Die verstrickte Dienstagsfrage 11/2009

Das Wollschaf fragt:
Wenn ich meine “Herzchen” auf Ravelry anschaue, stelle ich fest, dass die positive Bewertung meiner Strickstücke im Internet oft gar nicht mit meiner positiven Bewertung im Leben übereinstimmt. Daher meine Frage:Wie ist das bei Euch? Werden bei Euch die Strickstücke in Euren Blogs oder auf Ravelry positiv bewertet, die Euch selbst auch am besten gefallen? Woran könnte das liegen?
Herzlichen Dank an Wassilissa für die heutige Frage!

Ob ein Strickstück ein “Lieblingsteil” wird, hängt von vielen Faktoren ab. Wichtige Kriterien sind für mich:
– Sitzt das Teil gut? Oder muss ich es alle fünf Minuten zurechtzupfen?
– Trägt es sich angenehm? Kratzt das Material, längt es sich beim Tragen, fusselt es, lädt es sich auf, ist es schwierig zu pflegen?
– Passt es zu meiner übrigen Garderobe? Ich trage z.B. kaum zweifarbige Teile, weil ich sie schwieriger zu kombinieren finde. Eine Farbe, viele Farben oder schöne Farbverläufe funktionieren für mich besser.
– Passt es zu meinem Stil? Ich trage wohl kaum ein tolles Fair-Isle-Gestrick im Job, wenn ich in bunten Querstreifen aussehe wie ein übergewichtiger Clown.

Ich habe viele Lieblingsteile, die simpel und unspektakulär sind. Wenn ich die irgendwo zeige, dann kräht kein Hahn danach, so langweilig sehen sie aus. Erst beim Tragen im Alltag erweisen sich ihre Qualitäten.
Das alles ist aber auf dem “Beauty Shot” für Ravelry oder fürs Weblog gar nicht zu erkennen. Da geht es nur nach dem Bild. Und wenn das Bild geschickt gemacht ist und möglichst noch eine aufregende Technik zeigt, dann wird jeder es bewundern und “herzen”, auch wenn das Modell in Wirklichkeit ein fast unbrauchbarer Fehlschlag ist.

Die verstrickte Dienstagsfrage – The Wool Sheep’s Question 9/2009

Das Wollschaf fragt:
Wie garantiert ihr bei großen rundgestrickten teilen (zb. fair isle pullovern) das sich der anschlag nicht verdreht und ihr hinterher einen möbius-pulli habt?
Herzlichen Dank an Ina für die heutige Frage!

Man kann durch das Verdrehen eines normalen Anschlags kein Möbiusband erzielen. Ein Möbiusband hat eine einzige Kante, auf der gestrickt wird. Ein verdrehter normaler Maschenanschlag hat jedoch zwei Kanten, eine geschlossene und eine offene, auf der gestrickt wird. Das wird im Leben kein Möbiusband.
Ich vermute, dass ich jetzt aber die falsche Frage beantwortet habe und deshalb Punktabzug bekomme.

The Wool Sheep asks: How do you prevent a twisted cast-on with a large circularly knit garment to avoid getting a möbius sweater?
Thank you Ina for today’s question!

You cannot achieve a Möbius band by twisting a normal cast-on. A Möbius band has only one edge along which you knit. A twisted normal cast-on, however, has two edges, a closed one and an open one along which you knit. In no way will it become a Möbius band.
But I suppose I have answered the wrong question and will get a bad mark now.

Aus grauer Vorzeit – From the distant past

Teva Durhams “Watered Quartz Tee” erinnerte mich an einen Pulli, den ich im Sommer 1992 gestrickt habe. Ich möchte ihn Euch nicht vorenthalten. 🙂 Allerdings sieht Durhams Modell eher aus wie etwas für den Alltag; meins war elegant und ausgehfein.
Gestrickt habe ich mit Anny Blatt “Victoria”, einem Viskose-Bändchengarn, und GGH “Caskade”, einem Glitzergarn mit samtigen Noppen. Anny Blatt Garne waren eigentlich immer zu teuer für mich gewesen, aber als damals “Wolle in St. Georg” in Hamburg Ausverkauf machte, war es erschwinglich.
Beide Garne nebeneinander sahen verlockend aus, hatten aber sehr unterschiedliche Maschenproben. Um das etwas auszugleichen, strickte ich das Bändchengarn in Halbpatent, denn das ergibt mehr Breite. Klar, dass der Schnitt bei so auffälligen Garnen möglichst simpel sein sollte, deshalb die Kastenform, die damals sowieso in Mode war.
Dies war jahrelang einer meiner Lieblingspullis für besondere Gelegenheiten. Ich erinnere mich, dass ich ihn z.B. zum 25jährigen Jubiläum meines Ex-Chefs zu einem ecrufarbenen Leinenkostüm mit gerade geschnittenem Rock trug (wie es in den 90ern modern war), und dazu einen hauchzarten kupferfarbenen Seidenschal.

