Die verstrickte Dienstagsfrage 43/2008

Das Wollschaf fragt:
Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben einen provisorischen Anschlag mit Hilfsfaden gemacht, um zuerst nach oben und dann nach unten zu stricken. Ahnungslos habe ich den Kreuzanschlag gemacht (der einzige den ich richtig kann) und dachte, ich kann ihn nachher einfach auflösen. Pustekuchen! Ich muss mühevoll den Hilfsfaden aus jeder Masche herausziehen…kennt ihr eine bessere Möglichkeit für einen provisorischen Anschlag?
Herzlichen Dank an Martina, die selbst keinen Blog hat, für die heutige Frage!

Ich nehme einen Luftmaschenanschlag: Mit dem Häkelhaken und glattem Garn in einer Kontrastfarbe schön locker einige Maschen mehr anschlagen, als man braucht. Faden sicherheitshalber durch die letzte Masche ziehen, damit die Kette nicht sofort davonribbelt. Dann mit der Stricknadel aus der Unterseite der Kette (also nicht da, wohinein man normalerweise häkeln würde) die benötigten Maschen aufnehmen und ganz normal stricken. Die überzähligen Luftmaschen bleiben einfach liegen. Später lässt sich die Luftmaschenkette ganz einfach aufziehen, und man arbeitet auf der anderen Seite des Gestricks weiter.

Voller Erfolg – complete success

Am Freitag berichtete ich vom Schal aus Pompon-Garn. Am Samstag verschenkte ich ihn, und die Empfängerin (Nicht-Strickerin) freute sich sehr darüber, besonders weil er so schön weich ist. Und heute rief sie mich an: Ihre Kollegin, die selbst strickt, wollte wissen, wo man so ein Garn bekommt.

Last Friday, I mentioned the scarf made of bobble yarn. On Saturday, I gave it away, and the recipient (not a knitter) was very happy about it, particularly because it is so very soft to the skin. And today she called me: Her co-worker, a knitter herself, wanted to know where to find this yarn.

Hirnloses Stricken – brainless knitting

In der Stadt, in der ich wohne, gibt es kein Kaufhaus. Wenn man Haushaltszubehör, Geschenkartikel und Trödel aller Art kaufen will, kann man hier in ein merkwürdiges Geschäft gehen, das wegen seiner Preisgestaltung “Komma10” heißt. Dort erledigte ich gestern einige dringende Einkäufe und stieß dabei auf das seltsame Garn, aus dem derzeit alle Welt ebenso seltsame Schals strickt. Schals deshalb, weil man das Garn zu nichts anderem verwenden kann.
Ich wollte auch mal. Das ist dabei herausgekommen. Gedacht ist es als Geschenk für eine liebe Verwandte, die solche Farben gut tragen kann. Knapp vier Knäule à 25 m ergaben einen Schal von 22 cm Breite und 200 cm Länge.

Seltsamer Schal - odd scarf

In the town where I live, there’s no department store. If you need small household items, gifts, or rummage of all kind, you can go to a strange shop named “Komma10” due to its pricing. I had to do some urgent purchases there yesterday, and that’s when I stumbled upon this odd yarn that anybody these days is knitting into similarly odd scarfs. Scarfs because you cannot knit anything else from it.
I wanted to try it, too. This is the result. It’s a gift for a dear relative, who looks good in colours like this. Four balls of yarn, 25 meters each, were enough for a scarf 11 inches wide and 78 inches long.

Die verstrickte Dienstagsfrage – the Wool Sheep’s question 42/20008

Das Wollschaf fragt:
Beim Einräumen meiner Sockenschublade habe ich festgestelt, das ich diese fast nicht mehr zu bekomme. Und daraufhin habe ich mal gezählt wieviele Sockenpaare in meiner Schublade wohnen. Nun würde mich mal interessieren, wieviel Sockenpaare denn die anderen Strickerinnen so haben.
Herzlichen Dank an Michaela für die heutige Frage!!!

