Die verstrickte Dienstagsfrage 37/2012

Diese Woche fragt das Wollschaf:
Ponchos sind auch dieses Jahr total in. Gestrickt oder gehäkelt, dass ist in diesem Fall egal. Habt ihr euch schon einen gestrickt oder steht das noch auf der Wunschliste?
Oder ist so ein Poncho nicht praktisch und euer Ding?
Vielen Dank an Bianca für die heutige Frage!

Da antworte ich doch gern. 🙂
Keine Frage, Ponchos sind toll zu stricken. Man kann an ihnen die verschiedensten Muster und Farben ausprobieren, man kann alle Arten von Resten dafür verbrauchen, und es ist egal, welche Form oder Größe letztlich herauskommt, ob breit, eng, kurz oder lang. Die Strickerin kann immer behaupten, das Ding habe exakt so werden sollen, wie es geworden ist, weil Ponchos ja bekanntlich jede Form und Größe haben können, vom Mini-Poncho, der als modischer Schal-Ersatz um den Hals getragen wird, bis zum angeblich figurfreundlichen Zweifrauzelt, das in anderen Kulturkreisen locker als Behelfs-Burka durchginge. Der Sitz ist entweder egal oder besch…, man kann also nichts falsch machen. Damit eignet sich ein Poncho ideal als größeres Projekt, nachdem man etwas Spüllappenpraxis gewonnen hat; man muss ja nicht gleich die Zeltgröße anstreben.

Was nun die Tragbarkeit angeht, habe ich vor sieben Jahren schon mal meine Ansichten dazu niedergelegt, an meiner Einstellung hat sich nichts geändert. Ich finde Ponchos blöd,
a) weil sie windempfindlich sind und deshalb beim leisesten Lüftchen sowieso nicht mehr wärmen,
b) weil sie rundliche Trägerinnen noch kompakter aussehen lassen.
c) weil man einen Rucksack weder über noch unter einem Poncho gut tragen kann,
d) weil sie keine Taschen haben, und wenn doch, dann in Regionen, die einem immer gerade entflattern.
Folglich werde ich mir ganz gewiss nicht so ein Ding stricken.

Die verstrickte Dienstagsfrage 36/2012

Diese Woche fragt das Wollschaf:
Verstrickt Ihr lieber elastische oder unelastische Garne? Und sucht Ihr Projekte manchmal einzig und allein danach aus, ob sie mit Eurer Lieblingsbeschaffenheit zu vereinbaren sind?
Vielen Dank an Martine für die heutige Frage!

Um ehrlich zu sein, am liebsten verarbeite ich alle Arten von Wolle; es darf natürlich auch Alpaka, Angora oder ähnliches sein. Diese Garne sind zwar nicht immer, aber häufig elastisch. Vor allem aber fühlen sie sich für meine Begriffe gut an, und ich mag die typische Wärme, die sie spenden.
Stricken ist für mich ein Hobby und soll mir Spaß machen. Deshalb vermeide ich Garne, die mir schon beim Anfassen keine Freude bereiten. Dabei bin ich im Laufe der Jahre wählerischer geworden, was sich auch darin zeigt, dass manche “Altlasten” in meinen Vorräten schon seit mehr als zehn Jahren auf ihre Verarbeitung warten. Vielleicht sollte ich mal aufräumen…
Meine Zeit ist begrenzt, und ich kann leider nicht alles stricken, wozu ich Lust habe oder was ich interessant finde. Ich muss also Prioritäten setzen. Meistens wähle ich meine Projekte nach Bedarf aus. Wenn ich also Handschuhe brauche, dann werden eben Handschuhe gestrickt, und dafür nehme ich dann auch handschuhtaugliche Wolle.

Der verdrehte Anschlag, Mythos und Wahrheit

Ich hab’s ja schon seit längerem vermutet, aber nun habe ich Gewissheit: Es hilft nicht immer, wenn man sich vor dem Stricken der ersten Runde den Anschlag so zurechtlegt, dass er nicht verdreht ist.

Maschenanschlag

Hier sieht man einen Anschlag von 48 M, auf drei Nadeln verteilt. Ich habe nun absichtlich einfach losgestrickt, ohne zu prüfen, ob da etwas verdreht ist. Ich habe nur darauf geachtet, auch wirklich von der Vorderseite her einzustechen, also dort, wo die “glatten” Maschenfüßchen sind. Auf diesem Bild ist die erste Nadel abgestrickt:

erste Runde, erste Nadel

Der erfahrenen Strickerin dürften jetzt die Haare zu Berge stehen, denn dass der Anschlag verdreht ist, fällt einem sofort auf.

