Die verstrickte Dienstagsfrage 26/2009

Das Wollschaf fragt:
Beim Lesen der Blogs fällt auf, dass sich einige Stricker/-innen spezialisiert haben. Manche stricken ein Tuch nach dem anderen, einige überwiegend Socken, etliche beschränken sich auf Accessoires wie Schals, Mützen, Handschuhe, Taschen, Handytäschchen. Es gibt einige wenige, die ausschließlich Bekleidungsstücke wie Pullover, Jacken, Westen etc. nadeln.
Und die Gruppe der Allrounder, die sich in allen genannten Bereichen austoben.
Zu wem gehörst du: zu den Spezialisten, die sich überwiegend bei einem Segment aufhalten oder zu den Allroundern, die (fast) nichts Strickbares auslassen? Wie begründest du deine Entscheidung?
Herzlichen Dank an Michaela für die heutige Frage!

Ich bin ein “Partrounder”. Große Teile wie Pullover und Jacken liegen mir mehr als kleine wie Mützen oder Handschuhe. Ich mag nicht alle zwei Tage etwas Neues anfangen, längerfristige Projekte finde ich besser.
Es gibt auch Dinge, die mir in gestrickter Form einfach nicht gefallen und die ich schon deshalb nicht stricken würde. Dazu gehören beispielsweise Decken, Kissenbezüge, Spüllappen oder Handytäschchen.
Manches habe ich probiert, um zu testen, ob ich es kann, beispielsweise Spitzenstrickerei (ich kann’s). Auch an Tüchern habe ich mich mal versucht, allerdings nicht wirklich Gefallen daran gefunden, und außerdem habe ich keine Verwendung dafür. Ich gehe täglich mit einem Rucksack und zu Fuß zur Arbeit, dafür ist auch das schönste Tuch ungeeignet. Und wer schon mal versucht hat, mit einem eleganten Tuch umhüllt auf dem Wochenmarkt einzukaufen, um dann vier volle Einkaufstaschen zu Fuß 3 km weit im Nieselregen nach Hause zu tragen, der dürfte nachvollziehen können, dass eine leichte Regenjacke da die bessere Lösung ist.
Was ich außerdem nicht gern stricke, sind Kuscheltiere, so niedlich die im Einzelfall auch aussehen mögen. Solide Jacken und Pullover sind eher mein Ding.

Es wird wieder mal Zeit – It’s time again

Einer meiner Kollegen wird demnächst Vater. Welche bessere Gelegenheit kann es geben, wieder einmal ein Baby Surprise Jacket zu stricken? Ich hatte noch sechs Knäule Rowan Denim aus dem letzten Rowan Abo-Geschenk vorrätig. Da das Garn in der ersten Wäsche einläuft, verstrickte ich es zunächst mit dem Grobstricker zu einem langen glatten Streifen, warf ihn in die Waschmaschine und anschließend in den Wäschetrockner. Dann ribbelte ich den Streifen wieder auf und hatte nun perfekt eingelaufenes Garn.
Damit es nicht zu langweilig wurde, kombinierte ich dazu einen Rest Yeoman Panama in Türkis zusammen mit etwas dünnem Lurexgarn in Türkisblau, zusammen etwa 30 Gramm. Die Jacke ist für ein Mädchen gedacht, da darf es ruhig ein wenig glitzern. 😉
Mit Nadelstärke 4 mm kam ich auf eine Maschenprobe von 21 Maschen auf 10 cm. Die Streifenfolge von 8 Reihen Denim und 2 Reihen Türkis passt perfekt zum Verlauf der Reihen. Insgesamt benötigte ich etwas mehr als zwei Knäule Rowan Denim. Den Halsausschnitt habe ich zum Schluss mit einer Reihe fester Maschen in Türkis umhäkelt. Passende Knöpfe kaufte ich im örtlichen Wollgeschäft.

