Die verstrickte Dienstagsfrage 46/2009

Das Wollschaf fragt:
Ich fange ein neues Strickstück immer mit viel Enthusiasmus an – es ist einfach toll, neue Wolle anzustricken. Aber mit dem Fertigstellen hapert es bei mir noch, das fordert viel Durchhaltevermögen. Wenn dann mal etwas fertig wird, habe ich richtig Trennungsschmerz und bin traurig, dass es vorbei ist. Geht es Euch ähnlich?
Herzlichen Dank an Anke für die heutige Frage!

Ich fürchte, ich bin da aus der Art geschlagen. Es kostet mich oft viel Zeit, mir zu überlegen, was ich aus einem bestimmten Garn machen will oder welches Garn für ein Projekt am besten geeignet wäre. Schließlich sollen Garn und Muster bzw. Modell ein perfektes Ganzes ergeben. Und bevor ich die erste Masche anschlage, wird alles vollständig durchgeplant. Das braucht Zeit, und deshalb habe ich oft Startschwierigkeiten, weil ich mir nicht sicher bin, ob die geplante Vorgehensweise wirklich die beste ist.
Ist ein Modell jedoch erst einmal angefangen, dann geht es in den meisten Fällen ziemlich flott mit der Fertigstellung. Ein UFO wird es nur, wenn mich zwischendurch Zweifel überkommen, ob meine Ideen so gut waren, oder wenn es Schwierigkeiten mit der Anleitung gibt. Deshalb stricke ich am liebsten nach eigenen Entwürfen, dann muss ich mich nicht über halbgare Details ärgern.
“Trennungsschmerz” kenne ich nicht. Ich freue mich, wenn ein Strickstück fertig ist und verwendet werden kann.

Es musste sein – It had to be

Aufgrund eines AnSTuPsers von Annie musste ich für ein bestimmtes Projekt passendes Garn beschaffen, denn in meinem Vorrat war nichts Geeignetes vorhanden.
Heute stattete ich dem örtlichen Wollgeschäft einen Besuch ab. Dem Verkäufer (jawoll, ein Mann) schilderte ich genau, was ich suchte: Ein Farbverlaufsgarn und ein einfarbiges, geeignet für Nadelstärke 5 und eine ungefähre glatt-rechts-Maschenprobe von 18 Maschen auf 10 cm. Er zeigte mir mehrere Garne von ONLine und Gedifra, die aber für meinen Geschmack zu dick waren. Schließlich fanden sich in einer Ecke des Ladens zwei Pakete Gedifra “Riana”, eins in Dunkelbraun, eins in Beigetönen. Die nahm ich. Eine Maschenprobe ist bereits gestrickt und sieht vielversprechend aus.

Gedifra Riana / Riana Color

Due to some initial support from Annie, I had to find a suitable yarn for a certain project, as I had nothing in my stash that would do.
Today, I paid a visit to the local yarn store. The shopkeeper (a man indeed) was informed that I needed a self-striping yarn and a plain one, suitable for 5 mm needles and yielding a swatch of 18 stitches per 10 cm. He showed me several yarns from ONLine and Gedifra, which I thought were too thick. Eventually he unearthed two packages of Gedifra “Riana” from a corner of the store, one in dark brown, the other in shades of beige. I bought them. A swatch is already done, looking promising.

Paint Box Sweater, Finale

Er ist fertig gestrickt, zusammengenäht, gewaschen und passt hervorragend: Der Paint Box Sweater aus “Knit one, stripe too”. In der Wäsche haben sich die Reihen zusammengezogen und die Maschen gestreckt, so dass die Gesamtlänge nun etwa 60 cm beträgt und die Weite 102 cm. Die Halsblende besteht aus drei Runden glatt links und rollt sich leicht nach innen um die Kante herum. Für den Bund habe ich kraus in Runden gestrickt, bis das Garn fast aufgebraucht war.
Das Garn (Noro Cashmere Island) ist so weich, dass man es auch problemlos auf der Haut verträgt. Der einzige Nachteil dieses Pullovers: Die Farben stehen mir überhaupt nicht. Blau, Grau und Lila sind nichts für mich. Ich werde ihn deshalb verschenken.
Mich wundert ein wenig, dass offenbar kaum jemand bisher diesen Pulli gestrickt hat. Das hat er eigentlich nicht verdient. Zugegeben, er ist einfach zu stricken und keine große Herausforderung für Freunde von üppigen Mustern. Dafür sind die senkrechten Streifen auch für fülligere Figuren kleidsam, und Garne mit langem Farbverlauf kommen damit gut zur Geltung. Martingale hat mittlerweile eine Korrektur (PDF) für die Anleitung auf der Website veröffentlicht.