Pullover/sweater, Anny Blatt Victoria, GGH Caskade

Ausschnitt-Detail, detail of neckline

Teva Durham’s “Watered Quartz Tee” reminded me of a sweater that I had made in summer 1992. I would like to share it with you. 🙂 Durham’s design seems to me more suitable for daily use whereas mine was elegant and the right thing for a night out.
I used Anny Blatt “Victoria”, a viscose ribbon yarn, and GGH “Caskade”, a sparkling yarn with velvety nopps. Anny Blatt yarns had always been too expensive for me, but when “Wolle in St. Georg” (a Hamburg yarn shop) had its clearance sales, it was affordable.
Both yarns held together looked tempting, but they had very different gauges. To compensate this, I used half fisherman’s rib for the ribbon yarn, for it yields more width. Of course the shape must be simple with such flashy yarns, so I chose the boxy shape that was fashionable then.
For many years, this was one of my favourite garments for special occasions. I remember wearing it when my former boss celebrated his 25th anniversary of employment. I wore it with an off-white linen suit with a straight skirt (as was fashionable in the 90s) and a gauzy silk scarf in copper colour.

Leaf Scarf

Dieser lustige kleine Schal ist eine Variante des “Angora Leaf Scarf” aus Lise-Lotte Lystrups Buch “Vintage Knitwear for Modern Knitters”. Er fiel mir sofort ins Auge, als ich das Buch zum ersten Mal durchblätterte, und nun habe ich ihn nachgestrickt, allerdings nicht aus Angora, sondern zu Testzwecken aus einem uralten Rest Phildar “Anouchka soft”. Das Material besteht aus 80 % Acryl, 15 % Mohair und 5 % Wolle; eine Lauflänge ist nicht vermerkt, es ist aber sehr dünn und soll laut Banderole mit Nadelstärke 2 bis 2,5 mm verarbeitet werden. Den Schal habe ich mit Nadelstärke 4 mm gestrickt, das hat gut funktioniert, und er wiegt etwas mehr als 60 g. Die genaue Maschenprobe habe ich zwar nicht erreicht, aber bei einem Schal ist das ja zum Glück nicht kritisch.

Eigentlich soll der Schal noch mit Blattadern bestickt werden, das habe ich aber bisher nicht getan, weil ich nicht weiß, ob und wie ich die Stickerei reversibel machen kann. Er sieht auch so ganz nett aus. Türkis/Petrol ist leider so gar nicht meine Farbe, aber ich lege ihn in meine “Geschenkekiste”, es wird sich bestimmt spätestens zu Weihnachten ein Abnehmer dafür finden.

Lise-Lotte Lystrup

This funny little scarf is a version of the “Angora Leaf Scarf” from Lise-Lotte Lystrup’s book “Vintage Knitwear for Modern Knitters”. It caught my eye when I leafed through the book for the first time, and now I’ve finished it. I did not use Angora, however, but for testing reasons an ancient oddment of Phildar “Anouchka soft”. It’s made of 80% acrylics, 15% mohair and 5% wool. A yardage is not given, but the yarn is quite fine and should, according to the ball band, be worked with needle size 2-2.5 mm. I use 4mm needles for the scarf, which worked well. It weighs just a bit over 60g. I did not achieve the exact gauge, but this is not crucial with a scarf.

It should have been decorated with embroidered leaf veins, but so far I did not do this, because I do not know how to work a reversible embroidery. The scarf looks okay the way it is. As turquoise/teal is not at all “my” colour, it will go into my gift box. A recipient will certainly be found before next Christmas.