Rowan Denim, verstrickt, knit into a strip

Baby Surprise Jacket, Rowan Denim

Baby Surprise Jacket, Rückseite/back

One of my colleagues is going to become a father soon. Can there be a better opportunity to knit another Baby Surprise Jacket? I had six balls of Rowan Denim from the last Rowan subscription gift. As the yarn shrinks in the first wash, I knitted it into a long strip on my chunky knitting machine, threw it into the washing machine and then into the drier. Then I unravelled the strip and had perfectly shrunken yarn.
To prevent it from being too boring, I added to it an oddment of Yeoman Panama in turquoise together with a leftover of fine lurex yarn in bluish turquoise, all in all about 30 grams. As the garment is made for a little girl, some glittering is permitted. 😉
I used a 4 mm circular needle to achieve a gauge of 21 stitches per 10 cms. The stripe sequence of 8 rows Denim and 2 rows turquoise gave a perfect fit to the pattern. A tiny bit more than two balls of Rowan Denim were used. To finish it off, I did a row of single crochet around the neckline in turquoise. The matching buttons were bought at a local yarn shop.

Vivian-Fotos

Am Wochenende habe ich den Reißverschluss in die Jacke eingenäht. Über eine Stunde hat es gedauert, Stecken und Heften nicht mitgerechnet. Genäht habe ich mit der Nähmaschine, denn wenn ich von Hand nähe, sieht es grauenvoll aus, und das hat diese Jacke nicht verdient.
Falls Ihr Euch wundert, dass ich für zwei Nähte von gut 50 cm Länge mit der Nähmaschine so lange brauchte: Ich musste mehrmals trennen, weil ich am Reißverschlussband vorbeigenäht hatte. Jawoll, trotz Heften! Aber nun sitzt der Reißverschluss sauber drin, sieht gut aus, und die Jacke passt, wenn man davon absieht, dass die Ärmel wirklich extrem lang sind. Sollte ich die Jacke noch einmal stricken, dann lasse ich bei den Ärmeln einen Mustersatz weg.

Vivian von vorn - front shot

Vivian von der Seite

Vivian im Sitzen - sitting

Last weekend I sewed the zipper into the jacket. It took me more than one hour, pinning and tacking not included. I used the sewing machine because my handsewing looks awful, and a beautiful jacket like “Vivian” does not deserve an awful looking zipper seam.
Should you wonder why two seams of about 50 cms took me so long: I had to undo it several times because I managed to miss the zipper band. Yes indeed, despite tacking! But now the zipper looks nice and the garment fits, apart from the sleeves which are really extremely long. Should I knit it again, I’ll omit one pattern repeat in the sleeves.

Die verstrickte Dienstagsfrage 25/2009

Das Wollschaf fragt:
Nach welchen Kriterien wählt Ihr Eure Projekte aus? Nach dem Garn in Euren Vorräten?
Nach den Lücken im Kleiderschrank (wenn z.B. ein warmer Pullover für den Winter fehlt)?
Nach der Popularität (z.B. bevorzugt Knitalongs)?
Weil die Stricktechnik oder der Schnitt spannend aussieht?
Um eine neue Technik zu lernen?
Weil es ein Modell von Eurem bevorzugten Designer ist?

Oh, heute ist es eine Frage von mir. 🙂
Ich wähle meine Strickprojekte hauptsächlich nach meinen Garnvorräten und nach den Lücken im Kleiderschrank, wobei das nicht unbedingt mein eigener Schrank sein muss. Einige Verwandte und Bekannte wissen nämlich durchaus zu schätzen, was ich stricke.
Nach Popularität gehe ich nie; es kommt aber vor, dass ich bestimmte Sachen mehrmals nacharbeite, wenn sie sich bewährt haben. So war es beispielsweise mit den “Baby Surprise Jackets”, von denen ich mittlerweile vier gestrickt habe.
Eine interessante Stricktechnik oder einen ebensolchen Schnitt finde ich zwar mitunter verlockend, aber Brauch- und Tragbarkeit haben Vorrang. Ich investiere ungern viele Stunden in ein untragbares Etwas.
Von welchem Designer ein Entwurf ist, spielt für mich keine Rolle. Wenn ich nach fertigen Anleitungen stricke, dann zählt für mich nur, ob mir das Modell gefällt und ob es in meine Garderobe passt. Vieles entwerfe ich ohnehin selbst, und ich habe keine Bedenken, eine Anleitung zu modifizieren, wenn mir etwas daran nicht zusagt.

