Zeit für Weihnachtsgeschenke

Schon vor fast vier Monaten wurde ein Tuch (der “Oslo Walk Shawl”) fertig, das ich eigentlich als Weihnachtsgeschenk gedacht hatte. Dann kam, zugegeben etwas unerwartet, der Muttertag dazwischen, und das Tuch wechselte vorzeitig den Besitzer. Umso dringender ist es jetzt natürlich, mit der Produktion der Weihnachtsgeschenke fortzufahren. Kleine Tücher, Schals und ähnliche nicht allzu große Gegenstände, die keine präzise Passform benötigen, eignen sich ganz gut für diesen Zweck.

Vorgestern begann ich deshalb mit einem weiteren Tuch, diesmal soll es “Elektra” (Ravelry-Link) von Romi Hill werden. Auch in dieses Modell werden Perlen eingestrickt. Ein paar Reihen sind schon fertig. Man bekommt zwar noch keinen richtigen Eindruck davon, wie das fertige Teil mal aussehen wird, aber das wird sicher noch.

Elektra, erste Reihen

Das Material ist Merinowolle von der Wollmeise in einem dunklen Gold-Ton (WD Jeton). Bei den Perlen handelt es sich um 4 mm no-name-Rocailles (aus dem Sonderangebot) in hell-oliv metallic von Perlen-Paula. Bis Weihnachten werde ich hoffentlich damit fertig.

Die verstrickte Dienstagsfrage 30/2011

Das Wollschaf fragt diese Woche:
Habt Ihr auch ein Label, das Ihr auf Eure Handarbeiten näht?
Wenn ja,
wie genau macht Ihr es fest?
bekommen dieses Label alle Eure Handarbeiten oder nur bestimmte? Welche?
was steht auf diesem Label?
Wenn nein, warum nicht?
Vielen Dank an Monika für die heutige Frage!

Es war einmal vor langer, langer Zeit eine sehr produktive Maschinestrickerin, die unter anderem Pullover für die männlichen Mitglieder der Familie anfertigte. Nun gibt es bekanntlich vier Möglichkeiten, einen Pullover anzuziehen, aber nur eine davon ist korrekt:
Pullover-Anzieh-Matrix
Männer sind meistens nicht in der Lage diese korrekte Version ohne Hilfe zu erkennen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre Pullover falsch herum anziehen, liegt also bei 75 %. Damit sie nicht überwiegend in falsch herum angezogenen Pullovern herumlaufen, bedarf es einer Unterscheidungshilfe. Das Etikett erfüllt diesen Zweck auf zweierlei Weise:

1. Es ist grundsätzlich innen eingenäht, so dass Mann relativ einfach feststellen kann, welches die Außenseite eines Pullovers ist (nämlich da, wo das Etikett nicht angenäht ist).
2. Es ist grundsätzlich hinten eingenäht. Wo es nicht ist, da ist also vorn.

Mit der Einführung von Etiketten verringerte sich das Vorkommen falsch herum eingekleideter Männer in meinem Familienkreis spontan auf einen vernachlässigbaren Prozentsatz; die Aktion kann also als voller Erfolg betrachtet werden.

Meine Etiketten sind übrigens schon ziemlich alt. Ich kaufte vor über 20 Jahren eine größere Menge in Großbritannien, und sie sind immer noch nicht aufgebraucht:
Einnäh-Labels der Firma Cash in Coventry.jpg
Sie bestehen aus Stoff, der Text ist eingewebt, und ich nähe sie an den Schmalseiten fest, wie oben erwähnt hinten innen oben im Pullover bzw. in der Jacke. Nicht alles, was ich stricke, bekommt so ein Etikett. Meine eigenen Sachen haben nie eines; ich weiß auch so, wo vorn und hinten, innen und außen ist. Aber wenn ich etwas selbst Entworfenes und Gestricktes verschenke, dann nähe ich gern so ein Schildchen ein. Das Strickstück sieht dann gleich noch etwas professioneller aus.

Endlich – Finally

Gestern wurde die zweite “Gush”-Socke fertig, gestrickt aus insgesamt 100 g Wollmeise Twin in Farbe WD Grashüpfer. Gewaschen ist das Paar auch schon und bereit, getragen zu werden. Ich bin erleichtert, dass dieses Projekt endlich erledigt ist. Die Socken sind recht hübsch, aber der Aufwand für dieses Muster ist schon beträchtlich. Ich würde es nicht noch einmal stricken, und wenn ich vorher gewusst hätte, wie mühsam es ist, hätte ich gar nicht damit angefangen.

“Gush” Socken

Yesterday the second “Gush” sock was finished, made of 100 grams Wollmeise Twin in colour Grashüpfer. The socks are already laundered and ready to wear. I’m relieved to have this project finally done. The socks are nice, but the effort for this pattern is considerable. I would not knit it again, and had I known in advance how tedious it is, I wouldn’t have started it.

