Im Handarbeitsladen

Gestern besuchte ich wieder einmal das Handarbeitsgeschäft meines Vertrauens. Dort gibt es nämlich eine wahrhaft eindrucksvolle Auswahl an Knöpfen, von winzig bis riesig, von schwarz bis weiß, und darüber hinaus durchsichtige und mehrfarbige.

Zusätzlich zur großen Auswahl bekommt man auch eine erstklassige Beratung. Deshalb kaufe ich dort, seit ich in dieser Stadt wohne, und zum Auswählen nehme ich grundsätzlich das Kleidungsstück mit, für das die Knöpfe gedacht sind. Anderenfalls würde ich mit Sicherheit zu große, zu kleine oder Knöpfe in der falschen Farbe kaufen.

Und so hatte ich gestern meine neueste Jacke dabei, ein äußerst schlicht gestricktes Exemplar aus melierter Schurwolle, die ich vergangenen Herbst bei „Inclusio“ gekauft hatte. Das Garn enthält viele Farben, von Creme über diverse Gelb-, Rosa- und Grüntöne bis zu gedämpftem Violett. Entsprechend schwierig gestaltete es sich, die beste Knopffarbe zu finden, und ich war dankbar für die Hilfe der Verkäuferin. Gelb sah ziemlich bissig aus, Rosa mag ich nicht, und ein helles Grün wirkte sehr aufdringlich. Ein relativ dunkles Oliv hingegen machte sich außerordentlich gut auf dem Gestrick, obwohl dieser Farbton in der Wollfärbung eigentlich gar nicht vorkommt. Und so kamen neun Knöpfe (acht für die Knopfleiste, einer als Ersatz an die innere rechte Seitennaht) in die Tüte.

Just als die Auswahl getroffen war, betrat ein junger Mann den Laden. Er wartete höflich und geduldig, bis ich bezahlt hatte und Jacke und Knöpfe im Rucksack verstaute, und dann bekam ich noch mit, was er kaufen wollte: Rote Häkelbaumwolle. Als ihm eine kleine Farbauswahl vorgelegt wurde, konnte ich meine Neugier nicht bezähmen und fragte, wofür das Garn denn gebraucht würde. Die Antwort: Das wird eine Schnur für einen Doktorhut, wobei der Hut ebenfalls selbst gebastelt (oder genäht) wird, jedenfalls wird es eine komplette Eigenproduktion.

Als ich den Laden verließ, stieß ich fast mit einer Strickfreundin zusammen, die das Geschäft ebenfalls kennt und natürlich kaum glauben wollte, dass ich wirklich nur Knöpfe gekauft hatte. Aber ich werde beim nächsten Stricktreff die nun frisch beknopfte Jacke tragen, dann kann sie sich davon überzeugen.

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