Busfahren und Zopfmuster – Riding on a bus and knitting cables

Es ist keine gute Idee, bei einer Busfahrt über eine Strecke mit vielen Schlaglöchern ein – wenn auch einfaches – Zopfmuster ohne Zopfnadel stricken zu wollen. Immer wenn man gerade frei schwebende Maschen hat, rauscht der Bus über mindestens ein Schlagloch.

It is not a good idea to knit an – even simple – cable pattern while riding on a bus on streets with lots of pot-holes. Each time you have free-floating stitches, the bus will hit at least one pot-hole.

Die verstrickte Dienstagsfrage 22/2010

Das Wollschaf fragt diese Woche:

Nach meiner Beobachtung gibt es unterschiedliche Arten von Strickerinnen, grob konnte ich folgende Kategorien feststellen:
– die Forscherin: erschließt sich gern neue Techniken, ist an neuen Methoden sehr interessiert, eignet sie sich an und integriert sich gern in ihre Strickpraxis,
– die Beständige: hat ein festes Repertoire an Techniken, aus denen sie schöpft, ist an einer Erweiterung nicht sehr interessiert.
– die Historikerin: interessiert sich für das Stricken in der Vergangenheit, von Vintage Knits über vergangene Jahrhunderte bis hin zu mittelalterlichen Vorläufertechniken. Rekonstruiert gern.
– die Innovative: ihr geht es darum, auch stricktechnisch die neuesten Trends aufzunehmen und zu verarbeiten.
– die Selbstlose: strickt meist für wohltätige Zwecke und/oder andere (Familie, Freunde, auch Auftragsarbeiten)
– die Avantgardistin: ihre Strickpraxis beginnt dort, wo andere längst aufgehört haben: sie arbeitet mit Plastikbändern, Draht, Kassettenbändern, ist im Freeformbereich tätig oder strickt prinzipiell ohne Anleitung.
– die, die Faserverarbeitung wörtlich nimmt: strickt vor allem mit Materialien, die sie, soweit es ihr möglich ist, selbst verarbeitet hat (Schafe scheren, Wolle waschen, Kardieren, Färben, Spinnen etc.)
Kaum jemand erfüllt eine Kategorie vollständig (Schafe scheren …) oder gehört ausschließich einer einzigen Kategorie an. Wo würdest Du Dich sehen? Bist Du damit zufrieden oder würdest Du Dir gerne etwas anderes erschließen?
Herzlichen Dank an Jinx für die heutige Frage!

Leider kann ich die aufgeführten Kategorien so nicht nachvollziehen, bzw. ich sehe allenthalben Überschneidungen. Wo genau ist z.B. der Unterschied zwischen “Forscherin” und “Innovativer”? Inwiefern kann man die “Beständige” oder die “Historikerin” klar von der “Faserverarbeitenden” trennen? Ich finde mich in keiner der vorgeschlagenen Kategorien wirklich wieder.
Wie die “Forscherin” eigne ich mir gern neue Techniken an, betrachte das aber nicht als Selbstzweck. Wie die “Beständige” habe ich ein bewährtes Repertoire, das ich immer wieder verwende, denn man (ich wenigstens) muss das Rad nicht ständig neu erfinden.
Als “Historikerin” sehe ich mich gar nicht, denn ich lebe im Hier und Jetzt und sehe wenig Sinn darin, meine knappe Zeit in das Nachleben vergangener Epochen zu investieren. Lieber suche ich sinnvolle Lösungen, um aktuelle Probleme zu lösen.
Sollte das Strickleben der “Innovativen” vor allem darin bestehen, die neuesten KAL-Trends aufzunehmen und das nachzustricken, woran gerade alle arbeiten, dann finde ich das ebenfalls wenig erstrebenswert und übrigens auch nicht innovativ. Lemmingismus ist meine Sache nicht.
Nach Jinx‘ Interpretation hätte ich in den 1990ern mal eine extrem “selbstlose” Phase gehabt, denn ich habe seinerzeit mit der Maschine Aufträge gestrickt. Das ging damals relativ flott (die Schnitte waren unkompliziert) und ergab in den besten Zeiten mit nicht allzu großem Arbeitsaufwand ein zusätzliches Taschengeld von etwa 400 DM im Monat. 🙂
“Avantgardistin” bin ich sicher nicht, dazu bin ich zu sehr Praktikerin und zuwenig künstlerisch veranlagt. Was ich anfertige, soll einen Verwendungszweck haben und nicht nur interessant aussehen. Dass ich mir Anleitungen größtenteils selbst erstelle, zählt sicherlich nicht, weil es ja streng genommen nicht “ohne Anleitung” ist.
Um die letzte Frage zu beantworten: Ja, ich bin mit mir und meiner Strickerei zufrieden. Wäre ich das nicht, dann wäre es doch ein Leichtes, das zu ändern, indem ich einfach strickte, was mir besser gefiele.

