Die verstrickte Dienstagsfrage 40/2014

Diese Woche gibt’s beim Wollschaf folgende Fragen:
Wieder einmal beschwört ein abwertender Artikel über handarbeitende Frauen einen Shitstorm in Netz herauf.
Was denkst Du?

Ohne das Wollschaf hätte ich, wie Alpi schon schrieb, überhaupt nicht gewusst, dass es diesen Artikel gibt. Ich lese sonst nicht die “Brigitte”, weil ich nicht zu ihrer Zielgruppe gehöre. Nicht mal im Wartezimmer beim Arzt oder beim Friseur, da stricke ich nämlich. Deshalb ist es mir auch herzlich wurscht, ob irgend jemand in irgend einer Redaktion irgend etwas Verallgemeinerndes schreibt und wenn ja, was. Allerdings finde ich es zum Brüllen komisch, dass ausgerechnet in einer Zeitschrift, die ich (möglicherweise falsch) vor allem mit Koch- und Bastelanleitungen assoziiere, jemand gegen Kochen, Basteln und dergleichen wettert. Wir haben aber glücklicherweise Meinungsfreiheit. Und einige der von Frau Fuhljahn genannten Punkte finde ich durchaus zutreffend.

Warum fühlen sich so viele Frauen sofort angegriffen und gehen in den Verteidigungsmodus, sobald jemand abwertend über Handarbeiten schreibt?
Man könnte meinen, der getroffene Hund bellt, und wem ein Schuh (Frauen lieben die ja angeblich in allen Farben und Formen) passt, der zieht ihn sich an. Meine Schuhgröße ist es jedenfalls nicht. Ich fühle mich weder angegriffen, noch habe ich das Bedürfnis, mich gegen Frau Fuhljahn zu verteidigen. Sie vertritt ihre Meinung und findet Martial Arts interessanter als manche Handarbeitsblogs. Wo sie recht hat, hat sie recht: Es gibt leider wirklich grottige Handarbeitsblogs. Es gibt vermutlich auch grottige Martial-Arts-Blogs, nur haben sich bisher wenige Leute auf die Suche nach ihnen gemacht.

Mangelt es der handarbeitenden Frauenwelt vielleicht einfach nur an dem Selbstbewusstsein, über solches Geschreibsel mit einem milden Lächeln hinwegzusehen?
Aber aber, liebes Wollschaf! “Geschreibsel”, was soll dieser (ab)wertende Begriff? 😉
Allerdings könnte Deine Vermutung durchaus korrekt sein. Um einigermaßen zufrieden zu sein, brauchen Menschen nun mal dreierlei: Arbeit, Anerkennung und Liebe. Wem es an sinnvoller Arbeit (das kann auch das Bedienen einer Registrierkasse im Supermarkt sein) mangelt, der bekommt häufig nicht genug Anerkennung. Und wenn die Anerkennung für die geleistete Arbeit fehlt, dann versucht man das eben zu kompensieren, indem man Anerkennung für etwas anderes, beispielsweise nutzloses Selbstgemachtes, erheischt. Der Wunsch nach Anerkennung ist zutiefst menschlich.

Anerkennung bekommt man übrigens am ehesten von Leuten, die beurteilen können, was man gemacht hat. Ein Marathonläufer kann am besten beurteilen, was ein anderer Marathonläufer in einem Rennen leistet. Ein Fachfremder wird kaum erkennen können, welche weltbewegende Entdeckung ein Forscher gemacht hat. Künftige Selbstmordattentäter fachsimpeln sicherlich über die letzten gelungenen Anschläge der eigenen Glaubensbrüder und -schwestern und wie viele Seelen durch sie in ein hoffentlich besseres Jenseits befördert wurden. Und nur wer etwas Nutzloses selbstgemacht hat, kann auch sachkundig die selbstgemachten Nutzlosigkeiten anderer einordnen und loben. Alle anderen verstehen schlicht nicht genug davon.
Liebe beleidigte Frauen, lehnt Euch zurück in Eure hoffentlich selbstgehäkelten Sofakissen, erkennt, dass Frau Fuhljahn keine Ahnung vom Selbermachen hat und vermutlich nur neidisch auf Eure nadelinduzierte Tiefenentspannung ist. Lasst sie reden bzw. schreiben, was sie will. Überlegt Euch, welche Schuhgröße Ihr tatsächlich habt und ob Ihr Euch jeden Schuh anziehen müsst, der entfernt mit Eurem Hobby zu tun hat, egal ob das nun Plätzchenbacken oder Aquarellmalerei ist. Es gibt wahrlich Wichtigeres, über das man sich aufregen könnte, wenn man denn unbedingt wollte.

