Schiefe Maschenbeinchen

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addicted2wool

Schiefe Maschenbeinchen

Beitrag von addicted2wool »

Hallo ihr Lieben,

am Wochenende wollte ich zu stricktechnischen neuen Ufern aufbrechen. Nun ja, ging natürlich in die Hose :biggrin:

Da das Combined Knitting ja so "incredibly even" sein soll, hab ich das doch gleich mal für meine Jacke ausprobiert (für die die es nicht kennen: hier werden die rechten Maschen rechts verschränkt gestrickt und die linken mit der Fadenwicklung von unten um die Nadel gegen den Uhrzeigersinn). Ich hatte das schon mal probegestrickt und sah in der glatt rechts Variante auch sehr hübsch aus. Am Wochenende hab ich dann aber Rippenmuster ohne Ende gestrickt und das war dann nicht mehr so "incredibly even".

Das Drama möchte ich mal abkürzen, ich habe jetzt nur noch ein Problem:

Meine Maschenbeinchen werden schief :confuse: Ich glaub das waren sie sonst im Continental auch immer, aber da war das Schiefe wenigstens regelmäßig schief 8)

Bei den rechten Maschen ist es das rechte Bein, bei den linken Maschen auch das rechte, was dann auf der Vorderseite links ist. Sie werden immer irgendwie "bauchig". Das rechte Beinchen ist größer als das andere.

Mit viel rumprobieren hinsichtlich Fadenspannung, Nadelhaltung, Nadelgrößen, etc. hab ich das Problem schon halbwegs in den Griff bekommen, aber es ist immer noch da :evil:

Ich habs mal versucht im Bild festzuhalten:

Bild

An den Pfeilen sieht man die komischen Beinchen (so von nahem sieht das ganze ziemlich besch**** aus, ich gebs zu).

Angemerkt sei noch, dass die Wolle nicht gerade zu einem hübschen Maschenbild beiträgt (Rowan Creative Focus Worsted), bissl unregelmäßig und der Faden scheint auch überhaupt nicht "versponnen" zu sein, also das mehrere Einzelfäden miteinander verdrillt wurden, sondern es ist eigentlich nur ein dicker Faden.

Gestrickt habe ich mit Nadelstärke 5, ich denke die passt ganz gut (nach wie vielen Versuchen?!).

Ich hab bissl die Nadelhaltung im Verdacht, aber ich hab mich schon auf einen 90 Grad Winkel umgepolt, sonst hab ich immer einen größeren Winkel gehabt.

Habt ihr vielleicht einen heißen Tipp, wie ich die Beinchen gerade hin bekomme?

Liebe Grüße
Dani
Bärbl13
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Re: Schiefe Maschenbeinchen

Beitrag von Bärbl13 »

Hallo Dani,

kann es evtl. sein, dass Du ein bißchen unregelmäßig strickt,.h. den Faden nicht gleichmäßig bei linken und rechten Maschen gespannt hälts und dadurch die "schiefen" Maschen entstehen? Es würde mir danach aussehen.
Viele Grüße
Bärbl alias "Barbet-Esmeralda"
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Ein Leben ohne Katzen ist denkbar, aber sinnlos. (frei nach Loriot)
addicted2wool

Re: Schiefe Maschenbeinchen

Beitrag von addicted2wool »

Könnte ein Grund sein, aber mit der Fadenspannung habe ich ja auch herum experimentiert (vielleicht nicht genug?!).

Bei den linken habe ich festgestellt, dass ich den Faden nochmal etwas anziehen muss. Als relativ gut befunden habe ich folgende Methode: Masche stricken, aber noch beide Nadeln mit der Spitze in der Masche lassen, anziehen, und dann auf die rechte Nadel befördern. Sie lockert sich dadurch bestimmt wieder ein wenig, aber nicht so sehr, wie wenn ich sie ohne extra anziehen abstricke.

Ich habe auch versucht, die linken erst noch einmal anzuziehen, wenn sie auf der rechten Nadel sind, aber dann waren sie zu fest. Ich hab es nicht hinbekommen, sie nur so "halb" anzuziehen, dass zwischen Masche und Nadel noch ein Spielraum bleibt, sondern die haben dann an der Nadel geklebt. Und das wird dann natürlich zu fest.

Glatt rechts wäre das mit der Fadenspannung vermutlich auch etwas einfacher zu handhaben, weil da könnte ich den Faden einmal mehr um den Finger wickeln in den Rückreihen, aber bei re/li Mustern find ich das zu fummelig, alle zwei Maschen die Wicklung zu ändern.