Die verstrickte Dienstagsfrage 28/2011

Das Wollschaf fragt diese Woche:
Ich sortiere gerade meine Strickbuchsammlung neu und finde kein wirklich logisches Ordnungssystem. Daher würde mich mal interessieren, wie andere ihre Strick-Fachliteratur organisieren.
Nach Autor? Nach Sachgebiet (Modellbücher, Mustersammlungen, Techniken)? Falls letzteres, was macht Ihr mit Büchern, die in mehrere Kategorien passen? Oder habt Ihr vielleicht ein ganz anderes System?
Vielen Dank an Tina für die heutige Frage!

Ich sortiere meine Strickbücher strikt alphabetisch nach Autor und innerhalb dieser Sortierung nach Jahr, soweit das möglich ist. Bücher, die keinen ausgewiesenen Autor haben, stehen am Ende der Reihe. Damit finde ich mich gut zurecht. Sortieren nach Kategorie hatte ich mal probiert, aber das fand ich unpraktisch. Da wären dann verschiedene Sub-Kategorien angefallen wie z.B. Mustersammlungen und Modellsammlungen fürs Hand- und/oder fürs Maschinestricken; ich konnte mich nicht entscheiden, welche Kategorie die höhere sein sollte, es gab entsetzlich viele Überschneidungen, und alles in allem war es nicht sehr zielführend. Alphabetisch ist eindeutig und einfacher.
Allerdings wird der Platz bei mir mittlerweile knapp. Ich muss mal sehen, wie und wo ich zusätzlichen Stauraum requirieren kann.
Zeitschriften laufen übrigens bei mir getrennt; die sind jedes Fabrikat für sich jahrgangsweise in Stehsammlern untergebracht. Und auch da wird’s allmählich eng…

Mustergemäß zunehmen

Heute gibt’s mal wieder einen Tipp aus der Rubrik “Stricken für Anfänger”. Es geht um mustergemäßes Zunehmen. Unsere fiktive Anfängerin kann rechte und linke Maschen stricken und weiß im Prinzip, wie sie zunehmen muss. (Vielleicht hat sie auch schon mal die Hinweise über das Stricken von Randmaschen gelesen, damit am Ende das Zusammennähen einfacher wird.) Nun strickt sie also einen Ärmel in einem einfachen Rechts-Links-Muster wie beispielsweise diesem:

Karomuster, ein Rapport

Wir nehmen mal an, die blauen Kästchen entsprechen einer rechts erscheinenden Masche, die gelben Kästchen einer links erscheinenden.

Beim Ärmel soll man nun Maschen zunehmen. Wenn man aber dabei in jeder Reihe wie beim Geradeausstricken mit der ersten Masche des Rapports anfängt, dann entsteht nicht das eigentliche Muster, sondern etwas wie dies hier:

Armzunahme ohne Musterausgleich

Das hat dann nur noch wenig Ähnlichkeit mit dem Karomuster von oben.

Um solche Fehler zu vermeiden, macht man sich am besten erst einmal klar, dass man eigentlich an einer große, gleichmäßig gemusterten Fläche strickt:

Karomuster, große Fläche

Und aus dieser Fläche kann man den Ärmel gewissermaßen herausschneiden:

Ärmel im korrekten Karomuster

Hier sieht man, dass sich das Muster selbst gar nicht verschiebt. Es kommen nur immer neue Maschen an den Rändern hinzu, und die müssen ins Muster eingepasst und mustergemäß gestrickt werden.

Optimal ist es übrigens, wenn man die Zunahmen nicht direkt an den Rand legt, auch wenn es hier so aussieht. Es ist praktischer, die Zunahmen am Anfang der Reihe nach der Randmasche zu machen, und am Ende der Reihe vor der Randmasche. Die Randmaschen verschwinden später in der Naht, wenn man diese im Matratzenstich schließt.

Die verstrickte Dienstagsfrage 26/2011

Diese Woche fragt das Wollschaf:
Angenommen, Ihr könntet ein Jahr mit euren Liebsten in eine schöne aber abgeschiedene Gegend.
Ihr werdet rundum versorgt, aber es gibt kein Internet und keine Wollgeschäfte.
Welches Garn, welche Strick-Bücher bzw. welche Anleitungen würdet ihr für dieses Jahr mitnehmen?
Vielen Dank an Reni für die heutige Frage!