MeshCon 2014

Vom 10. bis 15. Oktober 2014, also in acht Tagen, findet in Berlin die MeshCon statt. Was das ist? Ein Zusammentreffen von Menschen, die sich interessieren für das Zusammenspiel von Textil und Technik, basierend auf freier und Open-Source Technologie. Dort darf ich beim AYAB-Workshop am Samstag unterstützend mitwirken. Ich muss wohl nicht betonen, dass ich mich sehr darauf freue. 🙂

Wenn Ihr Lust habt auf eine ungewöhnliche Veranstaltung, bei der es um Technik, Textiles und Kreativsein geht, aber eben nicht um Marken und Kommerz, dann kommt hin und schaut herein. Es wäre schön, wenn wir uns dort sehen.

Das große Stricken Veräppeln

Es ist nicht das erste Mal, dass der Smoothie-Hersteller Innocent Strickerinnen dazu aufruft, kleine Mützchen zu stricken, mit denen die Smoothie-Flaschen im Regal optisch aufgepeppt werden sollen. Als Anreiz will das Unternehmen pro Mützchen 20 Cent ans DRK spenden.

Nein, was für eine großartige Idee! Analysieren wir das mal.
Verbrauch für ein Mützchen: Geschätzt fünf Gramm, das ergibt bei 6fach-Sockenwolle in Markenqualität bei einem Garnpreis von etwa 9 Euro/150 g etwa 30 Cent pro Stück; bei günstiger 4fach-Sockenwolle zu 3,60 Euro/100 g wären es etwa 18 Cent. Sonderzubehör wie Fransengarn oder Perlen lassen wir mal außen vor.

Nun kommt noch das Porto hinzu. Ein Standardbrief kostet (derzeit noch) mindestens 60 Cent, wirtschaftlicher wäre es deshalb wohl, eine Sammelsendung in einem Großbrief zu 1,45 Euro mit maximal 500 g Gewicht zu verschicken. Gut gestopft können wir, sagen wir mal, 50 Mützchen darin unterbringen, die einen Garnwert von durchschnittlich 24 Cent haben, macht einen Wert von 12 Euro in Wolle, zuzüglich Porto von 1,45 Euro, insgesamt also 27 Cent pro Mützchen, die Strickzeit wohlgemerkt nicht mitgerechnet. Für diese 27 Cent, die bei Wahl eines teuren Garns und eines ebensolchen Versands durchaus auch zehnmal so hoch sein könnten, zahlt Innocent nun 20 Cent ans DRK. 7 Cent sind also für die Tonne, Eure Zeit sowieso und die Mützchen letztlich auch, denn was will man sonst mit den Dingern anfangen? Für Eierwärmer sind sie zu kurz, für Fingerpuppen zu breit, und die Barbie-Puppen haben auch nur je einen Kopf.

Diese Rechnung geht auch nur deshalb einigermaßen auf, weil ich in meinem Beispiel einen günstigen Versand gewählt habe. Wenn man Kleinstmengen verschickt, wird es wesentlich teurer; den größten Teil der Kosten streicht dabei übrigens die Post ein. Das gilt erst recht, wenn zweimal verschickt wird, einmal von der Strickerin ans DRK und dann nochmals von dort (hier natürlich mit sparsamster Versandart) an Innocent.

Liebe Strickerinnen, hier mein Vorschlag: Ihr tut Euch zu einer Gruppe von vier oder fünf Personen zusammen und spendet gemeinschaftlich fünf Euro ans DRK (oder an Ärzte ohne Grenzen, die das Geld zur Zeit ebenfalls gut gebrauchen können). Die Überweisung übernimmt eine von Euch, die kostenloses Online-Banking betreibt. Statt Minimützchen als Marketing-Gag für ein profitorientiertes Unternehmen strickt Ihr eine Mütze oder ein Paar Fäustlinge für das Flüchtlingsheim, ein beliebiges Altersheim oder die Obdachlosenhilfe in Eurer näheren Umgebung. Die fertigen Teile könnt Ihr bei den entsprechenden Unterstützungsstellen abgeben. Damit hättet Ihr genau so viel oder sogar noch mehr Strickspaß, würdet aber einen wesentlich höheren Wirkungsgrad erzielen und deutlich weniger Müll fabrizieren.

Na, jemand interessiert?

Die verstrickte Dienstagsfrage 39/2014

Diese Woche will das Wollschaf wissen:
Hattest Du schon mal eine Phase akuter Strickunlust?
Wenn ja, was hast Du dagegen unternommen?
Oder hast Du einfach abgewartet, bis die Phase vorüber war?
Wie lange hat die Phase angedauert?
Was hast Du in dieser Zeit stattdessen gemacht?
Gibt es Gründe, woran es gelegen haben könnte?
Vielen Dank an Tichiro für die heutige Frage.