Aber ich konnte ja den dreihundertdrölfzigsten Versuchslauf noch mal starten :biggrin:

Liebe Grüße
Dani
Hummelbrummel
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Re: Schiefe Maschenbeinchen

Beitrag von Hummelbrummel »

Hallo Dani,

wenn die Nadelhaltung schuld sein sollte, dann vermute ich ganz stark, dass sich der ungleichmäßige Eindruck nach der ersten Wäsche auf wundersame Weise verflüchtigen wird.

Ich habe aber einen anderen Verdacht, bin mir aber nicht ganz sicher, ob ich Deine Stricktechnik richtig verstanden habe.

Ich stricke "continental".
Ein bisschen Theorie zum Maschenbild:
So sollen die normalen Maschen sein und ich vermute, das soll auch bei Dir so sein:
Wenn man sich vorstellt, die Masche ist ein n (also ein umgedrehtes u), dann kommt das linke Bein des n von der linken Nachbarmasche, das rechte Maschenbein geht weiter zur rechten Nachbarmasche.
Das sind verschränkte Maschen (im Maschenbild):
Das rechte Bein kommt vom linken Nachbarn und das linke Bein geht zum rechten Nachbarn weiter.

(Ich habe einmal früher mein Strickzeug einer Ausländerin gegeben, die anders strickte als ich: Ihre erste Reihe in meinem Gestrick war aus verschränkten Maschen, alle anderen passten "normal" zu dem, was sie strickte. Als ich dann wieder übernahm, war meine erste Reihe auch verschränkt, dann passte es wieder.
Ich vermute, sie strickte mit einer Technik, die Deiner vergleichbar ist.)

Nun zurück zu Deinem Problem: Überprüfe doch mal, wo die Maschenbeine herkommen und hingehen.
Es könnte nämlich gut sein, dass bei Dir jede 2. Reihe in den Rechtsrippen echte verschränkte Maschen aufweist, die Reihe dazwischen "normale" Maschen. Das ergibt genau so ein regelmäßig wechselnde Maschenbild.

Wie man das in Deiner Stricktechnik ändern könnte, weiß ich aber nicht. Möglicherweise geht sie nicht für Rippen? Oder sie geht für Rippen anders?
Viele Grüße und viel Erfolg bei der Fehlersuche.

Hummelbrummel
addicted2wool

Re: Schiefe Maschenbeinchen

Beitrag von addicted2wool »

Hallo Hummelbrumm,

an der Technik liegt es auf keinen Fall, die hab ich endlose Male überprüft.

Wie der Name "combined" schon sagt, kombiniert man zwei Stricktechniken. Continental und Eastern. Continental werden die rechten Maschen, Eastern werden die linken Maschen. Die rechten Maschen liegen durch die Verschränkung von links vorne nach rechts hinten auf der Nadel; die linken liegen von rechts vorne nach links hinten auf der Nadel. Durch die Kombination dreht man die Maschen in der Hinreihe erst in die eine Richtung und in der Rückreihe dreht man sie wieder zurück.

Was ich auch gelesen habe ist, dass man durch die Kombination quasi die besten Techniken beider Strickstile kombiniert. Bei einer Continental linken Masche muss der Faden beim Wechsel von rechten zu linken Maschen einen längeren Weg nehmen, wodurch die linken gerne Mal lockerer werden (bestes Beispiel sind Rippenmuster, deswegen wird die letzte rechte Masche einer Rippe lockerer bzw. unförmiger als der Rest der rechten Maschen, weil beim Wechsel von rechts auf links mehr Querfaden entsteht). Strickt man die linken Masche Eastern ab, muss der Faden durch die andere Wickelei einen kürzeren Weg nehmen. Hoff ich hab das jetzt richtig erklärt :?

Ungeeignet ist diese Stricktechnik auch nicht, es gibt etliche Combined Stricker, die alles damit stricken. Neben Continental und Eastern ist esf ür meine Begriffe eine eigene Technik. Man muss nur z.B. beim Abnehmen umdenken, weil die Maschen ja anders herum auf der Nadel liegen als gewohnt. Deswegen muss man jede Methode umdrehen, also K2tog wird zu SSK und umgekehrt.

Nach dem Waschen meines ersten Probelappens war das Maschenbild zwar immer noch gruselig, aber nicht mehr gruselig hoch zwei.

