Müllabfuhr für Bastelwastel

Angeblich identifiziert man sich stärker mit einem Thema oder Problem, wenn man freiwillig oder gezwungenermaßen an der Lösung mitarbeitet. Viele Unternehmen haben das zumindest in Vor-Covid-Zeiten mit allerlei Workshops für ihre Mitarbeiter praktiziert. Been there, done that.

Seit langem praktizieren auch die hiesigen kommunalen Dienste eine ähnliche Herangehensweise. Alle Jahresanfänge wieder findet man im Briefkasten eine umfangreiche Broschüre mit Kalendarium, Straßenverzeichnis und einem gesonderten Blatt mit niedlichen Aufkleberchen (hierzulande gern „Klebchen“ genannt), um sich einen persönlichen Abfallentsorgungskalender zusammenzustellen.

Das geht dann ungefähr folgendermaßen:
Zuerst sucht man im recht klein gedruckten Straßenverzeichnis die Straße, in der man wohnt. Dabei achtet man tunlichst auch auf die Hausnummern, da die Abfuhrtermine in ein und derselben Straße je nach Nummer durchaus variieren können. Hier ist also ein scharfes Auge von Nöten. Es empfiehlt sich, die Zeile zusätzlich zu markieren. Ihr dürft raten, woher ich das weiß.

Im nächsten Schritt trennt man (also ich) die beiden Halbjahres-Kalender behutsam aus der Broschüre. Die Monatsüberschriften befinden sich bedauerlicherweise auf anderen Blättern der Broschüre. Ich schnippele sie zurecht, um sie oben an den Kalender zu kleben und übersehe dabei, dass sich auf der Rückseite der Überschriften „Juli“ bis „Dezember“ der Kalender des ersten Halbjahres befindet, der nun zerschnitten ist. Die Angelegenheit ist doch komplizierter als vermutet.

Zum Glück habe ich durchsichtigen, extra breiten Klebefilm vorrätig. Nach der Reparatur des Blattes beginne ich, die lustigen kleinen Mülleimer-Symbole in die passenden Tageszeilen zu pappen. Ich versuche, systematisch vorzugehen; zuerst kümmere ich mich um alle blauen Eimerchen, dann kommen die gelben, dann die braunen und zum Schluss die schwarzen. Die Klebchen kleben wirklich gut, vor allem an meinen Fingern. Die Stadt hat das aber wohl vermutet und deshalb mehr mitgeliefert, als benötigt werden.

Spannend wird es bei den vielen Ausnahmen. So ein Jahr hat ja Feiertage. Und an Feiertagen verschieben sich die Abfuhrtermine, sowohl vorwärts als auch rückwärts, denn sonst wäre es zu einfach. Die Verschiebungen sind auf Seite 4 erläutert. Aber wo ist Seite 4, wenn man die komplette Broschüre in viele Einzelteile zerlegt hat? Ah, da, auf der Rückseite von Seite 38 und zum Glück noch nicht in der blauen Tonne.

Damit steht der Vollendung des Werkes nichts mehr im Wege:

Entsorgungstermine

Der Kalender für die erste Jahreshälfte hängt nun im Hausflur, damit sich auch meine ausnahmslos freundlichen und hilfsbereiten Nachbarn daran erfreuen können.
Wenn ich mir überlege, wie einfach das Leben früher (ja, ich bin schon recht alt) war. Da wusste man, am Mittwoch kommt die Müllabfuhr, und gut ist. Was mich wiederum an ein Vorkommnis aus meiner Schulzeit erinnert.

In einem meiner letzten Schuljahre hatten wir mittwochs in der ersten Stunde Englisch bei Frau P. Unser Klassensprecher, nennen wir ihn Karl, kam dazu mit schöner Regelmäßigkeit etwas zu spät. Zu seinen Aufgaben zuhause gehörte es, mittwochs den Mülleimer hinauszustellen, und das überforderte wohl sein Zeitmanagement ein wenig.
Am ersten Mittwoch im Dezember kam er wiederum zu spät. Frau P., die das natürlich nicht zum ersten Mal erlebte, erkundigte sich süffisant nach dem Grund seiner Verspätung. Karl antwortete, nicht ganz erwartungsgemäß:
„Entschuldigung, aber ich habe heute die Tür meines Adventskalenders nicht aufbekommen.“

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