Die verstrickte Dienstagsfrage 10/2010

Das Wollschaf fragt:
Viele von uns (ich auch) leben mit einer Konfektionsgröße jenseits der 42. Die Strick-Anleitungen für Übergewichtige sind nicht gerade üppig.
Meine Frage zielt zwar auf “Menschen mit größerem Format” ab, aber auch die Antworten von Normalgroßen und -gewichtigen sind interessant, man kann die Antworten auch auf Teilbereiche beschränken. Natürlich geht es da auch ins Persönliche, aber ich habe bereits festgestellt, dass es ein großes Interesse gibt, darüber zu sprechen.
Sollen Übergewichtige Strickkleidung tragen oder darauf verzichten?
Als Betroffene(r): Strickst du für dich Pullis und Jacken oder lieber nur Tücher, Socken oder Accessoires?
Welche Schnitte sind vorteilhaft? Welche Garne?
Welche sind abzulehnen?
Änderst du herkömmliche Anleitungen auf deine Figur ab oder entwirfst du eigene Designs?
Wo gibt es geeignete Anleitungen oder Stricktipps für die stärkere Figur? (Bücher, Hefte, Websites, welche?)
Bitte auch welche in deutscher Sprache.
Herzlichen Dank an Reni für die heutige Frage!

Danke, das ist mal eine wirklich interessante Frage, über die man ganze Bücher verfassen könnte, sofern nicht einige davon schon geschrieben wären.

Ja, auch Übergewichtige können und sollen Strickkleidung tragen. Wie sollen sie es sonst bei den momentanen Minusgraden (heute früh waren es hier minus 13) warm haben?

Ich bin zwar selbst nur mäßig übergewichtig, aber selbstverständlich stricke ich für mich und andere, noch dickere Personen gern warme und kleidsame Pullover und Jacken. Ein gut geschnittener Pullover kann optisch übrigens schlanker machen als ein malerisch drapiertes Tuch.

Natürlich kann jede(r) gern stricken und tragen, wozu er/sie Lust hat, auch wenn’s letztlich am Leib aussieht wie das orientalische Prunkzelt Augusts des Starken. Wenn ich mir etwas stricke, möchte ich jedoch, dass es ansprechend wirkt und möglichst ein paar Pfunde wegmogelt. Das Buch “Big Girl Knits” gibt gute und ausführliche Tipps, welche Schnittform sich bei welcher Figur positiv auswirkt. Auch in Maggie Righettis “Sweater Design in Plain English” findet man reichhaltige Informationen zur Schnittgestaltung bei problematischer Figur.

Von extrem dicken Garnen würde ich Abstand nehmen. Die fügen nicht nur optisch etliche durchaus entbehrliche Zentimeter Umfang hinzu; das Kleidungsstück wird damit auch sehr schwer, was den Sitz beeinträchtigen kann. Problematisch finde ich persönlich auch viele Effektgarne. Fransen- oder Bommelgarn eignen sich gut für Akzente, aber ein kompletter Pulli aus solchem Material würde mir an keiner erwachsenen Person (egal wie dick oder dünn) gefallen.

Ich bin altmodisch und glaube, dass senkrechte Linien bei Übergewicht vorteilhafter wirken als waagerechte. Deshalb finde ich quer geringelte Fair-Isle-Pullover für große Größen meistens scheußlich, auch wenn sie als Inbegriff strickerischer Kunstfertigkeit gelten. Es gibt genügend Fair-Isle-Muster, die senkrechte Musterbetonungen haben. Berühmtes Beispiel: Henry VIII von Alice Starmore. Man muss ja nicht genau dieses Muster in diesen Farben stricken, aber solche senkrechten Verläufe sind auch für fülligere Frauen kleidsam.

Die bestgeeignete Schnittform hängt von der individuellen Figur ab. Gerade bei üppigeren Frauen kann die Verteilung der Pfunde ja sehr variieren, die eine hat mehr Busen, die andere mehr um die Hüften. So etwas versuche ich beim Schnitt zu berücksichtigen. Zur Gesamtsilhouette tragen auch die Länge der Beine oder des Halses bei, und die Halslänge kann z.B. mitentscheidend für die günstigste Ausschnittform sein.