Also nochmal Probelappen machen und waschen? Und dann beten :biggrin:

Und wenns dann immer noch nicht funzt, gibts bald im Flohmarkt eine Herde Stricknadeln und Wolle und sonstigen Strickzubehör zu verschenken. :evil:

Ich könnte natürich auch stricken wie immer, aber da bin ich jetzt stur, dass muss doch funktionieren!

Liebe Grüße
Dani
Basteline
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Re: Schiefe Maschenbeinchen

Beitrag von Basteline »

Hi,
ich habe in letzter Zeit auch häufig von dieser, mir seltsamen, Stricktechnik-Kombination gelesen.
und ganz ehrlich....? SO habe ich früher in meiner Jugend gestrickt. Und es mir dann ganz schnell als "falsche" Strickweise wieder abgewöhnt. 8)
Denn das Strickbild sahe immer komisch. Die re Maschen bildeten eine senkrechte Linie beim gl rechts gestrickten.
Die gl Linke seite hatte die Reihen immer in sichbaren 2er-Block die Maschen liegen.
Ganz schlimm wurde das Strickstück bei Netzlochmustern und bei Knötchengarnen und auch Cableegarne. Die Strickteile wurden nämlich in sich SCHIEF.
Von daher verstehe ich den Sinn dieser Anleitugnen, die ich auch bei Knitter gelesen habe, nicht.
Und wo ich nun von deinem Problem hier lese, wobei ich dir leider nicht weiterhelfen kann :( , erschließt sich mir die ganze Sache noch weniger.
Mein Fazit: ich werde es mir nicht nochmal umgewöhnen, bzw testen. :biggrin:
Liebe Grüße
Basteline
....und lasset die Nadeln schwingen!
addicted2wool

Re: Schiefe Maschenbeinchen

Beitrag von addicted2wool »

Mmmh, aber da frag ich mich, warum das so viele machen und bei denen das auch noch ordentlich aussieht?!

Dann muss das doch irgendwie funktionieren, d.h. andere machen was anders, als ich. Und an dem Punkt kommt der Jagdinstinkt bei mir durch :biggrin: Und ich denke das Problem liegt auch in einem lösbaren Bereich, schließlich stricken wir alle mit zwei Händen und den gleichen Nadeln, d.h. die Ausgangsverhältnisse sind durchaus vergleichbar.

Wenn andere das können, kann ich das gefälligst auch. Will ja keine Quantenphysik betreiben, sondern einfach nur stricken *menno*

Liebe Grüße
Dani
Hummelbrummel
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Re: Schiefe Maschenbeinchen

Beitrag von Hummelbrummel »

Hm, also ich strick ganz normal. Und bei mir sieht das ordentlich aus.
Vermutlich habe ich einfach genug Übung und Routine.
Vermutlich haben die, bei denen eine andere Technik zu einem ordentlichen Ergebnis führt, auch einfach genug Übung und Routine.

Ich wünsch Dir weiterhin viel Erfolg beim Üben!

Hummelbrummel
Kerstin
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Re: Schiefe Maschenbeinchen

Beitrag von Kerstin »

addicted2wool hat geschrieben:Ungeeignet ist diese Stricktechnik auch nicht, es gibt etliche Combined Stricker, die alles damit stricken. Neben Continental und Eastern ist esf ür meine Begriffe eine eigene Technik. Man muss nur z.B. beim Abnehmen umdenken, weil die Maschen ja anders herum auf der Nadel liegen als gewohnt. Deswegen muss man jede Methode umdrehen, also K2tog wird zu SSK und umgekehrt.
Das stimmt so nicht.

Was bei combined knitting passiert:
Die linken Maschen werden verdreht auf die rechte Nadel gebracht. Deshalb muss man sie in der Rückreihe durchs Hinterbeinchen abstricken, damit sie wieder entdreht und nicht verschränkt abgestrickt werden. Das ist alles.
Was noch wichtig ist: Ob eine Masche letztlich verschränkt ist oder nicht, entscheidet sich nicht in dem Moment, wo sie gebildet und gerade oder verschränkt auf die Nadel gehängt wird. Es entscheidet sich erst in der folgenden Reihe, wenn sie entweder gerade oder verschränkt abgestrickt wird. Erst dann werden ihre Beinchen entweder irreversibel verkreuzt (verschränkt) und bilden eine Art Schreibschrift-e, oder sie bleiben gerade und bilden auf- und ablaufende U-Bögen.
Ich könnte mir vorstellen, Dani, dass Deine Maschen teilweise etwas absonderlich aussehen, weil einige davon vielleicht doch verschränkt sind. Das kann man aber nur sicher erkennen, wenn man die Maschen etwas auseinanderzieht, um dem Fadenverlauf folgen zu können.

