Heimgeschickt

Kürzlich habe ich mir Jennifer Staffords “Domiknitrix” bei unser aller liebstem Internetbuchhändler bestellt. Vor wenigen Tagen ging es wieder zurück an den Absender.

Nichts gegen das Buch, es hat mir im Prinzip gefallen. Die unkonventionelle Sicht der Autorin ist eine erfrischende Abwechslung zu den üblichen englischsprachigen Stricklehrbüchern. Und die darin vorgestellten Modelle fand ich ebenfalls originell. Nur entsprechen sie eben nicht meinem Stil. Somit ist das Buch für mich keine sinnvolle Ergänzung meiner Strick-Bibliothek.
Wäre ich 20 Jahre oder mehr jünger, dann würde mein Urteil sicherlich anders ausfallen. 🙂

Sent back home

Recently I ordered Jennifer Stafford’s “Domiknitrix” at our dearest internet book seller. Some days ago it went back to sender.

There’s not a patch on the book, I liked it. The author’s free spirit is a refreshing change to ordinary English knitting books. And I found her patterns highly original. Unfortunately they do not match my personal style. So this book wouldn’t make a sensible addition to my knitting library.
If I were 20 or more years younger, my verdict would probably vary. 🙂

Liebe auf den ersten Blick

In irgendeinem Weblog, das ich gerade nicht wiederfinde, las ich, dass im Buch “Lace Style” nur zwei Tücher enthalten seien, ansonsten nur Kleidung. Die Schreiberin fand das enttäuschend. Mich hingegen hat’s motiviert, das Buch zu kaufen, denn ich bin, wie Ihr vermutlich schon wisst, alles andere als eine Tücher-Strickerin.

Schon beim ersten Durchsehen fand ich mehrere verlockende Modelle. Spontan entschied ich mich, mit Norah Gaughans “Lacy Waves Top” zu beginnen. Das Schöne an diesem Pulli: Vorder- und Rückenteil sind glatt rechts gestrickt, das geht prima mit der Maschine. Den Rest stricke ich dann von Hand.

Natürlich wird das Modell ein wenig angepasst; mein Pulli wird 5 cm länger, und statt eines Viskose-Wolle-Gemisches verstricke ich eine reine Baumwolle, die hier schon einige Jahre herumliegt. Die größte Herausforderung war es übrigens, die Maschenprobe auf der Strickmaschine hinzubekommen.

“Lacy Waves Top” Maschenprobe/swatch

Love at first sight

I don’t remember in which weblog someone wrote (quite disappointed) that “Lace Style” by Pam Allen and Ann Budd contains only two shawl patterns, the rest consisting of all kind of garments. Not being a shawl person at all, it prompted me to buy the book, and I was not disappointed.

Leafing through the pages, I found several tempting patterns and quickly settled on Norah Gaughan’s “Lacy Waves Top”. The nice thing about this garment: Back and front are plain knitting and can be done on the knitting machine. Insert and sleeves will be done by hand.

There’s, of course, some fitting to do. My sweater will become 2 in longer, and instead of a rayon-wool-mix I’ll use up a cotton yarn which has been hanging around for longer than I dare to admit. The biggest challenge, by the way, was matching the tension on the knitting machine to that given in the instructions.

Meine kleine Buchkritik

Zwar kaufe ich seit über einem Jahr kein Strickgarn mehr (außer Sockengarn, wenn ich keine passende Farbe vorrätig habe), aber Strickbücher gönne ich mir gelegentlich. Und so nenne ich seit kurzem “Knitting Fashions of The 1940s” von Jane Waller mein eigen.

Der Untertitel “Styles, Patterns and History” beschreibt schon, um was es geht: Thema sind Mode und Strickanleitungen der 40er bis zum Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts, also die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Waller gibt Einblicke, was gestrickt wurde, wie gestrickt wurde (inklusive Anleitungen von damals) und vor allem, warum es so und nicht anders war: Die treibenden Kräfte waren Bedarf an warmer Kleidung, sowohl für die Soldaten wie auch für die Zivilbevölkerung und andererseits, vor allem in den späteren Kriegsjahren, Rohstoffmangel.