Ich kenne meine eigene Figur mittlerweile ganz gut und glaube zu wissen, was mir steht und was nicht so sehr. Entsprechend wähle ich Anleitungen aus, ändere sie für mich ab oder entwerfe gleich komplett selbst. Die Kapitel für große Größen in Zeitschriften sind dabei immer für Anregungen gut.

Plauderei

Liebe Apothekerin, auch wenn es 19:00 ist und nur noch zwei Kunden auf Ihre geschätzte Bedienung warten, während Sie gerade bei einer anderen Kundin kassieren, ist das kein Grund, mit dieser Kundin nun eine längere Unterhaltung zu beginnen. Ich kann Ihnen versichern, dass zumindest die eine der wartenden Personen gerade nicht im geringsten an Ihren Erfahrungen mit Heilfasten, dem Wohlergehen Ihrer zwei Kinder oder Ihrer komplizierten Ausbildung an der Heilpraktikerschule interessiert ist, denn besagte wartende Person (meine Wenigkeit) hat exakt neunzehn Minuten Zeit, um zwischen der Ankunft per Straßenbahn und der Weiterfahrt mit dem Bus erstens in Ihrer Apotheke die bestellten Medikamente abzuholen und zweitens im Supermarkt ein Stück weiter an der Straße noch etwas einzukaufen. Sie wissen vielleicht selbst (oder wohl eher nicht), dass man um diese Zeit im Supermarkt an der Kasse Schlange stehen muss. Da sind die fünf Minuten Zeitverlust durch Ihren Smalltalk wirklich entbehrlich, besten Dank auch.

Ein alter Hut und zwei Premieren

Als ich Kind war, gehörte der Nuss- oder Mandelkranz aus Quark-Ölteig zum Back-Repertoire meiner Mutter. Das Rezept stammte aus einem Dr.-Oetker-Backbuch, das sie irgendwann in den Sechzigern gekauft hatte, und die ganze Familie liebte diesen Kuchen.

Kürzlich erinnerte ich mich an diesen Genuss aus meiner Kindheit und beschloss, mich selbst einmal daran zu versuchen. Es war das erste Mal, dass ich überhaupt einen Quark-Ölteig zubereitete, und es ging ganz einfach. Ich richtete mich weitgehend nach dem oben verlinkten Rezept, bis auf zwei Ausnahmen: Für den Teig verwendete ich Walnussöl, und die Haselnüsse hatte ich vor dem Mahlen leicht im Backofen angeröstet und dann in einem Geschirrtuch ordentlich durchgerieben, damit sich soviel wie möglich von der bitteren braunen Haut löste.

Der fertig geformte Kranz sollte dann mit verquirltem Eigelb bestrichen werden, und dazu verwendete ich erstmals den Silikon-Backpinsel, den ich kürzlich auf den Rat von Michaela gekauft hatte. Nie wieder Ärger mit verkleisterten Streichinstrumenten!

Nusskranz im Ganzen

und ein Stück Nusskranz

Hier ein Eindruck vom fertig gebackenen Kuchen.

Ja, ich stricke noch – Still knitting

Infolge anderer Verpflichtungen wird bei mir derzeit nichts fertig. Nicht einmal an der Strickmaschine, obwohl das eigentliche Stricken damit ja deutlich schneller geht als von Hand.

In Arbeit ist zur Zeit am Grobstricker ein Pullover mit Doppelbett-Vorlegemuster. Man strickt über alle Nadeln am hinteren Nadelbett und jede 4. Nadel am vorderen, dazu halber Versatz, weil sonst die Nadeln gegeneinander krachen. Die VNB-Nadeln stricken nur in jeder 2. Reihe mit. Das ergibt plastische Längsstreifen. Ich mag dieses Muster sehr gern, und man kann es vielseitig abwandeln. Man kann z.B. nur jede 6. Nadel am VNB stricken lassen oder zwei VNB-Nadeln nebeneinander und dann einen größeren Abstand lassen.