Hm, wieviel Stauraum wird mir denn zugestanden? Wenn’s ein 20-Fuß-Container sein darf, passen meine Strickmaschinen, alle Bücher und die Garnvorräte vermutlich komplett hinein. 😉
Im vergangenen Jahr habe ich knapp 14 kg bzw. etwa 45 km Garn verstrickt. Mindestens dieselbe Menge würde ich wohl auch für die abgeschiedene Gegend benötigen, wenn nicht noch mehr, denn ich müsste ja nicht zur Arbeit und hätte folglich mehr Strickzeit. Also lieber 30 kg bzw. 100 km, um auf der sicheren Seite zu sein. Ich würde dann meine liebsten und edelsten Garne mitnehmen, außerdem diverse Strickmuster-Bücher, Handstricknadeln, Häkelnadeln und Maschinen-Zubehör, Schreibzeug, Taschenrechner und ein großes Notizbuch. Damit wird’s mir dann sicher nicht langweilig.

Handstrick-Socken – Hand-knit Socks

Keine Ahnung, welcher Teufel mich geritten hat, beim Yarnissima “Gush” Socken-Knitalong mitzumachen. Erstens habe ich wirklich noch nie richtige Socken von Hand gestrickt, und zweitens ist dieses Muster nichts für schwache Nerven. Es ist asymmetrisch, besteht zu einem großen Teil aus verschränkten Maschen und ist so rhythmisch und einprägsam wie ein Musikstück von Arnold Schönberg.
Das alles wusste ich natürlich nicht, als der erste Teil veröffentlicht wurde. Und so kämpfte ich mich tapfer durch die Anleitung. An dieser Stelle ein großes Lob an die Designerin: Die Anleitung ist so präzise und ausführlich, dass auch ein kompletter Socken-Depp wie ich danach stricken kann. Die erste Socke ist inzwischen vollendet und sieht sehr schön aus. Und dann stand ich vor der Frage, ob ich die zweite ebenso oder gegengleich stricken sollte.
Da ich ein Symmetrie-Freak bin, entschied ich mich schließlich fürs gegengleiche Stricken. Das ist eine besondere Herausforderung, denn es gibt zwar aufgespiegelte Diagramme in der Anleitung, jedoch muss man schon selbst überlegen, wie man sie korrekt verteilt. Hoffentlich schaffe ich das.

GUSH Socke, sock

I’ve got no idea what the hell came over me and made me participate in Yarnissima’s “Gush” knitalong. First of all, I’ve never ever knitted socks by hand, and secondly, this pattern is not for the faint-hearted. It is asymmetrical, it consists to a large extent of stitches through the back loop, and it is as rhythmic and catchy as a composition by Arnold Schönberg.
Of course, I knew nothing of this when the first part of the instruction was published, and therefore I struggled my way through it. Kudos to Yarnissima! The instructions are so precise and comprehensive that even a complete sock dork like me can do it. The first sock is finished and looks lovely. And then I had to decide whether to work the second one the same way or mirrored.
As I am a symmetry freak, I opted for the mirrored version. This is a real challenge because although there are mirrored charts in the instruction, the arrangement is not clearly specified. I hope I’ll manage.

Die verstrickte Dienstagsfrage 25/2011

Das Wollschaf fragt diese Woche:
Irgendwann müssen wir dran denken, aus diesem Leben abzutreten.
Was habt ihr für diesen Fall für eure Garne, Strickanleitungen und das ganze Strickzubehör verfügt?
Immerhin besitzen einige ja beachtliche Werte. Ich bin schon gespannt und erhoffe mir Anregungen.
Vielen Dank an Michaela für die heutige Frage!

Wer nur die letzte “Verena”, 600 g Wolle für den gerade in Arbeit befindlichen Pullover und ein halbes Dutzend Stricknadeln sein eigen nennt, dem ist es zu Recht egal, was nach seinem Tod mit diesen Sachen passiert. Wenn es jedoch um zig Kilogramm hochwertiges Garn, hunderte von teilweise vergriffenen Büchern und ganze Jahrgänge von Zeitschriften geht, die unter Fachleuten nicht nur einen ideellen, sondern auch einen beachtlichen materiellen Wert haben, dann möchte man diese Dinge vielleicht lieber in sachkundigen und liebevollen Händen wissen als von einem ignoranten Erben auf den Müll geworfen.
Spätestens als ich aus dem Nachlass einer sehr lieben Freundin eine wunderschöne Sammlung von Strickbüchern und -heften erbte, war mir klar, dass man solche Angelegenheiten beizeiten regeln sollte. Und deshalb gibt es in meinem Testament ein entsprechendes Vermächtnis für alles Strickzubehör. Mit so einer Regelung kann man übrigens auch die gesetzlichen Erben entlasten, die das Potenzial dieses sehr speziellen Zeugs oft gar nicht einschätzen können.

