Etwas Kleines zwischendurch

Normalerweise nehme ich keine Strick-Aufträge an, sondern stricke nur, wonach mir der Sinn steht. Kürzlich jedoch bat mich ein Arbeitskollege, für seine Nichte einen Pullover in Größe 86 zu stricken, ähnlich einem Pulli, den ich Anfang dieses Jahres ohne Auftrag für seine Tochter angefertigt hatte. Solche kleinen Sachen in glatt rechts sind unkompliziert und flott gestrickt, vor allem wenn man sich die Maschenprobe sparen kann, weil man das Garn schon kennt. Zwei Tage habe ich gebraucht, und wenn nicht diverse Wochenend-Pflichten dazwischen gekommen wären, hätte ich es auch an einem Tag geschafft.

Kinderpulli Größe 86

Material: knapp 160 g Wollmeise 100 % Merino, davon etwa 130 g in Farbe “Flower Power” (Gelb-Lila-Fuchsia) und für die Bündchen 25 g in Farbe “Lavendel”, die im Multicolor enthalten ist. Das Halsloch sieht auf dem Foto sehr klein aus, aber ich kann versichern, dass sogar mein Kopf hindurchpasst.
Eventuell peppe ich den Pulli noch mit ein paar lila Strickblümchen auf, aber dazu will ich den Kollegen erst befragen. Allzu mädchenhaft und verspielt soll das fertige Teil nämlich nicht sein.

Gestricktes zusammennähen

Eigentlich nähe ich Stricksachen ganz gern zusammen. Ich weiß, wie man ordentliche Randmaschen produziert, und damit ist es ein Kinderspiel, mit Matratzenstich ebenso ordentliche Nähte zu fabrizieren.
In diesem speziellen Fall allerdings hilft mir der Matratzenstich nicht wirklich weiter, denn hier füge ich Taschenvorder- und -rückseiten zusammen. Das mache ich im Steppstich: Auf der Unterseite zwei Querfäden in eine Richtung auffassen, auf der Oberseite einen Querfaden in die Gegenrichtung, so entsteht eine kaum sichtbare, sehr saubere Naht. Trotzdem ist es eine elende Zählerei, man muss schon sehr genau hinschauen, und so richtig begeistert bin ich von dieser Arbeit nicht. Ich hoffe, die fertige Jacke wird mich dann irgendwann für die Mühe entschädigen.

Tasche, Rückseite

Ich verarbeite hier übrigens ein rostfarbenes Angoragarn (70 % Angora, 30 % Lammwolle), das ich vor zehn Jahren via Ebay gekauft habe. Zum Glück habe ich genügend von dem Zeug, denn fast jedes Knäuel enthält mindestens eine “morsche” Stelle, an der das Garn schon beim Aufspulen reißt. Und wenn diese Stelle ziemlich nahe am Knäuelanfang oder -ende liegt, dann mache ich mir nicht die Mühe, den kürzeren Rest überhaupt noch zu verwenden.

Tasche, Vorderseite

Ach ja, das Design: Glatt rechts mit einem simplen Lochmuster-Motiv auf den schon erwähnten Taschen und den Armkugeln. Angora und Muster passen nur bedingt zusammen, und selbst einfache Lochmuster sind bei diesem reißfreudigen Garn nur Leuten mit starken Nerven zu empfehlen.

Die verstrickte Dienstagsfrage 19/2011

Das Wollschaf fragt diese Woche:
Hast Du in einer schwierigen Lebenssituation Stricken schon mal als eine Art Therapie empfunden? Magst Du darüber erzählen?

Diverse Male habe ich sehr schwierige und belastende Situationen durchgemacht, und auch meine derzeitige Lage ist seit langem alles andere als normal. Vielleicht ist Stricken nicht direkt Therapie, denn es kann meine Situation nicht ändern. Es hilft mir aber, sie zu ertragen. Wenn ich kreativ sein kann, verbessert sich mein Befinden. Depressive Verstimmungen hellen sich auf, Kummer ist weniger spürbar, und im größten Chaos, egal ob gefühlt oder real, hilft es mir ungemein, aus einem Faden etwas Zwei- oder Dreidimensionales, einen anderen “Aggregatzustand” und eine Art von Ordnung zu produzieren. Durch Stricken kann ich Wartezeiten sinnvoll überbrücken und erzwungenen Leerlauf anders nutzen. Je nachdem kann ich mich dabei total vom Alltag ablenken oder meine Gedanken schweifen lassen. Beides ist für mich wichtig, deshalb versuche ich, mir regelmäßig Zeit dafür zu nehmen.