Nicht hundertprozentig zufrieden bin ich mit dem Garn. Austermann Microlana Fine ist eine sehr weiche Mischung aus Schurwolle und Microfaser. Obwohl der Hersteller eine Maschenprobe von 18 M auf 0 cm angibt, erscheint mir das Gestrick recht locker. Ich hoffe, dass das Vorlegemuster dazu beiträgt, es zu stabilisieren.

Vorlegemuster - slip stitch pattern

Due to other obligations, I don’t succeed in finishing something. Not even on the knitting machine, although the pure knitting is much faster with it than by hand.

My current WIP is a chunky sweater with double bed slip stitch patterning. You work over all needles on the back bed and every 4th needle on the front bed, racking handle of course to half pitch to avoid clashing (and subsequently damaged) needles. The front bed needles knit only every second row. This results in raised vertical stripes. I like this pattern very much, and it can be easily modified, e.g. by putting only every 6th needle on the front bed in work or two adjacent needles and then a larger space between the next pair.

I’m not perfectly satisfied with the yarn. Austermann Microlana Fine is a very soft mixture of pure new wool and microfiber. The manufacturer states a gauge of 18 stitches per 10 cms, but this seems rather loose to me. I hope the slip stitch pattern will add to a firmer structure.

Birnen-Quark-Tarte

Auch wenn man etwas knapp an Zutaten ist und Reste aufbrauchen muss, kann man leckeren Kuchen zaubern. Ich hatte eine angebrochene 500-g-Packung Quark und drei schöne reife Birnen, die ich verbrauchen wollte, bevor sie braun wurden. Auf ging’s!

Zutaten für den Boden:
200 g Mehl
125 g Butter
60 g Zucker
1 Ei
1 Prise Salz
1/2 Teelöffel Zimtpulver
1 Prise gemahlene Vanille
Butter für die Form
Hülsenfrüchte zum Blindbacken

Zutaten für den Belag:
3 reife Birnen (z.B. Williams, Conference oder Alexander Lukas)
250 g Magerquark
3 Eier, getrennt
100 g Zucker
1 Teelöffel Zimt

Birnen-Quark-Tarte

Zubereitung:
Die Zutaten für den Teigboden schnell zu einem Mürbeteig verkneten. Den Teig ggf. noch kühlen und in einer gefetteten Tarte-Form (28 cm Durchmesser) mit einem kleinen Teigroller gleichmäßig ausrollen. Den Boden mit einem passend zurechtgeschnittenen Stück Butterbrotpapier bedecken und eine dünne Schicht Hülsenfrüchte darauf verteilen. Bei 200°C im vorgeheizten Backofen auf der zweituntersten Schiene etwa 15 Minuten backen. Herausnehmen, Papier und Hülsenfrüchte entfernen. Ofentemperatur auf 150°C herunterstellen.

Während der Boden backt, die Füllung zubereiten. Die Birnen vierteln, schälen, das Kerngehäuse entfernen und die Früchte in Spalten schneiden.
Eigelb und Zucker schaumig rühren, Quark und Zimt hinzufügen, gut verrühren. Nach Geschmack kann man auch etwas Birnengeist hinzugeben. Das Eiweiß steif schlagen und unter die Quarkmasse ziehen.
Die Birnenspalten im Kreis auf dem vorgebackenen Boden verteilen. Mitte und Rand blieben bei mir frei, weil ich ja nur drei Birnen hatte, aber das macht gar nichts. Die Quarkmasse gleichmäßig über Boden und Birnen verteilen. Kuchen in den Ofen stellen und bei 150°C in etwa 45 Minuten fertig backen.

Ihr habt sicher gemerkt, dass bei mir derzeit in der Küche mehr los ist als im Strickzimmer. 😉 Aber ich hoffe, dass ich bald auch wieder mehr Zeit zum Stricken finde.

