Die verstrickte Dienstagsfrage 6/2013

Diese Woche fragt das Wollschaf:
Angeregt von den aktuellen Beiträgen auf Tichiros Blog über explodierende Preise von vergriffenen Strickbüchern oder alten Rowan-Heften würde mich mal interessieren:
Wieviel seid Ihr bereit, für ein vergriffenes Heft oder Buch zu bezahlen – wo liegt eure Schmerzgrenze?
Meine teuerste Anschaffung in diesem Bereich war vor einigen Jahren Tudor Roses von Alice Starmore mit 130 Euro, die Schmerzgrenze wäre 150 Euro gewesen.
Vielen Dank an Anyana für die heutige Frage!

Diesmal bin ich ein bißchen spät dran mit meiner Antwort, hoffentlich liest überhaupt noch jemand mit. 🙂
Natürlich kann man sparsam sein und sich auf aktuelle und/oder kostenlose Anleitungen z.B. aus dem Internet beschränken. Ich habe volles Verständnis dafür. Mir geht es beispielsweise so mit Möbeln oder Autos. Ich bin nicht im geringsten an Antiquitäten oder Oldtimern interessiert und spare somit eine Menge Geld.
Bei Strickbüchern sieht das anders aus. Ja, ich kann mich für ältere Bücher und Zeitschriften begeistern und finde sie faszinierend. Glücklicherweise habe ich mit dem Aufbau meiner Strickbibliothek schon vor dreißig Jahren begonnen, so dass ich viele jetzt vergriffene Bücher seinerzeit zum Normalpreis erwerben konnte.
Eine Zeitlang habe ich Starmore-Bücher gesammelt. Die allermeisten bekam ich zum damals normalen Verkaufspreis, einige sogar ausgesprochen günstig über Ebay. Für eines allerdings habe ich tatsächlich ziemlich viel Geld bezahlt, deutlich mehr als Anyana für ihre “Tudor Roses” (die ich übrigens vor Jahren zum Normalpreis gekauft hatte):

Scottish Collection

Tut es mir leid ums Geld? Nein, nicht im mindesten. Ich hatte den Betrag damals zur Verfügung, ich musste weder einen Kredit aufnehmen noch auch nur einen Tag am Hungertuch nagen. Wenn ich für das Geld z.B. Pralinen statt die “Scottish Collection” gekauft hätte, wäre mir schlecht geworden, und/oder ich hätte nicht mehr in meine Kleidung gepasst. Und Wolle habe ich ohnehin immer genug gehabt; Wolle statt Buch hätte mir nicht halb soviel Spaß gemacht.

13aus13 – das dritte Projekt

Aus dem Buch “Simple Style” von Ann Budd wählte ich für meine 13aus13-Aktion das Modell “Four Quarters Pullover”. Es wird laut Anleitung in vier (gegen-)gleichen Teilen gestrickt. Allein durch den Wechsel der Nadelstärke soll dieser Pullover unten weit und oben enger gestrickt werden. Das sagte mir jedoch nicht zu, deshalb passte ich den Schnitt und die Strickweise meinem Geschmack an. Ich fand auch den Ausschnitt zu weit, außerdem wollte ich ihn hinten lieber flacher haben als vorn. Das änderte ich ebenfalls.

Four Quarters Pullover

Der Pullover ist aus neun Knäueln Noro “Shinano” (nicht mehr erhältlich) auf dem Grobstricker angefertigt. Die Idee, die Nahtzugaben nach außen zu tragen, finde ich ganz hübsch. Beim Stricken mit Maschine werden die Randmaschen zum Glück auch sehr ordentlich und können sich durchaus sehen lassen.

schlichte Halsblende

Die Halsblende besteht aus vier Reihen glatt links, die sich um die Kante herum nach innen rollen. Ich mag diese schlichte Einfassung sehr gern.

13aus13 – Design 1

Wir haben mittlerweile Februar, und ich bin in Verzug, was die Präsentation meiner Projekte aus der Serie “13aus13” betrifft.
Bereits Ende Dezember wurde die Kurzjacke “Design 1” aus dem Buch “Noro Mini Knits” von Jenny Watson fertig, hier ist sie nun endlich:

Kurzjacke Design 1

Verstrickt habe ich dafür knapp 500 g Noro “Kochoran”, ein Wolle-Angora-Gemisch, das mehrere Jahre in meinem Vorrat auf eine gute Idee wartete. Dieses Garn ist mittlerweile nicht mehr erhältlich. Die Jacke ist schön warm und bequem, ich trage sie sehr gern.

Und wieder eine Ulina

Im kommenden Monat wird ein ehemaliger Kollege von mir zum zweiten Mal Vater. Und natürlich braucht das Kind eine warme Jacke, auch wenn die derzeitigen Temperaturen schon den Frühling erahnen lassen.