Ohne sie jetzt genau durchgezählt zu haben: Es müssten etwas mehr als 30 Paar sein. Alle höchst langweilig glatt rechts auf der Maschine gestrickt, die meisten in “gedeckten” Farben, passend zu meinen gedecktfarbigen Hosen. Socken sind für mich Gebrauchsartikel, sie sollen haltbar, unauffällig und warm sein. Mein Bedarf an aufwendigst lochgemusterten Kaschmir-Kuschelsocken in Rosa für gemütliche Fernsehstunden auf dem Sofa geht gegen Null.
Übrigens, liebes Wollschaf: “Mehrfache Ausrufezeichen sind ein sicheres Zeichen für einen kranken Geist.” – Terry Pratchett: Faust Eric

Sockenschublade, sock drawer

The Wool Sheep asks: While filling my sock drawer, I found I can hardly close it. And then I counted how many pairs of socks I own. Now I would like to know how many pairs of socks other knitters have.
Thank you Michaela for today’s question!

Without having counted them exactly: There should be about 30 or so pairs. All of them most boringly made on the knitting machine in plain knitting, most of them in dull colours, matching my dull-coloured trousers. For me, socks are articles of daily use, I want them to be durable, unobtrusive, and warm. My demand for most elaborately patterned pink cashmere lace snuggle-up-socks for cozy tv hours on the sofa is next to nothing.
By the way, dear Wool Sheep: “Multiple exclamation marks are a sure sign for a diseased mind!” – Terry Pratchett: Faust Eric

Neues aus Portland – News from Portland

Das Rückenteil ist gut zur Hälfte fertig. Das Muster ist angenehm zu stricken, und der Übergang vom Bündchen zum Leibteil verläuft so glatt, wie ich es mir vorgestellt habe.
Das Schnittschema allerdings ist doch recht ungenau. Man soll in etwa 33 cm Höhe Maschen für den Armausschnitt abnehmen, jedoch ist dieser Ausschnitt gar nicht eingezeichnet. Darüber hinaus wäre ich auch nicht unglücklich, wenn ein paar mehr Maße am Schnitt angegeben wären. Natürlich kann ich mir einiges selbst ausrechnen und mir dann die Maße dazuschreiben, aber ein paar zusätzliche Zahlen im Buch hätten doch das Budget für die Grafik kaum übermäßig belastet.

Portland, Rückenteil - part of back

More than half of the back is done. The pattern is pleasing to knit, and the transition from welt to body is as smooth as I had envisioned.
Alas, the schematics are rather vague. You are supposed to decrease some stitches for the sleeve inset after about 13 in, but this section is not shown at all. And I would have liked some additional measurements in the schematics. I can, of course, calculate some of them on my own and fill them in, but some more figures wouldn’t have ruined the book’s graphics budget, would they?

Die verstrickte Dienstagsfrage – the Wool Sheep’s question 41/2008

Das Wollschaf fragt:
Seitdem ich mich in diversen Strickforen ‚rumtreibe‘, Bloggs lese etc., komme ich nicht mehr zum Stricken und sonstigem Handarbeiten. Geht’s Euch auch so? Wieviel Zeit verbringt Ihr mit Surfen im Netz im Vergleich zum Stricken und Umsetzen dessen, was Ihr dort an Anregungen gesehen habt?
Herzlichen Dank an Brigitte für die heutige Frage!

Oh, heute ist es eine schwierige 😉 Frage.
Die Zeit, die ich generell im Internet verbringe, ist schon beträchtlich, nicht zuletzt, weil ich mehrere Websites zum Thema Stricken pflege, darunter ein gut frequentiertes Forum. “Herumsurfen” oder Anleitungen im Web suchen mache ich jedoch nur selten. Wenn man Hunderte von Büchern, Jahrzehntgänge von Zeitschriften und etwas Phantasie besitzt, kommt man zur Not auch ohne Internet-Anregungen zurecht. Da ich gegen Lemmingtum allergisch bin, stricke ich sowieso fast nie das, was gerade bei allen anderen “in” ist. Blogs lese ich per Feedreader, das spart Zeit.
Dass ich trotzdem (zu) selten zum Stricken komme, liegt nicht am Internet, sondern daran, dass es da noch so etwas wie “richtiges” Leben bei mir gibt. Im Zweifelsfall sind mir Menschen wichtiger als ein neuer Pullover.

The Wool Sheep asks: Since I hang around in several internet forums, I have less time for knitting and handcraft. What about you? How much time do you spend surfing compared to knitting the ideas you have found?
Thank you Brigitte for today’s question.