Kürbis-Kartoffelpüree

So manches grandiose Gericht erblickt das Licht der Welt, weil man Restbestände hat, die sinnvoller Verwertung harren. Ich hatte noch ein Viertel Hokkaido-Kürbis und zu wenig Kartoffeln. Was lag näher, als beides zu kombinieren?

Zutaten für drei Portionen:
300 g mehlig kochende kleine Kartoffeln
300 g Kürbisfleisch, geputzt
30 g feine Zwiebelwürfel (eine kleine oder eine halbe große Zwiebel, fein gehackt)
3 Knoblauchzehen, fein gehackt (etwa 1 Esslöffel)
1 Esslöffel fein gehackter frischer Ingwer
30 g Butter
100 g saure Sahne (oder Crème fraîche, je nachdem, was vorhanden ist)
Meersalz
Pfeffer, frisch gemahlen
Muskatnuss, frisch gemahlen

Zubereitung:
Die ungeschälten Kartoffeln im Dämpfeinsatz über kochendem Wasser etwa eine halbe Stunde lang garen. In der Zwischenzeit Zwiebelwürfel, Knoblauch und Ingwer in der Butter glasig werden lassen. Den in Stücke geschnittenen Kürbis mit ein paar Esslöffeln Wasser hinzufügen und dünsten, bis er gut weich ist.
Die gegarten Kartoffeln pellen, mit zum Kürbis geben und alles mit dem Kartoffelstampfer möglichst glatt zerdrücken. Keinen Pürierstab verwenden, es sei denn, Ihr wollt Tapetenkleister produzieren!
Saure Sahne oder Crème fraîche unterrühren, kräftig mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen. Falls das Püree zu fest ist, noch etwas Wasser oder Milch hinzufügen.
Das Püree passt sehr gut zu würzigen Gemüsegerichten. Ich servierte es zu Wirsing-Curry, aber auch zu Paprikagemüse oder grünen Bohnen provenzalisch (mit Knoblauch, Anchovis und Kapern) macht es eine gute Figur.

Bananen-Tarte

Fast hätte ich vergessen, den Kuchen vom Wochenende zu erwähnen. Es war wieder einmal eine Eigenkreation. Ich wollte bei dem trüben winterlichen Wetter etwas Exotisches backen, das trotzdem mit überall erhältlichen Zutaten zuzubereiten ist. Voilà eine Bananen-Tarte mit Mürbeteigboden und einer Füllung aus pürierten Bananen.

Bananentarte

Zutaten für den Boden:
210 g Mehl
50 g Zucker
1 Prise Salz
100 g Butter
1 Ei
Fett für die Form
Hülsenfrüchte zum Blindbacken

Zutaten für die Füllung:
100 g saure Sahne
60 g Zucker
abgeriebene Schale einer Zitrone
Saft einer halben Zitrone
3 Bananen
3 Eier
2 Esslöffel Kokoslikör

Die Zutaten für den Boden schnell zu einem glatten Teig verkneten und eine gefettete Tarte-Form (26-28 cm Durchmesser) damit auslegen. Ein passend zurechtgeschnittenes Blatt Butterbrotpapier auf den Teig legen, eine dünne Lage Hülsenfrüchte draufstreuen (ich nehme immer dieselben Erbsen) und im Backofen bei 200°C (Umluft) etwa 15 Minuten backen.
Während der Boden backt, saure Sahne mit Zucker und Zitronenschale verrühren. Die Bananen zusammen mit dem Zitronensaft mit dem Pürierstab pürieren und zur Sahne geben. Die Eier und den Likör hinzufügen, alles gut verrühren.
Butterbrotpapier und Hülsenfrüchte vom Teigboden entfernen, Bananenmasse auf dem Boden verteilen und bei 160°C (Umluft) in etwa 45 Minuten fertig backen.
Der Kuchen ist ziemlich flach und kompakt, aber sehr lecker. Beim nächsten Mal werde ich die Eier trennen und das Eiweiß steifgeschlagen unterziehen, das macht die Füllung dann noch etwas lockerer.