Paint Box Sweater

Paint Box Sweater, Hals/neckline

It is finished, sewn together, laundered and fits perfectly: The Paint Box Sweater from “Knit one, stripe too”. In the wash, the rows tightened and the stitches extended so that the length now is about 60 cm and the width 102 cm. The neckband is made of three rounds of purl stitches, it turns slightly to the inside around the neck edge. For the waistband, I worked in rounds of garter stitch until the yarn was almost used up.
The yarn (Noro Cashmere Island) is so soft you can wear it next to your skin. The only drawback of this garment: The colours don’t suit me at all. Blue, gray and purple are not for me. This sweater will be given to someone else.
I’m a bit surprised that hardly anybody seems to have knitted this garment. It does not deserve this neglection. Admittedly, it is easy to knit and not a challenge for those who like opulent patterning. But the vertical stripes are becoming even for more corpulent figures, and self-striping yarns with longer repeats come into their own here. Martingale meanwhile has published corrections (PDF) for this instruction.

Die verstrickte Dienstagsfrage 44/2009

Das Wollschaf fragt:
Wer zu stricken beginnt, kauft Wolle, und das natürlich gemäß seinen Vorlieben bzw. den Projekten. Ich habe festgestellt, dass die Wolle, die ich zu Anfang meiner noch relativ kurzen Strickkarriere kaufte, eine andere ist, als die, die ich heute bevorzuge, dasselbe gilt für die Projekte. Wie ist das bei Euch?
Herzlichen Dank an Jinx für die heutige Frage!

Kein Kind wird für die erste Geigenstunde eine Stradivari in die Hand bekommen, als ersten Kochversuch wird man nicht gerade Filet Wellington mit Trüffelsauce zubereiten, und ich kenne niemanden, der als erstes Strickprojekt einen Kaschmirpullover begonnen hat. Gerade wenn man noch nicht weiß, ob man ein Hobby mögen wird, investiert man üblicherweise kein Vermögen. Erst wenn sich herausstellt, dass man Freude daran hat und brauchbare Ergebnisse produziert, wird man sich überlegen, wie diese Ergebnisse noch besser werden können, beispielsweise indem man erstklassige Rohstoffe und hervorragendes Werkzeug verwendet.
Insofern: Ja, ich stricke heute aus anderen Garnen und mit anderen Nadeln als vor 25 Jahren, als ich ernsthaft wieder mit dem Stricken begann. Meine Vorlieben bezüglich der Projekte haben sich jedoch nicht wesentlich geändert. Ich mag immer noch lieber größere Projekte als Kleinkram, und ich bevorzuge nach wie vor schlichte, vielseitig tragbare Sachen. Gerade weil ich mir die teure Wolle aus den Anleitungsheften damals nur selten leisten konnte, habe ich die meisten meiner Projekte selbst umgerechnet und nach meinem Geschmack modifiziert; daran hat sich ebenfalls nichts geändert.

Die verstrickte Dienstagsfrage 43/2009

Das Wollschaf fragt:
Inzwischen gibt es ja Stricknadeln aus allen möglichen Materialien: aus Kunststoff, Bambus, Edelhölzern oder Metall. Wie müssen die Nadeln beschaffen sein, die Ihr bevorzugt und welche Erfahrungen habt Ihr mit den verschiedenen Materialien gemacht?
Herzlichen Dank an Anke die für die heutige Frage, die auch von der Raglannudel und von Tanja gestellt wurde!

Auf diese Frage kann ich mit einem klaren “es kommt drauf an” antworten. Die optimalen Nadeln sollen spitz genug sein, um Maschen mühelos zusammenstricken zu können und so stumpf, dass sie den Faden nicht zerteilen. Sie müssen so glatt sein, dass ich nicht ständig die Maschen nachschieben muss und ausreichend griffig, damit die Maschen nicht unkontrolliert von den Nadeln rutschen. Daraus resultiert, dass ich verschiedene Materialien gegebenfalls mit unterschiedlichen Nadeln verarbeite. Generell komme ich gut mit Metallnadeln zurecht, mag aber gerade beim Stricken mit dem Nadelspiel gern Kunststoff, Bambus oder Holz, weil diese Materialien leichter und nicht zu rutschig sind.
Stumpfe, zu dicke Seile bei Rundstricknadeln und hakelige Verbindungen zwischen Nadel und Seil, an denen das Garn hängen bleibt, kann ich nicht leiden. Solche Nadeln werden rigoros entsorgt oder möglichst gar nicht erst gekauft.

