Gequiltete Kissen

Das Stiften von öffentlich nutzbaren Bänken am Rande von Spazierwegen ist hierzulande recht beliebt; und ein früherer Kollege von mir bekam zum Eintritt ins Rentnerdasein so eine Bank gestiftet. Mein erster Gedanke dazu war: Der Mann benötigt Sitzkissen, für sich und seine Angetraute.

Also machte ich mich ans Werk. Ich hatte nach längerer Pause wieder einmal Lust auf Patchwork und Quilten, und da die Namen der zu Beschenkenden kurz sind, wollte ich sie in Pixelform auf die Kissen bringen. Ein 10×10-Raster aus zwei Zoll großen Quadraten sollte dazu genügen. Auf Karopapier waren erste Entwürfe schnell gemacht.

Stoffreste aus Baumwolle in Blautönen befanden sich noch in meinem Vorrat, die wollte ich verwenden. Ein Kissen sollte Dunkelblau als Grundfarbe haben, das andere Hellblau. Auf meinen Rasterzeichnungen zählte ich aus, wie viele helle und dunkle Quadrate nötig waren und wie viele aus je einem hellen und dunklen Dreieck. Komplexer als nötig sollte es nicht werden, deshalb plante ich, anstelle der äußeren Quadratreihen lange Stoffstreifen anzubringen. Zuerst schnitt ich den Stoff für die Dreiecks-Quadrate zu und nähte sie zusammen. Dann wurden die hellen und dunklen Quadrate zugeschnitten. Mittendrin begann ich, mir Gedanken über das Batting bzw. Vlies zu machen. Sollte ich nur Bezüge nähen, bestenfalls mit einem dünnen Vlies, und sie mit gekauften Kissen füllen? Falls Bezüge, sollten sie abnehmbar sein? Oder wären komplett durchgequiltete Kissen mit dicker Polsterung besser? Würde meine Nähmaschine, so großartig sie auch ist, mit so dicken Lagen zurechtkommen? Ich fragte in einer Mailingliste um Rat, konnte mich aber nicht entscheiden. Und damit ergab sich eine lange, lange Pause.

Vor zwei Monaten wurde es jedoch höchste Zeit, das Projekt wieder in Angriff zu nehmen und fertigzustellen. Die meisten kleinen Quadrate waren zum Glück bereits vorhanden. Die fehlenden kamen schnell dazu, und ich ordnete sie den Zeichnungen entsprechend an. Zwischendurch hatte ich bereits beschlossen, die Rückseite aus Streifen-Zuschnitten (Kona Rollup in verschiedenen Blautönen aus meinem Vorrat) zu nähen, weil ich keine ausreichend großen Reststücke hatte. Die Quadrate der Vorderseiten nähte ich erst zu Streifen, dann zum großen Quadrat zusammen; bei den Rückseiten laufen die Streifen von der Mitte aus von hell nach dunkel.

Ganz spontan fiel mir auch eine Lösung fürs Vlies ein: Weshalb nicht Vorder- und Rückseite getrennt quilten und nur durchs Binding verbinden? Ich bin keine Quilt-Expertin und weiß nicht, ob das eine klassische Vorgehensweise ist, aber für meine Zwecke war es perfekt. Die Rückseiten bekamen ein relativ dünnes Vlies aufgebügelt und wurden nur in diagonalen Linien gequiltet. (Diagonal, damit ich nicht auf eine exakte Mittellinie achten musste; das hätte nämlich mehr Sorgfalt erfordert, als ich aufbringen konnte.)

Für die Vorderseiten verwendete ich ein besonders dickes Volumenvlies (Freudenberg P 250). In erster Linie wollte ich die eingepixelten Namen betonen. Deshalb kam kein „klassisches“ Quiltmuster in Frage, sondern ich nähte die Konturen der Buchstaben nach und zog ein paar Freihand-Linien dort, wo mir die Zwischenräume zu groß erschienen. Bei diesem Vlies soll der Abstand zwischen zwei Quiltlinien 15 cm nämlich nicht überschreiten.

Fürs Binding verwendete ich wieder Rollup-Streifen; die kommen fix und fertig in der richtigen Breite. Damit sich alles gut nähen ließ, schnitt ich das dicke Vlies so weit wie möglich zurück. Es musste nicht mit ins Binding gefasst werden; das erleichterte die letzten Arbeitsschritte. Probleme gab es trotzdem, weil der Oberstoff teilweise aus dem Binding herausrutschte, obwohl ich ihn mit vielen Stecknadeln gesichert hatte. Da half dann nur trennen und neu nähen.

Mit dem Ergebnis bin ich aber sehr zufrieden. Zwar ist nicht alles perfekt rechtwinklig geworden, aber dafür ist es eben selbst gemacht; und das Design selbst dürfte ziemlich einmalig sein.

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