Olive ist fertig – Olive is finished

Ich finde das Modell gelungen. Es steht mir gut; der Schnitt und der Stil gefallen mir. Trotzdem gibt’s Verbesserungspotenzial.
Die Passform um den Halsausschnitt herum ist sehr gut. Die Raglanschräge jedoch könnte ein bißchen höher sein, damit es unter dem Arm nicht kneift.
Die Weite insgesamt ist gerade noch passend. Ein paar Zentimeter mehr, vor allem im Rücken, würden nicht schaden. Bei der nächsten Olive werde ich deshalb das Rückenteil etwas breiter stricken. Die zusätzliche Weite kann ich später in der rückwärtigen Passe abnehmen.
Die Ärmellänge habe ich gemäß Anleitung gestrickt. Zusammen mit dem Ärmelbündchen sind sie gut dreiviertel lang geworden. Die nächste Version bekommt lange Ärmel, und ich werde sie an den Handgelenken etwas enger machen.
Das untere Bündchen habe ich einige Reihen länger gestrickt als vorgesehen. Die Länge ist gut so, aber ich werde beim nächsten Modell wohl keine Maschen abnehmen.

Pullover “Olive”, Helga Isager

In my opinion, this garment is a success. It suits me, and I like the shape and style. Nevertheless, there is room for improvement.
The fit around the neck is very good. But the raglan line could be slightly longer so it’s not too tight at the armpit.
The width altogether ist just enough. But some more centimeters, particularly in the back, would not hurt. Therefore the next Olive will get a slightly wider back. The additional width can be decreased in the back yoke section.
The sleeve length is knit according to the instructions. Together with the cuffs, this resulted in about three quarter length. The next version will probably get longer sleeves, which are tighter at cuff level.
I made the lower welt a bit longer than instructed. The length is okay, but next time I’ll probably not decrease any welt stitches.

Die verstrickte Dienstagsfrage 23/2011

Das Wollschaf fragt diese Woche:
Wir alle stricken derzeit anscheinend im Akkord vor allem Socken, Tücher, Decken in den verschiedensten Mustern und Techniken. Pullover und Jacken kommen auch dazu, vieles davon in Patchworkstrick. Was mich brennend interessiert, wo ich mich aber nicht so recht ran wage, sind Pullis mit verkürzten Reihen. Gut ausgerüstet mit den beiden Büchern von Ruth Kindla zum Thema und einigen Übungsstücken kann ich sagen, dass ich die Technik “durchschaut” habe und das ohne Löcher und recht glatt hin bekomme. Allerdings sind die Vorlagen in den beiden Büchern fast ausnahmslos für kleine und sehr kleine Größen, also leider nichts für mich. Und bei dieser Art des Strickens merkt man ja eigentlich erst am Ende, ob es passt oder nicht und das ist mir einfach zu heiß, wenn all die Mühe umsonst gewesen sein soll.
Wer von Euch kennt sich aus damit, hat so etwas schon gestrickt und weiß, wie man mit den Größen “tricksen” kann?
Vielen Dank an Froggie für die heutige Frage!

Auch ich gehöre zu denen, die verkürzte Reihen und die daraus resultierenden organischen Formen sehr schön finden. Da diese Technik nicht so recht für die Strickmaschine taugt, habe ich damit bisher noch keine großen Teile gestrickt, nur kleine. Dabei hatte ich ebenfalls zunächst ein Problem mit der Größe. Bei verkürzten Reihen kann man aber eine Maschenprobe genau so zugrunde legen wie beim normalen Stricken. Man hat soundso viele Maschen und soundso viele Reihen auf 10 cm, und daraus berechnet man, wieviele Maschen und Reihen man für ein Strickteil in der gewünschten Größe braucht. Diese Fläche benötigt man auch dann, wenn man die Reihen zunächst nur teilweise strickt und sie erst später auffüllt. Hat man sie ermittelt, dann kann man in diesem Rahmen verkürzen und verlängern, wie es einem gefällt bzw. wie die Technik es ermöglicht, solange am Ende alle benötigten Reihen vollständig sind.
Wie Michaela kann ich die Lehrgänge zum Swing-Stricken sehr empfehlen.

