Nicht hundertprozentig zufrieden

Meine Jacke “Paulie” ist endlich fertig. Das Abketten mit i-cord war meine Freitagabend-Beschäftigung, und dann waren noch eine Ärmelnaht zu schließen (ich nähe gern zusammen, wenn ich ordentliche Randmaschen habe) und ein paar Fäden zu vernähen. Nun fehlen noch die Knöpfe.

Die Anleitung sieht eigentlich vor, nur schmale Streifen in der Musterfarbe zu stricken. Da ich aber nicht genügend Garn in Moosgrün, dafür aber mehr in Buntmeliert hatte, habe ich für Leibteil und Ärmel die Farben getauscht. Es sind nun breite Streifen in Buntmeliert (Tosh Merino Light in Farbe “Foxglove”) und schmale Streifen in Moosgrün (Tosh Merino Light in Farbe “Moss”). Die Blende ist durchgängig einfarbig gestrickt. Verbraucht habe ich von beiden Farben annähernd die gleiche Menge, jeweils etwa 175 Gramm, das sind knapp zwei Stränge.

Paulie Cardigan

Was mir an dieser Jacke nicht gefällt:
– Sie ist im Bereich der Oberarme ziemlich eng, obwohl ich noch recht schlanke Arme habe.
– Mit den in der Anleitung angegebenen 35 cm sind die Ärmel leider etwas zu kurz geraten. Vielleicht ziehen sie sich nach der Wäsche und dem Trocknen noch etwas in die Länge.

Was mir am Garn nicht gefällt:
– Es blutete in der Wäsche massiv aus (das Bild zeigt die Jacke noch vor der Wäsche). Es kam rostbraune Farbe heraus, die vermutlich im moosgrünen Garn als Überschuss vorhanden war. Leider hat sich dadurch der weiße Anteil des melierten Garns zu Schmutzigrosa verfärbt. Das war nicht das, was mir vorschwebte. Vielleicht sollte ich die komplette Jacke dunkel überfärben.
– Außerdem fand ich das Garn nicht besonders angenehm zu verstricken. Es ist ein Dochtgarn, neigt also dazu, sich schnell aufzulösen, und oft war es schwierig, den kompletten Faden zu erwischen. Dass es schön weich ist (was für manche Leute ja das einzig zählende Kriterium zu sein scheint), macht diese Nachteile für mich nicht wett. So schnell werde ich daraus nichts mehr stricken.

Die verstrickte Dienstagsfrage 36/2013 und persönliche Befindlichkeiten

Diese Woche fragt das Wollschaf:
Was gehört deiner Meinung nach in einen Handarbeitsblog und was geht gar nicht?
Nur handarbeitsbezogene Themen oder auch mal was anderes?
Auch kritische/negative Meinungen über andere Handarbeitstechniken, andere Blogs, Gruppen, Foren, Plattformen etc.?
Über Krankheit, Tod und so was?
Vielen Dank an Isabella für die heutige Frage!

Grundsätzlich bestimmt der Blog-Inhaber, was in seinem Blog steht. Wenn er sich zur Marionette seiner Leser machen oder aus Angst vor Kritik nur nicht kontroverse Themen behandeln möchte, dann wird’s möglicherweise etwas langweilig, aber das muss er selbst wissen. Wenn er auch über seinen Urlaub, Politik oder Menschenrechte schreiben möchte und Wissenswertes dazu zu sagen hat, dann sollte er das tun. Dann ist es eben nicht unbedingt ein reines Handarbeitsblog, sondern ein gemischtes. Na und? Solange die Inhalte interessant und gut lesbar geschrieben sind, ist das für mich in Ordnung.

Gerade kritische Inhalte finde ich meistens besonders lesenswert. Ich freue mich, wenn sich jemand die Mühe macht, auch die Nachteile eines Produktes oder einer Technik ausführlich und verständlich darzustellen, weil das mir und anderen Frust ersparen kann. Unkritische Begeisterung für jedes neue Ferkel, das gerade durchs Handarbeitsdorf getrieben wird (“mein selbstmusterndes Lieblingssockengarn gibt es jetzt in drei weiteren tollen Blau-Musterungen” ), motivieren mich eher nicht zum Weiterlesen.