Ulina blau-gelb

Gestrickt nach meiner Ulina-Anleitung aus gut 150 g Wollmeise Pure in WD Nazar Boncugu und WD Iris Sibirica. Für ein Kind finde ich diese kontrastreiche Farbkombination ganz passend.

Die verstrickte Dienstagsfrage 5/2013

Diese Woche fragt das Wollschaf:
Mir brennt aus aktuellem Anlass (Sehnenscheidenentzündung) 🙁 eine Frage auf den Nägeln. Was macht eine süchtige Strickerin, wenn sie aus irgendwelchen, z.B. gesundheitlichen Gründen nicht stricken darf?
Vielen Dank an Anja für die heutige Frage!

Liebe Anja, ich kann sehr gut nachvollziehen, wie Du Dich fühlst, denn vor einigen Monaten war ich kurzzeitig in einer ähnlichen Situation. Das ist aber kein Grund, den Kopf in den Sand oder die Stricknadeln in die Tonne zu stecken. Eine Nicht-Strickzeit kann man nämlich wunderbar für organisatorische Arbeiten nutzen, beispielsweise:

  • Wollvorräte durchsehen, ggf. frisch gegen Motten schützen, Aufbewahrungsweise überdenken, nicht mehr Brauchbares entsorgen.
  • Wollvorräte digital erfassen. Ich habe meine seit vielen Jahren in einer Excel-Datei aufgelistet mit Fabrikat, Garnbezeichnung, Zusammensetzung, Lauflänge, Farbe, Menge, eventuell Nadelstärke und, sofern vorhanden, Kaufdatum.
  • Nadeln und Zubehör durchgucken, ggf. sortieren und nicht mehr Brauchbares entsorgen.
  • Bei einer Tasse Tee oder Kaffee die vorhandenen Strickzeitschriften und Bücher durchblättern und Listen mit Wunschmodellen anlegen.
  • Wollvorräte auf Kompatibilität mit diesen Listen überprüfen (das sollte nun schon digital möglich sein) und ggf. Einkäufe planen.
  • Projektliste (queue bei Ravelry oder auf dem eigenen Rechner in einer Excel-Datei) überarbeiten, neue Projekte hinzufügen und die entfernen, die nicht mehr aktuell sind. Liste neu priorisieren und schon mal planen, was man dann als erstes strickt.
  • Sich freuen, dass alles so schön aufgeräumt und vorbereitet ist. 🙂

Die verstrickte Dienstagsfrage 2/2013

Diese Woche stellt das Wollschaf eine Frage von mir:
Welches war das missratenste Strickstück, das Du je angefertigt hast?
Was machte es so schrecklich? Was hast Du letztlich damit gemacht?

Wer strickt, macht Fehler. Wer viel strickt, macht viele Fehler. Folglich habe ich schon ziemlich viele Strickstücke produziert, die mehr oder weniger missraten waren. Welches davon das schlimmste war, kann ich gar nicht mehr sagen. Zu vieles, gerade aus meiner frühen Handstrickzeit vor etwa 30 Jahren, ist schon dem gnädigen Dämmer des Vergessens anheimgefallen.
Die meisten meiner “Katastrophen” zeichnen sich übrigens durch unglückliche Materialwahl aus. Ich glaubte lange, dass man prinzipiell alles aus allem stricken kann, und dann entstanden so seltsame Dinge wie ein Lochmusterpulli aus Bändchengarn (bei dem weder das Muster noch das Garn zur Geltung kamen) oder dieser Rippenpullover aus dicker Baumwolle, der gefühlt eine Tonne wiegt, bei Kälte nicht wärmt und ansonsten allein durch sein Gewicht Schweißausbrüche verursacht.

Im Laufe der Jahre habe ich zum Glück hinzugelernt. Mittlerweile bin ich vorsichtiger beim Kombinieren von Modell und Material geworden. Trotzdem lasse ich mir Freiraum zum Experimentieren; damit ist sichergestellt, dass ich auch in Zukunft von Strick-Katastrophen nicht verschont bleibe. 🙂

Neue Nager

Gestern kam eine Sendung, die nicht in den Briefkasten passte, und natürlich war gerade niemand zuhause, um sie in Empfang zu nehmen. Deshalb holte ich sie heute nach Erledigung des Zweiwochenenden-Einkaufs beim Postamt ab. Ich hatte Glück und erwischte einen Moment, wo nur drei Personen vor mir in der Schlange standen; normalerweise sind es um die dreißig.
Und was war nun in der Sendung drin? Zwei Schachteln wie diese:

Pappschachtel

Und daraus holte ich:

Faire Maus mit Rädchen

Und angeschlossen und in Arbeit sieht es dann aus wie folgt:

Maus, angeschlossen

Eine ist für den Computer zuhause, eine ist für den Büro-Laptop.
Diese Nagetiere sind fair produziert, haben ein biologisch abbaubares Gehäuse und lassen sich im Vergleich zu handelsüblichen Mäusen schnell und problemlos ohne Kettensäge aus der Verpackung befreien, weil sie nicht in dickes Plastik eingeschweißt sind. Wenn Ihr ebenfalls an fairen Mäusen interessiert seid, findet Ihr sie bei Nager IT.