IWK Spring 2009

Heute lag die Zeitschrift im Briefkasten. Und mir gefällt: Nichts. Kein einziges Modell darin spricht mich wirklich an, entspricht meinem Stil, animiert mich, sofort die Nadeln in die Hand zu nehmen.
Den “Saoirse Shawl” finde ich ganz lustig, aber an einer Frau in meinem Alter (und mit meiner Statur) sieht er lächerlich aus. Der “Fountain Pen Shawl” ist wunderschön, aber nix für eine überzeugte Rucksackträgerin, die hauptsächlich per ÖPNV unterwegs ist. Das “Petal Halter” ist eine originelle Idee, lässt aber schon das schlanke Model plump aussehen. Das lila Blümchenkleid ist für den Job ungeeignet. Der bunte Schal hat Iiiiieeh-Spannfäden auf der Rückseite. “Sweet Tee” sieht schon am Model zu eng aus. Die diversen Jacken und Jäckchen haben größtenteil Verschlusslösungen, die nicht gegen Bronchitis schützen. Sie gefallen mir allesamt nicht, obwohl ich Jacken für gewöhnlich sehr gern mag. Das einzige Modell, das eventuell in Frage käme, wäre Teva Durhams Watered Quartz Tee, und da befürchte ich, dass der Ausschnitt miserabel sitzt. Von den Farben will ich nicht reden; in Silbergrau und Tonlos-Beige sehe ich aus wie soeben dem Grab entstiegen, aber das zumindest könnte man leicht abändern.

Interweave Knits Spring 2009

Today, the magazine was in my mailbox. And I like: Nothing. Not a single item inside really appeals to me, matches my style, incites me to grab my needles.
The “Saoirse Shawl” is quite funny, but it would look ridiculous on me. The “Fountain Pen Shawl” is a beauty, but not very practical for a convinced backpacker using local public transport. The “Petal Halter”, although original, makes even the slender model look plump. The purple dress with flowers is unsuitable for work. The colourful scarf has yuck! floats on the back. “Sweet Tee” seems to be too tight even for the model girl. Most of the various jackets have closures that do not protect against bronchitis. I don’t like any of them although I’m usually fond of jackets. The only garment that I might consider would be Teva Durham’s Watered Quartz Tee, but I’m afraid the neckline fits badly. I won’t mention the colours; silver gray and dreary beige do not suit me, but at least this could be easily modified.

Schnäppchen – Bargain

Dieses Garn war vergangenen Monat bei Jannette im Sonderangebot erhältlich, und deshalb gönnte ich mir davon zwölf Knäuel. Ich habe es vor längerer Zeit schon mal in anderen Farben verstrickt und finde, dass es nicht nur gut zu verstricken, sondern auch angenehm zu tragen ist.
Voraussichtlich wird es ein relativ schlichter Pullover, vielleicht mit dem einen oder anderen Zopf oder ein wenig Lochmuster. Und ja, Beige steht mir sehr gut. 🙂

Noro Cash Iroha

Last month, this yarn was on special offer at Jannette’s, and that’s why I treated myself to twelve balls of it. I’ve used it some time ago in different colours and in my opinion it is not only nice to work with but also a pleasure to wear.
It will probably be turned into a relatively plain sweater, perhaps with some cable or other or a bit of lace. And yes, beige suits me well. 🙂

Die verstrickte Dienstagsfrage – the Wool Sheep’s question 7/2009

Das Wollschaf fragt: Welche Muster kommen nach deinem Geschmack für Herrensocken in Frage? Darf es da auch mal ein Lochmuster sein?
Zum Glück passen die Präferenzen bei Herrensocken und die Fähigkeiten meiner Strickmaschine perfekt zusammen. Glatt rechts (abgesehen vom Bündchen) ist das Muster der Wahl, und dankenswerterweise hat sich die Strickmaschine auch bei den gedecktesten Farben noch nie beklagt.

The Wool Sheep asks: Which patterns are in your opinion suitable for men’s socks? Would you choose a lace pattern?
Fortunately, the sock preferences of the men I knit for and the abilities of my knitting machine match perfectly. Plain knitting (except the ribbing) is the best choice, and thankfully my knitting machine has never complained about even the dullest of colours.

Unauffällige Halsblende – Inobtrusive neckband

Manchmal möchte man, dass die Halsblende der Pfiff an einem Pullover ist, manchmal soll die Blende aber eher zurückhaltend sein, damit der Schnitt, die Stricktechnik oder das Garn die Hauptrolle übernehmen. Da kann sogar eine einfache Blende im Rippenmuster schon zuviel sein. In so einem Fall ist diese Rollblende eine gute Lösung. Das kuschelig weiche Noro Kochoran mit dem schönen Farbverlauf kommt damit besonders gut zur Geltung.
Gestrickt wird folgendermaßen: Aus der Halskante die benötigte Maschenzahl für die Blende herausstricken, Halskante mal Maschenprobe geteilt durch 10. Im Zweifelsfall lieber ein paar Maschen mehr mit einer dünneren Nadel stricken als weniger Maschen mit dickerer Nadel. Nun zwei bis drei Reihen oder Runden glatt links stricken und dann locker (damit der Kopf durchpasst) abketten. Diese Mini-Blende rollt sich nach innen um die Kante herum und ergibt einen ebenso sauberen wie unauffälligen Abschluss.

