Wenn man Arthur C. Clarke Glauben schenken kann, dann ist (falls Ihr auch irgendwann “2001: Odyssee im Weltraum” gelesen habt) die Fähigkeit, einen Knoten zu bilden, ein erstes Zeichen von Zivilisation und Technologie. Tatsächlich dürften sich viele nichtmenschliche Lebewesen mit dieser Aufgabe schwer tun. Zugegeben, manche Rankpflanze bringt mit einiger Mühe vielleicht einen Knoten zustande, aber ein Delfin (wahrlich kein dummes Geschöpf) oder selbst ein Elefant dürften damit überfordert sein.
Umso mehr erstaunt mich, wozu unbelebte Materie in der Lage ist. Sobald ich ein Ladekabel, ein Paar Kopfhörer oder auch nur meine Computermaus in meinen Rucksack stecke, fangen diese Gegenstände selbsttätig an, Verschlingungen zu bilden. Wenn ich sie eine halbe Stunde später wieder herausziehen will, dann ist mindestens ein Knoten drin.
Es liegt übrigens nicht an meinem Rucksack, das habe ich getestet. Es funktioniert ebenso gut in der Tasche, in der ich meinen Strickprojekte befördere oder ganz allgemein auf einer beliebigen Oberfläche, auf der sich Teile von Elektro-Kleingeräten befinden. Kaum legt man sie ab, selbstverständlich mit ziemlich ordentlich aufgewickeltem Kabel, und begibt sich außer Sichtweite, fangen sie schnell und heimlich an, Knoten zu formen.

Es bleibt mir nur die Schlussfolgerung, dass wir es hier mit den Anfängen einer Maschinen-Zivilisation zu tun haben, denen zweifellos früher oder später ein Aufstand eben dieser Maschinen folgen wird. Und wenn wir ihnen nicht rechtzeitig Einhalt gebieten, erwachen wir eines schönen Morgens sauber verschnürt in den Stromkabeln des Radioweckers und der Nachttischlampe, die sich über Nacht gegen uns verbündet haben.
Den interessantesten Knoten, an den ich mich erinnere, produzierte übrigens Sherilyn Fenn als “Audrey Horne” in einer Folge von “Twin Peaks”: Sie verknotete einen Kirschstiel in ihrem Mund, ohne die Hände zu Hilfe zu nehmen.

