Die verstrickte Dienstagsfrage 25/2010

Das Wollschaf fragt diesmal:
Mir fällt auf, dass es immer mehr Vorlagen zum Stricken von Haushaltsgegenständen gibt und ich sehe auch in den Blogs interessante Strickstücke. Ich möchte keine Abgrenzung zwischen Gebrauchsgegenständen und Dekorativem machen, weil die Grenzen teilweise fließend sind. Hier ein paar Beispiele: Topflappen, Gläseruntersetzer, Spül-/Wischlappen, Schutzhüllen für heiße Gläser oder Tassen, Kunststrickdeckchen, Eierwärmer, Blumenübertöpfe, Teekannenwärmer, Toilettenrollen-Stölpchen, Tischsets/Tellerunterlagen, Topfuntersetzer, Lesezeichen, Einkaufstaschen, Halterungen für die Fernbedienung, Bade“schwämme”, um eine kleine Auswahl zur Anregung zu nennen.

– Hast du schon einmal Haushaltsgegenstände gestrickt? Welche?
– Wenn du noch keine gestrickt hast: warum nicht?
– Hast du für den eigenen Haushalt oder zum Verschenken gestrickt?
– Strickst du diese regelmäßig oder lässt du dich anstecken, wenn sie gerade als Hype durch die Blogs wandern?
– Entwirfst du selbst oder verwendest du Vorlagen?
– Strickst du sie aus Bedarf oder “für Spaß”?

Herzlichen Dank an Michaela für die heutige Frage!

Zu meinen allerersten brauchbaren Strickstücken zählte ein (EIN!) baumwollener Topflappen im Handarbeitsunterricht. Er war in verkürzten Reihen gestrickt, abwechselnd ein roter und ein grüner Sektor, und dann mit weißem Garn umhäkelt. Meine Mutter hat ihn jahrelang verwendet. Schade, dass ich nicht mehr weiß, wie ich ihn damals gestrickt habe, sonst würde ich glatt noch einmal solche Topflappen stricken.
Was ich außerdem schon gestrickt habe: Untersetzer, die dann gefilzt wurden. Das war mal ein Verlegenheitsgeschenk für eine Familie, deren wertvolle Wohnzimmertischplatte möglichst keine Kratzer oder Flecken bekommen sollte.
Ich bin bekennende Spüllappennichtstrickerin. Mir fehlt schon die Strickzeit für Sachen, die ich dringend brauche, da vertue ich ganz gewiss keine Minute für etwas, das ich als unnütz empfinde. Wer mehr Zeit und vor allem Stil hat als ich, setzt natürlich seine Prioritäten anders. Eine Kollektion edler Spültücher aus handgefärbtem Kaschmir-Seiden-Gemisch in exquisitem Lochmuster ist zweifellos ein must-have für den ambitionierten Strickerinnenhaushalt und wertet jeden Abwasch auf.
Schutzhüllen für heiße Trinkgefäße brauche ich nicht, ich trinke seit mehr als dreißig Jahren Kaffee und Tee aus ordentlichen Tassen, an denen man sich nicht die Finger verbrennt.
Um zu testen, ob ich Spitzenmuster stricken kann, habe ich mal aus einem Baumwollrest ein ovales Deckchen aus einem alten Burda-Stricklehrbuch nachgearbeitet. Fazit: Ich kann’s. Das reicht mir. Weitere Deckchen sind nicht geplant. Übrigens auch keine großen Tischdecken. Auch keine wunderschönen Tücher, die bei genauerer Betrachtung aussehen wie große Tischdecken. Wer in unserer Familie friert, greift sowieso nicht zum Tischtuch, sondern zieht sich einfach eine Jacke oder einen Pullover an. Das ist vielleicht stillos, aber effizient.
Eierwärmer wiederum finde ich niedlich. Da sich hier aber niemand etwas aus gekochten Eiern macht (außer in einem Salat oder einer warmen Mahlzeit), werden auch keine Eierwärmer gebraucht. Ich verschenke höchstens mal welche.
Ein Stölpchen habe ich zwar schon mal im Rahmen eines Wettbewerbs angefertigt, würde aber einen ernsthaften Gebrauch nicht in Erwägung ziehen. Schon gar nicht dürfte so ein Teil die Hutablage meines Autos zieren. Klopapier im Auto ist für Notfälle sicher keine schlechte Idee, aber dann bitte diskret im Kofferraum, und dort bedarf es auch keiner besonders kunstfertigen Umhüllung.
Ich stricke also praktisch nie Haushaltsgegenstände. Auch dann nicht, wenn sie superniedlich und megaschön aussehen. Und wenn gerade alle Welt hingebungsvoll und um die Wette am Fernbedienungsschoner einer angesagten Designerin nadelt, wäre das für mich ein Anlass, mich entschlossen an die nächste Strickjacke zu machen.