Eulen nach Athen oder Wolle nach Thüringen

Letzten Monat berichtete ich, dass ich am Münchner Hauptbahnhof die neueste Ausgabe der britischen Zeitschrift “Knit” (ehemals “Yarn Forward”) gekauft hatte, und dass sie mir sehr gut gefiel. Deshalb habe ich sie nun online abonniert. Gestern bekam ich zu meiner Überraschung als neue Abonnentin ein Knäuel Sockengarn nebst einem Nadelspiel (2,5 mm) als kleines Begrüßungsgeschenk.

alwo Sockenwolle, Geschenk aus UK

Und leicht belustigt las ich auf der Banderole die Herkunft:
alwo Altenburger Handarbeiten (eine gute Autostunde von hier), Made in Turkey, Schoeller Süssen GmbH. Dieses Knäuel ist also weit gereist und doch nicht weit gekommen. Und was es wird, steht schon fest: Ein Paar Herrensocken in Größe 44.

Die verstrickte Dienstagsfrage 18/2011

Das Wollschaf fragt diese Woche:
Wie schafft Ihr es, dass Eure nichtstrickenden Familienmitglieder, also sicher speziell die Ehemänner, das ständige Gestricke mit seinem Nadelgeklapper, der herumliegenden Wolle, den Stapeln von Anleitungen, das Suchen nach denselben, die Wollsucht an sich und das Maschenzählen fast bis in den Schlaf aushalten?
Habt Ihr “Tricks”, gibt es interessante Kompromisse oder nehmen die besseren Hälften das einfach so hin oder bemerkt Ihr gar ab und an etwa Anzeichen des Abgleitens in Frust und Verzweiflung?
Vielen Dank an Froggie für die heutige Frage!

Bei mir gibt’s zum Glück keine Probleme in dieser Hinsicht. Dass ich Stricken für mein seelisches Wohlbefinden brauche, wird zwar gelegentlich belächelt, aber ansonsten akzeptiert. Ich muss nur drauf achten, dass das sichtbare Strickzubehör nicht überhand nimmt. Die fertigen Produkte jedenfalls werden immer wieder gern genommen.

Die verstrickte Dienstagsfrage 17/2011

Das Wollschaf fragt diese Woche:
Jede(r) hat gelegentlich mal ein Strickproblem. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten zu fragen: Man wendet sich an Oma oder Tante, man konsultiert das örtliche Wollgeschäft, man wendet sich im Internet z.B. an eine Mailingliste oder ein Forum oder geht zu Ravelry. Wo fragst Du nach, wenn Du nicht weiter weißt?
Vielen Dank an Kerstin (das bin ich) für die heutige Frage!

Hilfreiche strickende Verwandte hatte ich leider nicht, als ich vor knapp 30 Jahren (lange vor dem Beginn des Internet für jeden) das Stricken ernsthaft wieder aufnahm. Jedoch kaufte ich mir frühzeitig brauchbare Literatur, wie z.B. das Burda Strick-Lehrbuch oder “Perfekt stricken” von Hanna Jaacks. Darin wird alles Wichtige gut erklärt.
Generell frage ich eher wenig, sondern recherchiere lieber selbständig, um eine Antwort auf meine Fragen zu finden. Auch heute noch schaue ich zuerst in meine umfangreiche Bibliothek. Erst wenn sich dort und mit eigener Recherche keine Hilfe findet, kommt die nächste Instanz, fachkundige Mitstrickerinnen z.B. im Strickforum oder im Stricknetz. Damit ließ sich bisher noch jedes Problem lösen. Früher war ich auch in Mailinglisten wesentlich aktiver, aber dafür fehlt mir mittlerweile leider die Zeit.
Ravelry konsultiere ich weniger bei reinen Strickfragen, sondern eher, um mir ein Bild z.B. von einem Modell oder einem bestimmten Garn zu machen.