Passt wie angegossen – Fits like a glove

“Vivian” ist fertig, gewaschen, getrocknet und passt. Zum größten Teil jedenfalls. Die Ärmel sind leider 10 cm zu lang. Ein kompletter Mustersatz weniger wäre besser und für mich ausreichend gewesen, obwohl ich nun wirklich keine extrem kurzen Ärmchen habe. Die Ärmelweite im Oberarmbereich ist reichlich, die zusätzliche Zunahme wäre gar nicht nötig gewesen. Die Kapuze ist sehr eng und wird deshalb nur zur Dekoration dienen.
Heute habe ich in einem der beiden mir bekannten örtlichen Wollgeschäfte einen Reißverschluss gekauft. Mit dem Verkäufer, einem sehr sachkundigen älteren Herrn, beratschlagte ich, ob wohl 50 oder 55 cm Länge besser wäre. Wir entschieden uns für 50 cm, weil es nicht tragisch ist, wenn der Reißverschluss nicht bis ganz an meine Kehle reicht. Fürs Einnähen hatte ich noch keine Zeit, weil ich die vergangenen beiden Tage weitgehend damit verbracht habe, ein fünf-Gänge-Menü vorzubereiten. Dazu schreibe ich demnächst mehr.
Hier sind ein paar Bilder der Jacke.

Vivian, Vorderteil / front

Vivian, Rückenteil / back

Vivian, Kapuze / hood

“Vivian” is finished, washed, dried, and it fits. At least for the most part of it. The sleeves are about 4 in too long, unfortunately. A whole repeat less would have been better and sufficient for me, although I really don’t suffer from extremely short arms. The upper sleeve width is ample, my additional increases would not have been necessary. The hood is very tight and therefore will only serve for decorative purposes.
Today I went to one of the two local yarn shops I know here to buy a zip. The shop owner, a very competent elderly gentleman, helped me decide which zip length to choose, either 55 or 50 cms. We decided on 50 cm because it is no big deal if the zip ends somewhat below my throat. So far I had no time to sew it in because I spent the last two days to a large extent preparing a five course meal.
Above are some pictures of the jacket.

Die verstrickte Dienstagsfrage 24/2009

Das Wollschaf fragt:
Habt ihr ein Lieblingsgarn? Wenn ja, welches und warum?
Vielen Dank an Tanja für die heutige Frage!

Eines meiner Lieblingsgarne war früher Stahlsche Wolle “Skyline”, eine reine Schurwolle mit einer Lauflänge von 150 m auf 50 g. Damit habe ich um die zwanzig Pullover gestrickt. Leider ist es schon seit langem nicht mehr erhältlich.
Davon abgesehen habe ich zur Zeit kein Lieblingsgarn im eigentlichen Sinne. Mir ist in erster Linie wichtig, dass ein Garn zum Projekt passt.
Allerdings gibt es Garne, die ich nur ungern verstricken würde, weil ich sie schwer (manche Baumwoll- und Seidenqualitäten), albern (Fransen- und Bommelgarne) oder unangenehm auf der Haut (superweiche Mikrofasern) finde. Auch “Scrumptious Chunky” von Fyberspates, das ich gerade zur “Vivian” verarbeite, hätte keine Chance, mein Lieblingsgarn zu werden, obwohl es für die Jacke prima geeignet ist. Es ist recht gewichtig, und es lässt sich schlecht verstricken, weil es sich leicht spaltet.

Noch 20 Reihen – 20 rows left

Bei der Jacke “Vivian” bin ich inzwischen an der Kapuze angelangt. Insgesamt müssen dafür 63 Reihen gestrickt werden, und gestern abend bin ich bis Reihe 43 gekommen.
Im oberen Bereich der Kapuze erwartet mich nochmals eine Unklarheit in der Anleitung. Ich habe bisher nicht herausfinden können, ob die Abnahmen nur innerhalb des Perlmusters oder unter Einbeziehung der benachbarten Maschen erfolgen sollen. Je nachdem verändert sich der Sitz am Scheitel etwas.
Am Ende müssen noch diverse Fäden vernäht und ein Reißverschluss beschafft und eingenäht werden.

