Langsame Wanderung

Seit mehr als fünf Wochen stricke ich am “Strandwanderer”. Es zieht sich hin, obwohl ich schon mit allerlei Tricks arbeite. Beispielsweise wende ich bei den Querstreifen nicht nach jeweils drei Maschen, sondern ich stricke linke Maschen rückwärts. Das war zuerst etwas mühsam, aber nach kurzer Zeit hatte ich eine Methode gefunden, mit der es mir gut von der Hand geht. Um wirklich Zeit zu sparen, wechsle ich dabei nicht die Hand, die den Faden hält. Ich versuchte noch eine andere Variante, bei der ich den Faden mit einer Hand um die Nadel wickele, aber das erzeugte einen solchen Zug auf den Faden, dass ich mir fast den linken Zeigefinger abschnürte.

Um am Ende eines Querstreifens nicht eine endlose Zahl von Randmaschen aufnehmen zu müssen, fasse ich alle paar Kurzreihen schon mit der rechten Nadel Maschen auf. Dann sind es am Ende weniger Maschen, und es geht zumindest gefühlt schneller.

Strandwanderer-Tuch

Allerdings habe ich immer noch nicht kapiert, was genau denn das Knötchen ist, das man auffassen soll. Aber das macht wohl nichts, denn hinterher kann man ohnehin nicht mehr genau erkennen, wo etwas aufgenommen wurde.

Ein Dreiecktuch stricken

Nein, ich habe meine Ansicht nicht geändert. Nach wie vor halte ich Dreiecktücher für ausgesprochen unpraktische Kleidungsstücke. Zu ihren wenigen Vorteilen gehört, daß sie im allgemeinen auch dann noch passen, wenn man stark an Gewicht zu- oder abnimmt, und daß manche von ihnen so simpel zu stricken sind, daß man sich sogar die Maschenprobe sparen kann.

Dies ist ein Beispiel:
Anschlag mit beliebigem Garn über 3 Maschen.
1. Reihe: 1 rechts, 1 Umschlag, 1 rechts, 1 Umschlag, 1 rechts.
2. und alle weiteren Rückreihen: Maschen und Umschläge rechts stricken.
Mittelmasche markieren.
3. und alle weiteren Hinreihen: Alle Maschen rechts, dabei nach der ersten, vor und nach der Mittelmasche und vor der letzten Masche 1 Umschlag machen. Es entsteht ein Dreieck, man strickt über die Diagonalen und erhält in der Mitte eine doppelte Lochreihe.

kraus gestricktes Dreiecktuch mit Zunahmen in der Mitte

Weiterstricken, bis das Garn alle ist, man keine Lust mehr hat oder die gewünschte Größe erreicht ist, je nachdem, welches Ereignis als erstes eintritt.
Dieses Tuch ist nun kraus gestrickt und rollt sich nicht ein. Man kann es nach dem Stricken noch spannen, dann sieht es besser aus. Nach Belieben kann man in die kurzen Kanten auch noch Fransen einknüpfen.
Wer selbst kreativ sein will, strickt nach demselben Schema in beliebigen Mustern, je nach Garn aber möglichst in solchen, die sich nicht rollen.

Die Sehnsucht nach dem Dreiecktuch

Dreiecktücher sind ja derzeit groß in Mode. Ich habe mir eins gehäkelt, aus weißem Garn, in einem schönen Muschelmuster, mit eingeknüpften Fransen. Ein Bild kann ich leider nicht zeigen, denn gehäkelt habe ich das Tuch ungefähr 1973, und es existiert schon lange nicht mehr. Ich denke in letzter Zeit nur sehr oft an dieses Tuch, auch wenn ich mich an das genaue Muster nicht mehr erinnern kann.

Mitunter überkommt es mich, und ich würde mir gern wieder ein ähnliches Tuch häkeln oder stricken. Und dann denke ich an das Tuch von damals, wie elegant ich es als Teenie über meine Schultern drapierte, und wie unwillig es dort verharrte. Eigentlich verharrte es gar nicht, sondern nutzte jede sich bietende Gelegenheit, um höchst unelegant an mir herunterzurutschen. Eine Tasche zu tragen wurde mit dem Ding zu einem Balanceakt, der Konzentration erforderte. ZWEI Taschen zu tragen (z.B. eine Handtasche über der Schulter, eine Einkaufstasche in der Hand) war nahezu unmöglich.

Ich habe meine Lektion gelernt. Schultertücher sind wunderschön für Leute, die gänzlich unbelastet durchs Leben gehen, die wie gemalt (ich wollte nicht sagen, wie bestellt und nicht abgeholt) herumstehen und denen man die Türen aufreißt, weil sie unfähig sind, sie selbst aufzumachen.
Schultertücher sind ziemlich unpraktisch für Frauen, die tagtäglich Taschen oder Kisten durch die Gegend schleppen, die selten eine Hand frei haben, geschweige denn zwei, die ab und an einen Regenschirm halten müssen und die sich ihre Türen selbst aufschließen.

Ich muß mich gelegentlich daran erinnern, daß ich zur letztgenannten Gruppe gehöre. 🙂