Die verstrickte Dienstagsfrage 30/2010

Das Wollschaf fragt diesmal:
Ich verwende sehr gern handgefärbte Wolle, die immer in Strängen geliefert wird. Erheblich weniger gern verbringe ich meine Zeit damit, diese Stränge mühsam per Hand zu Knäueln zu wickeln. Manchmal verheddert sich der Faden beim Wickeln, manchmal ist der Strang in sich verheddert, es gibt Knoten, die man fluchend aufdröseln muss, man hat keine passende Stuhlrückenlehne oder sonstwas zum Abwickeln des Garns – kurzum, die Zeit, die ich mit dieser höchst ungeliebten Tätigkeit gezwungenermaßen verbringe, würde ich viel, viel lieber ins Stricken investieren! Ich bin nämlich Strickerin, nicht Wicklerin. 🙂
Wo und wie macht ihr das mit dem Aufwickeln? Warum kriegt man die wunderschöne Wolle von den allseits bekannten Wollfärbekünstlerinnen nicht gewickelt? Gehört das mit zum Mythos “handgefärbte Wolle” oder gibt es einen sachlichen Grund dafür?
Herzlichen Dank an Karin für die heutige Frage!

Dann mal der Reihe nach:
Zum Aufwickeln benötigt man eine (möglichst verstellbare) Haspel und einen Wollwickler. Der Strang wird auf die Haspel gespannt, so dass er halbwegs straff ist. Dann sucht man sich den Knoten, schneidet ihn auf und befestigt das Fadenende am Wollwickler. Und dann wird gewickelt. Das dauert keine zehn Minuten pro 400 m, ist also kein dramatischer Aufwand.
Es kommt vor, dass ein Strang in sich verdreht und der Faden scheinbar verheddert ist. Das scheint aber nur so, in Wirklichkeit verläuft er ganz glatt, denn der Strang ist schließlich von der Färberin glatt aufgewickelt worden. Wenn man an so eine Hedderstelle kommt, dann hilft es, den kompletten Strang auf der Haspel ein wenig in sich zu verwinden, so dass der scheinbar verhedderte Faden nach obenauf kommt. Danach geht es normalerweise problemlos weiter. Den Faden irgendwie und -wo durchziehen zu wollen ist jedenfalls eine ganz schlechte Lösung, damit produziert man überhaupt erst Knoten.
Tja, und warum ist die Wolle im Strang und nicht im Knäuel? Ganz einfach: Weil sie zum Handfärben im Strang sein muss, sonst funktioniert das Handfärben nämlich nicht.
Und weshalb wird solcherart gefärbtes Garn nicht zu handelsüblichen Knäueln verknäuelt? Weil man dazu spezielle Industrie-Knäuelmaschinen benötigt, die sehr teuer sind und die den Preis für handgefärbte Wolle nochmals in die Höhe treiben würden. Das Knäueln kostet ja auch noch Zeit.
Stränge lassen sich mindestens so einfach lagern wie Knäuel, vielleicht sogar noch besser, man kann sie nämlich aufhängen und auch mehrere zusammengehörige Stränge miteinander verbinden, so dass sie nicht einzeln durch die Gegend fliegen. Ein weiterer Vorteil ist für mich, dass man einen Strang nahezu beliebig auseinander- und wieder zusammendröseln kann. Dabei erkennt man viel besser, welche Farben tatsächlich im Garn sind, als bei einem Knäuel, bei dem man nur das Äußere sieht.

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