Vorzeiten habe ich übrigens mal eine nicht ganz ernst gemeinte andere Kategorisierung erstellt. Vielleicht findet sich ja darin irgendjemand wieder. 😉

Kamm einhängen beim Wickelanschlag am Doppelbett – Inserting the comb after double bed e-wrap

Neulich erreichte mich eine Anfrage, wie man denn bei einem Wickelanschlag am Doppelbett den Kamm einhängt; es sei doch gar kein Platz vorhanden, und man würde die Maschen von den Nadeln schieben.
Doch, es ist Platz vorhanden, vor allem, wenn man das Doppelbett um eine halbe Stufe absenkt:

Vorderes Nadelbett etwas abgesenkt, front needle bed slightly lowered

Nun schiebt man den Kamm nicht genau zwischen die Nadelbetten, sondern dorthin, wo die Lücken sind, also ein wenig nach vorn:

Kamm eingehängt, comb inserted

Zwischen je zwei Maschen am vorderen Nadelbett ist bequem Platz für zwei Kammspitzen. Die Maschen des hinteren Nadelbetts werden gar nicht berührt.

Recently I was asked how to insert the comb after working a double bed e-wrap: There’s not enough room, I was told, and the stitches are pushed off the needles. Well, there is enough room between the beds, particularly if you lower the front bed a bit, see first image.
Now push the comb up, but not exactly between the beds. Tilt it a bit to the front, where the larger gaps are, see second image.
Between two stitches each at the front bed, there’s enough room for two comb points. The stitches at the back bed are not touched at all.

Die verstrickte Dienstagsfrage 20/2010

Das Wollschaf fragt:
eventuell gabs diese Frage schon mal, vielleicht aber auch nicht: Ich würde einfach gerne mal wissen, wie das bei den Leuten so ist. Also:
Wieviele der Pullover und Jacken, die ihr für euch selbst gestrickt habt, tragt ihr auch tatsächlich? Wobei “tatsächlich tragen” “mindestens einmal im Monat” und “in der Öffentlichkeit” bedeutet.
Vielen Dank an Nina für die heutige Frage!

Wenn ich davon ausgehe, dass ein durchschnittlicher Monat 30 Tage hat und dass ich pro Tag einen Pullover oder eine Jacke trage (ab und an auch mal ein Twinset), dann könnte ich nicht alle meine Pullover und Jacken einmal im Monat ausführen, weil es zu viele sind. Aber generell trage ich das, was sich in meinem Schrank befindet, mindestens einmal im Jahr. Nein, bitte keine falschen Hochrechnungen; ich besitze nicht 365 Stricksachen. 😉 Manches eignet sich jedoch nur für sehr niedrige Temperaturen und erblickt deshalb nur an kalten Wintertagen das Tageslicht, sofern dann überhaupt welches vorhanden ist.
Es kommt leider trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gelegentlich vor, dass ich mir etwas stricke, das mir dann nicht gefällt oder nicht zu mir passt. Was sich als unpraktisch, unbequem oder unkleidsam erweist, verlässt den Schrank ziemlich schnell, es wandert zu Menschen, bei denen es besser aufgehoben ist oder kommt in die Kleidersammlung.

