Maskerade

Vor drei Tagen ordnete unser Oberbürgermeister an, dass seine „Untertanen“ ab kommenden Montag in geschlossenen öffentlichen Räumen (ÖPNV, Post, Geschäfte, …) nur noch maskiert auftreten dürfen. Im Prinzip begrüße ich diese Anordnung. Die Sache hat nur einen Haken:

Die Stadt ist nicht in der Lage, ihre ziemlich vielen Einwohner mit OP-, geschweige denn FFP-Masken auszustatten. Bekanntlich gibt es diese Teilchen gerade nicht zu kaufen, und die wenigen, die zu Wucherpreisen erhältlich sind, werden dringend für Pflege- und medizinisches Personal benötigt. Folglich kam der Krisenstab der Stadt auf die Idee, jeder möge sich und andere nach bestem Können und Vermögen selbst versorgen. Diverse Anleitungen dazu sind auf der Website verlinkt (und natürlich ist auch eine Fehlverlinkung dabei; offenbar hat man die Links nicht alle überprüft). Ich habe sie mir angeguckt und beurteile sie wie folgt:

Platz 1:
ZEIT online – rechteckig mit Falten, mit Gummibändern, nur wenige und gut durchdachte Arbeitsschritte, kann durch Einlegen eines Drahts sicherlich noch verbessert werden.

Platz 2:
AWO Dortmund – rechteckig mit Falten, mit Gummibändern und Draht, viele einzelne Arbeitsschritte, die man vereinfachen könnte.

Platz 3:
Stadt Essen (Youtube-Video) – rechteckig mit Falten, mit Bindebändern und Draht.
Feuerwehr Essen – rechteckig mit Falten, mit Bindebändern und Draht.

Die beiden Essener Anleitungen sind sehr ähnlich, die Video-Erklärung ist aber einfacher nachzuvollziehen, und man sieht auch das Ergebnis. Bindebänder finde ich übrigens unpraktisch, eben wegen des Bindens und weil sie sich leicht lockern können. Beides dürfte nicht gerade die Akzeptanz der Nutzer erhöhen. Viele kleine, wenig durchdachte Nähschritte sind auch nicht mein Ding, folglich gefällt mir von dieser Auswahl die Anleitung von ZEIT online noch am besten.

Da nicht jeder in der Lage ist, sich eine oder gar mehrere Masken selbst zu nähen, gibt es Freiwillige, die sie en gros produzieren. Leider haben sie sich für die Variante zum Binden entschieden.

Im großen und ganzen kann ich mich aber für diese gefältelten BMNSse (BMNS bedeutet „Behelfs-Mund-und-Nasen-Schutz“) nicht besonders begeistern. Als bei mir im Mai 2010 der Verdacht auf Keuchhusten bestand, trug ich außerhalb meiner eigenen vier Wände ähnliche, aber gekaufte Masken, um meine Umwelt möglichst wenig zu gefährden. Seinerzeit bekam man diese Masken in der Apotheke in Fünferpacks für die fürstliche Summe von 1,99 Euro. Ich weiß das deshalb so genau, weil ich vorgestern im Küchenregal eine angebrochene Packung mit drei Stück vorfand, die sich halb hinter einigen Kochbüchern versteckt hatte.

Mundschutz vor zehn Jahren

Der Sitz war nicht gerade umwerfend, und ich war immer froh, wenn ich zuhause war und sie abnehmen konnte.

Für Menschen, deren Können nicht auf gerade Nähte beschränkt ist, gibt es andere Formen, beispielsweise von Sylvie Rasch. Das wäre meine Methode der Wahl. Ich bin weiß Gott keine Näh-Künstlerin, aber sogar ich habe so etwas aus Resten von Quiltstoffen hinbekommen:

Maske von außen
Außenansicht
Maske von innen
Innenansicht

Durch die seitlichen Tunnel muss ich noch Gummibänder ziehen, die dann um die Ohren gelegt werden. Das An- und Ablegen geht damit sehr schnell, und die Passform ist auch ohne Draht gut.

Das Schnittmuster habe ich mir auf zwei A4-Bögen ausgedruckt und dann ausgeschnitten. Normales Druckerpapier ist stabil genug, um diverse Zuschnitte auszuhalten. Für zwei bis drei weitere Masken sollten meine Reste noch reichen.

5 Gedanken zu „Maskerade“

  1. Hier in Köln gibt es zwar (noch) kein Vermummungsgebot, aber ich habe schon vorgesorgt und ganz ähnliche Masken genäht, und zwar nach dieser Anleitung, die es in 5 Größen gibt: https://naehtalente.de/atemschutz-naehen/
    Ich habe Drähte eingebaut, mit denen man die Masken ganz eng an die Nase drücken kann. Meine Gummibänder werden hinter dem Kopf entlang geführt, weil sie an meinen Segelohren nicht halten 😉

    Bleibt bitte gesund!

    1. Von diesen habe ich inzwischen 16 Stück genäht, da ich nicht die Schnellste bin, brauche ich für eine Maske eine Stunde. Macht aber Spaß, weil die Anleitung gut ist und das Endprodukt passt, ob ohne oder mit „Formbügel“ drin. Den Schnitt für den Oberstoff verlängere ich seitlich um 1 cm, dann kann ich einen Tunnel für das Gummiband machen, der nicht so schmal ist. Ohne diese Verlängerung waren meine Tunnels so eng, dass ich es eine Fummelei fand, das Band mit Sicherheitsnadel und selbst mit Sticknadel durchzuziehen. Die seitlichen Nähte vom Futterstoffe klappe ich inzwischen nur um und gehe nur mit Zickzack drüber, das insbesondere bei Stoff wie Molton, wo das vorgeschlagene doppelte Umschlagen zu recht dicken Stellen führt, und Molton franst ohnehin nicht aus.

  2. Vielen Dank für den Tipp und den Link! Diese Variante ist sogar noch einfacher, weil dabei der Abnäher des Sylvie-Rasch-Modells entfällt. Dessen Sinn erschließt sich mir ohnehin nicht so recht, weil der größte Teil davon letztlich im Gummi-Tunnel verschwindet.
    Leider habe ich keine Heftstreifen oder ähnlichen Draht hier, also muss es einstweilen ohne gehen.

  3. Der Varianten sind viele, und BrillenträgerInnen haben vermutlich noch eigene Abwandlungen. Mir gefallen diejenigen am besten, die weit über die Wangen gehen, das hält davon ab, sich im Gesicht rumzufassen.
    Ich lege immer noch ein Vlies-Teil in die Maske, das ich nach Gebrauch wegwerfe. Den Schutz lege ich auch nur zum Einkaufen an.
    Da nehme ich auch Desi mit, um den Griff vom EK-Wagen zu reinigen. Teilweise halten die Märkte das auch bereit.
    Der Angetraute schlug vor, über die Maske auch noch die Motorradkappe zu tragen. Naja. Man will nicht zusätzlich Angst und Schrecken verbreiten.

    Haltet euch wacker!

  4. Wir müssen bei der Arbeit im Krankenhaus (Anmeldung Ambulanz) jetzt aus Krankenhausmaterialien (Vlies innen und dieses wasserfeste Material wie bei OP-Masken oben) genähte Masken tragen. Dabei finde ich, dass die mit Bindebändern besser sitzen als die mit Gummiband. Außerdem kann man z.B. beim Telefonieren auch mal das untere Band lösen. Selber nähen kann ich leider nicht, aber es fanden sich viele talentierte und fleißige Mitarbeiter.
    LG
    Ingrid

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