WIPs: Zuwenig? Genau richtig? Zuviel?

Es ist zwar schon relativ spät, aber da ich lange nichts von mir hören bzw. lesen ließ, wünsche ich meinen Leserinnen und Lesern erst einmal ein schönes und erfolgreiches neues Jahr. Gute Vorsätze für 2020 habe ich übrigens keine; in meinem Alter sollte man unrealistischen Träumen nicht mehr nachjagen.

Stattdessen rätsele ich zur Zeit darüber, wie viele WIPs ein Mensch braucht beziehungsweise verkraftet. Vor Weihnachten hatte ich, wenn ich mich recht entsinne, vier. Eines kam jeweils zum Stricktreff mit, eines war als Weihnachtsgeschenk vorgesehen, eines fürs Stricken zuhause, und das letzte lag mangels Zeit auf Halde. Von diesen vier wurde eines fertig, und nein, es war leider nicht das Weihnachtsgeschenk. Zwei weitere, eher kleine Projekte wurden zwischengeschoben und auch tatsächlich beendet. Ein neues, ziemlich anspruchsloses (auf Strickdenglisch: mindless) Teil startete ich, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es sich stricken lässt. Es ist ein Tuch aus Austermann „Delicate Dip Dye“. Ein Knäuel dieses Garns erhielt ich beim Strickbloggertreffen zum Testen. Die Anleitung für ein glatt rechts gearbeitetes Tuch mit erstaunlicherweise nicht rollendem Rand findet sich auf der Innenseite der Banderole. Momentan bin ich damit bei 35 %.

Dreiecktuch, Austermann Delicate Dip-Dye

Das Garn ist relativ kostspielig (22-24 Euro pro 200-g-Knäuel). Aber der Effekt ist hübsch, das Material hat einen schönen Fall, und das Tuch ist wirklich einfach zu stricken, perfekt für Anfänger und alle, die zwischendrin etwas Unkompliziertes wollen.

Und nun reizt mich auch noch ein KnitAlong, der morgen beginnt. Habe ich mir zuviel vorgenommen? Wäre es besser, immer erst ein Projekt fertigzustellen, bevor man das nächste anschlägt? Das würde mir schon schwer fallen, denn zum ersten benötige ich für unterwegs ein Projekt, das nicht viel wiegt, zum zweiten für unseren Stricktreff etwas, das nicht zuviel Aufmerksamkeit erfordert; zum dritten will ich nicht nur einfache und anspruchslose Teile stricken. Zwei bis drei sind für mich also das absolute Minimum. Dann kommt vielleicht noch ein Modell an der Strickmaschine hinzu, oder, falls die Handstrick-Projekte aus eher dünnem Material sind, etwas aus dickerem Garn, und schon bin ich bei vier bis fünf WIPs. Und wenn ich zwischendurch über eine absolut unwiderstehliche Anleitung stolpere, für die ich zufällig passende Wolle vorrätig habe – ja, dann können es noch mehr angefangene Teile werden.

Glücklicherweise habe ich kein Problem damit, etwas wieder aufzuribbeln, wenn sich eine oder mehrere von folgenden Einsichten ergibt:

  • Der Strickaufwand steht in keinem gesunden Verhältnis zum erwartbaren Ergebnis.
  • Das Material lässt sich nicht angenehm verarbeiten.
  • Das Muster ist sehr mühsam zu stricken.
  • Meine Größe hat sich in der Zwischenzeit maßgeblich geändert.
  • Das fertige Teil wird für mich keinen Nutzen bzw. Gebrauchswert haben, auch nicht zum Verschenken.

In solchen Fällen ziehe ich das Gestrick reuelos auf. Mitunter fliegt auch das komplette Teil in den Müll, beispielsweise wenn das Garn sich nicht aufziehen lassen will – ich sag nur „Mohair“ – oder wenn die Farbe in verstricktem Zustand das optische Äquivalent zu einem kratzenden Fingernagel auf der Tafel ist.

Wie geht Ihr mit der WIP-Problematik um? Seid Ihr „monogam“, oder braucht Ihr, wie ich, für verschiedene Gelegenheiten verschiedene Projekte? Welche Kriterien sind dabei für Euch wichtig? Und was macht Ihr, um nicht die Übersicht zu verlieren?

5 Gedanken zu „WIPs: Zuwenig? Genau richtig? Zuviel?“

  1. Hallo Kerstin,
    erstmal auch dir ein gutes neues Jahr.

    Ich bewundere Menschen die ein Projekt strikt zuende führen bevor sie etwas Neues beginnen.
    Ich habe auch zwei Großprojekte (eine Zopf-Jacke aus dicker irischer Wolle, ein Pullover in Shadow Knitting) als Dauer-WIPs und ein paar Socken sind eigentlich immer in Arbeit. Dazwischen werden dann Schnell-Projekte wie Spülschwämme aus Bubble-Garn oder BW-Lappen gestrickt/gehäkelt.
    Und dann liegt ständig neben der Couch ein Kreuzstich-Bild (40*40cm) dass ich bereits begonnen in die Ehe gebracht hatte (Hochzeit März 2004) *hüstel*

    Ich hatte mich lange dagegen gewehrt WIPs aufzutrennen, aber mittlerweile sehe ich es ein wenn mir ein Projekt nicht mehr behagt. Ich trenne mich dann auch konsequent vom Material, denn es würde das unangenehme Gefühl bleiben.