Interweave Knits Summer 2010

Nein, sie wirft mich nicht um, die neue Interweave Knits. Eher habe ich den Eindruck, dass in dem Maße, in dem deutsche Zeitschriften besser werden, die amerikanischen mich mehr langweilen. Denn, ehrlich gesagt, die Sommer-“Verena” fand ich nicht übel, und von der Sommerausgabe der “Stricktrends” war ich nachgerade begeistert. So viele gute Ideen habe ich lange nicht in einer Zeitschrift aus dem OZ-Verlag gefunden; es fehlen eigentlich nur noch einige gute redaktionelle Beiträge, und das Heft wäre ideal.
Nun also Interweave Knits. Das reicht höchstens für ein müdes “Naja”. Bei sehr vielen Modellen habe ich das Gefühl, sie schon mal irgendwo gesehen zu haben, und wenn sie wirklich einmal originell sind, finde ich sie leider meistens unbrauchbar. (Zugegeben, es ist mein ganz persönliches Problem, dass ich für eine gestrickte Tasche mit Zopfmuster einfach keinen Bedarf habe. Ich käme mir mit so einem Ding ausgesprochen albern vor.)
“Gamine’s Tank” (rechts im Bild) ist tatsächlich das einzige Modell aus dem Heft, das ich mir eventuell stricken würde. Aber mein Bedarf an ärmellosen Tops ist überschaubar und weitgehend gedeckt.

Interweave Knits Summer 2010 + Gamine Tank

No, it doesn’t bowl me over, the new Interweave Knits. I’m rather under the impression that as German magazines improve, the American ones get more boring. To tell the truth, the summer issue of “Verena” was not bad, and I was virtually enthused by the summer issue of “Stricktrends”. There have not been that many good ideas in a mag by OZ-Verlag for a long time, and if they’d only add some good articles and features, it would be the ideal mag for me.
And now there’s Interweave Knits, oh well. Most of the garments remind me of something I’ve seen somewhere before, and I find even those that are truly original unfortunately somewhat useless. (I admit, I’ve got a personal issue with a cabled bag that would never ever fit into my life. I’d feel utterly silly carrying it along.)
“Gamine’s Tank” (pictured at right) is actually the only thing from the mag that I’d consider to knit. But my need for sleeveless tops is fairly small and covered to a large extent.

Die verstrickte Dienstagsfrage 19/2010

Das Wollschaf fragt:
Mit welchen Nadeln strickt ihr am liebsten? Welche Marke, welches Material, welches System (Rundstricknadeln, Nadelspiele…)
Herzlichen Dank an Tabemi für die heutige Frage!

Da verweise ich mal auf eine ähnlich gelagerte Frage vom 20. Oktober 2009 und meine damalige Antwort.
Für variable Nadelbaukästen kann ich mich nicht mehr begeistern, seit drei Knitpicks-Seile (direkt aus den USA bezogen und damals gut zwei Jahre in Gebrauch) sich mitten beim Stricken von ihrem Gewinde gelöst haben. Das hat nichts zu tun mit nicht fest genug angeschraubter Nadel. Ich bin durchaus in der Lage, ein Schraubgewinde sachgemäß zu betätigen. 😉 Hier war es definitiv und wiederholt die Verbindung zwischen Seil und Gewinde, die nicht genügend belastbar war, vor allem wenn es sich um schweres Gestrick (z.B. Aranjacken) handelt und/oder wenn man fest strickt und die Maschen gelegentlich über die Seile zerren muss. Ein Nadelset, das nur für leichte Belastung und zartes Lochmustergestrick geeignet ist, finde ich so praktisch wie einen Designer-Bikini im Schneesturm.
Ich habe mir ersatzweise mittlerweile ein ziemlich umfängliches Sortiment an Addi Lace- und Feinstricknadeln beschafft und komme damit am besten zurecht.

Tempest

Die Jacke ist fertig zusammengenäht, gewaschen, mit Knöpfen versehen und passt. Sie ist sehr körpernah, aber das sieht erstaunlicherweise gut aus. Die Knöpfe sind übrigens in Wirklichkeit dunkler als auf dem Foto, sie haben fast denselben Farbton wie die dunkelgrünen Streifen. Sie irisieren jedoch und wirken deshalb heller. Die Anleitung gibt’s bei Knitty. Das Material ist ca. 230 g Wollmeise 100% Merino in Farbe Pesto und 150 g Filatura di Crosa “Maxime Print” in Farbe 5120.

