Es kann losgehen – Off we go!

Die Wolle für “Vivian”, zweite Auflage, ist angekommen, 1 kg Qualität “Champ” von Online in Farbe 06, das ist ein helles, gedämpftes Lindgrün (oder warmes Khaki). Ich habe es bei Martina Schimbach gekauft und bin erfreut über die zügige Lieferung.
Mit meiner ersten “Vivian” aus dem Originalgarn, einer Seide-Wollmischung, war ich nicht hundertprozentig glücklich, weil das Garn sehr schwer ist und trotz festen Verstrickens pillt. Nun probiere ich es mit einer leichteren reinen Schurwolle. Die hat 150 m auf 100 g, während das Originalgarn 110 m auf 100 g hat. Anfangen werde ich voraussichtlich am kommenden Montag, denn zur Zeit habe ich noch einen kurzärmeligen Pulli und eine Jacke in Arbeit, und wenigstens eines der Teile möchte ich zuvor noch fertigstellen.

Online Champ Farbe/colour 06

The wool for “Vivian”, second edition, has arrived. 1 kg of Online “Champ” in colour 06, which is a light, but muted pastel green (or warm khaki). I bought at Martina’s Bastel- und Hobbykiste, and I’m delighted with the quick delivery.
I was not perfectly happy with my first “Vivian”, made with the original silk-wool mix. The yarn is quite heavy, and there is considerable pilling, although I knitted tightly. Now I’m going to try a lighter, pure new wool. It has 150 metres per 100 g, whereas the original yarn has 110 m per 100 g. I’ll start on Monday because currently there are a short-sleeved top and a cardigan on my needles, and I want to finish at least one of them before I cast on for something new.

Die verstrickte Dienstagsfrage 11/2010

Das Wollschaf fragt heute:
ich lese in etlichen Blogs mit und bin immer wieder fasziniert, was für tolle Modelle dort gestrickt werden und – gebe ich zu – auch etwas neiderfüllt. Ich stricke selbst sehr gern, kann aber nur ganz einfache Sachen (Socken, einfache Lochmuster), zu mehr reicht es irgendwie nicht. An Strickschriften und Vorlagen bin ich bisher noch jedesmal frustriert gescheitert, weil ich damit nicht klarkomme, und Pullover etc. auf meine Größe umrechnen ist mir ein Buch mit sieben Siegeln. Ich lerne am besten, wenn mir jemand konkret zeigt, wie es geht, aber so jemanden gibt es in meiner Umgebung leider nicht.
Wie habt ihr so gut stricken gelernt? Learning by doing? Stricktreff irgendwo? Mama, Tante, Oma? Was ratet ihr jemandem, der nur Grundkenntnisse im Stricken hat – wie lernt man besser und komplizierter stricken und z.B. Vorlagen “lesen”?
Herzlichen Dank an Karin für die heutige Frage!

Die Grundbegriffe des Strickens, also Maschen anschlagen, rechte und linke Maschen stricken, abketten habe ich als Kind gelernt. Alles weitere, auch Musterstricken, habe ich mir selbst als Erwachsene beigebracht, indem ich mich hingesetzt und es ausprobiert habe. Eine besonders fachkundige Strickerin bin ich aber auch nach Hunderten von Pullovern und Socken nicht, weil ich viele Spezialtechniken (z.B. Fair-Isle mit Steeks oder Socken von der Spitze, um nur zwei Beispiele zu nennen) niemals praktiziert habe. Man kann auch mit mittelmäßigen Kenntnissen und Fähigkeiten mehr Trag- und Brauchbares produzieren als so manches Experimental-Genie und braucht sich nicht zu schämen, wenn man nicht alle tollen Techniken beherrscht.

