Backtag

Auf vielfachen Wunsch eines einzelnen Herrn, der mittels suggestiver olfaktorischer Halluzinationen (“ich rieche Nelken und Kirschwasser” ) selbigem Wunsch noch Nachdruck zu verleihen wußte, ging ich heute ans Werk, eine Linzertorte zu backen.

Was die Teigzutaten betrifft, variiere ich gern. Sowohl mit Hasel- als auch mit Walnüssen (und natürlich kombiniert) geht es prima. Auch Mandeln eignen sich gut, man sollte sie allerdings nicht häuten. Das macht (zumindest bei mir, in meinem einzigen derartigen Versuch) den Teig sehr krümelig. Der Tortenvernichter seinerseits besteht darauf, daß ausreichend gemahlene Nelken, Zimt und ein gehöriger Schuß Kirschwasser in den Teig kommen.

Keine Kompromisse gehe ich beim Belag ein. Da muß es säuerliche Johannisbeermarmelade sein, um geschmacklich einen Kontrast zum süßen Teig zu erzielen. Weil es solche Marmelade nicht zu kaufen gibt, koche ich sie selbst.

Wenn in Bäckereien und Konditoreien Linzertorte angeboten wird, hat sie fast immer ein dickes Teiggitter drauf, so dick, daß man von der Marmelade nichts mehr sieht oder schmeckt. Ich mag’s aber lieber zart und dünn. Der Teig für die Gitterstäbe wird deshalb dünn ausgerollt und in ziemlich schmale Streifen gerädelt. Mit Hilfe eines langen Messers lassen sich die Streifen dann auf die Marmeladeschicht transportieren.

So sieht sie aus:

Linzertorte

Eigentlich soll sie nun mindestens zwei Wochen gut verpackt durchziehen, damit die Aromen sich besser entfalten können. Aber meine langjährigen Beobachtungen haben gezeigt, daß so eine Torte natürliche Feinde hat, die sich schneller bewegen können als sie. Das schränkt die Lebenserwartung erheblich ein.

Und hier ist das Rezept, falls es auch unter den Lesern das eine oder andere Schleckermäulchen gibt:

Für den Teig:
200 g Mehl
1 gestrichener Teelöffel Backpulver
100 g Zucker
2 Teelöffel Vanillezucker
je 1 gestrichener Teelöffel Nelken und Zimt, gemahlen
1 Schuß Kirschwasser
1 Ei
125 g Butter
125 g gemahlene Mandeln, Haselnüsse oder Walnüsse

Für den Belag:
1 Glas (340 g) Johannisbeermarmelade
1 Eigelb
1 Esslöffel Milch

Alle Zutaten für den Teig miteinander verkneten. Teig 30 Minuten kühl stellen. Dann drei Viertel des Teigs gleichmäßig in eine gefettete Springform (26 cm Durchmesser) oder Tortenform (28 cm Durchmesser) verteilen. Ich nehme dafür ein kleines Teigrädchen, mit dem man in der Form herumrollen kann. Dann muß man sich nicht mit zerreißenden Teigplatten herumärgern.
Einen kleinen Teigrand hochziehen. Auf dem Teig die Johannisbeermarmelade verstreichen.
Das restliche Teigviertel auf der bemehlten Arbeitsfläche dünn ausrollen und schmale (maximal 2 cm) Teigstreifen ausrädeln. Mit Hilfe eines langen Messers anheben und auf der Marmeladenfläche zu einem Rautengitter arrangieren.
Eigelb und Milch in einem kleinen Gefäß miteinander verquirlen. Das Teiggitter und den Kuchenrand damit bestreichen.
Im vorgeheizten Backofen bei 180°C (Umluft 160°C) 45 Minuten backen.
Fest in Alufolie verpackt und außerhalb der Reichweite von Fressfeinden hält sich dieser Kuchen mehrere Wochen.

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