Tempest Jacke/cardigan

The cardigan is sewn together, laundered, buttoned, and it fits. It is rather tight fitting, but it looks surprisingly good. By the way, the buttons are in reality darker than on the photo. Their colour is almost the same as the dark green stripes. But as they are a bit iridescent, they appear lighter. The instruction is available at Knitty’s. The cardi is made of about 230 g Wollmeise 100% Merino in colour Pesto and 150 g Filatura di Crosa “Maxime Print” in colour 5120.

Eilig stürmt es weiter – Rushing forward with Tempest

Endspurt ist angesagt. Heute habe ich den zweiten Ärmel für die Jacke “Tempest” beendet. Zum Glück habe ich daran gedacht, im zweiten Ärmel das streifenbildende Garn mit derselben Farbe anzufangen wie beim ersten. Es sieht dann doch etwas gleichmäßiger aus. Auch bei den Vorderteilen (siehe Bild) finde ich das ganz angenehm. Übrigens habe ich nicht nach jedem Streifen den Faden abgeschnitten, sondern ihn locker an der Seite hochgeführt, bis er das nächste Mal benötigt wurde. Die hochgezogenen Fäden werden beim Zusammennähen mit aufgefasst und verschwinden damit in der Naht.
Der Verbrauch: 225 g Wollmeise 100% Merino in Farbe Pesto, 150 g (davon 8 g Rest) Filatura di Crosa “Maxime Print” in Farbe 5120.

Tempest Jacke/cardigan

It’s time for the final spurt. Today I finished the second sleeve for the “Tempest” cardigan. Fortunately, I remembered to start the self-striping yarn with the same colour as in the first sleeve. This gives a more even look. I did the same for the fronts (see image) and like the result. By the way, I did not cut the yarn after every stripe. Instead, I carried it up until it was time to use it again. The threads along the sides are caught in the mattress stitch seams.
I needed: 225 grams of Wollmeise 100% Merino in colour Pesto, 150 grams (8 grams left) of Filatura di Crosa “Maxime print” in colour 5120.

Die verstrickte Dienstagsfrage 16/2010

Das Wollschaf fragt:
Was strickt ihr am Liebsten.
Ändert sich eure Vorliebe von Zeit zu Zeit, oder habt ihr absolute Strick-Favoriten, wie z.B. Socken oder so?
Wovon ist es abhängig, was ihr gerne strickt?
Gibt es Zeiten, in denen ihr überhaupt nicht strickt, und warum?
Herzlichen Dank an Angi für die heutige Frage!

Meine Strickvorlieben sind seit Jahren weitgehend unverändert. Am liebsten stricke ich Pullover und Jacken, und zwar vorwiegend aus hochwertiger Wolle. Früher strickte ich auch Kleider, aber seit langem trage ich keine mehr. (Die letzten zwölf Jahre habe ich in diversen Städten mit reichlich pittoreskem Kopfsteinpflaster gelebt, da gewöhnt man sich elegante Kleidung und dazu passendes Schuhwerk im Interesse heiler Knöchel schnell ab.) Kleine Teile wie Socken oder Handschuhe stricke ich, wenn sie gebraucht werden, aber sie machen mir nicht soviel Spaß. Tücher sind auch nicht so mein Ding. Ich kann’s, wenn’s sein muss, aber richtige Kleidungsstücke mag ich lieber.
Einige Zeit (etwa von 1987 bis 2000) habe ich nur mit Maschine gestrickt, aber seit ungefähr zehn Jahren finde ich auch wieder Gefallen am Handstricken.
Wenn ich überhaupt nicht stricken kann, z.B. weil die Zeit dazu fehlt, werde ich depressiv. Ich brauche ein kreatives Ventil. Stricken hilft mir über schwierige Zeiten und Situationen hinweg; es gibt mir das Gefühl, trotz aller Widrigkeiten noch etwas Brauchbares zustande zu bringen.