Alles Gute zum Neuen Jahr

Ein neuer Anfang ist etwas Schönes. Viele Menschen fürchten sich ja vor Veränderungen; aber ich fand es schon immer angenehmer, eingefahrene Gleise zu verlassen und Neues, Überraschendes zu entdecken, zu erforschen, zu erleben. Als Kind hatte ich eine Schwäche für Wundertüten, und nun, als gealterte Erwachsene, erlaube ich jedem einzelnen Tag, neu und überraschend zu sein. Das Leben wäre nämlich verdammt langweilig, wenn man immer schon im Voraus wüsste, was auf einen zukommt.

Ja, es gibt auch unangenehme Überraschungen und Neuigkeiten. Um damit zurecht zu kommen, hilft eine Mischung aus vorbereitet Sein und Improvisationstalent. Letzteres halte ich für besonders wichtig, weil man sich nicht auf alles vorbereiten kann. Außerdem macht es enorm zufrieden, wenn man aus wenig bis fast nichts eine brauchbare Lösung basteln kann.

Als ich noch ein Kind war, baute mein Vater mir eine Puppenstube, zwei Zimmer mit Veranda, Fenstern und Türen, die sich öffnen ließen. Als kreativer Handwerker hatte er an dieser Arbeit bestimmt viel Freude. Ich fand das Ergebnis auch toll, aber noch spannender war für mich, wie meine Schulfreundin Brunhild sich eine Puppenstube aus einem Pappkarton bastelte. Zudem hatte ihre kleine Puppe viele Kleidchen, die meine Freundin selbst aus Garnresten gehäkelt hatte. Ich konnte damals noch nicht häkeln und schaute voller Bewunderung und ein wenig neidisch auf diese umfangreiche Garderobe.

Kreativität ist es, die uns Zufriedenheit und Freude am Leben gibt. Eine improvisierte Puppenstube aus Pappe macht viel mehr und auch länger Spaß als ein fertig gekauftes rosafarbenes Plastikhaus. Man setzt das, was zunächst nur in der eigenen Vorstellung existiert, in die Realität um. Man erkennt und erweitert dabei seine Fähigkeiten in ungeahnten Maßen. Wir wachsen an Aufgaben, auch wenn sie uns nicht perfekt oder vielleicht gar nicht gelingen. Egal ob Erfolg oder Misserfolg, dieses Wachstum macht uns als Person und Persönlichkeit aus.

In diesem Sinne wünsche ich euch für dieses Jahr möglichst angenehme Überraschungen und Erkenntnisse, die eure Kreativität und euer Improvisationstalent erweitern und euch spüren lassen, dass ganz normale Menschen so viel mehr können als jede künstliche Intelligenz. Echte künstliche Kreativität gibt es nämlich noch nicht. KI kann bestenfalls schon Vorhandenes neu einordnen, anordnen und kombinieren, aber erschreckend viel, was auf diese Weise „entsteht“, ist sinnfrei. Und selbst wenn eine bzw. „die“ KI irgendwann die Menschheit vernichtet, ist das nicht das Ende der Kreativität, denn die Natur selbst erschafft immer wieder Neues und nie Dagewesenes.

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