Socken wie geplant – Socks as intended

Kürzlich berichtete ich ja von dem Sockenwollknäuel, das ich als Abo-Geschenk für die Zeitschrift “Knit” (deren Website zur Zeit offenbar defekt ist) erhalten hatte. Gestern habe ich es auf der Strickmaschine zu einem ebenso langweiligen wie tragbaren Paar Socken in Größe 44 verarbeitet. Genau das Richtige für konservative Sockenträger.

langweilige Socken, boring socks

I recently mentioned the ball of sock yarn that I got as a subscription gift for the “Knit” magazine (whose website seems to be out of order at the moment). Yesterday I made a very boring as well as wearable pair of socks in (German) size 44 from it on the knitting machine, just the right thing for conservative sock wearers.

Gar nicht so schwierig – Not that difficult

Der größte Teil von “Olive” ist geschafft. Leibteile und Ärmel entstanden, von unten her mit offenem Anschlag flach gestrickt, auf der Strickmaschine mit Maschenweite 10, und die Passe am Halsausschnitt ist auch schon fertig.
Meine Maschenprobe wich von der in der Anleitung deutlich ab. Deshalb hatte ich alle Teile neu berechnet und bei der Gelegenheit gleich, wie es Michaela bei ihrer Version auch gemacht hat, den Ärmeln eine Raglanschrägung verpasst. Damit wurde der Halsausschnitt automatisch kleiner. Die jetzige Ausschnittgröße passt mir perfekt. Als zusätzlichen Bonus benötigt man etwas weniger Garn. Die Passe habe ich übrigens offen gestrickt, sie hat an der hinteren linken Raglanlinie eine Naht.
Was als nächstes dran ist: Die Seitennähte schließen, weil ich ja nicht in Runden, sondern flach gestrickt habe. Dann den Bund im selben Muster anstricken wie die Passe. Und zum Schluss dasselbe noch einmal für die Ärmel.

Olive, Passe / yoke

The biggest chunk of “Olive” is done. Body and sleeves were knit flat from the bottom up on the knitting machine with tension 10, and the yoke is already finished.
My gauge differed noticeably from the gauge in the instruction. So I had recalculated all parts and on this occasion added some raglan slope to the upper sleeve. This reduced the size of the neckline automatically. The new neckline fits perfectly. As an added bonus, this construction needs slightly less yarn. By the way, the yoke was knit flat, it has a seam at the left back raglan line.
What’s next: Closing the side seams because I’ve knit the body flat in two pieces, not in the round. Then add the welt in the same pattern as the yoke. And then the same procedure for the sleeves.

Die verstrickte Dienstagsfrage 22/2011

Das Wollschaf fragt diese Woche:
Was macht ihr mit Wollresten?
Nein, ich meine nicht die Sockenwollreste, wo alles die gleiche Lauflänge hat, sondern ein halbes Knäuelchen hiervon, Zweieinhalb Knäuel davon, 270g von was ganz anderem, 120g Effektgarn und alles in unterschiedlicher Nadelstärke. Was halt in einem normalen StrickerInnenhaushalt so anfällt.
Vielen Dank an Reni für die heutige Frage!

Garne betreffend bin ich eher konservativ, das heißt, ich kaufe eher mal größere Mengen Garn in verschiedenen Farben derselben Qualität, wenn ich sie günstig bekomme. Wenn dann mal Reste übrig bleiben, kann man sie oft für ein größeres Projekt kombinieren.
Zudem habe ich als Maschinestrickerin immer Bedarf an “Kontrastgarn”. Viele meiner Projekte benötigen für den Anfang, das Ende oder gar beides ein paar Reihen Kontrastgarn, und dafür eignen sich gut Reste von glattem Garn.
Sowohl von Hand wie auch mit der Maschine stricke ich auch gern Musterpröbchen oder teste mal eine neue Stricktechnik. Auf diese Weise kann man Garne fast aller Art ge- und verbrauchen, und ich bin froh, jederzeit eine kleine Garnauswahl zur Verfügung zu haben.
Richtige Effektgarne habe ich nur wenige. Ich nutze sie als Akzente für schlichte Teile, z.B. eine Blende an einem Strickteil oder einen Schal zu einem schlichten Kleidungsstück.
Davon abgesehen habe ich aber auch keine Bedenken, Garnreste einfach mal wegzuwerfen, wenn mir dafür kein Projekt einfällt. Ich bin nicht der Meinung, dass man auch den letzten Meter Garn unbedingt zu etwas Sinnvollem verarbeiten muss. Zu viele kleine Reste zu haben finde ich belastend.