Oh, that’s a difficult 😉 question today.
I spend a considerable amount of time on the Internet, not least because I maintain several knitting-related websites, one of them a well-frequented forum. “Surfing around” or looking for instructions on the web, however, is something I rarely do. If you have hundreds of books, decades of magazine volumes and a bit of imagination, you may well get along without Internet inspirations. As I am allergic to lemmingism, I hardly ever knit what is currently fashionable with others. And for blog reading I use time-saving Feedreader.
I don’t have much time to knit anyway, but this is less due to Internet than to my “real” life. In case of doubt, people are more important to me than a new sweater.

Portland

Wer hier nur an Zement denkt, liegt falsch. Ich jedenfalls denke dabei an Frank Sinatra (zweite Strophe beachten).
Schon seit längerem liegt bei mir Rowan Magpie Aran in Rubinrot herum, und nachdem mir bei Starmores “Malin” schon das Bündchen und sein Übergang ins Leibteil nicht gefiel, habe ich mich schließlich für “Portland” aus “A Fine Fleece” entschieden. Meine Maschenprobe im großen Perlmuster stimmt zwar nicht mit der angegebenen überein, aber beim Zopfmuster wird es dann schon passen.

An dieser Stelle möchte ich nicht verhehlen, dass ich mit dem Rückenteil dreimal begonnen habe, weil ich die Anleitung nicht genau genug gelesen habe — wehe, es hat jetzt jemand gelacht! Zuerst machte ich einen gewöhnlichen Kreuzanschlag. Dann las ich in der Anleitung, dass man gleich mit einer Hinreihe im Muster beginnen soll. Aha, dachte ich, dann ziehe ich es lieber wieder auf und beginne mit dem spiegelverkehrten Kreuzanschlag. Dabei hält die rechte Hand den Faden, die linke bewegt die Nadel, und man kann danach gleich mit einer Hinreihe anfangen. Als ich dann so weit war, sah ich, dass schon in der ersten Reihe Maschen verkreuzt werden. Das mag ich aber überhaupt nicht, weil dann für meinen Geschmack zuwenig Masse zum Verkreuzen vorhanden ist. Also zog ich auch meinen zweiten Versuch wieder auf, fing erneut mit dem “normalen” Kreuzanschlag an, platzierte auch gleich Markierungsringe und strickte danach eine improvisierte Rückreihe, bei der die Markierer mir eine gute Hilfe waren. Darüber kam dann die erste Hinreihe mit verkreuzten Maschen, und so ließ es sich auch gut stricken.

Portland Start

If you only think “cement”, you may want to think again. For me, it’s a reminiscence of Frank Sinatra (note the second verse).
I’ve been owning some Rowan Magpie Aran in ruby red for some time, and after trying Starmore’s “Malin” and disliking the transition from welt to body, I opted for “Portland” from “A Fine Fleece”. My gauge swatch in double moss stitch does not fit at all, but I’m confident that the cable patterns will come out right.

At this point I won’t conceal that I started the back three times because I did not read the instructions properly — and don’t you dare laugh! First, I started with an ordinary German longtail cast-on. Then I read that you are supposed to start with a right side row. Oh well, I thought, it’s better to start over and use the mirror-imaged longtail cast-on. You do it by holding the yarn in the right hand and moving the needle with the left hand. Then I wanted to start knitting and found that there are stitches to be crossed in the first row. This is something I do not like at all because there is not enough “knitted matter” for cabling in the first row. So I re-did my second attempt and again made an ordinary longtail cast-on, placing stitch markers as I went and then improvised a wrong-side setup row. Atop of it, it was easy to knit the first right-side row with cabled stitches.

Die verstrickte Dienstagsfrage – The Wool Sheep’s question 40/2008

Das Wollschaf fragt:
In der Interweave Knits vom Winter gab es einen Artikel, der sich mit der Frage beschäftigt, ob (und warum) mache StrickerInnen eher prozess- und andere eher produktorientiert stricken. Das würde mich auch interessieren. Ist für Euch der Prozess des Strickens oder das fertige Produkt entscheidend?
Herzlichen Dank an Wassilissa für die heutige Frage!

Für mich sehr einfach zu beantworten: Ich bin Produktstrickerin und will ein Ergebnis erzielen. Dinge, für die ich keine echte Verwendung habe, stricke ich kaum. Falls mir doch mal so etwas auf die Nadeln gerät, z.B. weil ich etwas ausprobieren möchte, dann endet es leider gelegentlich als UFO. Wird es dennoch fertiggestellt, dann wird es verschenkt.
Übrigens habe ich in der letzten Winter-Ausgabe der IWK keinen solchen Artikel gefunden. Vielleicht kann Wassilissa ja noch mal gucken, um welche Zeitschrift, Ausgabe und vielleicht sogar Seite es sich handelte?

