Blaubeerzeit und lila Rolle

Im allgemeinen backe ich an jedem Wochenende, und jedes Mal etwas anderes, weil es sonst langweilig wird. Was übrig bleibt, kommt am Montag mit ins Büro und erfreut dort meine Kollegen.

Vergangenes Wochenende gab es beispielsweise Blaubeer-Muffins. Sie gerieten sehr weich, weil ich mehr Blaubeeren hineingerührt hatte als im Rezept angegeben. Zu viele, fand ich, aber eine Kollegin meinte, zu viele Beeren in Muffins könne es gar nicht geben.

Auch an diesem Wochenende entschied ich mich für Blaubeeren, da sie noch einigermaßen gut und günstig erhältlich sind. Allerdings war mir nach einem etwas anspruchsvolleren Rezept zumute.

Im Büchlein „Biskuitrollen“ von Hanna Renz wurde ich fündig. Ihr Grundrezept für Biskuit unterscheidet sich ein wenig von dem, das ich sonst immer nutze. Sie gibt fünf Eier hinein, was einen relativ dünnflüssigen Teig ergibt, der sich quasi von selbst auf dem Backblech verteilt. Sie empfiehlt, bei mehr Hitze und kürzer zu backen, damit der Biskuit nicht zu hart wird und dann beim Aufrollen bricht. Ich hielt mich mehr oder weniger sklavisch an ihre Angaben, und zunächst sah alles auch vielversprechend aus. Man soll die Platte nicht vom Backpapier lösen, sondern sie nach kurzem Abkühlen einfach zusammenrollen. Ich tat wie geheißen, und es brach tatsächlich nichts.

Dann ging es an die Füllung. Heidelbeersaft hatte ich natürlich nicht, stattdessen pürierte ich 200 g Beeren, was ungefähr 200 ml ergab. Diese Masse wurde von selbst verblüffend fest. Das war unproblematisch. Dann aber erwischte ich im Vorratsschrank Gelatinepulver anstelle von Tortenguss. Ich kippte den Inhalt des Tütchens in eine kleine Menge des Beerenpürees und wunderte mich ein wenig über die leicht krümelige Konsistenz, denn Tortenguss ist normalerweise feinpulvrig. Dann erst schaute ich auf die Tüte. Verflixt! Aber da war’s schon zu spät.

Also den größeren Teil des Pürees in einem Topf erhitzt und den Rest, der die Gelatine enthielt, nach einer gewissen Einweichzeit hinzugefügt und aufgelöst. Dann diesen Matsch unter den Quark gerührt. Nun musste ich noch die Sahne steif schlagen und unter das Frucht-Quark-Püree ziehen. Das gelang auch einigermaßen. Trotz einer Stunde Kühlzeit und Festigungsmittel in der Sahne wollte die Masse leider nicht richtig fest werden. Die Rolle musste aber nun fertiggestellt werden. Ich entrollte sie also, so gut es ging, strich die halbfeste Masse auf die Innenseite und streute die dafür vorgesehenen Beeren darüber. Und dann ging es ans Aufrollen.

Bei meinen üblichen Biskuitrollen stürze ich die Platte auf ein mit Zucker bestreutes Geschirrtuch und ziehe das Backpapier noch in warmem Zustand ab. Die Platte lässt sich später sehr zügig und wie von selbst zusammenrollen, indem man einfach das Geschirrtuch etwas anhebt. Diesmal war das Papier gemäß Anleitung aber noch drauf. Und das Abziehen kalten Backpapiers ist – nun, sagen wir mal, die Pest. Stücke der Teigplatte blieben am Papier hängen, und beim langsamen Manövrieren (denn schnell geht das Ablösen leider nicht) quoll mehr von der Füllung an den Seiten heraus, als mir lieb war. Und natürlich riss die Platte dann noch an einigen Stellen. Das ließ sich zum Glück mit etwas Creme passabel verkleistern.
Am Ende sah die Arbeitsfläche aus wie nach einem Massaker. Sollte ich noch einmal ein Rezept aus diesem Buch nachbacken, dann werde ich das Papier auf jeden Fall von der noch heißen Platte abziehen. Man kann es dann umdrehen und immer noch so mit der Platte zusammenrollen, dass später die Seite außen ist, die auf dem Backpapier lag.

Lila Biskuitrolle mit Heidelbeeren

Für alle, die es selbst versuchen wollen, hier das Rezept aus dem Buch:

Zutaten für den Teig:
5 Eier
100 g Roh-Rohrzucker
60 g Mehl
70 g Speisestärke
1 Teelöffel Backpulver

Zutaten für die Füllung:
1 Tütchen weißer Tortenguss
3 Esslöffel Zucker
200 ml Blaubeersaft
300 g Schlagsahne
ggf. 3 Teelöffel San-Apart oder ein ähnliches Mittel
250 g Quark
250 g frische Heidelbeeren

Zubereitung:
Die Eier mit dem Handrührgerät schaumig rühren, dabei den Zucker einrieseln lassen. Mehl, Speisestärke und Backpulver durch ein Mehlsieb hinzugeben und unterheben. Den ziemlich dünnflüssigen Teig auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech streichen und bei etwa 190° (Umluft) ungefähr 10 Minuten backen. Die Platte mitsamt dem Backpapier vom Blech ziehen, das Papier abziehen, umdrehen und die Platte damit wieder einrollen. Auskühlen lassen.

Für die Füllung die Heidelbeeren waschen und so gut wie möglich trocknen lassen. Den Tortenguss mit etwas Saft und dem Zucker anrühren, den restlichen Saft erhitzen und den angerührten Tortenguss unterrühren. Kurz aufkochen und dann abkühlen lassen. Unter den Quark rühren.
Die Sahne mit dem Hilfsmittel steif schlagen und ebenfalls zum Quark geben. Die Masse anziehen lassen, dann
die wieder auseinandergerollte Teigplatte mit zwei Dritteln der Creme füllen. Die Beeren draufstreuen und alles zügig zusammenrollen. Mit der restlichen Creme die Außenseite der Rolle bestreichen. Man kann noch Sahnetupfen und einzelne Beeren draufsetzen und Schokoladenstreusel oder -späne drübergeben; das habe ich mir aber gespart.

Trotz der diversen Zwischenfälle war die fertige, gut durchgekühlte Rolle letztlich sehr lecker. Und – hallo Isa! – in einem anderen Universum hätte sie garantiert ebenfalls Abnehmer gefunden. 🙂

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