Was macht man, wenn Wolle nur auf Marken erhältlich ist? Man sucht Mittel, Wege und Muster, um aus möglichst wenig Garn möglichst ansprechende und zweckmäßige Kleidung zu stricken. Die gezeigten Modelle sind mitunter wahre Wunder an schlichter Eleganz und Zweckmäßigkeit, teilweise aber auch einfach rührend, wie die gestrickten Puppen und Stofftiere. Ich habe mir jedenfalls schon einiges ausgeguckt, das gut in meine Garderobe passen dürfte.

Der einzige Nachteil dieses, wie ich finde, faszinierenden Buchs: Es gibt wieder einmal keine Schemazeichnungen der Schnitte, und die Muster sind ausschließlich Wort für Wort, nicht als Diagramme angegeben. Eben genau so, wie sie damals auch angeboten wurden.

Not macht erfinderisch. Diese Designs sind so sehenswert, weil sie genau das beweisen.

Jane Waller, Knitting Fashions of the 1940s

My little book review

It’s been more than a year now that I have been refraining from buying new yarn (except sock yarn, if I need a certain colour), but so far knitting books are not part of my “diet”. My latest acquisition has been “Knitting Fashions of The 1940s” by Jane Waller.

The subtitle “Styles, Patterns and History” says it all: She concentrates on fashion and instructions from the 1940s up to the beginning of the 1950s, which in essence means World War II. Waller tells us what was knitted, how it was knitted, and most importantly what inspired this very particular fashion: The need of warm clothing, be it for soldiers or civilians, on one side, and the rising yarn shortage on the other side.

What do you do if you can get knitting yarn only on limited coupons? You try to find means to knit lovely patterns from as few yarn as possible. The patterns in the book are sometimes real wonders of simple elegance and expedience, and sometimes very touching, like the knitted dolls and soft toys. I’ve already put some of the garments, which would make useful additions of my wardrobe, on my “to do” list.

The only drawback of this fascinating book: Once again, there are no schematics of the patterns, and the knit stitches are only given word by word, no diagrams at all. Just as they were sold way back when.

Necessity is the mother of invention. These designs are worthwhile just because they prove the adage.

Eine Hülle für die Fülle

Der Tipp kam von einer Freundin. Sie empfahl in einer Mailingliste das Buch “Big Girl Knits”, also stricken für große Größen, von Jillian Moreno und Amy Singer. Wenn sie etwas empfiehlt, dann lohnt es sich auch, und deshalb bestellte ich das Buch sofort und ohne nachzudenken. Amazon nannte eine Lieferzeit von etwa zwei Wochen, hatte aber ein Einsehen mit mir und meiner Ungeduld und lieferte es zu meiner Überraschung innerhalb von zwei Arbeitstagen aus. So kam es, daß ich gestern und heute abend allerlei Amüsantes und Lehrreiches zu lesen hatte.

Das Buch umfaßt zwei Abschnitte. In den ersten vier Kapiteln findet man Tipps zum Stricken für Füllige. Die unterschiedlichen Figurtypen (Busen, Bauch, Po) werden analysiert, und die Leserin erhält Hinweise zum Ausgleich von Schwachpunkten und zur Betonung der schönen Seiten. Da für große Größen kaum “fertige” Anleitungen erhältlich sind, wird beschrieben, wie man die eigenen Maße genau (und ehrlich) bestimmt und anhand der Maschenprobe Maschen und Reihen berechnen kann. Besonderes Augenmerk wird auf Taillierung und verkürzte Reihen zur Formgebung gelegt, und die Beschreibung letzterer ist wirklich hervorragend gelungen. Die Autorinnen schreiben humorvoll und witzig; sie haben wunderbar den Spagat geschafft, ihre Leserinnen ernst zu nehmen und sie trotzdem zum Lachen zu bringen.

Im zweiten Abschnitt folgen dann die eigentlichen Anleitungen, aufgegliedert in fünf Kapitel: Pullover, Jacken, Tops, Röcke und (ja doch!) Hosen sowie Accessoires. Präsentiert werden die Modelle von schicken, üppigen Frauen, die im Vergleich zu den üblichen Hungerhaken-Models wirken wie ein leckere kalorienreiche Praline neben einer dürren Karotte.

Ich habe in dem Buch diverse Ideen gefunden, die ich bei nächster Gelegenheit umsetzen möchte, auch wenn ich selbst etwas schlanker bin als die angepeilte Zielgruppe. Wirklich gute Einfälle funktionieren in fast jeder Größe. 😉

Strickbücher

Kürzlich fragte mich jemand, welche meiner vielen Strickbücher ich besonders empfehlen könnte. Das ist schwierig zu beantworten, es kommt nämlich darauf an, welcher “Zielgruppe” ich sie empfehlen soll.