Olive-Pläne

Vor über einem Monat hatte ich angefangen, “Olive” zu stricken. Wie in der Anleitung angegeben, begann ich mit der Rundpasse. Aber nach einem guten Dutzend Runden wurden andere Projekte wichtiger, und das Ding lag und lag und lag.

Olive, Passenanfang

Gestern abend fiel es mir wieder einmal in die Hände, und mir wurde klar, dass ich es im Leben nicht von Hand fertig bekomme. Da muss die Strickmaschine mithelfen. Also setzte ich mich mit meinem Notizbuch, einem Kugelschreiber und meinem guten alten HP 20S (dessen [C]-Taste leider nur noch in Ausnahmefällen funktioniert, ich brauche wohl einen neuen) aufs Sofa und dröselte die Arithmetik der Anleitung auf. Ein bemaßtes Schnittschema hätte es mir einfacher gemacht, aber so etwas hat die Designerin leider nicht mitgeliefert.

Heute morgen, vor der zweiten Tasse Kaffee, zog ich dann den oben gezeigten kümmerlichen Anfang wieder auf und strickte (immer noch vor der zweiten Tasse Kaffee) eine Maschenprobe mit zwei verschiedenen Maschenweiten auf der Maschine. Die wusch ich durch (immer noch vor der zweiten Tasse Kaffee), und nun warte ich, dass sie trocken wird. Dann wird sie ausgemessen, und ich berechne mir das Ding von unten und in Einzelteilen. Das eigentliche Stricken müsste dann ziemlich flott gehen, und lange Nähte im Matratzenstich können mich ohnehin nicht schrecken.

Die verstrickte Dienstagsfrage 21/2011

Das Wollschaf fragt heute:
Wie persönlich soll Deiner Meinung nach ein Strickblog sein?
Bevorzugst Du reine Strickblogs, in denen allenfalls noch über verwandte Tätigkeiten (Spinnen, Weben, Färben etc.) berichtet wird?
Wie stehst Du zu Berichten über die Familie, Beziehungen, Problemen, Kindern?
Magst Du Blogs, in denen noch von anderen Themen die Rede ist, die nichts mit faserigen Hobbies zu tun haben?
Vielen Dank an Jinx für die heutige Frage!

Es kommt drauf an. Der Schreibstil mancher Strickerinnen spricht mich einfach an, da lese ich auf jeden Fall mit, egal was für ein Inhalt präsentiert wird. Solche Menschen könnten darüber berichten, wie sie ihren Komposthaufen umschichten, selbst das wäre bei ihnen wahrscheinlich spannender Lesestoff.
Ob man über Privates und Problematisches berichtet, muss natürlich jeder selbst entscheiden, dem eigenen Hang zum Exhibitionismus oder zur Heimlichtuerei folgend. Bei mir gibt es kaum Privates, weil die Menschen, über die ich berichten könnte, nicht im Internet verewigt werden möchten.
Manchmal finde ich private Inhalte interessant zu lesen, manchmal sind sie langweilig und manchmal einfach nur peinlich. Da klicke ich dann weg.

Was mich generell kalt lässt:

  • Umfangreiche Fotoserien vom Urlaub — der war bestimmt toll, aber in einem Blogbeitrag sechs unterbelichtete Sonnenuntergänge und neunzehn faszinierende, leider etwas unscharfe Kieselsteinbilder von der aufregenden Wandertour durch die Walachei sind für Außenstehende eventuell ein wenig öd.
  • Ausführliche Krankheitsberichterstattung — mich interessiert der Verbandswechsel nach eurer Blinddarm-OP auch dann nicht, wenn ihr dabei gestrickt habt.
  • Damit zusammen hängt mitunter das wiederholte Erheischen von Mitleid — wenn mitleidige Internet-Kommentare die einzige Form von Zuwendung sind, die ihr bekommt, dann solltet ihr möglicherweise an eurem Leben etwas ändern.

Davon abgesehen finde ich es durchaus reizvoll, wenn in einem Strickblog auch mal über den Tellerrand geschaut wird und man neue kreative Anstöße bekommt.