Wenn Kritik an Personen und/oder Institutionen geübt wird, würde ich mir wünschen, dass man die Person bzw. Institution darüber in Kenntnis setzt. Lästern über Dritte finde ich gar nicht gut. Erstaunlich oft stellt sich in einer offenen Diskussion heraus, wo die Ursachen für die Missbefindlichkeiten liegen, und man kann sie beseitigen. (Wer allerdings mehr Freude an jahrelangen Grabenkämpfen hat, wird womöglich wenig Interesse an solcherlei Beseitigungen haben.)

Bei Krankheit und Tod würde ich differenzieren. Wer jedes Husten und jeden Anflug von Durchfall minuziös schildert, wird möglicherweise einige Leser (auch mich) verlieren. Andererseits kann es sinnvoll sein, eine langwierige und/oder chronische Erkrankung zu thematisieren, weil damit auch dem Leser vieles erklärt werden kann, was sonst möglicherweise unverständlich bliebe, wie z.B. nur noch sporadische Einträge. Allzu detaillierte Schilderungen von bestimmten Untersuchungen müssen aber nicht sein. Wenn ich wissen will, wie eine Darmspiegelung abläuft, würde ich das wahrscheinlich nicht gerade in einem Strickblog nachlesen wollen. Wenn aber jemandes Leben gerade durch den Tod eines Angehörigen oder durch schwere Krankheit aus dem Ruder gelaufen ist, weshalb nicht darüber schreiben, wenn es einem gut tut?

Was mich wesentlich mehr stört als “off-topic”-Inhalte, sind, wer hätte es gedacht, gewisse Äußerlichkeiten bei Blogs.
Mengen an “niedlichen” animierten Bildchen finde ich beispielsweise abschreckend. Was soll kindergartengerechtes Bildmaterial in einem Blog für Erwachsene? Glitzer, Funkel und Gezappel können zudem schwache Inhalte nicht aufwerten, und von guten lenken sie nur ab.

Schlechte Lesbarkeit, weil zuwenig Kontrast zwischen Hintergrund und Schriftfarbe, geht für mich gar nicht. Dasselbe gilt für phantasievoll verspielte Fonts, bei denen auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist, welcher Buchstabe wohl gezeigt ist. Wer aus seinen Texten Ratespielchen macht, zu dessen Zielgruppe gehöre ich nicht.

Außerdem bevorzuge ich orthografisch und grammatikalisch korrekte Texte. Bei “Häckeln”, das es längst verdient hätte, zum Unwort des Jahrzehnts im Handarbeitsbereich erklärt zu werden, bekomme ich Kopfschmerzen. Ist es so schwer, sich wenigstens ein paar Grundkenntnisse über Rechtschreibung und Satzbildung anzueignen? Eine (nicht handarbeitende) Kollegin von mir wendet in Zweifelsfällen übrigens einen einfachen Trick an: Ist sie bei der Schreibweise unsicher, dann gibt sie das Wort in den fraglichen Versionen bei Google ein und wählt dann die mit den meisten Fundstellen. Bei “häkeln” vs. “häckeln” sind es zur Zeit 1.750.000 vs 64.000. Das ist doch (noch) recht eindeutig, oder?

Helft bitte alle mit, meine Kopfschmerzen in Grenzen zu halten und das Verhältnis von richtig zu falsch nicht zu verschlechtern. Es heißt “häkeln”. Wirklich.

Pestilenz und schwarze Blattern, Heuschrecken und Finsternis

So äußerte sich seinerzeit mein alter Lateinlehrer, Gott hab ihn selig, wenn er wirklich ärgerlich war. Und ich tue es ihm zur Zeit gleich, wenn es um den Pullover in Intarsientechnik geht, an dem ich mittlerweile seit über einem Monat stricke. Gestern wurde nach Wochen des Frusts und der Unlust endlich der erste Ärmel fertig.

