Was lange währt

Heute wurde dieser Pullover nach einem Jahr Strickzeit endlich fertig. Das Leibteil, in Runden bis zu den Ärmelabnahmen und dann in Reihen weitergestrickt, ist aus Jaeger “Winterspun”, einer längst nicht mehr erhältlichen reinen Schurwolle. Das Garn ist superdick, es hat nur 66 m Lauflänge auf 100 g. Der Grundfaden ist ein dickes weißes Dochtgarn, umsponnen mit einem erdbeerroten Boucléfaden. Da ich nur 1 kg, also 660 m, davon hatte, war mir klar, daß es für einen Pullover mit Ärmeln nicht reichen würde. Zum Glück fand sich aber in meinem Vorrat eine dünne Schurwolle in genau dem passenden Rot-Ton (Stahlsche Wolle “Skyline”, auch nicht mehr erhältlich). Und so designte ich mir einen Raglanpullover mit gerippten Ärmeln aus dünner Wolle.

Raglan-Rollkragenpullover

An den damit verbundenen technischen Problemen hatte ich ziemlich lange zu grübeln. Mir war lange Zeit nicht klar, wie ich bei so unterschiedlichem Gestrick überhaupt die Ärmel einsetzen könnte. Letztlich habe ich sie mit Kettmaschen eingehäkelt und dabei vom dünnen Gestrick nur jede zweite bis dritte Reihe erfaßt.
Dann war da noch die Frage, wie man Maschen für den Kragen aus den Ärmeln aufnehmen konnte. Das ging dann aber ziemlich einfach, nachdem ich die oberen Ärmelmaschen erst einmal abgekettet hatte: Aus jeder 4 M breiten Rippe wurde 1 M mit dem dicken Garn aufgenommen. Dazu piekste ich mit einer dünnen Nadel durch das Rippenmuster, holte den Faden durch und hob dann auf die dicke Nadel für das Kragenmuster.

Ja, der Kragen. Mitten beim Kragenstricken (mit zwei Rundnadeln, weil ich kein Nadelspiel in 12 mm Stärke habe) ging mir doch glatt eine der beiden Nadeln kaputt.

defekte Stricknadel

Die Maschen wollten auf dem Schlauch überhaupt nicht rutschen, so daß ich an der Nadel zerrte, um sie zu verschieben. Dabei riß die Metallspitze irreparabel ab.
Zum Glück war es noch vor 12 Uhr, und ich schaffte es noch zum hiesigen Wolle Rödel, wo ich eine neue Nadel, mit dünnerem Seil, bekam. Mit der strickte es sich dann wesentlich leichter.
Wer Nadeln mit so stumpfen Seilen wie dieses dicke herstellt, sollte eigentlich dazu verdonnert werden, damit mal eine Woche lang zu stricken. Vielleicht würde er sich dann eine bessere Lösung überlegen.

A propos dicke Nadeln, wieso behauptet die Strickpresse eigentlich immer noch, dickes Gestrick werde besonders schnell fertig und sei für Anfänger gut geeignet? Ich finde, das Gegenteil ist der Fall. Nie strickte ich so langsam wie mit diesem megadicken Zeug. Jede Masche ist dabei richtig Arbeit, gleichmäßiges Stricken ist ziemlich schwierig. Und ein Anfänger hat damit sicher noch mehr Probleme als ich.

Mit dem fertigen Werk bin ich dennoch sehr zufrieden. Der Pullover ist genauso geworden, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Er paßt gut, er ist bequem, und er wärmt natürlich.

Jetzt sind noch zwei Stränge à 100 g, also 132 m, von dem dicken Garn übrig. Was mache ich bloß damit? Wegwerfen? Habt Ihr Ideen?

2 Gedanken zu „Was lange währt“

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