Strickschriften lesen lernt man am besten, indem man mit einfachen Sachen anfängt, beispielsweise mit Rechts-Links-Mustern nach Diagramm. Dabei sollte man im Hinterkopf behalten, dass verschiedene Verlage oder Designer auch verschiedene Symbole für ein und dieselbe Maschenart verwenden können, weil es nicht nur eine Art von Strickschrift gibt. Zuerst liest man deshalb die Legende, d.h. die Beschreibung der Symbole. Darin steht, was mit einem bestimmten Symbol gemeint ist. Wenn man dann noch ein gutes Stricktechnik-Buch zum Nachschlagen zur Hand hat, in dem beispielsweise beschrieben ist, wie denn nun eine Masche links verschränkt oder rechts überzogen zusammengestrickt wird, dann klappt’s auch mit den Strickschriften. Das bewahrt einen natürlich nicht vor eigenartigen Bezeichnungen und Umschreibungen in manchen Anleitungen (z.B. die von Garnstudio, bei denen sich mir regelmäßig das Hirn zerkräuselt und die ich deshalb meide wie die Pest). Wenn man also mit bestimmten Anleitungen überhaupt nicht klar kommt, dann sollte man einfach mal testen, ob einem andere Bücher, Zeitschriften, Internet-Sites mehr liegen. Es liegt nämlich nicht immer an der Strickerin, wenn eine Anleitung scheinbar nicht funktioniert.

Das Berechnen von Maschen und Reihen ist eine gänzlich andere Baustelle und hat mit Strickkenntnissen überhaupt nichts zu tun. Hier ist nur zweierlei gefragt:
Erstens, die richtigen Maße ermitteln. Das geht durch Ausmessen an der Person oder an einem gut passenden Kleidungsstück.
Zweitens, aus den Zielmaßen und der Maschenprobe die richtigen Maschen- und Reihenzahlen ermitteln. Das ist in erster Linie Dreisatz und ein bißchen zusätzliche Arithmetik für Schrägungen und dergleichen. Mir hat mal ein bekennender Nichtstricker erzählt, dass er als Zwölfjähriger die Ärmelzunahmen für die Pullover seiner Mutter berechnet hat. Man muss keine einzige Masche stricken können, um Maschen- und Reihenzahlen auszurechnen. Und für Strickerinnen mit Mathe-Phobie und ohne rechenfreudige Kinder gibt es Programme, die das Ausrechnen übernehmen.

Die verstrickte Dienstagsfrage 10/2010

Das Wollschaf fragt:
Viele von uns (ich auch) leben mit einer Konfektionsgröße jenseits der 42. Die Strick-Anleitungen für Übergewichtige sind nicht gerade üppig.
Meine Frage zielt zwar auf “Menschen mit größerem Format” ab, aber auch die Antworten von Normalgroßen und -gewichtigen sind interessant, man kann die Antworten auch auf Teilbereiche beschränken. Natürlich geht es da auch ins Persönliche, aber ich habe bereits festgestellt, dass es ein großes Interesse gibt, darüber zu sprechen.
Sollen Übergewichtige Strickkleidung tragen oder darauf verzichten?
Als Betroffene(r): Strickst du für dich Pullis und Jacken oder lieber nur Tücher, Socken oder Accessoires?
Welche Schnitte sind vorteilhaft? Welche Garne?
Welche sind abzulehnen?
Änderst du herkömmliche Anleitungen auf deine Figur ab oder entwirfst du eigene Designs?
Wo gibt es geeignete Anleitungen oder Stricktipps für die stärkere Figur? (Bücher, Hefte, Websites, welche?)
Bitte auch welche in deutscher Sprache.
Herzlichen Dank an Reni für die heutige Frage!

Danke, das ist mal eine wirklich interessante Frage, über die man ganze Bücher verfassen könnte, sofern nicht einige davon schon geschrieben wären.

Ja, auch Übergewichtige können und sollen Strickkleidung tragen. Wie sollen sie es sonst bei den momentanen Minusgraden (heute früh waren es hier minus 13) warm haben?

Ich bin zwar selbst nur mäßig übergewichtig, aber selbstverständlich stricke ich für mich und andere, noch dickere Personen gern warme und kleidsame Pullover und Jacken. Ein gut geschnittener Pullover kann optisch übrigens schlanker machen als ein malerisch drapiertes Tuch.

Natürlich kann jede(r) gern stricken und tragen, wozu er/sie Lust hat, auch wenn’s letztlich am Leib aussieht wie das orientalische Prunkzelt Augusts des Starken. Wenn ich mir etwas stricke, möchte ich jedoch, dass es ansprechend wirkt und möglichst ein paar Pfunde wegmogelt. Das Buch “Big Girl Knits” gibt gute und ausführliche Tipps, welche Schnittform sich bei welcher Figur positiv auswirkt. Auch in Maggie Righettis “Sweater Design in Plain English” findet man reichhaltige Informationen zur Schnittgestaltung bei problematischer Figur.