Die Strickanfängerin ist meiner Ansicht nach bestens versorgt mit einer aktuellen Strickzeitschrift (je nach Altersklasse würde ich die “Rebecca” für die jüngeren und die “Verena” für die reiferen empfehlen) und einem Technik-Buch. Derzeit erhältlich und wohl auch sehr gut ist “Das große Strickbuch” von Katharina Buss, aber auch ältere Bücher reichen aus. So sehr viel hat sich in den Grundtechniken in den letzten 50 Jahren schließlich nicht geändert. Im Buch sollten Erläuterungen für mindestens zwei, besser drei verschiedene Anschläge sein, außerdem natürlich rechte, linke, rechts und links verschränkte Maschen, Umschlag, die verschiedenen Arten des Zusammenstrickens, Abnahmen und Zunahmen und Abketten. Und bitte vernünftige Hinweise zum Ausarbeiten, inklusive Hinweis auf die vermaledeiten Randmaschen. “Perfekt Stricken” von Hanna Jaacks aus dem Jahr 1986 erfüllt ziemlich genau diese Voraussetzungen und steht in vielen Leihbüchereien, wenn das Geld für den Kauf bei Ebay oder im Antiquariat nicht reicht. Das Buch ist mein Standard-Nachschlagewerk, wenn ich Details über eine bestimmte Technik nachlesen will.

Hat unsere Anfängerin die ersten Modelle gestrickt und Spaß am Stricken gefunden, dann entwickelt sie sicherlich gewisse Tendenzen und Interesse für bestimmte Techniken, Stilrichtungen oder Kleidungsstücke. Für Handschuhe, Socken, Tücher, Ponchos, Schals etc. gibt es inzwischen auch auf Deutsch allerlei Bücher und Büchlein mit Tipps und Modellen.
Möchte sie sich eigene Modelle ausdenken, dann hilft neben etwas räumlichem Vorstellungsvermögen und Kenntnissen über Dreisatzrechnung z.B. ein Buch oder Heft mit Strickmustern. Man sollte möglichst eins wählen, das Diagramme enthält und nicht die Muster Wort für Wort erklärt. Erstens lernt man so gleich das Stricken nach Strickschrift, und zweitens ist das mit ein wenig Übung viel einfacher und übersichtlicher als seitenlange Text-Beschreibungen. Drittens eröffnet es einem den Weg in die weite Welt: Ein Diagramm mit weitgehend genormten Symbolen kann aus Japan stammen; eine mitteleuropäische Strickerin wird es trotzdem lesen und nachstricken können.

Wie es danach im Bücherschrank unserer Strickerin weitergeht, ist schwer vorhersagbar. Sie kann Interesse für bestimmte Designer entwickeln oder für klassische Techniken wie Fair Isle, Aran, Spitzenstricken. Über alle diese Themen gibt es vor allem auf Englisch so viele lesenswerte Bücher, daß man sie gar nicht alle aufzählen kann.

Hat unsere nunmehr erfahrene Strickerin sich zwischenzeitlich womöglich eine Strickmaschine zugelegt? Dann empfehle ich neben den Büchern, an denen ich selbst mitgearbeitet habe (das “Kragen”-Buch sollte im Januar wieder erhältlich sein), und dem ersten Buch von Hanne Barth vor allem die (englischen) Klassiker von Mary Weaver, die leider nur noch gebraucht erhältlich sind.

Noro Revisited

Heute war’s in der Post: “Noro revisited” von Cornelia Tuttle Hamilton. Ich habe bereits ihre beiden ersten Bücher und finde, dieses ist nochmals eine Steigerung. Man findet weniger wuchtige Noro-typische Zopfmuster, dafür zartere Strukturen und zurückhaltendere Farben.

“Noro Revisited” von Cornelia Tuttle Hamilton

Gut, nicht mit jedem der 22 Modelle kann ich etwas anfangen. Der gewaltige “Orsa”-Shawl, für den man zwei Personen allein zum Drapieren benötigt, ist für mich sicher äußerst entbehrlich. Aber einige Modelle kommen sofort auf meine Wunschliste. Ganz oben steht “Kolsva”, ein kuscheliger Traum mit einem tiefen runden Ausschnitt. “Mora” mit seinen diagonalen Linien hat Witz, “Danbyholm” hat eine schöne Kragenlösung, und “Ängelsberg” macht das Beste aus dem Farbverlauf. Für dieses Modell würde ich mir eine Anleitung für Erwachsene wünschen.
Ganz großes Lob an die Designerin: Mit “Avesta” hat sie es gewagt, ein Modell in Übergröße an einem adäquaten Körper zu präsentieren!