Das ist aber überhaupt kein Problem, denn der kritische Punkt kommt nach der ersten Runde. Beim Stricken dieser Runde sollte man genau zählen, ob man die richtige Maschenzahl auf den Nadeln hat. Wenn etwas verdreht ist, dann bildet die Verdrehung am Ende der letzten Nadel zusätzliche Schlingen, die man für Maschen halten könnte. Es sind aber keine, deshalb muss man sie von der Nadel werfen.

nach der ersten Runde

Hier hat man genau einen Faden als Verbindung zwischen der ersten und letzten Nadel, siehe Pfeil. Die überschüssige Fadenlänge entstand übrigens durch den absichtlich hineingebrachten Dreher, der eine überzählige Schlinge auf der letzten Nadel bildete. Die habe ich von der Nadel geschoben, ohne sie abzustricken. Deshalb ist es wichtig, die Maschen bei der ersten Runde nachzuzählen. Wenn Schlingen auftreten, dann findet man sie am Ende der Runde.

An dieser Stelle, also nach der ersten Runde, kann man alles Verdrehte zurechtrücken – oder auch vermurksen, was man zuvor schön zurechtgerückt hatte, wenn z.B. die linke Nadel versehentlich so unter dem verbindenden Faden entlanggeführt wird, dass sich der Anschlag verdreht.

Und genau deshalb sollte man jetzt, nach der ersten Runde, alles überprüfen, damit man die zweite Runde unverdreht beginnt. Falls man das nicht schafft und dennoch einen Dreher hineinbringt, ist aber noch nicht alles verloren. Denn vor dem Beginn der dritten Runde sind erste und letzte Nadel durch zwei Fäden verbunden:

nach der zweiten Runde

An dieser Stelle prüft man noch einmal, ob alle Maschen ordentlich aufgereiht sind (hier sind sie es). Hat man vorher versehentlich einen Dreher hineingebracht hat, dann kann man zu diesem Zeitpunkt noch korrigieren, indem man die erste und letzte Nadel gegeneinander zurechtdreht. Dabei werden zwar die zwei Fäden zwischen diesen beiden Nadeln verdreht, aber das ist später kaum wahrnehmbar und auf jeden Fall weniger schlimm, als wenn man den Fehler erst nach zehn oder mehr Runden bemerkt.

Also: Zukünftig könnt Ihr Euch den “hoffentlich ist nichts verdreht”-Check vor der ersten Runde sparen. Stattdessen prüft Ihr nach der ersten Runde, ob alles in Ordnung ist, und danach vorsichtshalber noch einmal nach der zweiten Runde. Zu diesem Zeitpunkt hat man auch genug Gestrick auf den Nadeln, um etwaige Verdreher leicht zu erkennen.

Die verstrickte Dienstagsfrage 34/2012

Diese Woche fragt das Wollschaf:
Was schätzt ihr: Wie viele Kilogramm Garn habt ihr in eurem Strickleben schon verarbeitet? Und wie viele Kilometer?
Vielen Dank an Michaela für die heutige Frage!

Gute Güte, jetzt geht’s um große Zahlen und hinunter in die Tiefen der Vergangenheit. 🙂
Für die ersten Jahre meines Strickdaseins kann ich nur grobe Schätzungen abliefern, da notierte ich nie etwas über meine Strickprojekte. In den Jahren 1982 bis 1986 könnten es etwa zehn Pullover pro Jahr gewesen sein, und die Durchschnitts-Lauflänge dürfte so um die 2000 m auf 1 kg gewesen sein, macht also zirka 30 kg und 60 km.

Ab 1987 habe ich sehr viel mit Maschine gestrickt, auch viele Aufträge. Bis 2003 waren es etwa 500 Pullover und Jacken (und das eine oder andere Kleid). Wenn man jeweils 600 g Material mit durchschnittlich Sockengarnstärke zugrundelegt, kommt man auf ungefähr 300 kg und 1260 Kilometer. Seinerzeit wurde die Kleidung nicht so körpernah getragen wie heute, man verwendete also grundsätzlich mehr Material; zudem habe ich natürlich sehr viel in Norwegertechnik, Zopf- und Fangmustern gestrickt, die ohnehin mehr Garn schlucken.