Zehn Runden pro Tag – Ten rounds per day

Das ist, was ich täglich an Strickerei schaffe. Und ich meine nicht Runden an einem Raglan von oben oder auch nur an einem Handschuh, nein, ich meine die Runden am Ringfinger dieses Handschuhs. Zehn Runden, das sind knapp 200 Maschen. Am Tag wohlgemerkt. Und das ist erst der erste Handschuh. Zum Glück ist es noch ein Weilchen hin bis zum Herbst.

linker Handschuh “Knotty” - left glove “Knotty”

That’s what I get done in knitting per day. And I do not mean rounds on a top-down raglan or even a glove, no, I mean rounds on the ring finger of this glove. Ten rounds, that’s about 200 stitches. Per day, mind you. And that’s only the first glove. Fortunately it’s still some time until autumn.

Farbe bekennen – Orange

Neulich hatte ich diesen Beutel dabei, um an einem regnerischen Tag mein Strickzeug, das sonst in einer Stofftasche mit mir unterwegs ist, vor Nässe zu schützen. Ein Bekannter sah Beutel und Schriftzug und meinte, in so einer Tasche finde man bestimmt alles besonders gut wieder. 🙂

Farbe bekennen: Orange

Orange ist nicht so heiß und aggressiv wie Rot, aber wärmer und herzlicher als Gelb. Es steht für Kommunikation, Wärme, Aktivität und Offenheit. Es kommt mir vor wie ein stürmisches, fröhliches Kind, spontan und lebhaft. Bei meiner Kleidung mag ich gern gedecktere Nuancen, die eher ins Rostbraune gehen.
Mehr zur Aktion Farbe bekennen.

Wir machen das mit den Fähnchen

Gestern abend musste selbst einer Banausin wie mir auffallen, dass die Fußball-WM nun startet. Viele Autos haben an ihren hinteren Seitenfenstern wieder frische Fähnchen befestigt, ganz so wie vor vier Jahren. Naja, um ehrlich zu sein, wurde ich schon vor ein paar Tagen überdeutlichst auf die WM hingewiesen, als ein Kollege die Spielregeln für das abteilungsinterne Tippspiel herumschickte. Wer ein Spielergebnis richtig getippt hat, bekommt 3 Punkte, wer in der Tendenz richtig liegt, bekommt einen Punkt. Am Ende kommt es für die Teilnehmer drauf an, möglichst viele Punkte ergattert zu haben.
Ich habe mich übrigens erkundigt: Wer eine Hälfte des Ergebnisses richtig tippt (z.B. 3:2 getippt, und das Spiel geht 1:2 aus) kriegt gar keinen Punkt. Derartige mathematisch-logische Herausforderungen kann die involvierte Datenbank offenbar nicht bewältigen.
Davon abgesehen rechne ich damit, dass diese WM für mich deutlich entspannter verläuft als die vergangene. Ich wohne nämlich nicht mehr im Ortskern einer Stadt mit einem beträchtlichen Anteil an türkisch- und italienischstämmigen Einwohnern, was die Anzahl der Autocorsos locker verdreifacht, sondern inzwischen in einer anderen Stadt dermaßen am Rande und sackgassig, dass ein Corso hier schon aus technischen Gründen nicht möglich ist. Es wird bestimmt wundervoll. 🙂

Die verstrickte Dienstagsfrage 23/2010

Das Wollschaf fragt diesmal:
Lest ihr englische Strickbücher? Welche?
Herzlichen Dank an Tabemi für die heutige Frage!

Ja, ich lese tatsächlich englische Strickbücher, hauptsächlich weil es zu den speziellen Themen, die mich interessieren, nichts auf Deutsch gibt (bzw. gab, denn meine Sammlung nahm ihren Anfang vor mehr als zwanzig Jahren). Ich lese übrigens nicht nur englische, sondern auch dänische, norwegische oder japanische Bücher, falls nötig. Wobei “lesen” sicher nicht immer der richtige Ausdruck ist, “interpretieren” oder “raten” trifft es vielleicht gelegentlich besser.
Die Liste meiner Bücher ist zu lang zum Abtippen, deshalb verweise ich kurzerhand auf meinen Eintrag bei Mylibrarything.
Und zur allgemeinen Belustigung hier Fotos meiner Strickbuch-Regale. Aus technischen Gründen war es nicht möglich, alles auf ein Bild zu bekommen. Es ist leider auch nicht alles erfasst; etwas Kleinkram, der sich schlecht ins Regal fügen wollte, ist anderswo verstaut. Und die Zeitschriften-Jahrgänge sind natürlich auch nicht zu sehen.

