Etwas krumm, etwas schief

Anfang vergangenen Monats hatte ich eine größere Menge „Mary’s Triangles“ für einen Quilt genäht. Als ich sie probeweise aneinander legte, stellte ich fest, dass acht von ihnen das Mindestmaß merklich unterschritten. Sie waren so klein geraten, dass ich sie nochmals nähen musste.

Offenbar fehlt mir das Talent zum millimetergenauen Zusammennähen. Und wenn ein Block genäht, zerschnitten und nochmals zusammengenäht wird, addieren sich natürlich die Fehler, was in meinem Fall dazu führt, dass vom Stoff subtrahiert wird, bis der Block zu klein ist. Glücklicherweise hatte ich noch ausreichend große Stoffstücke übrig.

Das Muster fand ich im „Big Book of Scrappy Quilts“. Dort bilden drei senkrechte Reihen von stilisierten Herzen nebeneinander einen großen Quilt mit dem Titel „Hearty Blend“. Die Herzformen entstehen aus nur zwei verschiedenen Vierer-Reihen übereinander. Ich brauchte etwas Schmales, das maximal 52 cm breit sein durfte. Vier Blöcke à 10 cm nebeneinander plus einer einfarbigen Bordüre sollten exakt passen.

Die Blöcke enthielten unterschiedliche Stoffe in verschiedenen Zusammenstellungen, und ich hatte den Ehrgeiz, dass keine gleichen Stoffe aneinanderstoßen sollten, außer bei den kleinen Quadraten. Das klappte auch einigermaßen. Um die mühsam ermittelte Reihenfolge nicht durcheinanderzubringen, sortierte ich die 10-cm-Blöcke in ordentliche Häufchen und begann mit dem Zusammennähen. Sehr schnell stellte ich fest, wie schwierig es ist, die Kreuzungspunkte präzise aufeinandertreffen zu lassen, wenn schon die kleinen Blöcke nicht perfekt sind. Dieses Muster ist nichts nichts für schlampige Anfänger wie mich, die höchstens zufällig mal eine gerade Naht zuwege bringen. Mühsam pflügte ich mich durch die Stoffhäufchen, bis zwei Sorten von Vierer-Reihen entstanden waren. Die mussten nun noch abwechselnd übereinander genäht werden. Auch dabei passten die Kreuzungspunkte kaum mal exakt zusammen, aber das war nun egal.

Als Bordüre wählte ich simple weiße Rollup-Streifen. Damit war das Quilt-Top fertig. Als nächstes bügelte ich die Einlage auf den Stoff. Um das Bügelbrett vor Klebstoff zu schützen, legte ich vorher ein größeres Handtuch drüber, man lernt ja aus schlechten Erfahrungen. So klappte das Aufbügeln ohne unangenehme Überraschungen. Der Stoff für die Rückseite ist ebenfalls weiß, mit einem kleinen Ton-in-Ton-Muster. Das Feststecken war in diesem Fall unproblematisch, weil die Einlage nicht mehr verrutschen konnte.

Dann ging es ans eigentliche Quilten. Ein Freihand-Muster traute ich mir nicht zu, denn die Ergebnisse meiner Übungen der letzten Wochen waren eher kläglich. Also blieb es bei geraden Linien mit dem Obertransportfuß, die die stilisierte Herzform betonten. Ich wählte sie so, dass ich den Faden praktisch nicht abschneiden und neu ansetzen musste. Der weiße Rand bekam ein gesondertes Muster; es ist aus dem Büchlein „Walking Foot Quilting Designs“ von Melissa Marginet (erhältlich über Etsy) und heißt „Boomerang“. Man kann es in einem Zug mit drei Zickzack-Linien ringsherum nähen, und im Buch finden sich auch zwei Varianten für die Gestaltung der Ecken.

Zu guter Letzt brachte ich noch ein Binding in dunkelstem Blau an. Es besteht wie die weiße Bordüre aus Rollup-Streifen, die hier mit schrägen Nähten verbunden werden, um die erforderliche Länge zu erreichen. Eigentlich sollen auch dabei der erste und letzte Streifen mit Diagonalnaht zusammengefügt werden. Aber nachdem ich drei Fehlversuche mit verdrehtem Binding hinter mir hatte, gab ich auf und nähte die Enden gerade zusammen. Das ergab zwar einen unschönen Wulst an einer Stelle, aber mein freundlicher Obertransportfuß überwand auch dieses Hindernis.

Hier seht ihr das Ergebnis meiner Bemühungen:

Quilt, komplett

Das gute Stück im Ganzen

Quilt-Detail

Quilting-Detail

Der fertige Quilt ist 50 cm breit und 170 cm hoch bzw. lang. Wieviel Stoff ich im einzelnen dafür benötigt habe, kann ich nicht genau sagen. Mir ging es nur darum, möglichst passende Farben zu verwenden, die zu Aquatinta-Porzellan passen.

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