Die verstrickte Dienstagsfrage 1/2013

Kaum hat das Jahr begonnen, da kommt auch schon das Wollschaf. Diese Woche fragt es:
Einige (viele) von euch scheinen ja sehr fleissige Strickerinnen zu sein – fast jede Woche ist ein fertig gestelltes Teil (und kein Kleines) zu bewundern. Und die laufenden “knitmeter” fuehren bald um den Erdball.
Wieviel Zeit verbringt ihr eigentlich taeglich / woechentlich mit Stricken? Haettet ihr gerne (noch) mehr Strickzeit. oder ist eure Strickzeit ausreichend?
Vielen Dank an Connie für die heutige Frage!
Das Wollschaf wünscht allen ein gutes Neues Jahr!

Kann man je genug schlafen? Gibt es genug Schokoladenpudding auf der Welt? Kann Strickzeit jemals ausreichend sein? Das sind alles rhetorische Fragen. Natürlich hätte ich gern wesentlich mehr Strickzeit, genau so wie es mehr (aber nur richtig guten) Schokoladenpudding geben sollte. Strickzeit hat gegenüber dem Schokoladenpudding noch den Vorteil, keine zusätzlichen Kalorien zu enthalten, im Zweifelsfall würde ich mich also für sie entscheiden.
Tatsächlich habe ich an normalen Arbeitstagen etwa eine Stunde Strickzeit pro Tag. Am Wochenende ist es etwas mehr, maximal drei Stunden. Das ist insgesamt nicht besonders viel, verglichen mit der Zeit, die andere aufbringen können. Um überhaupt ab und zu etwas zu schaffen, stricke ich relativ viel mit der Strickmaschine. Und ja, ich hätte wirklich gern mehr Zeit fürs Stricken.

Auf der Suche

Nachdem das zweite Projekt so flott erledigt und der Grobstricker wieder frei war, wollte ich umgehend mit dem “Four Quarters Sweater” von Pam Allen aus dem Buch “Simple Style” anfangen. Die Wolle lag schon bereit, Noro Shinano aus dem – Moment,ich schau nach – November 2003. Nur das Buch mit der Anleitung fehlte.

Ich guckte in den Bücherschrank. “Lace Style” von Pam Allen war da, “Scarf Style” ebenfalls. Simple Style nicht. Wo konnte es sein?
Ich durchpflügte den Essbereich, wo ich einige Projektstapel an- und abgelegt hatte. Einige ältere ADAC-Zeitschriften wurden zutage und umgehend ins Altpapier befördert, das Buch war nicht dabei. Ich dehnte meine Suche aufs Wohnzimmer aus und schichtete diverse Zeitschriftenstapel um, in der Hoffnung, das gesuchte Buch möge sich darunter materialisieren. Es tat mir den Gefallen nicht. Ich befreite das grüne Sofa von sämtlichen darauf parkenden Wollsträngen, aber auch darunter war kein Buch. Im Gästezimmer fuhr ich mit der Suche fort. Es ist ziemlich klein, darin kann man nicht viel verstecken. Das Buch war dort auch nicht. Stattdessen fand ich zwischen zwei anderen Büchern mein seit Monaten vermisstes Nähnadelmäppchen wieder. So hatte sich die Suchaktion wenigstens in dieser Hinsicht gelohnt.

Allmählich wusste ich nicht mehr, wo ich noch nachschauen sollte. Meine Verzweiflung wuchs, und ich spielte sogar mit dem Gedanken, es mir noch einmal bei Amazon zu bestellen. Nur konnte ich es dort nicht finden. Also weitersuchen. Vielleicht hatte es sich im Bücherregal irgendwo nach hinten verkrümelt? Ich holte die Trittleiter (Abraham bis Cosgrove ist im Bücherschrank ganz oben links) und schob die Bücher der Reihe nach säuberlich zurecht, so dass sie eine Flucht bildeten, von Abrahams über Allen, Barth, Bernard, Bordhi, und dann, ja dann… dann kam Ann Budd. Und da stand “Simple Style” ganz unschuldig im Regal. Sein leises Kichern habe ich überhört.

Das Modell, das ich stricken will, ist zwar von Pam Allen, das Buch aber von Ann Budd. Ich hatte einfach und fest entschlossen nach dem falschen Autorennamen gesucht. Okay, bei zirka fünfhundert Büchern nur über Handarbeiten darf einem so ein Lapsus wohl mal passieren.

Immerhin habe ich jetzt nicht nur das Buch, sondern auch mein Nähnadelmäppchen wiedergefunden. Das war’s wert. 🙂