Regal 1
Debbie Abrahams bis Sarah Dallas

Regal 2
Annette Danielsen bis Lena Fuchs

Regal 3
Norah Gaughan bis Jeannette Knake

Regal 4
Andra Knight-Bowman bis Denise Musk

Regal 5
Lisa R. Myers bis N. Seto

Regal 6
Jo Sharp bis Jenny Watson

Regal 7
Mary Weaver bis Diverses

Farbe bekennen – Hellgrün

Grün ist eine meiner Lieblingsfarben. Vielleicht die Lieblingsfarbe schlechthin. Grün mochte ich schon als Kind, in allen Schattierungen, nur zu blau darf es nicht werden. Grün ist die Hoffnung (meine Lieblingstugend), grün ist, was wächst. Grün ist dynamische Ruhe, im Gegensatz zur statischen Ruhe von Blau. Grün verheißt Sicherheit, deshalb sind Notausgänge grün gekennzeichnet. Grün heißt auch freie Fahrt.
Und Hellgrün ist sozusagen das Kind des “richtigen” Grüns. Hellgrün ist Frühling, Hellgrün ist außerdem lecker, frisch, gesund. Hier ist, was mir als Erstes zum Thema Hellgrün einfiel und was ich auch zufällig gerade im Haus hatte.

grüner Spargel

Knoblauch? Welcher Knoblauch?

Hat zufällig jemand das “Test” Heft 6/2010? Hat zufällig jemand mal versucht, den Salat auf Seite 98 zuzubereiten?
In Schritt 2 der Zubereitung heißt es: “Die feingeschnittenen Schalotten und gepressten KNoblauchzehen in Öl in einer Pfanne anbraten.” Dummerweise finde ich in der Liste der Zutaten nicht den leisesten Hinweis auf Knoblauch. Und dabei hielt ich die “Test”-Rezepte bisher für sehr zuverlässig.
Naja, ich habe der guten Ordnung halber eine große Knoblauchzehe zerkleinert und mit angebraten. Den Eichblatt-Salat lasse ich weg, weil der eigentlich nur als dekorative Unterlage dient. Und statt der gelben Tomätchen habe ich rote genommen.
Die Gnocchi sollte man übrigens in viel Öl bei ziemlich starker Hitze schnell anbraten. Sie kleben nämlich wie verrückt in der Pfanne. Und die Pinienkerne würde ich beim nächsten Mal eher im Ofen anrösten als in der Pfanne.
Immerhin sieht das Ergebnis nett aus. Zum Sattwerden gibt’s dazu gebratene Hähnchenbrust.

Brokkoli-Salat mit Gnocchi

Busfahren und Zopfmuster – Riding on a bus and knitting cables

Es ist keine gute Idee, bei einer Busfahrt über eine Strecke mit vielen Schlaglöchern ein – wenn auch einfaches – Zopfmuster ohne Zopfnadel stricken zu wollen. Immer wenn man gerade frei schwebende Maschen hat, rauscht der Bus über mindestens ein Schlagloch.

It is not a good idea to knit an – even simple – cable pattern while riding on a bus on streets with lots of pot-holes. Each time you have free-floating stitches, the bus will hit at least one pot-hole.

Die verstrickte Dienstagsfrage 22/2010

Das Wollschaf fragt diese Woche:

Nach meiner Beobachtung gibt es unterschiedliche Arten von Strickerinnen, grob konnte ich folgende Kategorien feststellen:
– die Forscherin: erschließt sich gern neue Techniken, ist an neuen Methoden sehr interessiert, eignet sie sich an und integriert sich gern in ihre Strickpraxis,
– die Beständige: hat ein festes Repertoire an Techniken, aus denen sie schöpft, ist an einer Erweiterung nicht sehr interessiert.
– die Historikerin: interessiert sich für das Stricken in der Vergangenheit, von Vintage Knits über vergangene Jahrhunderte bis hin zu mittelalterlichen Vorläufertechniken. Rekonstruiert gern.
– die Innovative: ihr geht es darum, auch stricktechnisch die neuesten Trends aufzunehmen und zu verarbeiten.
– die Selbstlose: strickt meist für wohltätige Zwecke und/oder andere (Familie, Freunde, auch Auftragsarbeiten)
– die Avantgardistin: ihre Strickpraxis beginnt dort, wo andere längst aufgehört haben: sie arbeitet mit Plastikbändern, Draht, Kassettenbändern, ist im Freeformbereich tätig oder strickt prinzipiell ohne Anleitung.
– die, die Faserverarbeitung wörtlich nimmt: strickt vor allem mit Materialien, die sie, soweit es ihr möglich ist, selbst verarbeitet hat (Schafe scheren, Wolle waschen, Kardieren, Färben, Spinnen etc.)
Kaum jemand erfüllt eine Kategorie vollständig (Schafe scheren …) oder gehört ausschließich einer einzigen Kategorie an. Wo würdest Du Dich sehen? Bist Du damit zufrieden oder würdest Du Dir gerne etwas anderes erschließen?
Herzlichen Dank an Jinx für die heutige Frage!