Rollkante - rolled neckband

Sometimes you may want the neckline to be the kick of a sweater, but at other times you may rather want an unobtrusive edging to keep the focus on the shape, the knitting technique or the yarn. Even a simple ribbed band may be too much fuss then. In this case, a roll neck like this may be a good alternative. The soft, fluffy Noro Kochoran with its beautiful colour sequences will show to advantage here.
It is worked thus: Pick up and knit the necessary number of stitches around the neck line. If in doubt, pick up more stitches with a finer needle, this will yield a better result than picking up less stitches with a thicker needle. Now work two to three rows or rounds of reverse stocking stitch and cast off loosely (so your head fits through). This mini neckband will roll to the inside and gives a dainty as well as unobtrusive finish.

Die verstrickte Dienstagsfrage – the Wool Sheep’s question 5/2009

Das Wollschaf fragt:
Was steht für Euch bei Eurem Hobby “Stricken” (Häkeln, Färben, Filzen…) im Vordergrund:Einfach der Spaß an der Freud‘, also frei nach dem Motto “erlaubt ist was gefällt und Spaß macht”? oder Absoluter Perfektionismus bei der gesamten Herstellung der Handarbeit und der Anspruch auf ein optimales und perfektes fertiges Produkt? oder von beidem etwas – inwieweit? Sollte alles vollkommen harmonisch aussehen oder darf es auch total verrückt und individuell sein?
Herzlichen Dank an Moni für die heutige Frage!

Ja.
Ja, ich erlaube mir zu stricken, was mir gerade gefällt. Ja, es sollte einigermaßen perfekt sein, denn was wert ist, getan zu werden, ist es wert, gut getan zu werden. Harmonisch, individuell und verrückt schließen sich nach meiner Erfahrung nach nicht aus. Und über Geschmack zu streiten lohnt ohnehin nicht.

The Wool Sheep asks: What do you focus on in your hobby knitting (crocheting, dyeing, felting…)? Simply having fun, anything goes? Or absolute perfection in all aspects from the start to achieve a perfect and ideal product? Or both and to what extent? Should everything fit harmoniously, or may it be totally crazy and individual?
Thank you Moni for today’s question!

Yes.
Yes, I take the liberty to knit what takes my fancy. Yes, it should come out somewhat perfect, for what’s worth to be done is worth to be done well. Harmonious, individual and crazy are not mutually exclusive in my experience. And anyway there’s no accounting for taste.

Die verstrickte Dienstagsfrage – the Wool Sheep’s question 4/2009

Das Wollschaf fragt: “Wenn ihr Wolle ”auf Vorrat“ / ein Schnäppchen kauft, wie viel Gramm / wie viele Knäuel sind es? Kauft Ihr immer genug für einen Pullover ein, damit ihr dann nicht mit dem genialsten Garn für genau dieses Projekt dasteht, davon aber nur 3 Knäuel habt?”
Herzlichen Dank an Matz für die heutige Frage!

Normalerweise habe ich beim Kauf schon eine ungefähre Vorstellung, was draus werden könnte und für wen. Entsprechend wird die Menge kalkuliert. Ich gehe dabei eher nach Metern als nach Gramm, das hat sich für mich bewährt.
Wenn man einige hundert Pullover gestrickt hat, hat man auch gewisse Erfahrungswerte. Die können aber auch täuschen. Ein großer Teil meiner Produktion stammt aus der Zeit, als man lange, weite Säcke mit gerade angesetzten Ärmeln trug. Die schlucken natürlich mehr Material als die moderneren, eher körpernahen Schnitte mit Armkugel. Im Zweifelsfall nehme ich allerdings lieber zuviel Garn als zuwenig.

The Wool Sheep asks: If you buy yarn ahead, how much do you buy? Do you always buy enough for a sweater to avoid having only three balls of the most gorgeous yarn for the perfect project?
Thank you Matz for today’s question!

I normally have a ballpark idea of what to make from a certain yarn and for whom. I calculate the necessary amount accordingly, and rather per length (so many meters) than per weight (so many grams). This has stood the test of time for me.
If you have made hundreds of garments, you have some experience. Unfortunately, this experience can be misleading. A large portion of my production dates back to the time when sweaters were long and roomy with dropped shoulders. Of course they used up more yarn than their modern, fitting, counterparts. But if in doubt, I prefer buying too much yarn rather than not enough.