  2. Lisbeth sendet schöne Grüße und wünscht alles Gute für das neue Jahr – und bestätigt mit Nachdruck: was sich nicht lohnt, zuende zu stricken, gehört aufgeribbelt!
    Manche WIPs werden deshalb zu Langzeit-WIPs, weil sie nur noch nicht aufgeribbelt sind. Darüber denke ich dann eine kurze Zeit nach und entscheide (häufig für das Ribbeln). Das Leben ist zu kurz für unerwünschtes Strickzeug.

  3. Auch dir ein gutes neues Jahr!

    Zu viele Wips lähmen mich eher. Deshalb gehöre ich zur Fraktion ein Gestrick an dem immer gearbeitet wird und wenn das zu groß wird oder zu kompliziert für mindless um mitgenommen zu werden, dann kann noch was Kleines, Einfaches her.

    LG Annie

  4. Ich wünsche dir ein schönes, neues Jahr.
    Also ich habe zur Zeit eher zu viele Wips… Ich führe eine Liste darüber, die aber mal wieder aktualisiert werden müsste. Da weiß ich dann auch, welche Nadel wo drin steckt…
    Aktuell stricke ich an zwei von ihnen, da sie zu einem bestimmten Datum fertig sein sollen ( Geburtstag)
    Früher habe ich immer brav ein Projekt beendet und dann eins angefangen. Dann hat mich ein Ereignis im Freundeskreis sehr nachdenklich gemacht und ich habe beschlossen, mehr nach dem Lust-und-Laune-Prinzip zu stricken. Im Beruf bin ich immer sehr genau und diszipliniert, das muss ich bei meinen Hobbys aber nicht sein. Da kann ich wie ich möchte. 🙂
    Und so habe ich immer reichlich Wip’s und das gefällt mir sehr gut.
    LG Moni

  5. Ich stricke wirklich schon, seitdem ich ein Kind war. Und das fast ohne Pausen. Vor dem Internet mit der gekauften oder am Telefon bestellten Wolle bei den damals üblichen Lieferanten: ein Projekt fertig gestellt und erst Wolle gekauft, wenn ein neues anstand. Keine WIPs, auch schon aus finanziellen Gründen.

    Aber mit ravelry und englischsprachigen Anleitungen stricke ich erst seit etwa acht bis zehn Jahren. Und in dieser Zeit hat sich mein Verhältnis zu den WIPs sehr verändert. Tatsächlich haben sie mich eine Zeit lang wirklich belastet in dem Sinne, dass ich ein schlechtes Gewissen hatte, dass ein manchmal fast fertiges Projekt aus sehr schöner Wolle Platz beansprucht. Und die Wolle nicht zur Geltung kommt. Einfach, erstens weil ich zwischenzeitlich schon wieder etwas gelernt habe, was dazu geführt hat, dass ich retrospektiv das Projekt gar nicht mehr anschlagen würde (zu langweilig, nicht schön in der Passform ausgearbeitet etc.). Und zweitens, weil ich vielleicht gerade drei Projekte an allen WIPs vorbei mit Begeisterung fertig gestellt habe, die sich super optimal als tragbar und praktisch heraus gestellt haben. Und weil vielleicht drittens die Spannung beim ersten großen KAL, an dem ich teil genommen habe, alles andere in den Hintergrund gedrückt hat. Und ich dann viertens festgestellt habe, das der fünfte WIP mir gar nicht steht!! Ich habe das Projekt vielleicht nur angeschlagen, weil es eine neue Technik war oder in aller Munde oder was auch immer. Und fünftens bin ich total beeinflussbar durch die ganzen neuen wunderbaren Indie dyed Wollen. Die von vorletztem Jahr gefällt mir gerade gar nicht mehr. Da kann auch mal eine Wollmeise vor sich hingammeln, weil sie gerade gar nicht geschmacklich passt. Das ist auch die Gefahr der weltweiten Community.
    So, und nun?? Ribbeln, was wirklich nie fertig werden wird, wenn die Wolle noch gefällt. Sonst: gnadenlos aussortieren und wegwerfen oder nett zweimal im Jahr anschauen, vielleicht wirst Du doch noch was Du liebes WIP. Auf jeden Fall kein schlechtes Gewissen mehr. Ich arbeite viel und hart und Stricken ist mein Hobby. Das Ziel sind schöne und gut tragbare Ergebnisse. Ich freue mich jetzt doppelt über jedes FO, viel mehr als früher. Also im Ende schließe ich ich Moni an!! Glücklich über unser schönes und auch noch so ertragreiches Hobby freuen. Ich zeige die WIPs auch schon mal Freundinnen und wenn die das Teil total gerne tragen würden, ist es auch schon mal schnell fertig gestellt und verschenkt.

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