Für die Jahre ab 2004 habe ich etwas sorgfältiger Buch geführt, und es kam dann auch wieder mehr Handstrick hinzu:
2004: 9,5 kg, 25 km
2005: 8,3 kg, 21,6 km
2006: 9 kg, 23 km
2007: 8,7 kg, 27,3 km
2008: 11,9 kg, 37 km
2009: 10,7 kg, 30,6 km
2010: 13,8 kg, 45,2 km
2011: 12,3 kg, 47,8 km
2012 bisher: 7,3 kg, 26 km

Das ergibt insgesamt also ungefähr (bitte nicht auf Gramm oder Meter festlegen) 420 kg beziehungsweise 1.600 km.
Wer bietet mehr? 😉

Filigrano

Filigrano ist ein Tuchentwurf von Birgit Freyer. Die Anleitung (mit übersichtlichen Strickschriften) ist kostenlos via Ravelry in diversen Sprachen erhältlich. Birgit Freyer setzt in ihren Entwürfen einige spezielle Maschenkombinationen ein, die für Ungeübte vielleicht zunächst gewöhnungsbedürftig sind. Ihre Strickschriften lassen sich aber prima nacharbeiten.
An diesem Tuch saß ich bereits seit März; verwendet habe ich Nadelstärke 4 mm und 110 g Wollmeise Lace in einem Versuchskaninchen-Grün, das vermutlich die Farbe “Elfe” werden sollte. Es war ein Rest und reichte gerade so eben.
Anfangs war es mein Unterwegs-Gestrick, aber dann wurde es zu kompliziert und blieb deshalb erst einmal liegen. Ich wollte es nun unbedingt fertig haben, bevor ich mir erlaube, etwas Neues anzufangen. Also habe ich an den Abenden der vergangenen Wochen an nichts anderem mehr gestrickt. Mehr als drei, vier Reihen pro Abend schaffte ich aber nicht.

Tuch Filigrano

Filigrano, Musterdetail

Das Hauptteil ist ziemlich einfach und beinahe langweilig zu stricken, weil sich das Muster ständig wiederholt. Die Bordüre hingegen ist anspruchsvoll, und ich habe mich wohl in fast jeder zweiten Reihe irgendwie vertan. Zurückstricken ist bei diesen Maschenmengen und -arten aber auch nicht wirklich spaßig, so dass ich die Fehler lieber in der jeweils folgenden Hinreihe sinngemäß zurechtpfriemelte. Fehlte irgendwo etwas, und ich konnte keinen Umschlag aus den Vorreihen zaubern, dann habe ich eben mal keine Maschen zusammengestrickt. War hingegen etwas zuviel, dann wurden halt drei statt zwei Maschen zusammengestrickt. Hauptsache, im jeweiligen Mustersatz stimmten die Maschenzahlen wieder, und es sah einigermaßen plausibel aus. Zwei Fehler kann man auf dem Foto im zweiten Mustersatz von links im Mittelteil der Bordüre erkennen. Mich stören diese Fehler aber nicht. Es hätte mich viel mehr genervt, die langen, komplizierten Reihen Masche für Masche wieder aufziehen zu müssen. Und wer weiß, vielleicht hätte ich beim Neustricken in derselben Reihe an anderer Stelle einen anderen Fehler hineingebracht und wäre auf diese Weise niemals fertig geworden.
Wie man sieht, habe ich auch beim Spannen zu wenig Sorgfalt walten lassen, denn die Ecken und Zacken am Rand kommen nicht richtig heraus. Das lässt sich aber noch korrigieren.

Schulternaht, zusammengestrickt

Wollmaus, Dein Wunsch ist mir Befehl. Hier ist das Bild einer Schulternaht. Es handelt sich um einen Pullover im Rippenmuster, 6 rechts 2 links. Das ist im Maschenstich nicht gut zusammenzunähen, weil man dabei immer eine halbe Masche Versatz hätte. Beim Zusammenstricken hingegen passt alles sauber aufeinander.

Schulternaht

Das größte Problem besteht vermutlich darin, die Maschen gleichmäßig groß abzuketten. Deshalb empfehle ich für diese letzte Reihe des Zusammenstrickens und Abkettens beim Handstricken eine etwas dickere Nadel, mit der man die Maschen gleichmäßig fest abstrickt und abkettet. Die Schulternaht braucht nicht einmal besonders locker zu werden, sie darf ruhig stabil sein. Wichtig wäre nur, dass beide Nähte gleich lang geraten.

Die verstrickte Dienstagsfrage 33/2012

Diese Woche fragt das Wollschaf:
Habt ihr Eigenarten beim Stricken? Also, ich z.B. kann keine zwei gleichen Socken hintereinander stricken. Da fehlt mir dann immer die Motivation für den Zweiten. Wenn ich beide Socken hintereinander stricken soll, dauert das ewig. Darum stricke ich jetzt immer Singles und wechsel dann durch beim Stricken der jeweils zweiten. So brauch ich für einen Socken nur zwischen zwei und vier Tagen…
Vielen Dank an Micha für die heutige Frage!