Ja, das kenne ich, und, Zufälle gibt’s, gerade befinde ich mich in so einer Phase, wie man sicherlich unschwer an den fehlenden Einträgen hier im Blog erkennen kann.
Der Hauptgrund bei mir ist immer derselbe: Stress und Zeitmangel. Unternehmen kann man dagegen nichts, außer dass man versucht, diese Ursachen zu beseitigen. Wenn das, wie momentan bei mir, nicht möglich ist, hilft nur das Warten auf bessere Zeiten. Irgendwann kommen die erfahrungsgemäß; es kann allerdings Wochen oder sogar Monate dauern, bis eine schwierige Lage sich wieder beruhigt.
“Stattdessen” erledige ich gerade gefühlt tausende dringende und wichtige Aufgaben, die alles andere verdrängen und mir so gut wie keine Zeit für ein ausgleichendes Hobby lassen. Der Psyche tun solche Situationen nicht gut, aber sie kommen eben alle paar Jahre mal vor, und man muss versuchen, sie irgendwie zu überstehen. Ich hoffe, dass es zum Jahresende hin bei mir wieder etwas entspannter zugeht.

Isser nich niedlich?

Einer meiner Kollegen weiß, dass ich gern die Markierungsringe von elektrischen Zahnbürsten als Maschenmarkierer verwende. Sie sind leicht, dünn, handlich und in mehreren Farben verfügbar, nur haben sie leider die Angewohnheit, sich gelegentlich auf Nimmerwiedersehen in den Staubsauger, in Parkett- oder Sofaritzen oder die unerforschten Tiefen von Rucksäcken und Taschen zu verirren. Deshalb bin ich immer froh, wenn sich Nachschub findet.

Dieses Arrangement lag nun heute morgen auf meinem Schreibtisch:

Maschenmarkierer

Vielen Dank, lieber Kollege!

Eine Miniatur

Als ich heute nachmittag eine Schale frisch gepflückte Brombeeren waschen wollte, lag obenauf eine Beere mit diesem winzigen Geschöpf:

winzige Schnecke auf Brombeere

Eine klitzekleine Schnecke, Länge über alles gerade mal drei Millimeter. Ich brachte es nicht fertig, sie zu ertränken, und legte die Beere samt Bewohner wieder nach draußen. Ich hoffe, der oder die Kleine frisst sich noch etwas Speck an und kommt dann gut durch den Winter.

Die verstrickte Dienstagsfrage 28/2014

Diese Woche fragt das Wollschaf:
Hattet Ihr in Zusammenhang mit Eurem Hobby schon mal ein negatives Erlebnis?
Musstet Ihr Euch vielleicht dumme Sprüche oder abfällige Bemerkungen anhören?
Oder hattet Ihr schon mal Streit mit dem Partner wegen Eurer Wollkäufe oder weil Ihr Euch mehr mit dem Strickzeug als mit ihm beschäftigt?
Wart Ihr womöglich in einen Zickenkrieg unter Wollweibern verwickelt?
Habt Ihr eventuell sogar schon Verletzungen oder andere negative gesundheitliche Folgen -verursacht durch Euer Hobby- erleiden müssen?
Und wenn ja, wie seid Ihr mit der Situation umgegangen?

Danke für diese interessante Frage.
Eine Klage gab es mal: Ein Kind aus der entfernten Verwandtschaft fand bei einem Pullover das von mir verwendete Garn (normales Sockengarn) zu kratzig. Da ich weitgehend Naturfasern verwende und praktisch jede Wolle von empfindlichen Gemütern als kratzig empfunden werden kann, habe ich aufgehört, für dieses Kind zu stricken. An sonstige negative Erlebnisse kann ich mich nicht erinnern. Meine Familie hat sich nie über meine Freude am Stricken beklagt, sondern nimmt im Gegenteil die Ergebnisse erfreut in Empfang und trägt sie mit Stolz. Und das Budget hat glücklicherweise bisher auch für alles gereicht, wobei es natürlich von Vorteil ist, wenn frau ein eigenes Einkommen hat.
Zickenkriegen gehe ich so weit wie möglich aus dem Weg. Ich wundere mich nur gelegentlich, dass manche(r) so viel Energie (,Zeit, Nerven, …) in sinnlose Auseinandersetzungen investiert.
Gelegentliche Verletzungen vor allem durch meine Strickmaschinen sind an der Tagesordnung, wenn wieder einmal ein Gewicht in gefährlicher Nähe meiner Füße unerwartet auf den Boden knallt oder ich mir eine Fingerkuppe an einem vorwitzig herausstehenden Nadelhaken aufreiße. Ansonsten stricke ich nicht so viel, dass dadurch Schäden verursacht werden. Sobald es irgendwo weh täte, würde ich aufhören. Karpaltunnelsyndrom, abgeschnürte Fingerkuppen, von rauen Fäden abgewetzte Hautpartien und ähnliches kenne ich bislang nur vom Hörensagen.

