Die wundersame Maschenvermehrung

Strickanfängern passiert es gelegentlich, dass sie nach einigen Reihen ungewollt mehr Maschen auf den Nadeln haben als zuvor beim Anschlag. Der Frust über dieses seltsame Phänomen kann so weit führen, dass man das Stricken komplett aufgeben will.

Besonders ärgerlich ist es, wenn eine unschuldige Anfängerin sich auch beim besten Willen nicht erklären kann, wie es dazu kommt. Sie ist sich keiner Schuld bewusst, hat nach bestem Wissen und Gewissen nur geradeaus gestrickt, und trotzdem sind da im Laufe diverser Reihen einige überzählige Maschen entstanden, wie auf dem Bild unten zu erkennen ist:

Schuld daran ist der Arbeitsfaden; genauer gesagt, seine Position zu Beginn einer Reihe. Angenommen, die erste Masche der Reihe soll rechts gestrickt werden. Dafür muss man den Arbeitsfaden hinter die Nadel bringen. Entweder zieht man ihn unter der Nadel hindurch nach hinten oder aber über die Nadel hinweg. Und genau hier liegt die Ursache der wundersamen, aber unerfreulichen Maschenvermehrung.

Holt man den Faden unter der Nadel nach hinten, dann gibt es keine Probleme. Jede Schlaufe auf der Nadel bildet eine Masche, alles ist gut. Zieht man den Arbeitsfaden jedoch über die Nadel nach hinten, dann kommt es zur Vermehrung: Da, wo eigentlich die erste Masche sein sollte, befinden sich tatsächlich zwei Schlaufen, und die lassen sich auch einzeln abstricken. Schwupps, hat man eine Masche zuviel.

Woher diese zwei Schlaufen kommen, lässt sich gut erkennen, wenn man eine Reihe mit einer anderen Farbe strickt: Der Arbeitsfaden, den man über die Nadel nach hinten legt, zieht die Maschenglieder der letzten Masche der Vorreihe hoch, erkennbar an der Farbe, die eigentlich in die Vorreihe gehört.

Diese Schlaufen, die zudem auch nur zu einer einzigen Masche gehören, sollen aber gar nicht gestrickt werden. Deshalb muss für die erste Masche der Arbeitsfaden unbedingt unterhalb der Nadel bleiben, für eine rechte Masche hinter der Nadel, für eine Linksmasche vor der Nadel. Wenn man das beachtet, ist man sicher vor ungewollten Zunahmen.

Es gibt übrigens eine Technik, bei der man absichtlich den Arbeitsfaden nach hinten über die Nadel zieht: Bei der Doppelmasche in einer verkürzten Reihe, um ein Loch beim Wenden zu vermeiden. In diesem Fall passiert das aber mitten im Gestrick, auf keinen Fall bei der ersten Masche, und man strickt die beiden hochgezogenen „Beinchen“ später zusammen als eine Masche ab. Aber Doppelmaschen und verkürzte Reihen gehören zu einer anderen Geschichte, zu der es bereits allerlei hilfreiche Tutorials im Internet gibt.

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