Will man Maschen zusammenstricken, strickt man sie so ab, dass die gewünschte Masche obenauf zu liegen kommt und die Richtung wie gewünscht entweder nach rechts (zusammenstricken) oder nach links (abheben, stricken, drüberziehen) ist. Da macht man beim combined knitting keinen Unterschied zum "normalen" Stricken, außer dass man vor dem Zusammenstricken ggf. noch die Beinchen entknoten muss. Strickt man statt k2tog ein SSK (oder umgekehrt), dann lehnen sich die Maschen in die falsche Richtung. Deshalb bitte nicht so verfahren.
Bitte probier's mal aus, falls Du mir nicht glaubst. :-)

Zahlreiche Grüße
Kerstin
KH 965 mit KR 850 und KG 95, KH 270 mit KR 260, DesignaKnit-abhängig ;-)
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Basteline
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Re: Schiefe Maschenbeinchen

Beitrag von Basteline »

Die linken Maschen werden verdreht auf die rechte Nadel gebracht. Deshalb muss man sie in der Rückreihe durchs Hinterbeinchen abstricken, damit sie wieder entdreht und nicht verschränkt abgestrickt werden. Das ist alles
.....und genau so habe ich in meiner Jugend gestrickt. :)
Und wie gesagt, mit bestimmten Garnen und/oder Muster wurde es schief. Das Strickbild war von rechts gleichmäßig, aber seltsameerweise von der linken Seite nicht so.
Und die Ab-und Zunahmen genauso wie Kerstin beschieben hat. *zustimmendnicken*
Liebe Grüße
Basteline
....und lasset die Nadeln schwingen!
addicted2wool

Re: Schiefe Maschenbeinchen

Beitrag von addicted2wool »

Kerstin hat geschrieben: Was bei combined knitting passiert:
Die linken Maschen werden verdreht auf die rechte Nadel gebracht. Deshalb muss man sie in der Rückreihe durchs Hinterbeinchen abstricken, damit sie wieder entdreht und nicht verschränkt abgestrickt werden. Das ist alles.
Soweit hab ich das auch schon durchblickt, wenigstens was 8)
Kerstin hat geschrieben: Will man Maschen zusammenstricken, strickt man sie so ab, dass die gewünschte Masche obenauf zu liegen kommt und die Richtung wie gewünscht entweder nach rechts (zusammenstricken) oder nach links (abheben, stricken, drüberziehen) ist. Da macht man beim combined knitting keinen Unterschied zum "normalen" Stricken, außer dass man vor dem Zusammenstricken ggf. noch die Beinchen entknoten muss. Strickt man statt k2tog ein SSK (oder umgekehrt), dann lehnen sich die Maschen in die falsche Richtung. Deshalb bitte nicht so verfahren.
Bitte probier's mal aus, falls Du mir nicht glaubst. :-)
Hab ich gemacht und merkwürdiger Weise wird "zwei Maschen rechts zusammen abstricken" bei mir famos links geneigt. Die Maschen liegen von vorne links nach hinten rechts auf der Nadel; im Endeffekt so, wie wenn ich im Continental SSK mache und die Maschen drehen vor dem Abstricken. Einzig gangbare Möglichkeit ist, die eben als "verschränkte" Maschen abzustricken, also durch das hintere Maschenbeinchen. Und dadurch werden sie links geneigt. Nur für eine rechts geneigte Abnahme muss ich sie zurück drehen, auf die normale Continental-Stellung.

Ich hab übrigends gestern noch einmal Probe stricken gemacht, aber diesmal im Continental. Hab äußerst fest gestrickt und alles sorgsam noch einmal angezogen. Ich muss sagen, ein famoses Maschenbild der linken Maschen, aber meine Rippen sahen genau besch* aus :evil: Ich werde mir die nächsten Tage mal von einem Kollegen seine Stricktechnik zeigen lassen, der macht ganz hübsche, regelmäßge V-Maschen.