Ärmel in Intarsientechnik

Viermal musste ich dabei das Multicolorgarn neu ansetzen (siehe Bild von der Rückseite mit den Fadenenden), weil einzelnde Fädchen darin einfach morsch waren. Zwei oder drei weitere Riss-Stellen habe ich ignoriert, weil sie mir erst nach mehreren Reihen aufgefallen waren und ich keine Lust hatte, wieder einmal diverse Zentimeter zurückribbeln zu müssen. Beim Maschinestricken fallen einem diese Fadenfehler nämlich erst auf, wenn die betreffende Reihe fertig gestrickt ist. Es betraf übrigens nur das Multi-Garn; die beiden semisoliden Farben sind völlig in Ordnung.

Es geht jedenfalls nicht gerade flott voran und macht vor allem keinen Spaß, wenn man ständig aufpassen, aufribbeln und neu stricken muss. Inzwischen freue ich mich nicht mal mehr auf den Pullover; zu sehr habe ich mich schon darüber geärgert. Aber ich will ihn fertig machen, um endlich das vermaledeite Garn verarbeitet zu haben. Ich habe ja schon etliche Stränge Wollmeise-Garn verstrickt, aber so eine schlechte Qualität war bisher nie dabei. Hoffentlich sind nun in den letzten Teil-Knäueln nicht noch mehr abgerissene Fädchen und morsche Stellen, so dass wenigstens der zweite Ärmel schneller vonstatten geht.

Einfach, aber schön

Weil meine “Paulie”-Jacke mittlerweile zu unhandlich geworden ist, um als Mitnahmegestrick zu dienen, musste Mitte dieses Monats etwas Neues her. Möglichst nur einen Strang Wolle sollte das neue Projekt benötigen, und schwierig sollte es auch nicht sein. Da bot sich ein einfaches Lochmuster-Tuch an: Anna Dalvis “Chandelier Shawl” aus ihrem e-book “Shaping Shawls”. Man braucht dazu etwa 400 m Garn in Sockenwollstärke, und ich fand es sehr einfach zu stricken. Der Anfang ist glatt rechts; der darauf folgende Musterrapport geht nur über 8 Maschen. Alles ist in Diagramm-Form angegeben. In Reihe 67 ist ein Fehler in der Strickschrift; ich bekam dazu zum Glück sehr schnell Auskunft von der Designerin selbst.

Chandelier Shawl

Das Tuch ist durch die doppelten Zunahmen am Rand insgesamt eher flach; mein Exemplar ist etwa 55 cm hoch und gut 150 cm breit. Man kann es gut als Schal tragen. Ich habe einen Strang Opal “Rosenbeet” (425 m/100 g) in Mauve-Tönen verstrickt und nicht einmal zwei Wochen Strickzeit dafür gebraucht. Da es überhaupt nicht “meine” Farbe ist, wird das Tuch ein Geschenk. Wer aus meinem Verwandten- und Bekanntenkreis letztlich damit beglückt wird, weiß ich allerdings noch nicht.

Die verstrickte Dienstagsfrage 35/2013

Diese Woche stellt das Wollschaf eine Frage von mir:
Gibt es eine Stricktechnik, die Du überhaupt nicht magst? Welche wäre das, und was genau gefällt Dir nicht daran?

Natürlich gibt es so eine Technik für mich. 🙂 Ich habe eine Heidenangst vor handgestrickter Norwegertechnik (auch Fair Isle genannt), seit ich das vor vielen, vielen Jahren erstmals probiert habe. Geplant war ein Babyjäckchen für eine Verwandte. Es gab ein heilloses Durcheinander, und ich war so sehr damit beschäftigt, Fäden zu ver- und entwirren, dass ich kaum zum Stricken kam. Deshalb wurde das Jäckchen niemals fertig.
Das war damals übrigens für mich ein Anstoß, mich mit Strickmaschinen zu befassen. Die können ganz einfach zweifarbige Muster stricken. Vielleicht kann ich mich irgendwann, wenn ich ganz viel Zeit habe, doch noch einmal aufraffen, Norwegergestrick von Hand zu erlernen. Bis dahin überlasse ich das Feld meinen Maschinen. 🙂
Seltsamerweise habe ich mit Intarsienmustern keine solchen Schwierigkeiten. Da hat man auch mehrere Knäuel, aber die arbeitet man Stück für Stück ab, und wenn man am Ende der einen Reihe nach links und am Ende der folgenden Reihe nach rechts dreht, verheddert sich auch nichts.