Von extrem dicken Garnen würde ich Abstand nehmen. Die fügen nicht nur optisch etliche durchaus entbehrliche Zentimeter Umfang hinzu; das Kleidungsstück wird damit auch sehr schwer, was den Sitz beeinträchtigen kann. Problematisch finde ich persönlich auch viele Effektgarne. Fransen- oder Bommelgarn eignen sich gut für Akzente, aber ein kompletter Pulli aus solchem Material würde mir an keiner erwachsenen Person (egal wie dick oder dünn) gefallen.

Ich bin altmodisch und glaube, dass senkrechte Linien bei Übergewicht vorteilhafter wirken als waagerechte. Deshalb finde ich quer geringelte Fair-Isle-Pullover für große Größen meistens scheußlich, auch wenn sie als Inbegriff strickerischer Kunstfertigkeit gelten. Es gibt genügend Fair-Isle-Muster, die senkrechte Musterbetonungen haben. Berühmtes Beispiel: Henry VIII von Alice Starmore. Man muss ja nicht genau dieses Muster in diesen Farben stricken, aber solche senkrechten Verläufe sind auch für fülligere Frauen kleidsam.

Die bestgeeignete Schnittform hängt von der individuellen Figur ab. Gerade bei üppigeren Frauen kann die Verteilung der Pfunde ja sehr variieren, die eine hat mehr Busen, die andere mehr um die Hüften. So etwas versuche ich beim Schnitt zu berücksichtigen. Zur Gesamtsilhouette tragen auch die Länge der Beine oder des Halses bei, und die Halslänge kann z.B. mitentscheidend für die günstigste Ausschnittform sein.

Ich kenne meine eigene Figur mittlerweile ganz gut und glaube zu wissen, was mir steht und was nicht so sehr. Entsprechend wähle ich Anleitungen aus, ändere sie für mich ab oder entwerfe gleich komplett selbst. Die Kapitel für große Größen in Zeitschriften sind dabei immer für Anregungen gut.

Ja, ich stricke noch – Still knitting

Infolge anderer Verpflichtungen wird bei mir derzeit nichts fertig. Nicht einmal an der Strickmaschine, obwohl das eigentliche Stricken damit ja deutlich schneller geht als von Hand.

In Arbeit ist zur Zeit am Grobstricker ein Pullover mit Doppelbett-Vorlegemuster. Man strickt über alle Nadeln am hinteren Nadelbett und jede 4. Nadel am vorderen, dazu halber Versatz, weil sonst die Nadeln gegeneinander krachen. Die VNB-Nadeln stricken nur in jeder 2. Reihe mit. Das ergibt plastische Längsstreifen. Ich mag dieses Muster sehr gern, und man kann es vielseitig abwandeln. Man kann z.B. nur jede 6. Nadel am VNB stricken lassen oder zwei VNB-Nadeln nebeneinander und dann einen größeren Abstand lassen.

Nicht hundertprozentig zufrieden bin ich mit dem Garn. Austermann Microlana Fine ist eine sehr weiche Mischung aus Schurwolle und Microfaser. Obwohl der Hersteller eine Maschenprobe von 18 M auf 0 cm angibt, erscheint mir das Gestrick recht locker. Ich hoffe, dass das Vorlegemuster dazu beiträgt, es zu stabilisieren.

Vorlegemuster - slip stitch pattern

Due to other obligations, I don’t succeed in finishing something. Not even on the knitting machine, although the pure knitting is much faster with it than by hand.

My current WIP is a chunky sweater with double bed slip stitch patterning. You work over all needles on the back bed and every 4th needle on the front bed, racking handle of course to half pitch to avoid clashing (and subsequently damaged) needles. The front bed needles knit only every second row. This results in raised vertical stripes. I like this pattern very much, and it can be easily modified, e.g. by putting only every 6th needle on the front bed in work or two adjacent needles and then a larger space between the next pair.