Fehlkauf und Volltreffer

So nah beieinander kann das liegen! Beides sind Bücher von Rowan.

Links “Shorelines” von Di Gilpin, es enthält 15 Modelle. Streng genommen sind es nur 13, denn die Anleitungen für einen Pullover und einen Rock sind jeweils in zwei unterschiedlichen Variationen gegeben. Insgesamt werden acht Jacken, ein Schal, ein großes Tuch, zwei Pullover und der Rock gezeigt, wunderschön fotografiert, jedoch immer so, daß man auf den Großaufnahmen nur Ausschnitte sieht und auf den kleinen Bildchen bei den Anleitungen die Details bestenfalls erahnen kann. Außerdem werden bemaßte Schnittzeichnungen sorgfältig vermieden. Man könnte ja sonst auf die Idee kommen, das Zeug tatsächlich nachzustricken, obwohl die Farben so ausgewählt sind, daß sie eher abschrecken: Schmuddelgrau ist allgegenwärtig, vorzugsweise in Intarsientechnik kombiniert mit Kreischrot, Kotz-Orange oder Brüllmagenta.
Nein danke, Ms. Gilpin, das hätte wirklich nicht sein müssen, schon gar nicht zum fürstlichen Preis von 14.99 £.

Rechts “Vintage Styles” mit Designs von Kim Hargreaves und den üblichen Rowan-Designern wie Fassett, Dallas, Harding und weiteren. Dieses Buch enthält 30 Modelle, und über die Hälfte davon würde ich sofort anziehen. Gut, das Titelmodell muß man nicht wirklich haben, und für einen Shawl aus Häkelquadraten in äußerst merkwürdigen Farben habe ich auch keinen Bedarf, genauso wenig wie für Folklorestickereien. Aber es bleiben noch genügend wirklich schöne, klassische Modelle übrig. Meine Favoriten sind “Suzette” (ich gehe im Geiste schon meine Sockengarnreste durch), “Elise”, “Magnolia” und vor allem “Salina”. Da könnte ich doch glatt meine Aversion gegen Knopfleisten überwinden. 🙂
Wenn die Rowans sich jetzt noch entschließen könnten, ihre spartanischen Schnittzeichnungen ein klein wenig ausführlicher zu gestalten, wären die 13.95 £ noch besser angelegt, aber auch so lohnt es sich.

Ich bin ein Glückskind!

Manchmal hat man Glück, obwohl man eine Situation zunächst eher als bedauerlich ansieht. Ich wollte gestern eigentlich zum Handarbeitsgeschäft in meinem Wohnort, um ein Nadelspiel Stärke 3,5 mm zu kaufen, weil ich das für ein eiliges Projekt benötige. Aber ich hatte soviel Arbeit zu erledigen, daß an ein ausreichend frühes Nachhausegehen überhaupt nicht zu denken war. Im Gegenteil, viele Überstunden waren angesagt.
Leicht verzweifelt ging ich in einer Arbeitspause zu einem kleinen Laden am Ort, der nicht nur Handarbeitsartikel verkauft, sondern auch als Postagentur dient. Und, o Wunder, dort gab es Nadelspiele in verschiedenen Stärken. Damit nicht genug, es lagen auch aktuelle Handarbeitshefte aus. Und Bücher. Und Patchworkstoffe in allen Farben. Und zu allem Überfluß gab es auch noch eine kompetente Bedienung. Es war herrlich!
Unter den Büchern entdeckte ich eines, das ich vor Jahren mal aus der Leihbücherei geliehen und nach dem ich meinen ersten Quilt genäht hatte. Ich hatte seither mehrfach versucht, es bei Ebay zu ersteigern, es war mir aber immer zu teuer gewesen. Und hier lag es! Ich konnte es kaum fassen.

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Zehn Euro habe ich bezahlt, und jetzt ist es meins. 🙂
Wären nicht die vielen Überstunden gewesen, ich hätte den Laden niemals betreten. Nun bin ich zwar ausgepowert, aber dennoch sehr zufrieden.