Melde mich dann in vier Tagen zurück, obs was geworden ist. Ansonsten lest ihr im Dortmunder Stadtanzeiger von einer Strickwütigen, die Amoklauf begeht :geek:

Liebe Grüße
Dani
Siebenstein
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Re: Schiefe Maschenbeinchen

Beitrag von Siebenstein »

Hallo Dani,
Ich habe die Diskussion und deine Bemühungen mitverfolgt und möchte nun auch meinen Senf dazugeben.
Ich denke, du hast zu wenig Geduld mit dir selbst. Ein gleichmäßiges Strickbild entsteht nur zu 10 Prozent durch Technik, aber zu 90 Prozent durch Stricken, Stricken und nochmal Stricken. Natürlich kann man Kleinigkeiten durch Technik kompensieren (ich z.B. wickle bei Linksreihen den Faden einmal mehr um den linken Zeigefinger, weil meine linken Maschen sonst lockerer sind als die rechten), der Rest aber kommt automatisch mit der Zeit und wird mit jedem Strickstück besser.
Also: Durchhalten! Amoklauf ist keine Lösung ;)

Viele Grüße,
Ulrike
addicted2wool

Re: Schiefe Maschenbeinchen

Beitrag von addicted2wool »

Soooo liebe Leute,

ich habe etwas zu berichten :biggrin:

Zunächst möchte ich mal voranstellen, dass es bei mir vermutlich nicht an mangelnder Übung liegt, schließlich stricke ich seit ca. 8 Jahren :shock: Und ich glaube das müsste reichen um ein anständiges Maschenbild zu produzieren.

Grundgedanke war bei mir eher, dass ich mein Maschenbild einfach nur verbessern wollte; neudeutsch "aufpimpen".

Das gute voran: Ich denke mit dem neuesten Probelappen für meine Jacke kann ich ganz gut leben :biggrin:

Aber dafür haben sich neue Fragen aufgetan :confuse:

Ausgangspunkt war hier das Phänomen, dass bei mir, wenn ich stino continental glatt rechts stricke, die Maschen schief werden:

Bild
(gestrickt mit Merino 160m/50g)

Das linke Beinchen steht mehr oder weniger kerzengerade; das rechte steht im 45-Grad-Winkel ab.

Also rumprobiert, rumgestrickt, keine Besserung. Dann hab ich das meinem Kollegen gegeben, der sonst ein Maschenbild zum Niederknien hat. Taucht bei ihm doch tatsächlich das gleiche Maschenbild auf :oooh:

Wir uns also gewundert. Und ab zu Karstadt, in die Wolleabteilung. Dort hingen dann auch Probelappen zu den einzelnen Garne, wir also die Dinger analysiert. Und es kann nun purer Zufall sein, es war aber auffällig, dass bei Naturwolle (Schaf, Merino, etc.) die Maschen auch so "schief" waren, und bei Poly, Baumwolle, etc. eben nicht.

Also mal reines Poly gekauft, beim Stricken hab ich Gänsehaut bekommen, weil ich das Material so eklig zum Anfassen finde (ich habe eine Sofadecke, die ich ihm nassen Zustand auch nicht anfassen kann, total gruselig), und da war das Maschenbild etwas schöner, also eher richtige V-Maschen, aber immer noch bissl verzogen. Also wieder meinem Kollegen gegeben, und bei ihm wieder das gleiche Bild. Dafür werden die Rippen total hübsch.

Wir haben dann noch rumüberlegt, woran das liegen könnte, aber so richtig die ultimative Einleuchtung hatten wir auch nicht. Ich habe aber zwei Theorien:

1. Rechte Maschen liegen beim Stricken "schief" auf der Nadel, also von vorne rechts nach hinten links. Beim Abstricken bleiben sie so schief, bzw. drehen sich etwas gerade, wenn sie im Strickstück sind. Durch diese "Drehung", obwohl sie ja eigentlich "schief" sind, werden sie auch im Strickbild schief.
2. Die meisten von uns dürften den Faden um den linken Zeigefinger wickeln. Anatomisch betrachtet ist der Finger beim Stricken immer höher als das Strickstück. Folglich geht auch der Arbeitsfaden von der abgestrickten Masche nach oben. Dadurch rutscht das hintere Maschenende automatisch etwas höher als das vordere Maschenende. Das hintere Beinchen wird dadurch kürzer als das vordere und das sieht man im Strickbild.

Ich bin mit meinem Latein total am Ende, stricktechnisch wüsste ich nicht mehr, was ich noch verbessern könnte. Auch bezüglich Fadenspannung hab ich glaube alles durch, was man da machen kann (Faden beim Stricken schon sehr straff, Faden nach dem Abstricken noch einmal anziehen, Haltewinkel der Nadeln ändern, lockerer stricken, fester stricken, unterschiedliche Wicklung des Arbeitsfadens um die linke Hand, etc.).