I’m not perfectly satisfied with the yarn. Austermann Microlana Fine is a very soft mixture of pure new wool and microfiber. The manufacturer states a gauge of 18 stitches per 10 cms, but this seems rather loose to me. I hope the slip stitch pattern will add to a firmer structure.

Rollkragen-Ersatz – Polo neck substitute

Bereits vergangenen November hatte ich mir ja das Modell Nr. 7 aus der Winter-Verena gestrickt. Der Ausschnitt ist ziemlich weit, obwohl ich ihn schon erheblich enger gemacht habe als im Original. Damit ich auf jeden Fall einen warmen Hals behalte, habe ich aus einem Rest-Knäuel nun einen passenden kleinen Möbius-Schal gestrickt. Mein erster Versuch, in einem Lochmuster, fiel so abscheulich aus, dass ich ihn postwendend wieder aufzog. Davon gibt’s auch kein Foto. Ich strickte dann in einem einfachen Rippenmuster (zwei Reihen rechts, zwei Reihen links), und diesmal kam ein gutes Ergebnis heraus. Der Vorteil dieses Musters ist auch, dass man einfach aufhören und abketten kann, wenn das Knäuel sich dem Ende nähert.
Gestrickt aus 50 g Gedifra “Riana” mit Rundstricknadel 100 cm, Stärke 5,5 mm, Anschlag etwa 96 Maschen.

Möbius-Schal aus Gedifra Riana

Way back in November I made sweater no. 7 from the Verena Winter 09 issue. Its neckline is rather wide although I already made it considerably narrower than the original. To keep my throat warm in any case, I just finished a matching little Moebius scarf from a leftover ball. My first attempt, in a lace pattern, turned out so hideously that I unravelled it immediately. There isn’t even a photo to tell. Then I switched to a simple rib pattern (two knit rows, two purl rows alternating), and this time all was well. One advantage of this pattern is that you can stop and cast of any time when you get to the end of the ball.
Made of 50 g of Gedifra “Riana”, circular needle 100 cm length, size 5.5 mm, cast-on about 96 stitches.

Die verstrickte Dienstagsfrage 06/2010

Das Wollschaf fragt:
Manche Sachen beginnt man mit Enthusiasmus und beendet sie dann unwillig oder gar nicht, aber es gibt Modelle, da bedauert man geradezu, wenn sie fertiggestrickt sind. Es geht mir in meiner Frage um den Prozess des Strickens und nicht um das fertige Stück.
Welches war das absolute Lieblingsprojekt, das ihr gestrickt habt? Was hat es dazu gemacht (Garn, Muster, Schnitt …)?
Habt ihr dann noch ein weiteres Modell gleicher Art gefertigt?
Gibt es auch ein Hass-Objekt?
Herzlichen Dank an Michaela für die heutige Frage!

So richtig bedauert habe ich es eigentlich noch nie, wenn ein Strickstück endlich fertig war. Aber es stimmt schon, an manchen Projekten strickt man lieber als an anderen.
Ein solches Lieblingsprojekt war “Portland” aus Rowan Magpie Aran. Das hat richtig Spaß gemacht. Das Muster war abwechslungsreich, das Garn ließ sich prima verstricken, und es war abzusehen, dass das Endprodukt auch ein Erfolg sein würde. Diesen Pullover trage ich zur Zeit sehr oft, weil er schön warm ist, und er wird immer wieder bewundert. Ein zweites Mal werde ich ihn aber sicher nicht stricken, weil ich ihn ja nun schon in optimaler Form habe. Ein Kandidat für einen zweiten Versuch ist eher ein Modell, das beim ersten Mal nicht so toll geworden ist und bei dem man die Fehler des ersten Versuchs vermeiden möchte. Die Jacke “Vivian” will ich zum Beispiel ein zweites Mal aus besser geeignetem Garn stricken.
Hass-Objekte gibt es natürlich auch. Ein solches habe ich kürzlich reuelos entsorgt. Es war der Anfang des Modells Nr. 50 aus der Herbst-Verena. Das Muster war zwar sehr schön, aber das Garn einfach scheußlich zu verstricken. Deshalb habe ich daraus etwas mit der Strickmaschine angefertigt, das war weniger mühsam, und dem Empfänger war es einerlei, solange es etwas Warmes, von mir Gestricktes war. Die bereits von Hand verarbeiteten 200 g, die ich für das Maschinen-Projekt nicht mehr benötigte, kamen in den Müll. Ich bin froh, von dieser Wolle nichts mehr im Haus zu haben.