The Wool Sheep asks: There was an article in the Winter issue of Interweave Knits covering if (and why) some knitters are process oriented and some are product oriented. What is more important for you, the process of knitting or the finished product?
Thank you Wassilissa for today’s question.

This is very easy to answer for me: I am a product knitter and I want to achieve a result. I hardly ever knit things that I don’t have any use for. If such things get onto my needles anyhow, e.g. because I want to try something out, they often end as UFOs. If they get finished, I give them away.
By the way, I could not locate such an article in the last IWK winter issue. Maybe Wassilissa could check in which magazine and issue and perhaps even on which page it was?

Die verstrickte Dienstagsfrage – the Wool Sheep’s question 39/2008

Das Wollschaf fragt:
Welche alte, ausgelaufene Lieblingswolle würdest Du gerne wieder auflegen lassen und warum? Welche/s Lieblingsteil/e hast Du damals damit gestrickt?
Herzlichen Dank an den Wollmops für die heutige Frage!

Das ist sehr einfach zu beantworten: Stahlsche Wolle “Skyline” (wurde bei Fischer Wolle unter dem Namen “New Line” angeboten), 100 % Schurwolle superwash, 150 m Lauflänge auf 50 g. Als diese Qualität vor mehreren Jahren auslief, habe ich noch mal richtig zugeschlagen und jetzt immer noch genug für vier bis fünf Pullover in meinem Vorrat. Das Garn eignet sich bestens für die Strickmaschine, ist aber auch zum Handstricken nicht zu dünn. Es war in vielen Farben erhältlich, Strukturmuster aller Art kommen damit großartig heraus, und es ist dünn genug für Norwegertechnik. Insgesamt habe ich fast zwanzig Modelle aus dieser Wolle gearbeitet. Die letzten Teile, die ich damit gestrickt habe, sind diese:
Blauer Raglanpullover
Tee Party Variante
Pullover mit Applikationen
Zum allerersten Mal habe ich “Skyline” übrigens im Januar 1991 gestrickt, und der seinerzeit entstandene Pullover (siehe Bild) gehört immer noch zu meinen Lieblingsstücken. Das Bild entstand übrigens heute, der Pullover sieht immer noch aus wie neu.

Raglan-Ringelpullover aus “Skyline”

The Wool Sheep asks:
Which discontinued favourite wool would you like to have revived, and why? Which favourite garments did you make from it?
Thank you Wollmops for today’s question.

This is easy to answer: Stahlsche Wolle “Skyline” (sold by Fischer Wolle as “New Line”), 100 % pure new superwash wool, 150 m per 50 g. When this yarn was discontinued several years ago, I bought a larger quantity and still have enough left in my stash for four or five sweaters. The yarn is perfectly suited for the standard gauge knitting machine, but not to fine for hand knitting. It was available in many colours. It shows texture very well, but is also suitable for fairisle knitting. All in all I made nearly twenty garments from it, the last ones being:
Blue raglan sweater
Tee Party variation
Sweater with appliqué
I first used this yarn way back in January 1991, and the sweater I made then (see photo) is still one of my favourite garments. By the way, the photo was made today, the garment still looks like new.

Die verstrickte Dienstagsfrage – the Wool Sheep’s question 38/2008

Das Wollschaf fragt:
Mich würde einmal interessieren, ob und wenn ja warum einige Schafblogger auf bestimmt Fragen antworten und auf andere nicht – liegt’s an der Frage, ist es eher Zufall, ob man Zeit hat oder nicht, gibt’s ganz andere Gründe? Ich bin gespannt auf Eure Antworten!
Herzlichen Dank an Andrea für die heutige Frage!

Ich beantworte Fragen, zu denen ich einen sinnvollen Kommentar geben kann. Antworten im Stil von “ich hab keine Ahnung, aber ich schreib trotzdem was” sind nicht so mein Ding. Lieber lasse ich dann eine Frage aus.

The Wool Sheep asks:
I would like to know if and why some bloggers respond to certain questions and ignore others – is it the question, is it by chance, whether you find the time or not, are there other reasons? I’m curious about your answers!
Thank you Andrea for today’s question!

I reply to those questions that I can comment on sensibly. Answers like “I don’t have a clue, but I’m writing an answer anyway” are not my cup of tea. I’d rather omit a question.