Verspätetes Geschenk

Rechtzeitig zu Ostern bekam ich noch ein verspätetes Weihnachtsgeschenk. Ich finde es so toll, dass ich es Euch auch zeigen möchte.

verstellbarer Teigroller

Es ist ein Teigroller, an den man seitlich Scheiben mit drei verschiedenen Durchmessern anschrauben kann. Damit lässt sich Teig in gleichmäßiger Stärke (2, 6 oder 10 mm) ausrollen. Ich freue mich schon darauf, dieses Ding beim nächsten Kuchenbacken auszuprobieren.

Ostereinkauf

Heute morgen stürmte ich eine Minute nach acht in den Supermarkt, und innerhalb einer knappen halben Stunde hatte ich alles beisammen, was für die kommenden vier Tage benötigt wird. Wie letztes Jahr gibt’s auch diesmal den Kassenzettel dazu.

Oster-Kassenzettel

Ergänzen möchte ich noch, dass es sich bei der scheinbaren Bio Mango (ungefähr in der Mitte der Liste) in Wirklichkeit um Bio-Mangold handelt. 🙂 Im übrigen ist nichts Spektakuläres dabei. Es gibt viel Gemüse; für morgen ist Lachs mit grünem Spargel geplant.

Die verstrickte Dienstagsfrage 16/2011

Diesmal fragt das Wollschaf :
Besitzst Du “historisches” Handarbeitszubehör, z. B. alte Strick- oder Häkelnadeln, Anleitungshefte, Klöppelkissen, Stopfeier oder ähnliches? Wie kam es in Deinen Besitz? Verwendest Du es noch, oder bewahrst Du es z. B. nur aus “sentimentalen” Gründen auf?
Vielen Dank an Kerstin (das bin ich) für die heutige Frage!
Das Wollschaf wünscht euch ein schönes Osterfest.

Zunächst mal ein ebenso schönes Osterfest zurück. 🙂
Mein Besitz an einschlägigen “Antiquitäten” beschränkt sich auf ein paar selbst gekaufte alte Anleitungshefte (z.B. diverse “Constanze”-Hefte aus den 1950ern) sowie Schachenmayr “Lehrbuch der Handarbeiten”, Band 1 und 2 von 1939. Alles andere ist weitgehend zeitgenössisch; ein großer Teil meiner aktiv genutzten Stricknadeln stammt aber noch aus den 1980er Jahren, was ja mittlerweile auch schon ziemlich alt ist.
In meiner Familie waren die Freude und das Interesse an Handarbeiten nicht besonders verbreitet; ich bin da etwas aus der Art geschlagen. Ich erinnere mich nur an eine altjüngferliche Großtante, die viel gestrickt hat. Sie fertigte sogar ihre Unterwäsche selbst aus feinem Baumwollgarn (rosa, hellblau, zartgelb, lindgrün, alle mit verschiedenen Lochmustern) an und überlegte gründlich, bevor sie sich eine fliederfarbene Garnitur strickte, weil sie diese Farbe für sehr gewagt hielt. An die Farben erinnere ich mich vor allem deshalb so genau, weil ich aus den Resten Kleider für meine “Petra”-Puppe häkeln durfte. Was aus den Stricknadeln besagter Großtante geworden ist und woher sie die Anleitungen für ihre Unterwäsche hatte, weiß ich nicht mehr; sie ist vor über 30 Jahren verstorben.

Biologisch ist…

wenn der Spinat (der erste in diesem Jahr) bewohnt wird. Diese Bewohnerin maß übrigens nur zwei Zentimeter, sah mit ihren Fühlerchen aber allerliebst aus.

Schnecke im Bio-Spinat.jpg

Alles in allem waren es drei Schnecken aufs Kilo, alle noch sehr klein, und ich habe sie natürlich beim Gemüseputzen entfernt. Die Foto-Session fand gestern im Mülleimer statt.