Endlich wieder etwas fertig – Something finished, finally

In der letzten Zeit war dieser Schal mein Mitnahmegestrick. Er besteht aus 200 g Noro Kureyon in Farbe 115. Ich habe quer über 250 Maschen mit Nadelstärke 5,5 mm gestrickt, immer zwei Reihen obenauf links und zwei Reihen obenauf rechts, und alle zwei Reihen das Knäuel gewechselt, um einen etwas lebhafteren Farbwechsel zu erzielen. Die Schmalseiten sind mit angestrickter I-cord eingefasst. Der Schal ist 210 cm lang und etwa 18 cm breit.
Dies war hoffentlich das letzte Projekt, das ich mit den austauschbaren KnitPro Nadeln gestrickt habe. Inzwischen sind diverse herkömmliche Addi Rundstricknadeln eingetroffen, deren Seile auf mich deutlich zuverlässiger wirken.

Schal/scarf, 200 g Noro Kureyon

Recently, this scarf was my portable project. It is made of 200 g Noro Kureyon in colour 115. I worked “sideways” on 250 stitches with 5,5 mm needles, alternating two rows knit and two rows purl, and I changed the ball every two rows to achieve a more vivid change of colours. The narrow sides are enclosed with knitted-on I-cords. The scarf is 210 cm long and about 18 cm wide.
This was, I hope, my last project made with the convertible KnitPro needles. Meanwhile several nice conventional pairs of Addi circular needles have arrived, whose cables have a much more reliable look.

Die verstrickte Dienstagsfrage 04/2010

Das Wollschaf fragt:
Gibt es ein Projekt, dass Ihr seit längerem (Monate? Jahre? Jahrzehnte?) stricken wollt, an das Ihr Euch aber bisher nicht drangemacht habt? Wenn ja, warum nicht?
Herzlichen Dank an Jinx für die heutige Frage!

Tja, Leute, jetzt kommt ans Licht, was ich seit Jahrzehnten sorgfältig zu verbergen versuche: Ich bin unorganisiert, unordentlich, schlampig und undiszipliniert.
Um zu wissen, ob und dass ich vielleicht ein Projekt seit langer Zeit stricken will, müsste ich mir das nämlich irgendwann notiert haben. Und genau das mache ich nicht. Klar doch, es gibt da die “Queues” und die “Favorites” bei Ravelry, ganz zu schweigen von den kilometerlangen “Tapetenrollen”, die jede ernstzunehmende Strickerin öffentlich oder insgeheim führt. Ich bestaune, wie andere damit umgehen und endlose Mengen von Projekten für die nächsten hundertfünfzig Lebensjahre bunkern. Nehmt’s mir meinetwegen übel, aber für solcherlei Planung fehlen mir Lust und Disziplin. (Wennschon planen, dann lieber Essenspläne fürs nächste Jahrzehnt erstellen, daran hätte ich mehr Spaß und das empfände ich noch als nützlich und hilfreich.)
Ja, und mangels ordnungsgemäßer Buchführung bei meinen Strickprojekten kann ich die heutige Frage nicht wirklich beantworten. Ich hatte schon überlegt, lieber gar nichts zu schreiben, aber in Anbetracht der Wertekultur der Fragestellerin überkam mich dann doch eine anarchistische Lust, mich dem Mainstream entschlossen entgegenzustemmen. 😉

Schon wieder – Again!

Als ich gestern im Bus unterwegs war und an meinem derzeitigen Mitnahmeprojekt stricken wollte, löste sich wieder einmal ein Schraubgewinde von seinem Knitpicks-Kabel. Das war diesmal besonders unangenehm, weil besagtes Mitnahmeprojekt ein quer gestrickter Schal mit 250 Maschen ist. Leider habe ich keine andere Nadel in 5,5 mm Stärke, so dass ich einstweilen mit dem vorletzten unversehrten Knitpicks-Kabel weitermachen werde. Aber dies ist wirklich das letzte Mal, dass ich mich mit Knitpicks herumärgere; für meine nächsten Projekte nehme ich wieder normale, zuverlässige Addi Rundstricknadeln, die ich in der fehlenden Stärke inzwischen bestellt habe.