Überlegungen zu “Vivian” – Considering “Vivian”

Im Juni wurde die Jacke “Vivian” fertig, aber den Sommer über war es zu warm, sie anzuziehen. Erst in den vergangenen Tagen habe ich sie einige Male getragen.
Mein Fazit für alle interessierten Kreise:
Die Ärmel sind mir definitiv zu lang. Ein Mustersatz weniger hätte völlig ausgereicht, um immer noch eine modische Länge zu erzielen.
Die Kapuze ist extrem knapp. Ein Mustersatz mehr hätte hier nicht geschadet.
Das Garn, so schön es aussieht, ist in Anbetracht des Preises eine Enttäuschung. Es pillt bereits nach kurzer Zeit und relativ wenig Beanspruchung. Ich weiß schon jetzt, dass ich an dieser Jacke nicht lange Freude haben werde. Deshalb werde ich irgendwann eine zweite Version stricken, mit kürzeren Ärmeln, größerer Kapuze, vor allem aber aus strapazierfähiger Schurwolle.

Vivian Jacke

In June, the “Vivian” jacket was finished, but all summer long it was too hot to put it on. Only recently I wore it several times.
My conclusions for all circles interested:
The sleeves are definitely too long for me. One repeat less would have been perfectly sufficient to achieve a fashionable length.
The hood is extremely tight. One more repeat would have done no harm.
The yarn, as beautiful as it looks, is a disappointment considering the stiff price. It has started pilling after a very short time and not much wear. I already know that it won’t last long. Therefore I’m going to knit a second jacket somewhen, with shorter sleeves and a larger hood, but first and foremost with a hard-wearing pure new wool.

Verena Winterausgabe – Verena Winter issue

Heute habe ich es endlich geschafft, mir das Heft zu sichern, nachdem ich bereits bei Tina darüber gelesen hatte. Ich finde diese Ausgabe sehr gelungen. Wenn ich schreibe, was mir am besten daran gefällt, werdet Ihr alle lachen: Ich finde es großartig, dass jetzt bei jedem Modell dabei steht, wer es entworfen hat. Außerdem ist es natürlich super, dass die Redaktion endlich mal ganz viele Modelle in meinen Lieblingsfarben (Beige, Sand, Natur, Creme, Ocker, Hellbraun, Grün etc.) anbietet.
Das Modell 7 gefällt übrigens mir gut, obwohl es nicht in Beige ist. 🙂 Es lässt sich bestimmt gut auf dem Grobstricker arbeiten. Und beim Modell 9 (das farblich für mich natürlich ungeeignet wäre) könnte ich schwören, dass es mit der Strickmaschine gestrickt ist. Das Muster habe ich ganz sicher schon mal irgendwo gesehen.

Verena Winter 2009

Verena Winter 2009, Modell 7
Modell 7, design no. 7

Verena Winter 2009, Modell 9
Modell 9, design no. 9

Today I finally managed to buy the winter issue, having read about it at Tina’s blog. I think this issue is a real success. And you may laugh when you read what I like best: I think it’s great that, finally, with each design, the designer’s name is given. Apart from this, it is of course wonderful that the editors offer so many garments in my favourite colours (beige, sand, ecru, cream, ochre, light brown, green etc.).
By the way, I like design no. 7, although it is not beige. 🙂 It will probably be easy to knit on a chunky machine. And I could have sworn design no. 9 (which, of course, would be unsuitable for me, colourwise) was done on a knitting machine. I’m sure I’ve have seen the pattern somewhere else.

Paint Box Sweater

Derzeit habe ich relativ wenig Zeit zum Stricken. Mit dem Paint Box Sweater komme ich nur langsam voran, aber die Hälfte ist immerhin geschafft. Das Vorderteil ist fertig bis zum Ende des Halsausschnitts, beim Rückenteil ist ungefähr die halbe Breite erreicht. Dabei fiel mir auf, dass auch die korrigierte Anleitung noch nicht ganz perfekt ist; der Mustersatz von acht Reihen müsste fürs Rückenteil und die mittlere Größe zehn- statt sechsmal gestrickt werden. Aber das kann man relativ leicht auszählen.
Auf dem Bild sieht das Leibteil sehr breit aus; und es kommen ja noch die Reihen für die rechte Schulter hinzu. Aus Erfahrung weiß ich aber, dass die Reihen bei einem quer gestrickten Modell sehr eng zusammenschnurren, man braucht viel mehr Reihen. Stabiler wird die Form dann noch, wenn Bündchen und Halsblende über nicht zuviele Maschen angestrickt wurden.

