Janina Kallio ist eine finnische Strick-Designerin, die sich auf Tücher in allen erdenklichen Formen spezialisiert hat. Ihre Entwürfe sind von schlichter Eleganz, und die Farben, die sie einsetzt, sind zurückhaltend.
Ihre Tücher bilden damit einen höchst angenehmen Kontrast zu den schrillen Projekten, die beispielsweise Stephen Wests Markenzeichen sind. Auch deshalb wollte ich dieses Buch gern haben. Eine ausgewogene Strick-Bibliothek benötigt schließlich einen gewissen Ausgleich zu Augenkrebs verursachenden Farbzusammenstellungen und absurden Musterkombinationen.
Eine Übersicht aller im Buch enthaltenen Tücher findet sich bei Ravelry. Damit bekommt man auch gleich einen Eindruck von Kallios Stil.

Das Buch selbst (Hardcover, ISBN
9 783772 448140) ist eines der schönsten, die ich je in der Hand gehalten habe.
Es ähnelt mehr einem luxuriösen Bildband als einer Sammlung von Anleitungen. Jedes der 15 Tücher wird als Ganzes und in vielen Details gezeigt, und ergänzt wird das alles mit brillanten Fotos von Materialien und Zubehör, die die Gesamt-Stimmung aufnehmen und verstärken.
Die verwendeten Garne sind mit Lauflänge und Zusammensetzung angegeben, und für den Fall, dass das eine oder andere nicht erhältlich ist, sind Alternativen aufgeführt.
Bevor nun alle tuchverrückten Leserinnen die Buchhandlungen stürmen, möchte ich hier den einzigen, aber für meine Begriffe gravierenden Nachteil dieser Sammlung nennen:
Im ganzen Buch findet sich nicht ein einziges Muster-Diagramm. Die Strickmuster sind zwar, von Ausnahmen abgesehen, nicht sonderlich komplex, aber weil sie großflächig aneinandergesetzt sind und natürlich auch die jeweiligen Zunahmen enthalten, geht jede einzelne Anleitung über mehrere Seiten Textwüste. Die Beschreibung von vier Krausreihen inklusive Zunahmen im Tuch „Wilde Malve“ beispielsweise nimmt eine Viertelseite ein. Und weil diese vier Reihen insgesamt fünf Mal in diesem einen Tuch vorkommen, sind damit fünf Viertelseiten schon mal belegt. Die acht Reihen Lochmuster dazwischen, die insgesamt vier Streifen bilden, erfordern jeweils gut eine halbe Seite Text.
Die Tücher im Buch sind wirklich ein Traum, und einige davon würde ich lieber heute als morgen anschlagen, zumal ich sicherlich geeignetes Garn in meinem Vorrat fände. Aber die Aussicht, mich durch Seiten über Seiten von Text in Grau auf Weiß zu quälen, schreckt mich momentan ab. Zurückschicken werde ich dieses Buch nicht, dazu ist es zu schön. Aber fürs Erste kommt es ins Regal und nicht in den Strick-Korb.