Achja, und welche Erkenntnis ich noch gewonnen haben: Ich kann links stricken ohne Rowing out bzw. Streifenbildung :biggrin:

Liebe Grüße
Dani
Siebenstein
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Re: Schiefe Maschenbeinchen

Beitrag von Siebenstein »

addicted2wool hat geschrieben: Das linke Beinchen steht mehr oder weniger kerzengerade; das rechte steht im 45-Grad-Winkel ab.
Hallo Dani,
das, was du hier zeigst, ist ein völlig normales Maschenbild für glatt rechts und keinerlei Grund zur Aufregung.
Das unterschiedliche Aussehen der Maschenbeinchen hat etwas mit der Zwirnungsrichtung des Garns zu tun - ich glaube, Kerstin hat es irgendwo sehr vertändlich erklärt, finde aber gerade Eintrag nicht. Der Unterschied zwischen den beiden Beinchen kann, je nach Art und Stärke des verwendeten Garnes, mal mehr und mal weniger auffallen, ist aber selbst bei maschinengestrickten Teilen zu erkennen.

Mich wundert ein bißchen, dass die diese Eigenart glatt rechter Maschen in deinen acht Strickjahren noch nicht aufgefallen ist...

LG,
Ulrike
addicted2wool

Re: Schiefe Maschenbeinchen

Beitrag von addicted2wool »

Siebenstein hat geschrieben: Mich wundert ein bißchen, dass die diese Eigenart glatt rechter Maschen in deinen acht Strickjahren noch nicht aufgefallen ist...
Ist es sehr wohl, und ich hab mir öfter gedacht "wie bekommen die das so schön hin...". Aber es hat mich nicht soooo gestört, dass ich den Entschluss gefasst habe, es ändern zu wollen. Jetzt hab ich halt doch einen Rappel bekommen und hab mir gedacht, dass ich das ändern könnte :geek: Und das war eigentlich nur der Anfang von dem ganzen Drama :biggrin:

Das mit der Zwirnung hatte ich auch schon so halb im Sinn, aber habe diesen Gedanken dann nicht weiter verfolgt, weil ichs nicht nachvollziehen konnte, welche Zwirnung welche Masche macht.

Aber dann ist ja alles schön, dass ich "normal" bin :lol:

Hinsichtlich "Auffallen und Ändern" ist es das gleiche Thema wie mit meinem russischen Kronleuchter im Wohnzimmer. Dort hängt ein Kabel mitten aus der Wandschräge. Eine richtige Lampe wollte ich da nicht hin machen, weil ich schon ausreichend ausgeleuchtet war. Aber damit das nicht frei rumbaumelt, hab ich beim Einzug erst einmal behelfsmäßig eine Glühlampe dran gehangen. Und so hängt das nach 3,5 Jahren immer noch da :biggrin: Mir fällt es auf, ich denke auch manchmal "könnteste eigentlich mal....", aber bisher war dann der Tatendrang an dieser Stelle auch schon zu Ende. Ist mein persönlicher Stilbruch in dem sonst so durchgestylten Wohnzimmer, da lass ich den Revoluzzer raushängen :floor:

Liebe Grüße
Dani
Siebenstein
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Re: Schiefe Maschenbeinchen

Beitrag von Siebenstein »

Du kannst ziemlich stolz darauf sein,dass du es geschafft hast, linke Reihen nun genauso fest und gleichmäßig zu stricken wie rechte! Ich finde dein Strickbild sehr schön gleichmäßig, und bei glatterem Garn (merc. Baumwolle o. Ä.) wird es noch gleichmäßiger aussehen, bei rauerer Wolle kann es aber auch etwas unruhiger werden. Das liegt dann aber nicht an deiner Strickweise, sondern an den Fasern/Härchen der Wolle, die sich ein bißchen ineinander verhaken, so dass das Maschenbild nicht absolut perfekt werden kann.

Und so einen "russischen Kronleuchter" hat wohl jeder von uns irgendwo, auch wenn er ganz anders aussieht oder ganz anders heißt ;)

Schönes Wochenende!
Ulrike
addicted2wool

Re: Schiefe Maschenbeinchen

Beitrag von addicted2wool »

Danke für die Blumen :biggrin:

Ich weiß auch, dass Handstrick nie wie Maschenstrick aussehen wird, aber man hat halt so seine Ansprüche :?

Nuja, dann schmeiß ich mich mal noch an meine Topflappen und fische meine drölfzigste Maschenprobe aus dem Waschbecken für meine Jacke.

Dir auche ien schönes Wochnende
Dani
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