Strickfehler

Wer seit so langer Zeit strickt wie ich (mehr als 30 Jahre von Hand, mehr als 25 Jahre mit der Maschine), hat schon so ziemlich alle erdenklichen Fehler gemacht. Zu den immer wieder beliebten Evergreens gehört beispielsweise das Vergessen eines Umschlags im Lochmuster oder seines Gegenteils, des Zusammenstrickens zweier Maschen. Wegen solcher Kleinigkeiten stricke ich natürlich keine kompletten Reihen zurück. Ich bin seit langem Expertin darin, aus dem Querfaden der Vorreihe (oder gern auch noch weiter unten) Umschläge und ganze Maschensäulen zu zaubern oder auch mal mittels Häkelnadel zwei Reihen tiefer Maschen zusammenzustricken. Was dabei an überzähligem Querfaden entsteht, wird später beim Spannen ausgeglichen oder dient, siehe oben, anderenorts als Umschlag. Einmal musste ich an dicht benachbarten Stellen drei Umschläge aus dem Nichts zaubern, selbst das ist mir so gut gelungen, dass man die Stelle nach der Fertigstellung nicht mehr findet.

Neulich nun schaffte ich etwas, was lange nicht mehr passiert ist: Ich habe einen für mich völlig neuen Fehler fabriziert. Derzeit ist der zweite Ärmel für die “Paulie”-Jacke in Arbeit. Es ist mein abends-auf-dem-Sofa-Gestrick, weil es auch im Halbschlaf strickbar, aber zu sperrig zum Mitnehmen ist. Diese Ärmel stricke ich flach. Zu Anfang ist die Kurve so eng, dass ich mit Magic Loop arbeite, eine Schlinge am Reihenanfang herausgezogen, eine ungefähr in der Mitte. Und dabei passierte es: Statt wirklich bis zum Reihenende zu stricken, wendete ich in einer Reihe bereits bei der Nadelschlaufe in der Mitte. Danach strickte ich ganz normal noch mehrere Reihen weiter, bevor ich schlafen ging.
Erst am folgenden Abend, als ich das Gestrick befühlte und eine merkwürdige Verdickung mittendrin fand, fiel mir überhaupt auf, dass da etwas schief gelaufen sein musste. Erst dachte ich, ich hätte versehentlich eine Masche doppelt gestrickt oder ausgelassen. Beim Herunterribbeln zeigte sich aber, dass dort eine Wendestelle war, und die eine Hälfte hatte natürlich zwei Reihen weniger als die andere. Es blieb mir dann nichts anderes übrig, als die Reihen des Vorabends weitgehend wieder aufzuribbeln und neu, diesmal ohne Wenden mittendrin, zu stricken. Inzwischen sind zum Glück so viele Reihen gestrickt, dass ein versehentliches Wenden nicht mehr zu erwarten ist, und Magic Loop benötige ich jetzt auch nicht mehr.