Paintbox, halb fertig, half finished

Currently I don’t have much time for knitting. Progress on the Paint Box sweater is slow, but half of it is done so far. The front is finished up to the end of the neckline, and about half of the back is done. I noticed that even the corrected instruction still is not quite okay; the eight row repeat should be worked for the back in the medium size ten times instead of six. But is is rather easy to count the repeats here.
In the photo, the body looks quite wide, and the rows for the right shoulder are still to be added. But from experience I know that the row gauge for sideways knit garments differs from normal knitting; you need considerably more rows. The shape will be stabilized by knitting the welt and neckband over fewer stitches.

Die verstrickte Dienstagsfrage 41/2009

Das Wollschaf fragt:
Wie haltet Ihr es mit Euren Garnresten? Versucht Ihr, alles bis aufs letzte Gramm zu verstricken? Was macht Ihr mit den letzten kleinen Resten, werft Ihr die weg? Unterhalb von welcher Grammzahl wird ggf. weggeworfen? Oder verarbeitet Ihr auch Kleinstmengen in einem Resteprojekt, und wenn ja, was für eines wäre das?
Herzlichen Dank an Kerstin (huch, wieder mal ich) für die heutige Frage!

Diese Frage habe ich gestellt, weil es mich wirklich sehr interessiert, wie andere mit ihren Resten umgehen.
Bei mir ist das sehr unterschiedlich. Garne, die mir beim Stricken nicht gefallen haben oder die gar problematisch waren, werden weggeworfen, wenn eine Rückgabe schwierig ist. Das mache ich auch dann, wenn es eine größere Menge ist, also auch mal 200 g oder so. Bevor ich das Zeug ewig aufbewahre und mich bei einem späteren Strickversuch nochmals darüber ärgere, lieber weg damit.
Ansonsten verwende ich größere Reste (100-200 g) für kleine Projekte wie Mützen, Handschuhe oder Stulpen oder auch gelegentlich als Musterfarbe in größeren Projekten.
Besonders schöne Garnreste bewahre ich auf, um beispielsweise Strickproben daraus zu machen. Mehr als einmal war ich dankbar, wenn ich eine Auswahl an Resten hatte, um ein Muster oder eine bestimmte Technik auch mal mit unterschiedlichen Garnen zu testen, denn nicht jedes Material eignet sich für jeden Verwendungszweck.
4fach-Sockengarne landen oft als Kontrastgarn auf der Strickmaschine oder wandern doppelt genommen in ein Baby Surprise Jacket. Ich empfinde es als Herausforderung, kleinere Garnmengen sinnvoll in einem großen Projekt zu verwenden. Recht gelungen fand ich mal meinen Quadrate-Restepullover. Der ist aus verschiedenen Sockengarnen, und ich mag ihn sehr gern, auch wenn er etwas zu kratzig ist, um ihn direkt auf der Haut zu tragen.
Decken oder ähnliches habe ich bisher noch nicht in Angriff genommen, weil ich dafür keine Verwendung habe.

Fertig – Finished

Diese Jacke ist bereits seit ein paar Tagen fertig zusammengenäht, aber erst gestern habe ich mich aufgerafft und die Knöpfe angenäht. Die Jacke besteht aus vier dünnen gefachten Garnen in Grau, Flieder und Hellblau. Zusammen sind sie ein wenig dicker als 4fach-Sockengarn. Als Anregung diente mir das Modell “Comfort Zone” aus dem Oktoberheft 2009 von “Machine Knitting Monthly”. Ich übernahm den Schnitt und das Muster mit dem waagerechten Streifen, rechnete aber alles auf meine Maschenprobe um. Glatt rechts habe ich mit MW 8 gestrickt, die Blenden kraus mit dem KG mit MW 6.
Diese Jacke ist übrigens nicht für mich gedacht, die kühlen, matten Farben würden mir nicht stehen.

Jacke mit Empire-Knopfleiste

This cardigan was finished some days ago, but only yesterday I took the time to sew on the buttons. The garment is made of four fine threads in gray, lilac and light blue. Together, they are slightly thicker than a standard 4ply. My inspiration was the “Comfort Zone” cardigan from “Machine Knitting Monthly” October 2009 issue. I used the shape and the pattern with its horizontal stripe, but based my calculations on my own tension swatch. The plain knitting is done with tension 8 on the standard gauge machine, the bands are knit with tension 6 and the garter carriage.
By the way, this garment is not made for me. The cool, muted colours would not suit me.