um keine zu enge Rechts-Reihe zu bilden.

Kommentare

Aha,
finde ich einleuchtend und sehr gut erklärt, beim nächsten Mal werde ich dem gemeinen Klappbündchen den Kampf ansagen
Vielen Dank,
Andrea

Geschrieben von Andrea am Montag, 17. Juni 2013 20:52

Damit kämpfe ich auch gerade - aber nochmal von vorne beginnen? Nein, dafür beim nächsten Mal gleich richtig machen. Danke für die geniale Lösung

Geschrieben von Marita am Mittwoch, 19. Juni 2013 16:19

Ich so einfach und klingt so logisch! Warum ist da vorher niemand drauf gekommen?

Geschrieben von groschenroman am Mittwoch, 19. Juni 2013 17:25

Boah !

Danke für diese Erleuchtung !!!!!
Du hast das so super erklärt und beschrieben .....
Ganz lieben Dank dafür .
Ich werde den KLappbündchen auf den Pelz rücken ! ;O)

Geschrieben von Anke am Mittwoch, 19. Juni 2013 18:11

Klasse erklärt! Ich werde das beherzigen und hoffentlich niiiiieeeeee mehr ein Klappbündchen haben!
LG
Renate

Geschrieben von Renate breining am Mittwoch, 19. Juni 2013 20:15

Die Erklärung ist einleuchtend. Aber ich stricke meine Bündchen nie mit einer kleineren Nadelstärke, sondern mit der gleichen Nadelstärke wie den Rest. Meine Bündchen klappen aber trotzdem immer hoch. Immer wieder starte ich einen neuen Versuch in der Hoffnung, dieses Mal klappt es und ein ums andere Mal ribbele ich wieder. Gibt es hierfür denn auch eine Erklärung? Ich würde dem gemeinen Klappbündchen doch aus so gerne den Kampf ansagen!
Gruß
Claudia

Geschrieben von Claudia am Mittwoch, 19. Juni 2013 20:18

Hallo Claudia,

wenn es hochklappt, dann ist da irgendwo eine zu enge Reihe. Vielleicht nimmst Du in der letzten Reihe zu, und die Maschen müssen sich mehr dehnen?
Versuch herauszufinden, welche Reihe genau betroffen ist, und strick die Schlaufen für diese Reihe mit dickerer Nadel. Das muss sich doch irgendwie in den Griff kriegen lassen.

Zahlreiche Grüße
Kerstin

Geschrieben von admin am Donnerstag, 20. Juni 2013 07:17

Herzlichen Dank für den informativen und gleichzeitig sehr unterhaltsamen Artikel - auch wenn ich gerade nicht mit gemeinen Klapppsäumen zu kämpfen habe werde ich Deinen Trick im Hinterkopf behalten

Viele Grüße,
Tee & Kekse

Geschrieben von Tee & Kekse am Donnerstag, 20. Juni 2013 11:08

Du bist ein GENIE!
Danke für diese simple Lösung für ein Jahrunderte altes Problem

Geschrieben von Beate am Freitag, 21. Juni 2013 16:31

Hallo Kerstin,

ich habe das jetzt zum ersten Mal ausprobiert und es klappt wirklich einwandfrei - das Bündchen bleibt absolut flach!

Vielen Dank nochmal für diese simple, aber geniale Lösung!

Liebe Grüße
Tina

Geschrieben von Tina (Tichiro) am Samstag, 22. Juni 2013 00:36

Hmmm... na gut was mache ich dann falsch???
Ich arbeite grundsächlich niee mit
verschiedenen Nadelstärken.
Ich schlage z.B mit dreier Nadeln an und arbeite vom Bündchen bis zur Schulter
mit dieser jenen.
Und ich habe trotzdem ein ?Klappbündchen?
Liebe Grüße
Biggy

Geschrieben von Biggy am Montag, 24. Juni 2013 19:25

Hallo Biggy, dann analysiere doch mal, wo genau es klappt. Und die Maschen dieser Reihe bildest Du dann mit größerer Nadel.
Und bitte keine Sorge, dass das auffällt. Auf eine einzelne minimal größere Reihe achtet wirklich niemand.

Geschrieben von admin am Dienstag, 25. Juni 2013 08:27

Uiii..vielen Dank für den Tipp,das wird beim nächsten Mal gemacht
LG Sonja

Geschrieben von sonja am Freitag, 28. Juni 2013 16:13

Wie ist das denn, wenn ich top-down stricke? Deinen Ausführungen nach darf das Problem doch gar nicht auftreten (egal ob ich die Nadelstärke verringere oder nicht) ... oder hab ich einen Knoten im Hirn?

Geschrieben von Suanne am Donnerstag, 04. Juli 2013 22:39

Hallo Susanne, wenn man nach den Kommentaren geht, dann tritt das Problem auch bei top-down auf. Dafür habe ich allerdings keine Lösung parat (u.a. weil ich praktisch nie so stricke).
Generell klappt Gestricktes um, wenn eine zu enge Rechtsreihe vorhanden ist. Somit heißt es, die entsprechende Reihe suchen und genau diese lockerer stricken. Vermutlich ist es die vorletzte, bevor man zu re-li wechselt, denn in der letzten Rechts-Reihe werden ja schon die Schlaufen für die erste Bündchenreihe gebildet.

Geschrieben von admin am Freitag, 05. Juli 2013 06:42

Das ist ja sooo einfach... Bin gerade über tichiro bei Dir gelandet. Vielen Dank für den tollen Tip. Leider kam ich gerade auf die Suchidee, weil meine fertige Weste hier hängt und ganz gemein klappt! Aber beim nächsten Mal wende ich das sicher an!

Herzlichst Bine

Geschrieben von Fritzi am Donnerstag, 23. Januar 2014 19:08

D A N K E

Geschrieben von Margarete am Samstag, 19. Juli 2014 15:20

Gibt es denn eine Hilfe bei fertigen Strickteilen mit Klappbündchen? Vielleicht dehnbare Samtbänder von links annähen? Oder kann man nachträglich was anstecken also nochmals Maschen aufnehmen? Ich bin gespannt ob ihr damit Erfahrungen habt! LG Lydia

Geschrieben von Lydia Konin am Donnerstag, 11. Februar 2016 11:59

Hallo Lydia,

wenn die Reihe zu eng ist, dann ist sie zu eng. Und dann klappt es hoch.

Wenn Dir eine Lösung einfällt, in so eine zu eng gestrickte Reihe nachträglich ordentlich Fadenlänge hineinzubringen, mach das. Ich kenne jedenfalls keine Methode, außer Aufribbeln und neu Stricken. Eventuell kommen Antackern oder Festkleben noch in Frage, aber das habe ich noch nicht probiert.

Geschrieben von admin am Freitag, 12. Februar 2016 08:56

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