I was on my way by bus yesterday and knitting on my current portable project, when all over sudden, once again, the screw thread of a Knitpicks cable decided to separate from the plain cable part. It was particularly nasty this time because said portable project is a sideways knit scarf with 250 stitches. Unfortunately, I don’t have another 5.5 mm needle, so I must, for the time being, continue with my penultimate intact Knitpicks cable. But this really is the last time that I’m struggling with Knitpicks; for my next project ordinary and realiable Addi circular needles (I’ve now ordered some in 5.5 mm) will be used.

Die verstrickte Dienstagsfrage 3/2010

Das Wollschaf hat heute eine sehr komplexe Frage von Herzdame, und ich gehe die Einzelfragen mal der Reihe nach durch:

Ich würde gern wissen, wie ihr eure Pullover entwerft. Strickt ihr nur nach fertigen Anleitungen?
Ich stricke nicht nur nach fertigen Anleitungen, sonst könnte ich meine Garnvorräte, die teilweise Jahrzehnte alt sind, nie aufbrauchen. Viele Designs entwickle ich passend zu einem Garn und natürlich entsprechend der vorhandenen Menge.

Rechnet ihr diese im Zweifel um oder hofft ihr einfach das Beste?
Wenn das Endprodukt einer bestimmten Person gut passen soll, überprüfe ich erst einmal die Maße im Schnitt, sofern möglich. (Manchmal geht das nicht richtig, das war z.B. bei meiner “Vivian”-Jacke so. Deshalb sind mir die Ärmel zu lang geraten. Ich beabsichtige, die Jacke noch einmal zu stricken und werde dann die Ärmel um einen Mustersatz kürzen.) Passen die Schnittmaße zum geplanten zukünftigen Besitzer, dann geht es an die Maschenprobe. Auf ihr basieren die Berechnungen für die zu strickenden Maschen und Reihen. Das Beste zu hoffen ist mir zu riskant. Außerdem macht Planen und Rechnen mir Spaß.

Habt ihr vielleicht einen Idealpullover daheim, an dem ihr euch orientiert?
Ich habe gut passende, über die Jahre optimierte Grundschnitte, die ich nach Bedarf modifiziere. Wenn man jedes Modell nach dem Ausarbeiten auf guten Sitz und Kleidsamkeit überprüft, ist es kein Problem, einen Grundschnitt Schritt für Schritt zu perfektionieren. Wer stattdessen Misslungenes sofort frustriert in die Tonne tritt, ohne wenigstens die Fehler zu analysieren und daraus zu lernen, dem ist wohl nicht zu helfen.

Malt ihr einen Schnitt auf Zeitungspapier?
Nein, denn ich stricke viel mit Maschine, und dabei kann man das entstehende Teil sowieso nicht messen, geschweige denn auflegen. Auch beim Handstricken verlasse ich mich lieber auf die Maschenprobe und eine ordentliche Berechnung. Da braucht es keinen Papierschnitt. Ich male mir allerdings bei komplexen Schnitten gern kleine Miniatur-Schnittschemata, damit es übersichtlicher ist.

Oder nutzt ihr gar eine Software, und wenn ja: welche und wie sind eure Erfahrungen damit?
Seit vielen Jahren nutze ich das Programm DesignaKnit. Es ist teuer und lohnt sich eigentlich nur, wenn man viel und vorzugsweise mit einer elektronischen Strickmaschine strickt. Da ich früher viele Auftragsarbeiten gestrickt habe, hat es sich für mich amortisiert. DesignaKnit hat diverse Einschränkungen, beispielsweise kann es keine Teile mit Löchern drin berechnen (z.B. das Loch für den Kopf bei einem Pullover in einem Stück), und es erlaubt auch nur maximal eine Maschenprobe pro Teil. An die Beschränkungen habe ich mich gewöhnt und komme damit gut zurecht. Ich würde dieses Programm jedoch nur Leuten empfehlen, die fähig und willens sind, sich auf seine spezielle Logik einzulassen. Es liest einem nicht die Wünsche von den Augen ab.