Multicolorgarn

Kennt Ihr das: Man kauft ein handgefärbtes, mehrfarbiges Garn, das im Strang einfach unwiderstehlich schön aussieht. Dann versucht man es zu verstricken – und ist enttäuscht vom Ergebnis. Mir ging es vor einiger Zeit so mit Wollmeise-Garn in der Farbe “Mamba Samba”, einem intensiven Gelb-Grün-Gemisch. Ich wollte einen Pullover stricken und versuchte, es mit einem mittleren Grün in Streifen zu verarbeiten, aber das Gestrick sah einfach nur furchtbar aus. Auch für Strukturmuster aller Art eignete sich die Färbung nicht.
Dann fiel mir das Buch “Artful Color, Mindful Knits” von Laura Militzer Bryant in die Hände. Die dort beschriebenen Methoden kamen zwar für meinen Zweck nicht in Frage, aber es bewog mich, ein harmonisches Pooling zu erzeugen. Am einfachsten geht das, indem man die Zahl der Maschen verringert und damit die Reihenlänge verkürzt. Aber wie macht man das bei einem Pullover, ohne zuviel Unruhe zu erzeugen?
Ein anderer Wollmeise-Strang aus meinem Vorrat gab den Anstoß. Die Farbe “Zarte Knospe” ist semisolid und harmoniert perfekt mit dem hellsten Ton aus “Mamba Samba”. Allerdings hatte ich nur einen Strang, das hätte für den geplanten Pullover nicht gereicht. Also noch mal gewühlt und als weiteren Kontrast einen dunkelgrünen Strang ausgegraben, dessen Farbton ebenfalls im Multicolor-Garn auftaucht. Dann am Rechner mit DesignaKnit herumprobiert, bis eine brauchbare Verteilung entstand.

Intarsientechnik

Rücken- und Vorderteil sind inzwischen fertig. Allerdings sind einige kleine Macken im Gestrick, z.B. eine gefallene Masche, das muss ich bei der Ausarbeitung noch in Ordnung bringen. Aber das Ergebnis finde ich recht ansprechend. Diese Methode der Farbverteilung werde ich bestimmt noch öfter anwenden, um schöne, aber “schwierige” Multicolor-Färbungen besser zur Geltung zu bringen. Der erste Ärmel ist in Arbeit, wird aber noch ein Weilchen bis zur Fertigstellung benötigen.

Mein Rezept: Man nehme zwei Stränge einer Multicolor-Färbung und suche sich daraus einen hellen und einen dunklen Farbton als semisolide Ergänzung. (Vier Stränge Wollmeise Pure reichen normalerweise für einen Pullover.) Dann trenne man die Multicolor-Felder abwechselnd durch hell und dunkel. Wenn man dann noch den Kästchen-Wechsel jeweils nach einer ungeraden Reihenzahl vornimmt, muss man nur den Endfaden abschneiden und mit diesem Knäuel die folgende Reihe von der anderen Seite her beginnen. Die Fäden in der Mitte sind dann schon an der richtigen Stelle.

Leider habe ich bei meinen “Mamba Samba”-Strängen eine echte Montagsproduktion erwischt. Ich weiß, dass Wollmeise-Garne normalerweise keine Knoten oder Fadenrisse aufweisen, aber der eine Strang hatte sehr viele dünne Stellen mit einzelnen gerissenen Fädchen. An mindestens sechs Stellen musste ich den Faden abschneiden, bis zum passenden Farbwechsel abwickeln und dann neu ansetzen. Und im Intarsiengestrick, bei dem man sowieso schon mit vielen Fäden hantiert, ist das nicht wirklich lustig.