Was für den einen eine Eigenart oder ein Tick ist, kann für jemand anderen völlig normal und nicht einmal erwähnenswert sein. 🙂 Eine meiner persönlichen “Normalitäten” ist, dass ich Kleidung grundsätzlich mit und nach Maschenprobe stricke. Ich mag Maschenproben unter anderem auch deshalb, weil man damit neue Muster gut ausprobieren kann. Und mehr als einmal habe ich nach so einer Probe beschlossen, ein Muster lieber nicht für ein größeres Projekt zu verwenden, weil es sich bescheiden stricken ließ.

Wer nun glaubt, dass ich jedesmal eine neue Maschenprobe mache, der irrt allerdings. Ich verarbeite oft Garne, die ich schon kenne; bei Hunderten von Strickprojekten in den vergangenen 30 Jahren ist das auch kein Wunder. In solchen Fällen kann ich dann auf meine Notizen zu einem früheren Projekt zurückgreifen und sogar an fertigen Teilen messen.

Eine weitere Eigenart wäre, dass ich niemals einen Kett-Rand stricke. Ich finde ihn zu locker, zu wenig substanziell und für fast gar nichts zu gebrauchen. Selbst wenn er gleichmäßig gestrickt wird, bleibt er labberig. Das muss ich nicht haben. Stattdessen arbeite ich meistens einen Nahtrand oder durchgehend kraus gestrickte Randmaschen. Beides ist gut geeignet für späteres Zusammennähen oder z.B. um Maschen für eine Blende herauszustricken.

Noch eine Angewohnheit: Schultermaschen werden bei mir praktisch immer zusammengestrickt und gemeinsam abgekettet. Im Maschenstich zusammengefügte Schulternähte sehen zwar nett aus, haben für meinen Geschmack aber zuwenig Halt. Außerdem ist diese Technik bei manchen Mustern mühsam zu arbeiten.

Kordel-Ersatz

Früher beschwerten sich viele Strickerinnen, dass ihre Rundstricknadeln sich kringeln oder Knicke bekommen. Um das zu umgehen, hatte ich all meine Rundstricknadeln mit einer selbstgedrehten Kordel zusammengefasst, so dass sie frei hängen konnten, ohne sich je zu kringeln. Eine sehr liebe Strickfreundin, Frau R. aus S., konnte das Elend dann nicht mehr mit ansehen und brachte mir diese elegante Mappe mit, die eigentlich für Pinsel gedacht ist.

Pinselmappe für Nadeln

Hier kann man die Nadeln nach Stärken sortiert in Gummischlaufen einhängen. Damit findet man die gerade gewünschte Stärke viel schneller als vorher, und alles ist aufgeräumter und übersichtlicher.

Besitzerinnen von variablen Nadel-Sets benötigen so etwas übrigens nicht. Sie haben für ihre Nadelsets ja immer das passende Mäppchen. Wer Nadeln aus neuester Produktion hat (jünger als 2010), benötigt so etwas im allgemeinen auch nicht, weil moderne hightech-Nadelseile sich nicht so kringeln wie die aus dem letzten Jahrtausend. Die neuen Fabrikate kann man in ihrer Verpackung aufbewahren und bei Bedarf unverkringelt herausnehmen.

Das ist ja wohl das Letzte!

Nämlich das letzte Babyjäckchen für dieses Jahr. 🙂
Wieder habe ich es nach dem gleichen bewährten Schema gestrickt, diesmal aus Wollerey “Silkada” in Lachsrot und Türkis. Verbraucht habe ich dafür ungefähr 85 g Lachs und 65 g Türkis.

Babyjäckchen Ulina

Babyjäckchen Ulina

Um die Streifenfolge etwas abwechslungsreicher zu gestalten, habe ich in einem Verlauf von Rot nach Türkis gestrickt. Insgesamt sind 83 “Rippen” zu stricken. Man beginnt mit fünf Rippen in Rot, dann folgt eine Rippe in Türkis, dann acht Rippen in Rot, zwei Rippen in Türkis, und so weiter. Das ist eine der vielen Möglichkeiten, das Streifenmuster zu variieren. Natürlich könnte man das auch mit drei Farben machen.

Ulina Anleitung ist fertig

Nachdem mehrere Strickerinnen bereitwillig sich und ihre Zeit geopfert haben, um das Jäckchen testzustricken, sind nun hoffentlich die gröbsten Fehler eliminiert, und man kann die Anleitung bei Ravelry kostenlos herunterladen. An dieser Stelle ganz großen Dank an alle, die beim “Entfehlern” mitgeholfen haben!
Als nächstes wird dann wohl die Übersetzung ins Englische fällig.

Babyjäckchen Ulina

Das Bild zeigt meine Version Nr. 5, gestrickt aus Wollerey “Meline”. Ich habe inzwischen *hüstel* Exemplar Nr. 6 auf den Nadeln und schon die eine Hälfte fertig. Demnächst gibt’s davon dann auch ein Bild.