Ecken und Zacken

Zu den besonders interessanten Aspekten beim Stricken gehören für mich die verschiedenen Möglichkeiten, beim einfachen Geradeausstricken Ecken, Zacken und Kurven zu bilden. Regelmäßig wende ich diese Technik an, wenn ich wieder einmal das „Ulina“-Babyjäckchen stricke. Die charakteristischen, um die Ecke laufenden Streifen entstehen, indem in regelmäßigen Abständen (hier alle zwei Reihen) immer an den selben Stellen, nämlich an den „Ecken“, zwei Maschen durch Zusammenstricken abgenommen werden. Wenn das Verhältnis von Maschen zu Reihen dabei 1 zu 1 beträgt, dann entsteht ein rechter Winkel. Bei der Ulina ist das der Fall, denn hier wird kraus gestrickt, d.h. zwei Reihen in der Höhe entsprechen einer Masche in der Breite. Voilà, das Verhältnis ist 1 zu 1, und es entsteht ein rechter Winkel.

Ulina-Babyjacke, LeibteilUlina-Babyjacke, Leibteil

Man kann dabei zwei nebeneinander liegende Abnahmen von jeweils einer Masche machen (wie im Fall der „Ulina“) oder z.B. drei Maschen mit aufliegender Mittelmasche zusammenstricken. Das entspricht ebenfalls einer Abnahme von zwei Maschen, man hat dann aber nur eine Eckmasche und nicht zwei nebeneinander wie bei dieser Jacke.

Würde man die Jacke übrigens glatt rechts stricken, dann hätte man ein anderes Verhältnis von Maschen zu Reihen, und es gäbe keinen rechten Winkel, sondern etwas Windschiefes.

Natürlich kann man Ecken auch andersherum erzeugen. Indem man gleichmäßig alle x Reihen an derselben Stelle Maschen zunimmt, erzeugt man einen rechten Winkel in der Gegenrichtung. Auch hier hat man wieder verschiedene Optionen: Man kann Umschläge machen und sie normal oder verschränkt abstricken; oder man kann aus dem Querfaden verschränkt zunehmen. Wie bei den Abnahmen können die Zunahmen „geradzahlig“ (durch zwei Maschen voneinander getrennt) oder „ungeradzahlig“, nur durch eine Masche voneinander getrennt sein.

Besonders spannend wird es, wenn man Zu- und Abnahmen abwechselnd in einem Strickstück kombiniert. Das ergibt nämlich ein Zickzackmuster, wie in diesem Schal:

Zickzackmuster, kraus gestricktZickzackmuster, kraus gestrickt

Die Abstände von Zu- und Abnahmen sind dabei grundsätzlich frei wählbar, man muss sie nur immer an den selben Stellen ausführen.

Will man es nicht ganz so zackig, dann kann man auch Wellenmuster stricken. Ein Beispiel dafür ist das Pfauen(schweif)-Muster, das es in unzähligen Variationen gibt und das im englischsprachigen Raum z.B. als „Old Shale“ Tradition hat. Auch hier werden, analog zum Zickzackmuster, immer an den selben Stellen Maschen zusammengestrickt und zugenommen, jedoch mehr als nur zwei Maschen pro Rapport und meistens auch mit etwas mehr Abstand, so dass statt der scharfen Zacken weichere Wellen entstehen.

Pfauenschweifmuster im Möbius-CowlPfauenschweifmuster im Möbius-Cowl

Die gängigsten Varianten haben einen Rapport von 18 oder 24 Maschen; damit sind sie relativ groß und kommen bei kleinen Maschenzahlen nicht besonders gut zur Geltung. Solange man darauf achtet, dass die Zu- und Abnahmestellen immer übereinander zu liegen kommen, kann man aber auch mit kleineren Rapporten schöne Variationen erzielen.

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