Leider kann ich die aufgeführten Kategorien so nicht nachvollziehen, bzw. ich sehe allenthalben Überschneidungen. Wo genau ist z.B. der Unterschied zwischen “Forscherin” und “Innovativer”? Inwiefern kann man die “Beständige” oder die “Historikerin” klar von der “Faserverarbeitenden” trennen? Ich finde mich in keiner der vorgeschlagenen Kategorien wirklich wieder.
Wie die “Forscherin” eigne ich mir gern neue Techniken an, betrachte das aber nicht als Selbstzweck. Wie die “Beständige” habe ich ein bewährtes Repertoire, das ich immer wieder verwende, denn man (ich wenigstens) muss das Rad nicht ständig neu erfinden.
Als “Historikerin” sehe ich mich gar nicht, denn ich lebe im Hier und Jetzt und sehe wenig Sinn darin, meine knappe Zeit in das Nachleben vergangener Epochen zu investieren. Lieber suche ich sinnvolle Lösungen, um aktuelle Probleme zu lösen.
Sollte das Strickleben der “Innovativen” vor allem darin bestehen, die neuesten KAL-Trends aufzunehmen und das nachzustricken, woran gerade alle arbeiten, dann finde ich das ebenfalls wenig erstrebenswert und übrigens auch nicht innovativ. Lemmingismus ist meine Sache nicht.
Nach Jinx‘ Interpretation hätte ich in den 1990ern mal eine extrem “selbstlose” Phase gehabt, denn ich habe seinerzeit mit der Maschine Aufträge gestrickt. Das ging damals relativ flott (die Schnitte waren unkompliziert) und ergab in den besten Zeiten mit nicht allzu großem Arbeitsaufwand ein zusätzliches Taschengeld von etwa 400 DM im Monat. 🙂
“Avantgardistin” bin ich sicher nicht, dazu bin ich zu sehr Praktikerin und zuwenig künstlerisch veranlagt. Was ich anfertige, soll einen Verwendungszweck haben und nicht nur interessant aussehen. Dass ich mir Anleitungen größtenteils selbst erstelle, zählt sicherlich nicht, weil es ja streng genommen nicht “ohne Anleitung” ist.
Um die letzte Frage zu beantworten: Ja, ich bin mit mir und meiner Strickerei zufrieden. Wäre ich das nicht, dann wäre es doch ein Leichtes, das zu ändern, indem ich einfach strickte, was mir besser gefiele.

Vorzeiten habe ich übrigens mal eine nicht ganz ernst gemeinte andere Kategorisierung erstellt. Vielleicht findet sich ja darin irgendjemand wieder. 😉

Farbe bekennen – Lila

Lila ist die Synthese aus Blau und Rot, aus Passivität und Aktivität, aus Geduld und Gewalt; das männliche Rot und das weibliche Blau mischen und neutralisieren sich. Lila symbolisiert Verschmelzung und Grenzüberschreitung, Magie und Mystik. Es hat gleichzeitig eine asexuelle Komponente. Es ist die Farbe der Emanzipation (kennt noch jemand lila Latzhosen?) und der Priester. Es sagt: Ich bin für dich unerreichbar, versuch es erst gar nicht. Es kann aber auch mit scheinbarer Unerreichbarkeit kokettieren, man stelle sich nur lila Reizwäsche vor. 😉

Ich bin ein sehr rationaler Mensch und habe daher mit geheimnisvollem wie auch kokettem Lila so meine Probleme. Hexentum, Mystik, Zauberei erscheinen mir schlimmstenfalls lächerlich, bestenfalls erheiternd. Und deshalb gibt’s heute ein heiteres Bild aus meinem Wollvorrat. Eine sehr liebe Botin beschaffte mir diese Stränge, ganz ohne Hexerei.

lila Strickgarne