Rollkragen-Ersatz – Polo neck substitute

Bereits vergangenen November hatte ich mir ja das Modell Nr. 7 aus der Winter-Verena gestrickt. Der Ausschnitt ist ziemlich weit, obwohl ich ihn schon erheblich enger gemacht habe als im Original. Damit ich auf jeden Fall einen warmen Hals behalte, habe ich aus einem Rest-Knäuel nun einen passenden kleinen Möbius-Schal gestrickt. Mein erster Versuch, in einem Lochmuster, fiel so abscheulich aus, dass ich ihn postwendend wieder aufzog. Davon gibt’s auch kein Foto. Ich strickte dann in einem einfachen Rippenmuster (zwei Reihen rechts, zwei Reihen links), und diesmal kam ein gutes Ergebnis heraus. Der Vorteil dieses Musters ist auch, dass man einfach aufhören und abketten kann, wenn das Knäuel sich dem Ende nähert.
Gestrickt aus 50 g Gedifra “Riana” mit Rundstricknadel 100 cm, Stärke 5,5 mm, Anschlag etwa 96 Maschen.

Möbius-Schal aus Gedifra Riana

Way back in November I made sweater no. 7 from the Verena Winter 09 issue. Its neckline is rather wide although I already made it considerably narrower than the original. To keep my throat warm in any case, I just finished a matching little Moebius scarf from a leftover ball. My first attempt, in a lace pattern, turned out so hideously that I unravelled it immediately. There isn’t even a photo to tell. Then I switched to a simple rib pattern (two knit rows, two purl rows alternating), and this time all was well. One advantage of this pattern is that you can stop and cast of any time when you get to the end of the ball.
Made of 50 g of Gedifra “Riana”, circular needle 100 cm length, size 5.5 mm, cast-on about 96 stitches.

Die verstrickte Dienstagsfrage 06/2010

Das Wollschaf fragt:
Manche Sachen beginnt man mit Enthusiasmus und beendet sie dann unwillig oder gar nicht, aber es gibt Modelle, da bedauert man geradezu, wenn sie fertiggestrickt sind. Es geht mir in meiner Frage um den Prozess des Strickens und nicht um das fertige Stück.
Welches war das absolute Lieblingsprojekt, das ihr gestrickt habt? Was hat es dazu gemacht (Garn, Muster, Schnitt …)?
Habt ihr dann noch ein weiteres Modell gleicher Art gefertigt?
Gibt es auch ein Hass-Objekt?
Herzlichen Dank an Michaela für die heutige Frage!

So richtig bedauert habe ich es eigentlich noch nie, wenn ein Strickstück endlich fertig war. Aber es stimmt schon, an manchen Projekten strickt man lieber als an anderen.
Ein solches Lieblingsprojekt war “Portland” aus Rowan Magpie Aran. Das hat richtig Spaß gemacht. Das Muster war abwechslungsreich, das Garn ließ sich prima verstricken, und es war abzusehen, dass das Endprodukt auch ein Erfolg sein würde. Diesen Pullover trage ich zur Zeit sehr oft, weil er schön warm ist, und er wird immer wieder bewundert. Ein zweites Mal werde ich ihn aber sicher nicht stricken, weil ich ihn ja nun schon in optimaler Form habe. Ein Kandidat für einen zweiten Versuch ist eher ein Modell, das beim ersten Mal nicht so toll geworden ist und bei dem man die Fehler des ersten Versuchs vermeiden möchte. Die Jacke “Vivian” will ich zum Beispiel ein zweites Mal aus besser geeignetem Garn stricken.
Hass-Objekte gibt es natürlich auch. Ein solches habe ich kürzlich reuelos entsorgt. Es war der Anfang des Modells Nr. 50 aus der Herbst-Verena. Das Muster war zwar sehr schön, aber das Garn einfach scheußlich zu verstricken. Deshalb habe ich daraus etwas mit der Strickmaschine angefertigt, das war weniger mühsam, und dem Empfänger war es einerlei, solange es etwas Warmes, von mir Gestricktes war. Die bereits von Hand verarbeiteten 200 g, die ich für das Maschinen-Projekt nicht mehr benötigte, kamen in den Müll. Ich bin froh, von dieser Wolle nichts mehr im Haus zu haben.