Die verstrickte Dienstagsfrage 24/2011

Das Wollschaf fragt diesmal:
Bei mir spielt es bei der Kaufentscheidung für oder gegen ein Garn durchaus eine Rolle, ob das Garn als Knäuel oder nur als Strang zur Verfügung steht. Ich kaufe nur dann Stränge, wenn es sich nicht vermeiden lässt (und auch das immer weniger, lieber verzichte ich mittlerweile auf einige Garne ganz und gar). Ich möchte mit dem, was ich kaufe, sofort stricken können, und nicht noch Stunden mit lästigem Aufwickeln verbringen müssen. Ich empfinde den Verkauf von Strängen auch eher als altertümliches Überbleibsel aus den 80er Jahren, als es als “öko”/“grün” galt wieder in Stränge zu kaufen (auch wenn das so verkaufte Garn seinerzeit nebenbei alles andere als ökologisch war), und wenn ich ihn bei sehr handwerklich produzierten Garnen nachvollziehen kann (kleine Färbereien/Spinnereien können sich natürlich weder finanziell noch vom Platz und Aufwand her eine zusätzliche Anlage für die Knäuelwicklung leisten), sehe bei industriell gefertigten Garnen großer Marken den Sinn darin nicht.
Mich würde interessieren, ob andere es auch so sehen – oder sie umgekehrt sogar lieber Stränge als Knäuel kaufen und warum.
Vielen Dank an Martine für die heutige Frage!

Wenn man wie ich meistens mit Maschine strickt, muss man auch Industrie-Knäule erst einmal umspulen, bevor man starten kann. Deshalb ist es mir egal, ob ein Garn im Strang oder in der Kone angeboten wird. Seinerzeit habe ich mir praktisch zusammen mit der Strickmaschine einen Wollwickler mit Handkurbel angeschafft. Damit geht das Wickeln flott von der Hand. Und da ich später häufig dünne Industriegarne “gefacht” habe, weil sie sonst zum Verarbeiten zu dünn gewesen wären, kam dann ein elektrischer Wickler dazu, der praktischerweise gleich eine verstellbare Kunststoff-Haspel mitbrachte. Mit so gutem Werkzeug sind auch große Stränge kein Problem. Ich spanne den Strang auf die Haspel, fädle den Garnanfang durch die Führung und auf die Kone und starte den Wickler. Dann gehe ich mir einen Kaffee kochen. Den trinke ich dann, während ich gemütlich dem Wickler beim Arbeiten zuschaue. 🙂
Wie andere Kommentatorinnen schon angemerkt haben: Der Strang erlaubt einem, das Garn besser zu beurteilen. Das finde ich besonders wichtig bei handgefärbten Garnen. Besonders bei Qualitäten aus dem Hause Noro habe ich mich schon manches Mal geärgert, wenn die Farben im Knäuel so gut wie gar nicht zu erkennen waren. Das passiert einem bei einem Strang nicht. Mit Strängen kann es höchstens vorkommen, dass man zwei Stränge verschieden herum aufwickelt und es nicht merkt, was dann gegenläufige Farbfolgen im Strickstück zur Folge hat. Ihr dürft raten, woher ich das wieder weiß. 😉
Irgendwo habe ich übrigens mal gelesen, dass viele Spinnereien außerhalb Europas gar nicht solche Knäuelwickelmaschinen besitzen, wie sie von den hiesigen Herstellern eingesetzt werden. Diesen Firmen aus Übersee bleibt deshalb gar nichts anderes übrig, als ihre Garne im Strang zu verkaufen. Folglich sind eben viele Garne aus Nord- und Südamerika nicht geknäuelt erhältlich.
Fazit: Mir ist es egal, ich muss sowieso vor dem Stricken erst wickeln.

Va Banque

Dieses zerknautschte Teil wird, wenn alles gut geht, ein “Haruni”-Tuch. Angeregt dazu wurde ich übrigens durch einen Beitrag im Strickforum nebenan.
Momentan sind 19 Reihen von Diagramm B gestrickt. Neun Reihen plus das Abketten stehen noch aus. Ich war risikofreudig und habe vom Diagramm A zwei Rapporte mehr gestrickt, habe also 14 statt zwölf Rapporte in der Breite. Jetzt sind noch 27 g bzw. 95 Meter übrig, und ich hoffe inständig, dass diese Menge reicht, um das Tuch fertigzustellen.

Haruni Tuch / shawl

This crumpled piece of knitting is becoming a “Haruni” shawl, if everything turns out well. My inspiration for this was a posting at Strickforum next door. At the moment, 19 rows of chart B are worked. Nine rows plus the cast-off are still to be done. I was willing to take a risk and worked two additional repeats of chart A, so there are 14 instead of 12 repeats widthways. Now 27 g (95 meters) of yarn are left, and I’m desperately hoping that this will be enough to finish the shawl.