With the “Vivian” jacket I’ve meanwhile reached the hood. There are 63 rows to be worked altogether, and last night I got to row 43.
In the upper part of the hood there’s still a small obstacle in the instructions. So far I was unable to find out whether the decreases are only to take place inside the seed stitch panel or by including the cable stitches next to the seed stitch panel. Depending on this, the fit of the hood will change slightly.
At the very end there will be several threads to be finished, and a zip must be bought and sewn in.

Das war ja einfach! – That was an easy one!

Die erste Schulterpasse der “Vivian”-Jacke ist fertig. Ich hatte zunächst großen Respekt davor, aber dann erwies sich das Ganze als sehr durchdacht konstruiert, es ließ sich mühelos stricken und sieht gut aus. Echte Nähte gibt es hier nicht, nur zusammengestrickte Maschen. Die muss man möglichst fest stricken.

Auf dem Bild kann man vielleicht erkennen, dass ich den Verlauf der Verkreuzungen an einigen Stellen abgeändert habe. Ich mag es lieber, wenn die Maschen immer schön abwechselnd eins drunter, eins drüber gehen und wenn nicht immer nur in eine Richtung verkreuzt wird. Zum Glück kann man Zopfmuster ja stricken, wie sie einem gefallen.

Vivian, Schulter / shoulder

The first shoulder of the “Vivian” jacket is finished. At first I was a bit concerned about how to do it, but then it proved to be very cleverly thought out. It was easy to knit and looks good. There are no sewn seams here, only stitches knit together. They should be worked quite tight.

Can you see that in some places I changed the direction of the stitches crossed? I prefer the stitches going over and under in turn, as opposed to crossing them always in the same direction. Luckily, cable patterns can be knit as you like them.

Humbug

Vom Stückwerk aus Artesano “Hummingbird” und Filatura di Crosa “Mohair Lungo” hatte ich ja schon mal geschrieben. Inzwischen sind alle “großen” Teile fertig gestrickt, es fehlen noch ein Verbindungsstreifen, sämtliche Bündchen und Blenden und natürlich das Zusammennähen. Hier ist ein Bild vom Rückenteil, provisorisch gespannt, damit man auch etwas erkennen kann.

Humbug, Artesano “Hummingbird” + Filatura di Crosa “Mohair Lungo”

I already mentioned the patchwork sweater made of Artesano “Hummingbird” and Filatura di Crosa “Mohair Lungo”. Meanwhile all “large” pieces are knit. One of the connecting strips as well as welts, cuffs and neckband are still missing. Here’s a photo of the back, provisionally blocked so you get an impression.

Die verstrickte Dienstagsfrage 22/2009

Das Wollschaf fragt:
Wie alt ist Euer ältestes UFO? Was hält Euch Euch davon ab, es fertigzustellen?
Herzlichen Dank an Kerstin (huch, das bin ich) für die heutige Frage!

Zeit für ein Geständnis. Leute, haltet Euch fest.
Mein ältestes UFO ist vom Juli 1996. Es handelt sich um eine Jacke mit Zopfmuster und Taschen, mit der Maschine gestrickt aus einer edlen Schurwoll-Seiden-Mischung, 70 % Schurwolle, 30 % Seide, Lauflänge 140 m auf 50 g. Gedacht war die Jacke für meine Schwester. Und der Grund, weshalb es nicht fertig wurde: Ich musste zwischendurch eine Strickpause einlegen und wusste irgendwann nicht mehr, wie ich das eine Vorderteil gestrickt hatte, um das andere gegengleich zu stricken. Erschwerend kam hinzu, dass mit den Jahren die Mode wechselte. Gerade angesetzte Ärmel finde ich nicht mehr schön, sie sitzen auch nicht so gut.

Zopfmuster aus Wolle-Seide-Gemisch

Da es doch ein wenig schade um das schöne Garn ist, sollte ich vielleicht die bisher gestrickten Teile aufribbeln, glätten und etwas anderes daraus machen. Immerhin sind keine Motten drangegangen, es ist alles noch in Ordnung. Vielleicht reichen auch die noch unverstrickten 550 Gramm, die ich ganz vergessen hatte, für ein anderes Modell.