Interweave Knits Fall 2013

Gestern kam das Heft bei mir an, und was soll ich sagen, ich bin unterwältigt.
So viele schlecht sitzende Rundpassen habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Beim “Barnard Raglan” ist die Passe unten zu eng (das Modelmädel kann kaum die Arme vom Körper heben) und oben zu breit. Beim “Clear Creek Pullover” rutscht der Ausschnitt von den Schultern; man sollte deshalb präsentable Unterwäsche darunter tragen. Außerdem rollt sich die Halsblende. Weshalb hat man sie nicht kraus (und vor allem über weniger Maschen) gestrickt, passend zu unteren und Ärmelblenden?
Bei manchen Modellen frage ich mich, wozu sie gut sein sollen, außer als Beschäftigungstherapie und um die Wollwirtschaft anzukurbeln. Trägt wirklich jemand das merkwürdige Ding namens “Permanent Way Cape”, mit dem man beim Über- und Ausziehen sowohl Frisur als auch Make-up beschädigt, und wenn ja, wozu und bei welcher Gelegenheit? Welchem geheimnisvollen Zweck dient der “Plowman Cardigan”, ein Outdoor-Modell aus dicker Wolle, aber mit kurzen Ärmeln?
Die “Epeiric Vest” wäre nett, trotz der vermurksten Ausschnittblende, aber für so ein Modell brauche ich keine Anleitung. Optimalerweise passt man die Abnahmen in der Ausschnittspitze übrigens der Ausschnitt-Schrägung an und nimmt nicht stur in jeder Reihe ab, nur weil einem das einfacher erscheint.
Beim “Prisma Dolman” fiel der Designerin anscheinend nichts Vernünftiges für die Kanten ein, deshalb sehen die so traurig aus. Die “Corrugated Tunic” mit ihrem breiten Rippenmuster untenherum eignet sich prima, um selbst einer schlanken Trägerin ein paar virtuelle Pfunde zusätzlich auf die Hüften zu zaubern, und der “Joan of Arc Sweater” betont mit seinem Schnitt liebevoll auch den kleinsten Bauchansatz.
Viel ist diesmal nicht für mich dabei. Mir gefällt der “Converge Pullover”, bei dem ich allerdings die Kanten anders arbeiten würde, und die “Surrey Jacket” finde ich originell. Für Frauen mit ausgeprägter Oberweite dürfte sie aber wenig kleidsam sein.

Die verstrickte Dienstagsfrage 31/2013

Heute stellt das Wollschaf eine Frage aus dem Archiv vom 16.08.2005:
Welche Wolle liegt schon am allerlängsten in deinem Vorrat? Warum ist sie noch nicht verarbeitet (oder verkauft oder verschenkt…)? Was soll(te) aus ihr einmal werden?

Dazu verweise ich ebenfalls ins Archiv (in meines), und zwar auf einen Eintrag vom 13. April 2013.
Das dort gezeigte Garn ist immer noch unverstrickt in meinem Besitz. Aber ich schwör’s, irgendwann verarbeite ich es. 🙂

Paulie lebt noch

Erinnert sich noch jemand an mein “Paulie”-Projekt? Vor mehr als sieben Wochen habe ich zuletzt darüber geschrieben. Inzwischen ist das Leibteil beendet (die Blenden fehlen natürlich noch), und ich stricke am ersten Ärmel. Bei der ersten Anprobe kam es mir im Achselbereich ein wenig eng vor, aber ein Armumfang von 28 cm ist ja auch recht körpernah. Zum Glück ist Gestricktes dehnbar.

Anders als in der Anleitung vorgegeben stricke ich die Ärmel übrigens flach mit zusätzlicher Randmasche auf beiden Seiten; sie werden später zusammengenäht. Warum mache ich das? In erster Linie weil ich dann das Streifenmuster ordentlicher hinbekomme. Streifen in Runden finde ich unpraktisch, weil man ständig daran denken muss, mit irgendeiner geheimnisvollen Methode den Rundenversatz auszugleichen. Wie das geht, kann man bestimmt irgendwo nachlesen, aber beim Flachstricken muss ich gar nicht darüber nachdenken. Der zweite Grund ist, dass ich das Strickstück beim Flachstricken nicht ständig drehen muss, sondern hin und her wenden kann. Dadurch kann ich das “Verwurschteln”, das sich bei großen Teilen zwangsläufig ergibt, etwas besser kontrollieren.

Wieder einmal stelle ich nämlich fest, dass ich gar nicht gern alles an einem Stück stricke. Man hat dabei für meinen Geschmack zuviel Material zu drehen und zu wenden, und die Fäden haben mehr Möglichkeiten, sich irgendwo zu verheddern. Deshalb halte ich normalerweise lieber ein kleineres, übersichtlicheres Teil in den Händen, das vielleicht auch ein transportables Projekt ergäbe, und nähe später in Ruhe zusammen. Vorm Zusammennähen fürchte ich mich nämlich nicht.