Apfelkuchen mit Nussbaiser

Dieses Rezept ist eine Eigenentwicklung, und ich schreibe es hier auf, damit ich es nicht wieder vergesse. Es schmeckt nämlich sehr gut, und ich möchte es bestimmt noch einmal backen, dann vielleicht mit kleinen Abwandlungen. Der Kuchen besteht aus drei Schichten, einem Boden aus Mürbteig, einer Füllung aus angedünsteten Äpfeln und einem Belag aus Eischnee mit gemahlenen Haselnüssen und Puderzucker. Das klingt kompliziert. Tatsächlich hatte ich gestern eher wenig Zeit zum Backen, und gerade durch das Schichtenprinzip konnte ich die Zubereitung auf mehrere kleine Zeitfenster aufteilen, die sonst nicht für einen kompletten Kuchen gereicht hätten.

Apfelkuchen mit Nussbaiser

Zutaten für den Boden:
200 g Mehl
150 g kalte Butter in kleinen Stücken
60 g Zucker
1 Prise Salz
1 Ei
Hülsenfrüchte zum Blindbacken

Alle Zutaten von Mehl bis Ei miteinander zu einem Mürbeteig verkneten, der gerade gut zusammenhält. Wenn man Zeit hat und klassisch vorgeht, lässt man den Teig nun eine Stunde im Kühlschrank ruhen und rollt ihn dann aus. Wenn man wie ich keine Zeit hat, patscht man ihn in eine gefettete Quiche-Form von 26-28 cm Durchmesser, verteilt einen halben Esslöffel Mehl gleichmäßig drüber und rollt ihn gleich in der Form mit einem kleinen konisch geformten Teigroller aus. Nach Geschmack einen kleinen Rand hochziehen. (Vom Hochziehen von Rändern bin ich bei festeren Füllungen mehr oder weniger abgekommen, weil niemand gerne dicke Ränder isst.) Damit der Boden gleichmäßig flach bleibt, ihn mit einem passend ausgeschnittenen Blatt Butterbrotpapier auslegen, eine dünne Schicht Hülsenfrüchte einfüllen und bei 200° auf der mittleren Schiene 15-20 Minuten backen. Während der Boden im Ofen ist, die Füllung vorbereiten.

Zutaten für die Füllung:
750 g Äpfel (z.B. Boskoop)
40 g Butter
abgeriebene Schale und Saft einer halben Zitrone
30 g Zucker
2 Eigelb
Äpfel vierteln, entkernen, schälen und in grobe Würfel schneiden. Butter erhitzen, Äpfel hinzugeben und mit Zucker, Zitronenschale und -saft in wenigen Minuten weich dünsten, aber nicht zerfallen lassen. Abkühlen lassen.
Nach dem Abkühlen Eigelb unterrühren und die Füllung auf dem fertig gebackenen, ebenfalls abgekühlten Teigboden verteilen. (Ich erledigte in der Zwischenzeit Einkäufe, es passte prima mit der Abkühlzeit.)

Zutaten für den Belag:
100 g Haselnüsse, fein gemahlen
50 g Puderzucker
3 Eiweiß
Ich hatte noch ein kürzlich übrig gebliebenes Eiweiß, das habe ich hier mit verwendet. Eiweiß hält sich in einem fest verschlossenen Gefäß im Kühlschrank problemlos zwei Wochen. Ich nehme kleine Gefäße und ziehe Frischhaltefolie drüber, die hält dicht.
Haselnüsse und Puderzucker miteinander mischen. Eiweiß steif schlagen und drunterziehen. Die Masse auf die Apfelfüllung streichen und das Ganze bei 160° (Umluft) etwa 30 Minuten backen. Sollte der Belag zu dunkel werden, kann man ihn mit Alufolie abdecken.

Und ja, der Kuchen schmeckt fein. 🙂