Im Strickforum kam kürzlich die Frage auf, wie man mehrere Maschen auf einmal an der Brother KX zunehmen kann. Dafür habe ich eine kleine Anleitung erstellt. „Mehrere Maschen an der Brother KX zunehmen“ weiterlesen
Kategorie: Stricken
Stricktechniken für Hand und Strickmaschine, (un)fertige Projekte, Anmerkungen
Freestyle: Dusk Light Vest
Seit fast drei Monaten stricke ich an meiner Version der “Dusk Light Vest”, einer Idee für Freestyle-Stricken von Jane Thornley. Ich war im März schon kurz vor den Achselabnahmen, als ich in eine kleine Schaffenskrise geriet. Der Grund: Man soll bei dieser Stricktechnik ja mehr oder weniger frei und spontan entscheiden, wie man vorgeht. Aber genau das fällt mir sehr schwer. Stricken ohne Plan ist wie Autofahren ohne festes Ziel, das kann ich einfach nicht. Ich muss immer im voraus wissen, wohin die Reise gehen soll, an welchen Zwischenstationen ich vorbeikomme und was bei diesen gegebenenfalls zu tun ist.
So lag die Weste also mehrere Wochen herum, bis ich mich vorgestern abend aufraffte und mit Hilfe von “Schätzbox” (Taschenrechner) und Millimeterpapier genau ermittelte, wie viele Maschen in welcher Folge für die Armausschnitte abzunehmen waren und wie der Halsausschnitt vorn und hinten gearbeitet werden sollte. Jaja, lacht nur über mich, aber ich kann’s nicht anders. Seit gestern abend setze ich nun meine Planung minutiös in die Tat um, und es läuft wieder. Bisher hatte ich die Weste in einem Stück gestrickt, nach der Teilung für die Armlöcher stricke ich nun am linken Vorderteil, und die Hälfte bis zur Schulter ist schon geschafft.
Jane Thornley hatte zwar einen runden Ausschnitt vorgeschlagen, aber bei meiner Weste wird es ein V-Ausschnitt, weil das Berechnen und Stricken einfacher ist. Dank des Perlmusters im oberen Bereich wird es vermutlich nicht nötig sein, Hals- und Armausschnitte nachträglich einzufassen. Ich bin mir noch nicht darüber im klaren, wie ich bei den vorderen Kanten vorgehe, weil dort auch allerlei Fadenwechsel zu verstecken sind. Dafür fällt mir hoffentlich noch rechtzeitig eine Lösung ein. Momentan freue ich mich einfach nur, dass es mit diesem Modell doch wieder vorangeht.
Verena Sommer 2014, das Exklusivmodell
Wer die “Verena” Sommerausgabe 2014 liest und zusätzlich bei Ravelry angemeldet ist, müsste drüber gestolpert sein: Der diesquartärliche Exklusiv-Entwurf, ein Modell von Anna(-)Maria Busch (ob mit oder ohne Bindestrich, darüber konnte die Verena-Redaktion offenbar keinen Konsens erzielen und verwendete deshalb in ihren Texten beide Varianten) ist eine Variation des “Paris Sweater”. Letzterer wird glatt rechts der Länge nach gearbeitet, während Frau Busch quer und in einem Fallmaschenmuster strickt, und natürlich variieren die Maße ein wenig. Aber die Grundidee ist dieselbe: Ein langes Rechteck wird gefaltet und an strategischen Stellen zusammengenäht, dann kommen hier und da ein paar Bündchenmaschen dran, und fertig ist das Exklusivmodell.

(©OZ-Verlag; Foto stammt aus der Zeitschrift, weil auf der Verena-Vorschauseite leider kein Bild davon zu finden war)
Möglicherweise hätte das Busch-Modell sogar eine erträgliche Passform bzw. einen halbwegs angenehmen Fall, weil das Gestrick durch das Muster sehr locker und hoffentlich fließend wird. Dennoch werde ich es mir verkneifen, es nachzustricken; ein Zwangsjacken-Müllsack-Modell reicht mir. Man muss den selben Fehler kein zweites Mal machen; es gibt noch genügend andere originelle Untragbarkeiten, die man stricken kann.
Etwas fürs Baby
Wie ich Anfang des Jahres bereits erwähnte, gibt es diversen Nachwuchs im Kreis meiner Kollegen. Und für eines dieser Kinder, einen kleinen Jungen, der Ende Mai erwartet wird, wurde kürzlich ein “Ulina”-Jäckchen (Ravelry-Link) fertig. So sieht es aus:

Ich habe Reste von Wollmeise “Pure” verarbeitet, ein gedämpftes Mittelblau (vermutlich Moses WD), ein Rest Olio Vergine (das ist das Ockergelb) und etwas namenloses Dunkelrotes, das beim Stricken meines “1Sleeved” übrig geblieben war, insgesamt etwa 160 Gramm. Die Knöpfe haben übrigens die Form kleiner Schildkröten.
Eigentlich sind diese Jacken recht flott gestrickt, aber diesmal habe ich mit sechs Wochen relativ viel Zeit dafür benötigt. Weshalb es so lange gedauert hat, weiß ich auch nicht genau. Ich war in den letzten Wochen meistens müde und erschöpft und konnte mich nicht aufraffen, die Stricknadeln zur Hand zu nehmen. Nun hoffe ich, dass meine Strick-Unlust wieder vergeht und ich etwas produktiver werde.
Die verstrickte Dienstagsfrage 18/2014
Diese Woche fragt das Wollschaf:
Mich interessieren die Antworten zu folgender Frage, weil ich selber immer wieder Sachen dazwischen habe, die ich, obwohl sie gut gelungen sind, nicht so gerne oder eigentlich gar nicht tragen mag, und bei anderen sieht immer alles so toll aus. Also bitte, Hand aufs Herz und ganz ehrlich zu euch selber sein.
Wieviel Prozent von euren selbstgestrickten Sachen tragt ihr:
– sehr gern und oft
– nur selten
– leider nie
Und…habt ihr schon sehr viel geribbelt ?
weil es ja so ist wie im “richtigen” Kleiderschrank. Man wollte es haben, es ist auch gut geworden aber man zieht es trotzdem nicht an, oder der 47ste von 112 Schals wurde schon sehr lange nicht mehr getragen….
Vielen Dank an Nina für die heutige Frage!
Das ist mal eine wirklich spannende Frage!
Meine Pullover und Jacken trage ich praktisch täglich. Auch an warmen Sommertagen ist man in einem klimatisierten Besprechungszimmer dankbar für eine leichte Jacke, und wenn es nicht gerade 30 Grad im Schatten sind, ist auch ein leichtes, ärmelloses Oberteil über einem T-Shirt angenehm. Ich würde sagen, 80 Prozent meiner eigenen Stricksachen trage ich gern und häufig. 15 Prozent trage ich selten, weil z.B. die Farbe nicht so ganz meine ist oder das Kleidungsstück sich nur für besondere Gelegenheiten eignet (Beispiel: Das Tuch “In Dreams”, wunderschön, aber nicht alltagstauglich). Fünf Prozent würde ich einordnen unter “netter Versuch, aber unbrauchbar”. Darunter fällt definitiv der “Paris Sweater”, aber auch “Marilu” wird sicherlich nicht besonders häufig getragen werden.
Meistens erkenne ich schon am Schnittschema, ob ein Modell das Potenzial zum Schrankhüter hat. Trotzdem versuche ich gelegentlich, so etwas zu stricken. Dafür gibt es verschiedene Gründe:
– Es könnte ja sein, dass ich mich mit meiner Einschätzung irre,
– es sieht aus, als sei es spannend zu stricken,
– man will dem Modell eine Chance geben,
– bei anderen klappt/passt es doch auch.
Für solche Experimente verwende ich vorsichtshalber Garne, die nicht besonders kostspielig sind (gefachte Konengarne eignen sich gut), und ich stricke möglichst mit Maschine, damit nicht zuviel kostbare Zeit für einen potenziellen Misserfolg verschwendet wird. Außerdem versuche ich, aus so einem Projekt möglichst viel zu lernen, und sei es nur, dass sich der menschliche Körper eben nicht gut in ein schiefes Rechteck kleiden lässt. Natürlich bewahre ich den Pulli trotzdem auf, als damit ich das nicht vergesse.
Geribbelt wird bei mir eher selten. Ich bin Maschenprobenfanatiker und rechne und plane gern. Bevor ich die erste Masche anschlage, ist ein Modell im Prinzip schon fertig und “muss nur noch gestrickt werden”.
Die verstrickte Dienstagsfrage 17/2014
Diese Woche fragt das Wollschaf:
Jede Münze hat zwei Seiten. Was ist also das Schlimmste am Faserarbeiten?
Vielen Dank an Daniela für die heutige Frage!
Hm, schwierig. Ich stricke gern Maschenproben, ich plane und rechne gern, ich nähe gern zusammen. Und das eigentliche Stricken gefällt mir natürlich auch. Nicht mal Fädenvernähen kann mich schrecken.
Ribbeln mag ich nicht, aber das ist bei mir auch nur sehr selten nötig, da ich, wie erwähnt, gern alles im voraus berechne, und das passt dann auch fast immer. Was ich am wenigstens toll finde, ist wohl Knöpfe annähen.
Verena-Modell #4 Marilu
Ende März beschloss ich, etwas aus der Frühjahrs-Verena zu stricken, damit das Geld für die Zeitschrift nicht umsonst ausgegeben ist. Und damit es nicht zu langweilig wird, sollte es ein etwas ausgefallenes Modell sein. So kam ich auf Marilu.
„Verena-Modell #4 Marilu“ weiterlesen
Die verstrickte Dienstagsfrage 16/2014
Diese Woche fragt das Wollschaf:
Seid Ihr schon mal so richtig ausgeflippt, weil es mit einer Anleitung/einem Muster/einer Technik nicht geklappt hat?
Habt ihr schon mal in die Stricknadel gebissen oder seid in Tränen ausgebrochen?
Was ist Eure Taktik bei “Handarbeitssackgassen”?
Vielen Dank an Daniela für die heutige Frage!
Mir helfen üblicherweise ein ruhiges Gemüt und logisches Denken über die meisten Strick-Klippen hinweg. Tränen und Wutausbrüche spare ich mir für andere Gelegenheiten auf. Meine langjährige Erfahrung im Interpretieren von Anleitungen kommt mir zugute, wenn ein Text mal kryptisch aussieht. Vor 40 Jahren fragte niemand, wie man z.B. “beidseitig in jeder 6. Reihe 3x 1 M, in jeder 4. Reihe 4x 1 Masche und in jeder 2. Reihe 5x 1 Masche zunehmen” sollte. Damals war völlig klar, dass man das sequenziell abarbeitet, erst die Zunahmen, die alle 6 R ausgeführt werden, dann die, die alle 4 R dran sind und dann die für jede 2. Reihe. Moderne Strickerinnen versuchen stattdessen, alle Anweisungen gleichzeitig auszuführen, weil Gleichzeitigkeit in den letzten Jahren zu einer alles bestimmenden Lebenseinstellung geworden ist. Amerikanische Anleitungen tragen dem Rechnung, indem sie jede Reihe, wenn nicht sogar jede Masche gesondert beschreiben.
Natürlich hatte ich auch schon Momente und Anleitungen, bei denen ich allein nicht weiterkam. Beim letzten derartigen Fall kontaktierte ich die Designerin selbst via Ravelry und bekam auf diesem Weg Hilfe. In anderen Fällen würde ich zuerst in den einschlägigen Foren (Strickforum, Stricknetz) anfragen, weil dort erfahrungsgemäß schnelle und kompetente Hilfe zu finden ist.
Manchmal stößt man auf Anleitungen, in denen wirklich der Wurm steckt, beispielsweise das Modell #29 Lamiah aus dem Verena-Frühjahrsheft. Wenn ich gerade in analytischer Stimmung bin, dann beflügelt mich so eine Anleitung, auf Lösungssuche zu gehen, auch wenn ich (noch) gar nicht beabsichtige, das Modell nachzuarbeiten. Manche Leute lösen gern Kreuzworträtsel, andere mögen Sudokus, und wieder andere spielen “Quizduell”. Mich entspannt es, komplizierte oder verkorkste Strickanleitungen aufzudröseln.
Dickes Garn
Es geht auf den Sommer zu, und höchst unpassend zur Jahreszeit sind drei der vier Projekte, an denen ich gerade werkele, aus dicken Garnen. Als Entschuldigung führe ich an, dass das eine ein Modell aus dem Verena-Frühjahrsheft ist, nämlich das Modell #4 Marilu. Es fällt, wie schon andere meiner Projekte in diesem Jahr, in die Kategorie “Tragbare Seltsamkeiten”, wobei die Tragbarkeit sich freilich erst noch erweisen muss. Hier eine Maschenprobe:

Fürs Originalmodell soll man eine Baumwollmischung mit einer Lauflänge von 90 m auf 50 g nehmen. Ich verstricke stattdessen eine gut abgelagerte reine Baumwolle (Schewe “Damasco”, 140 m/50 g) zusammen mit einem Strang Posh “Olivia Lace” (100 % Seide, 800 m/100 g), der von einem anderen Projekt übrig war. Mit dem Grobstricker und MW 3 komme ich auf die angegebenen 16 M auf 10 cm, allerdings habe ich 28 statt 27 Reihen. Das gleiche ich hoffentlich aus, indem ich die Musterfolge 14 mal stricke.
Dieses Modell beabsichtige ich übrigens nicht als Sommerpullover und ohne etwas darunter zu tragen. Dazu wäre es mir zu schwer und zu dick, trotz der Löcher. Bei mir wird es ein Pulli, unter dem ich langärmelige Shirts tragen werde.
In diesem Zusammenhang ist für mich auch die Modellpolitik des OZ-Verlags nicht nachvollziehbar. Wer bitteschön trägt denn bei sommerlichen Temperaturen freiwillig ein knappes Kilo Baumwolle oder Viskose spazieren, gestrickt mit Nadelstärke 5 oder noch höher? Für meinen Bedarf kommt da eher eine feine, angenehme Seiden- oder Leinenmischung in Frage, gern auch mit Wolle, weil die nun mal Temperaturen am besten ausgleicht; und gestrickt wird maximal mit Nadelstärke 3 mm. Das ergibt ein leichtes, dünnes Gestrick, das trotzdem wärmt, wenn’s mal nötig ist, das beim Stricken keine Sehnenscheidenentzündung verursacht und sich außerdem wesentlich schneller und einfacher produzieren lässt als das dicke Zeug, bei dem zumindest ich pro Masche viel mehr Kraft aufwenden muss. Deshalb werden die anderen beiden “dicken” Projekte, die ich noch in Arbeit habe, auf ihre Fertigstellung sicherlich noch ein Weilchen warten müssen.
Das DesignaKnit Lace-Modul
Mit dem Strickprogramm DesignaKnit arbeite ich seit mittlerweile zwanzig Jahren. Das Lace-Modul dazu, das es erlaubt, Handstrick-Lochmuster automatisch für die Strickmaschine umzuwandeln, ist allerdings noch nicht so lange erhältlich. Es kam vor einigen Jahren heraus, und ich musste es natürlich sofort haben.
Dummerweise funktioniert es ein wenig anders als das “normale” Stricken von Lochmustern mit meiner Strickmaschine. Da die Anleitung im Hinblick auf das Stricken nicht besonders präzise ist und ich auch nie richtig versucht hatte, Lochmuster interaktiv zu stricken, kam ich mit dem Modul zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis.
Erst als eine Strickerin im Strickforum von ihren Problemen berichtete, wurde mein Ehrgeiz geweckt, die Rätsel des Lochmuster-Moduls zu lösen. Als Beispiel verwendeten wir das Muster des Pullovers “Serenade” aus dem Verena-Sommerheft 2012. So sieht es aus, wenn man es ins Programm eingegeben hat:

Um alles richtig zu machen, versuchte ich das Muster auch interaktiv zu stricken, mit dem Strickschlitten auf KC bei abgeschalteter Randnadel-Vorwahl. Nach dem Übertragen in die Maschine kam aber etwas anderes heraus als gewünscht, und ab der fünften Sequenz waren mehrere leere Nadeln nebeneinander, ein sicheres Zeichen dafür, dass die Maschen in die falsche Richtung umgehängt wurden. Ich probierte alle nur denkbaren Methoden innerhalb des Programms aus, um die Umhängerichtung zu ändern, vergeblich. Das Muster im Speicher der Maschine (und nur dort) zu spiegeln, erwies sich als brauchbarer Workaround, aber das konnte ja nicht Sinn der Sache sein. Ich kontaktierte Matthew Bragg von Softbyte.
Er ging mit mir geduldig alle Einstellungen durch und zeigte mir vor allem einen Weg, wie man sich das Muster so anzeigen lassen kann, wie es letztlich in der Strickmaschine landet, nämlich über die Druckvorschau des Maschinentyps KH 950i. Das half mir zu erkennen, dass das Muster mit einer Leerreihe des Strickschlittens beginnt und nicht mit einer Reihe des Lochschlittens, siehe Markierung im Diagramm:

Da verstand ich endlich: Wir alle hatten überhaupt nicht darauf geachtet, dass unser Lochmuster, wie alle “normalen” Brother Strickmuster, mit einer Vorwahl-Reihe des Strickschlittens startet, bevor der Lochschlitten zum Einsatz kommt. Vom Ablauf her ist das nur logisch; alle Muster, die man mit dem Strickschlitten strickt und die man mit einem DesignaKnit-Schnitt integrieren kann, benötigen diese Reihe zwingend. Somit ist es sinnvoll, das auch bei den Lochmustern vorzusehen, denn auch die will man ja wahrscheinlich mal mit einem Schnitt integriert stricken. Als Entschuldigung für meine Blindheit kann ich nur anführen, dass der Text-Hinweis beim Start des Interaktiven Strickens unklar ist. Dem konnte ich nicht entnehmen, was eigentlich getan werden soll:

Nun jedoch ist mir klar, wie ich vorgehen muss, und es ist auch logisch. Außerdem hat Matthew Bragg sofort ein Programm-Update zur Verfügung gestellt, das zum Beginn des Interaktiven Strickens den vollständigen Text in einem größeren Fenster anzeigt:

Am besten ladet Ihr es Euch gleich herunter (Hilfe -> Web Updates -> Programm Update).