Etwas Kleines zwischendurch

Normalerweise nehme ich keine Strick-Aufträge an, sondern stricke nur, wonach mir der Sinn steht. Kürzlich jedoch bat mich ein Arbeitskollege, für seine Nichte einen Pullover in Größe 86 zu stricken, ähnlich einem Pulli, den ich Anfang dieses Jahres ohne Auftrag für seine Tochter angefertigt hatte. Solche kleinen Sachen in glatt rechts sind unkompliziert und flott gestrickt, vor allem wenn man sich die Maschenprobe sparen kann, weil man das Garn schon kennt. Zwei Tage habe ich gebraucht, und wenn nicht diverse Wochenend-Pflichten dazwischen gekommen wären, hätte ich es auch an einem Tag geschafft.

Kinderpulli Größe 86

Material: knapp 160 g Wollmeise 100 % Merino, davon etwa 130 g in Farbe “Flower Power” (Gelb-Lila-Fuchsia) und für die Bündchen 25 g in Farbe “Lavendel”, die im Multicolor enthalten ist. Das Halsloch sieht auf dem Foto sehr klein aus, aber ich kann versichern, dass sogar mein Kopf hindurchpasst.
Eventuell peppe ich den Pulli noch mit ein paar lila Strickblümchen auf, aber dazu will ich den Kollegen erst befragen. Allzu mädchenhaft und verspielt soll das fertige Teil nämlich nicht sein.

Gestricktes zusammennähen

Eigentlich nähe ich Stricksachen ganz gern zusammen. Ich weiß, wie man ordentliche Randmaschen produziert, und damit ist es ein Kinderspiel, mit Matratzenstich ebenso ordentliche Nähte zu fabrizieren.
In diesem speziellen Fall allerdings hilft mir der Matratzenstich nicht wirklich weiter, denn hier füge ich Taschenvorder- und -rückseiten zusammen. Das mache ich im Steppstich: Auf der Unterseite zwei Querfäden in eine Richtung auffassen, auf der Oberseite einen Querfaden in die Gegenrichtung, so entsteht eine kaum sichtbare, sehr saubere Naht. Trotzdem ist es eine elende Zählerei, man muss schon sehr genau hinschauen, und so richtig begeistert bin ich von dieser Arbeit nicht. Ich hoffe, die fertige Jacke wird mich dann irgendwann für die Mühe entschädigen.

Tasche, Rückseite

Ich verarbeite hier übrigens ein rostfarbenes Angoragarn (70 % Angora, 30 % Lammwolle), das ich vor zehn Jahren via Ebay gekauft habe. Zum Glück habe ich genügend von dem Zeug, denn fast jedes Knäuel enthält mindestens eine “morsche” Stelle, an der das Garn schon beim Aufspulen reißt. Und wenn diese Stelle ziemlich nahe am Knäuelanfang oder -ende liegt, dann mache ich mir nicht die Mühe, den kürzeren Rest überhaupt noch zu verwenden.

Tasche, Vorderseite

Ach ja, das Design: Glatt rechts mit einem simplen Lochmuster-Motiv auf den schon erwähnten Taschen und den Armkugeln. Angora und Muster passen nur bedingt zusammen, und selbst einfache Lochmuster sind bei diesem reißfreudigen Garn nur Leuten mit starken Nerven zu empfehlen.

Die verstrickte Dienstagsfrage 19/2011

Das Wollschaf fragt diese Woche:
Hast Du in einer schwierigen Lebenssituation Stricken schon mal als eine Art Therapie empfunden? Magst Du darüber erzählen?

Diverse Male habe ich sehr schwierige und belastende Situationen durchgemacht, und auch meine derzeitige Lage ist seit langem alles andere als normal. Vielleicht ist Stricken nicht direkt Therapie, denn es kann meine Situation nicht ändern. Es hilft mir aber, sie zu ertragen. Wenn ich kreativ sein kann, verbessert sich mein Befinden. Depressive Verstimmungen hellen sich auf, Kummer ist weniger spürbar, und im größten Chaos, egal ob gefühlt oder real, hilft es mir ungemein, aus einem Faden etwas Zwei- oder Dreidimensionales, einen anderen “Aggregatzustand” und eine Art von Ordnung zu produzieren. Durch Stricken kann ich Wartezeiten sinnvoll überbrücken und erzwungenen Leerlauf anders nutzen. Je nachdem kann ich mich dabei total vom Alltag ablenken oder meine Gedanken schweifen lassen. Beides ist für mich wichtig, deshalb versuche ich, mir regelmäßig Zeit dafür zu nehmen.