Die verstrickte Dienstagsfrage 27/2014

Diese Woche lautet die Frage beim Wollschaf:
Liebes Wollschaf,
ich wüßte gerne, welche ungewöhnlichen Materialien Ihr schon verarbeitet habt (gehäkelt oder gestrickt): vielleicht Brennesselgarn, Paketschnur, eine besondere oder seltene Wolle oder sogar Draht?
Was wurde daraus hergestellt?
Was hat den Anlaß gegeben/wie kam es dazu?
Was war das Besondere in der Verarbeitung und gab es vielleicht eine Herausforderung dabei?
Vielen Dank an Monika R. für die heutige Frage!

Mit ungewöhnlichen Materialien arbeite ich eher wenig. Das Seltsamste, das ich mal verarbeitet hatte, war eine aufgeschnittene Supermarkt-Plastiktüte. Ich hatte sie zu zwei langen Streifen zerschnitten (da gibt’s ja den Trick, sie von zwei Seiten kammartig ein- und dann die Faltkante partiell aufzuschneiden) und daraus dann einen kleinen Beutel in einem simplen Netzmuster gehäkelt.
Warum? Weil ich einfach mal ausprobieren wollte, was man mit Plastiktüten machen kann. Herausfordernd war daran eigentlich nichts. Man konnte mit dem Beutelchen hinterher auch nicht wirklich etwas anfangen, es war sehr klein und sah nicht besonders ansprechend aus. Das Ergebnis motivierte mich jedenfalls nicht dazu, Plastiktüten für ein größeres derartiges Projekt zu sammeln. Normalerweise verwende ich beim Einkaufen ohnehin (alte) Stofftaschen.

Die verstrickte Dienstagsfrage 23/2014

Diese Woche bringt das Wollschaf eine Frage von Distel:
Liebes Wollschaf,
ich muss aus aktuellem Anlass etwas fragen: worauf spannen du und deine Schäfchen-Fans Strickstücke, die nun mal gespannt werden müssen? Ich bin noch nicht auf eine leichte, schnelle, kostengünstigste und funktionierende Lösung gekommen. Danke für deine Hilfe.
Vielen Dank an Distel für die heutige Frage!

Seit Ewigkeiten ,genauer gesagt, seit der Zeit, als ich Strickaufträge annahm, ca. 1988, spanne ich alles, was des Spannens oder präziser Maße bedarf, auf Spannunterlagen mit Zentimeter-Einteilung. Die Dinger eignen sich aber nicht für Parkett, Laminat oder Fliesen, weil sie nicht dick genug sind, um längere Nadeln zu halten. Deshalb kommen sie zuerst auf eine Dämmplatte.
Ich stecke mit Schwesternnadeln, das sind die relativ großen mit dem dicken weißen Kopf. Und um längere Strecken möglichst gerade spannen zu können, habe ich dünne Kohlefaserstäbe angeschafft. Das ist sicherlich nichts, was kostengünstig und sofort funktioniert, weil man all diese Sachen ja erst einmal beschaffen muss. Aber langfristig hat es sich für mich bewährt.

Die verstrickte Dienstagsfrage 20/2014

Diese Woche hat das Wollschaf gewissermaßen eine Grundsatzfrage:
Warum macht ihr bei der Verstrickten Dienstagsfrage mit?
Ist es einfach eine Möglichkeit, regelmäßig zu bloggen?
Interessiert euch, was andere zur gestellten Frage antworten?
Versucht ihr durchs Verlinken bei den Antworten mehr Besucher zu bekommen?
Antwortet ihr auf jede Frage oder nur auf die, zu denen ihr wirklich etwas zu sagen wisst?
Vielen Dank an Jana für die heutige Frage!

Antworten auf Dienstagsfragen schreibe ich genau dann, wenn ich glaube, damit einen oder mehrere Aspekte der Fragestellung sinnvoll und/oder hilfreich zu beleuchten.
Und die Antworten der anderen lese ich genau dann, wenn mich das Thema interessiert.
Es gibt durchaus Fragen, zu denen mir nichts Vernünftiges einfällt, die ich langweilig finde oder die mich schlichtweg nicht betreffen. In so einem Fall spare ich mir die Zeit und Mühe, eine Antwort zu verfassen und erspare meinen Lesern so manchen nutzlosen Beitrag.