Alles muss man selbst machen

Vor einigen Wochen kaufte ich mir bequeme neue Schuhe. Farblich liegen sie irgendwo zwischen Senfgelb und Goldocker. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig. Bei der Durchsicht meiner Vorräte zuhause stellte ich dann fest, dass ich kein Garn im Haus hatte, das farblich einigermaßen dazu passte.

Nicht schlimm, dachte ich mir und beschloss, auf dem Wollefest in Leipzig (das vor zwei Wochen stattfand) Wolle in passender Farbe zu kaufen. Zwei Strickerinnen aus der Nachbarstadt waren so nett und nahmen mich im Auto dorthin mit. Ich kaufte auch tatsächlich sehr schöne handgefärbte, leicht melierte Wolle in einem, wie ich fand, angenehmen Gold-Ton. Als ich die Stränge jedoch zuhause neben meine neuen Schuhe legte, sah ich, dass die Färbung viel zu stark ins Orange geht und dass mich mein Farbgedächtnis (auf das ich mir normalerweise einiges einbilde) schlicht im Stich gelassen hatte. Natürlich wird auch dieses Garn irgendwann verarbeitet, aber zu den Schuhen passt es leider gar nicht.

Was tut man in so einem Fall? Man freut sich, dass Steffi von „Inclusio“ in Holzdorf immer mal wieder einen Färbe-Workshop anbietet. Gestern war es so weit. Steffi hatte reichlich Stränge in verschiedenen Qualitäten vorbereitet. Zu siebt stürzten wir uns darauf und natürlich auf die Farben. Damit es auch bestimmt für einen Pullover oder eine Jacke reicht, nahm ich gleich fünf Stränge Merinowolle. Sicherheitshalber hatte ich diesmal auch die gelben Schuhe angezogen, um einen Farbvergleich machen zu können.

Das Färben war ein Riesenspaß. Jede von uns entschied sich für andere Farbkombinationen. Es war faszinierend zu sehen, wie die Wolle die angerührten Farben aufnahm und die Färbeflüssigkeit nahezu wasserklar wurde. Steffi und ihre Kollegin Katja rührten Farben nach Wunsch an und halfen beim Auslegen und Wenden der Stränge, damit die Farbe auch überall hinkam.

Meine Stränge behandelte ich mit Oliv und dunklem Gelb. Am Ende sahen sie ziemlich wild gescheckt aus, fast wie ein Leopardenmuster. Dann kam alles in den Ofen zum Fixieren, und während der Wartezeit gab es eine Art Mittagstisch aus allerlei leckerem mitgebrachtem Essen. Damit es nicht allzu langweilig wurde, schleppten Steffi und ihre Kollegin Katja auch noch eine große Kiste mit bereits fertig gefärbten Strängen und bunten Wollzöpfen an. Die Zöpfe waren (glücklicherweise für mich) aus mittelstarken Garnsträngen geflochten, die weder für meinen Feinstricker noch für den Grobstricker geeignet sind. Somit kostete es mich nicht allzu viel Überwindung, sie den anderen Teilnehmerinnen zu überlassen.

Und dann kam der große Moment: Steffi und Katja brachten die fixierten, noch etwas feuchtem Stränge zu uns. Sieht das nicht grandios aus?

Meine Stränge sind übrigens die braun melierten in der Mitte. Zugegeben, beim Färben habe ich die Nuance der neuen Schuhe nicht perfekt getroffen. Aber insgesamt harmoniert die entstandene Melange wesentlich besser damit als alles, was ich zuvor in Betracht gezogen hatte.

Ich bin schon sehr gespannt, wie die Färbung verstrickt aussieht. Aber zunächst will ich einen fruchtsalatbunten Sommerpulli mit Blockstreifen fertigstellen, dem noch sämtliche Blenden fehlen.

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