Kein einfaches Garn

Die meisten Garne für Handstrickerinnen bestehen aus mehreren Fäden, die miteinander verzwirnt sind. Das erzeugt Stabilität. Daneben gibt es auch Dochtgarne, die im allgemeinen locker und bauschig versponnen sind und bei denen eine Verzwirnung aus Einzelfäden nicht erkennbar ist.

Und dann gibt es noch sehr feine Garne, oft auf Konen und eigentlich für die Industrie gedacht, die man solo kaum verarbeiten kann, weil sie zu dünn sind. Man verstrickt sie deshalb meistens „gefacht“. Dabei liegen mehrere Fäden unverzwirnt nebeneinander. Das können Fäden desselben Garns sein, oder auch verschiedene Qualitäten. Eine Zeitlang gab es viele derartige Zusammenstellungen auf Ebay als „Designergarne“ zu kaufen, gern mit verlockendem Geglitzer.

Ein Nachteil solcher Mischungen ist, dass man nicht weiß, woraus sie tatsächlich bestehen; und noch weniger lässt sich feststellen, ob und wie derartige Garngemische chemisch behandelt wurden. Gerade für Allergiker kann das ein Problem sein.

Es gibt noch ein weiteres, ärgerliches Problem. Man bekommt es allerdings erst zu spüren, wenn man zusammengewickelte, gefachte Garne verarbeitet:

Ganz allmählich bildet einer (seltener auch mehrere) der Fäden im Garngemisch eine länger und länger werdende Schlaufe. Mit jeder Masche wächst sie und droht schließlich, das komplette Garn in einen unlösbaren Knoten zu ziehen. Dann hilft nur noch, die überschüssige Länge beherzt zu kürzen, um alle Fäden wieder zu egalisieren.

Bei diesem Projekt musste ich den überlangen Faden, den man unten sieht, insgesamt vier Mal herausschneiden. Zurückzuführen sind derlei Schlaufereien übrigens auf die unterschiedliche Elastizität der verschiedenen Fäden, die sich beim Wickeln eines Knäuels bemerkbar machen.

Aber es gibt Auswege und Gegenmittel. Wer sein „Designergarn“ nicht in Knäueln bezieht, sondern es aus verschiedenen Konen selbst zusammenstellt, sollte die Fäden direkt von den Konen kommend verarbeiten, ohne vorher Knäuel daraus zu wickeln. Dabei gibt es garantiert keine unerwünschten Schlaufen.

Garne fachen ist nicht die einzige Möglichkeit, ein dickeres Garn aus dünneren Fäden zu produzieren. Wer ein Spinnrad hat, kann mehrere Fäden miteinander verzwirnen. Aber bitte nicht zuviel Drall hineinbringen, sonst schrägelt das fertige Gestrick später, und die Seitennaht liegt auf dem Bauch, wie man es mitunter bei billigen T-Shirts nach der ersten Wäsche erlebt.

Es gibt noch weitere spannende Varianten, ein eigenes Garn zu produzieren. Mit Strickliesel, Strickmühle, von Hand oder ganz komfortabel an der Strickmaschine lassen sich über zwei bis vier Maschen Kordeln aus feinem Garn anfertigen (die hellblaue Kordel oben im Bild), die man ähnlich wie ein Bändchengarn verwenden kann. Wem das Stricken zu mühsam ist, der kann einzelne Fäden auch mit der Navajo-Zwirntechnik oder gleich aus Luftmaschen (die beigefarbene Luftmaschenkette unten im Bild) verhäkeln. Und die Besitzer von Overlock-Maschinen können mehrere dünne Einzelfäden zu einem „Garn“ zusammenketteln.

Alle diese Methoden benötigen zwar mehr Zeit für die Vorbereitung, dafür gibt es aber beim eigentlichen Stricken ganz sicher keine länger und länger werdenden Schlaufen. Und ein zusätzlicher Bonus: Derart angefertigte Garne sind elastisch, im Gegensatz zu gefachten Garnen.

3 Gedanken zu „Kein einfaches Garn“

  1. Mein Beitrag dazu kommt zwar ein bisschen spät, aber vielleicht regt er zum Ausprobieren an: Ich habe ein zum Handstricken viel zu dünnes Garn von der Kone (eine Woll-Baumwollmischung) während des Strickens verhäkelt. Im Prinzip wie Navajozwirn, nur dass ich eben nicht gezwirnt habe, sondern nur lange Häkelschlaufen gemacht. Wie gesagt während des Strickens, und das ging sehr flott und einfach. Man muss nur darauf achten, jede Schlaufe nur soweit zu verstricken, dass am Ende noch genug stehenbleibt, um die nächste Schlaufe durchzuziehen.

  2. Vielen Dank für diesen Beitrag über Garne. Interessant, dass man darauf achten sollte, dass das Garn aus keinem Materialmix besteht, besonders wenn man unter Allergien leidet. Ich möchte zukünftig besonders darauf achten, nachhaltiges Garn zu kaufen, damit meine Häkelwaren auch mit gutem Gewissen getragen werden können, doch das Problem des Materialmixes war mir bisher noch gar nicht bekannt.

    1. Materialmix an sich ist nichts Schlechtes. Auch Standard-Sockenwolle ist z.B. ein Materialmix, in diesem Fall aus Schurwolle und Polyamid, sauber verzwirnt, ordentlich deklariert und angenehm zu verarbeiten.
      Schlecht ist nur, wenn man nicht weiß, woraus ein Mix tatsächlich besteht und was davon eventuell schädlich sein kann.

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